Paul Kirchhof schreibt: „Freiheit sucht nach Autorität, findet in Autoritäten Halt. Autorität kann helfen, den Blick weiten und befreien, braucht aber neben der Autoritätsperson auch die kritischen Autoritätsbereitschaft dessen, der prüft, ob und welcher Autorität er folgen will.“ Der heute suchende Mensch ist nicht darauf angewiesen, nach Autoritäten zu denken und zu handeln. Er wird sich aber des eigenen Denkens durch Auseinandersetzung mit einer klassischen philosophischen, literarischen, religiösen und rechtlichen Überlieferung vergewissern. Darin mag das Eingeständnis eigener Schwäche liegen. Sicher ist es aber einen noch viel größere Schwäche, wenn einer sich einer solchen Selbstprüfung am Maßstab kultureller Texte nicht stellt und vorzieht, den Narren auf eigene Faust zu spielen. Dr. jur. Paul Kirchhof ist Seniorprofessor distinctus für Staats- und Steuerrecht an der Universität Heidelberg.
Allgemein
Im Arche Literaturkalender 2026 geht es um das Thema „Herz und Verstand“
Der Arche Literaturkalender ist ein Klassiker. Auch 2026 ist er der unverzichtbare Begleiter durch das literarische Jahr. Herausgeberin Angela Volknant versammelt unter dem Thema „Herz und Verstand“ bekannte Autorinnen und Autoren aus aller Welt, aber auch solche, die es noch zu entdecken gilt. Zu den weltberühmten Autoren zählt ohne Zweifel James Joyce. „Sein Herz tanzte auf ihren Bewegungen wie ein Korken auf einer Welle. Er hörte, was ihre Augen unter dem Schal zu ihm sagten, und wusste, dass er in irgendeiner dunklen Vergangenheit, sei es im Leben oder in der Träumerei, ihre Geschichte schon einmal gehört hatte.“ Schon der Debütroman „Ein Porträt des Künstlers als junger Mann“ von James Joyce lässt erahnen, dass hier ein Schriftsteller großen Formats die Bühne betritt.
Viele Arbeitnehmer nähern sich dem Rentenalter
„Die Natur verabscheut die Alten“, schrieb Ralph Waldo Emerson, als das Industriezeitalter noch in den Kinderschuhen steckte. Nouriel Roubini ergänzt: „Moderne Beobachter kommen zu demselben Schluss, wenn auch aus Gründen, von denen der Denker noch nichts ahnte.“ In den Industrienationen, vor allem in Japan und Europa, aber auch in den Vereinigten Staaten, nähern sich viele Arbeitnehmer dem Rentenalter. Nouriel Roubini hat nichts gegen das Alter. Kein Mensch entgeht ihm. Aber in Volkswirtschaften, die den Höhepunkt des Wachstums überschritten haben, kann eine alternde Arbeitnehmerschaft eine Verkettung von Problemen mit sich bringen. Mit der Alterung geht die Zahl der nachrückenden Arbeitnehmer zurück, die Investitionen in neue Maschinen sinken und mit ihnen die Produktion. Nouriel Roubini ist einer der gefragtesten Wirtschaftsexperten der Gegenwart. Er leitet Roubini Global Economics, ein Unternehmen für Kapitalmarkt- und Wirtschaftsanalysen.
Durch Messungen und Berechnungen lassen sich Erkenntnisse gewinnen
Das Universum ist eine Maschine, und deren Bestandteile können gemessen werden – das ist eine der Grundannahmen der mechanistischen Ideologie. Mattias Desmet weiß: „Messungen und Berechnungen sind das Fundament ihrer Art und Weise, Erkenntnisse zu gewinnen. Und dieses epistemologisches Ausgangspunkt hat Folgen für das gesellschaftliche Idealbild.“ Das ist an diese Ideologie gekoppelt und lässt sich in etwa so beschreiben: Die Gesellschaft wird idealiter von Experten-Technokraten geführt, die auf der Grundlage objektiver, zahlenmäßiger Informationen Entscheidungen treffen. Mit der Coronakrise kommen wir einer solchen Gesellschaft plötzlich sehr nahe. Diese Krise ist daher auch ein prädestinierter Fall, um das Vertrauen in Messungen und Zahlen einer kritischen Analyse zu unterwerfen. Mattias Desmet ist Professor für Klinische Psychologie an der Abteilung für Psychoanalyse und klinische Beratung der Universität Gent.
Selbstfindung ist eine Illusion
Der Schlafende ist nicht nur ein Wesen, das seine Geschichtlichkeit verloren hat, das sich ins Unhistorische transzendiert, sondern der schlafende Mensch ist auch ein Wesen, das sein Ich verloren hat. Konrad Paul Liessmann stellt fest: „Im Schlaf können wir über uns keine Auskunft geben, im Schlaf können wir uns nicht zu uns selbst verhalten. Damit fehlt dem Schlafenden aber die Grundvoraussetzung, um überhaupt von einem Selbst sprechen zu können.“ Sören Kierkegaard hat das Selbst einmal folgendermaßen definiert: „Das Selbst ist ein Verhältnis, das sich zu sich selbst verhält.“ Das Selbst ist eine ontologische Entität im Menschen, die gesucht werden könnte: Selbstfindung ist eine Illusion. Konrad Paul Liessmann ist Professor emeritus für Philosophie an der Universität Wien, Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist.
Pyrrhon von Ellis begründet die Skepsis
Ludwig Marcuse schreibt: „Die Angst vor dem Wechsel, im Leben des Einzelnen und der Gesellschaft, trieb die Philosophen zur Erfindung des Ewigen.“ Pyrrhon von Ellis lebte etwas 300 vor Christus und war der legendäre Begründer der Skepsis. Axel Braig hat begonnen, seiner Umwelt mitzuteilen, dass er auf die Vorstellung der einen großen Wahrheit verzichten möchte. Erfahrungen und Wahrnehmungen des Lebens haben sich zu einem für neue Erfahrungen offenen, aber ansonsten durchaus stabilen Netz von Überzeugungen zusammengefügt. Axel Braig erklärt: „Dieses Netz bildet eine meist brauchbare Grundlage für viele Entscheidungen. Diese treffe ich täglich und meistens ganz ohne nachzudenken. So komme ich auch ohne die gefühlte Sicherheit einer angeblich absoluten Wahrheit durchs Leben.“ Axel Braig wandte sich nach Jahren als Orchestermusiker und Allgemeinarzt erst spät noch einem Philosophiestudium zu.
Die Zivilgesellschaft verschwand aus der ökonomischen Debatte
Als die keynesianische Fiskalpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung gewann, verschwand der zivilgesellschaftliche Strang der ökonomischen Debatte aus dem politischen Diskurs Amerikas. Michael J. Sandel erläutert: „Die Wirtschaftspolitik kümmerte sich mehr um Größe und Verteilung des Nationalprodukts und weniger um die Voraussetzungen der Selbstverwaltung. Wirtschaftliche Regelungen wurden von den Amerikanern zunehmend als Werkzeuge für den Konsum angesehen und nicht als Schulen für die Zivilgesellschaft.“ Der Bildungsanspruch wich der profaneren Hoffnung darauf, die Früchte des Wohlstands zu mehren und zu verteilen. Der Staat sollte keine tugendhaften Bürger heranziehen, sondern die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen als gegeben annehmen und eine Politik verfolgen, die darauf abzielt, sie so umfassend und fair wie möglich zu befriedigen. Michael J. Sandel ist ein politischer Philosoph. Er studierte in Oxford und lehrt seit 1980 in Harvard. Er zählt zu den weltweit populärsten Moralphilosophen.
Moralischer Fortschritt ist ein ewiger Prozess
Markus Gabriel stellt fest: „Moralischer Fortschritt hat keine Ziellinie. Er ist ein ewiger, niemals abzuschließender Prozess, auch deswegen, weil sich die nichtmoralischen Tatsachen ständig verändern.“ Weil Menschen geistige, geschichtliche Lebewesen sind und sich die Natur ebenfalls dauernd transformiert, gibt es kein endgültiges moralisches Ergebnis. Sondern es gibt nur eine nie gänzlich erfüllte Aufforderung, das Richtige zu tun und das Falsche zu unterlassen. Moral geleitet die Menschen nicht in ein irdisches Paradies. Und die universellen Werte führen nicht automatisch in einen Endzustand der menschlichen Versöhnung mit der Natur und allen Menschen. Es gibt eine sehr menschliche Neigung, das eigene Verhalten als moralisch richtig und das von anderen als fragwürdig einzustufen. Markus Gabriel hat seit 2009 den Lehrstuhl für Erkenntnistheorie und Philosophie der Neuzeit an der Universität Bonn inne. Zudem ist er dort Direktor des Internationalen Zentrums für Philosophie.
An Universitäten wird um gendersensible Wortwahl gebeten
Die heutige Sprachsensibilität lässt sich am Grad ihrer Normierung messen. Svenja Flaßpöhler stellt fest: „Gendergerechtes Sprechen ist in zahlreichen Institutionen inzwischen die Regel. Insbesondere an Universitäten wird um gendersensible Wortwahl eindringlich gebeten.“ Im September 2020 erließ der Berliner Senat einen Leitfaden für diversitysensibles Sprechen. Anstatt „Ausländer“ solle fortan „Einwohnende ohne deutsche Staatsbürgerschaft“ gesagt werden. Das Wort „Schwarzfahrer“ müsse ebenfalls vermiede und durch „Fahrende ohne gültigen Fahrschein“ ersetzt werden. Für das Verständnis der gegenwärtigen Debatten ist es notwendig, die sprachphilosophischen Wurzeln der neuen Feinfühligkeit genauer zu beleuchten. Fundamental für das Verständnis der Gegenwart ist, wissenschaftshistorisch gesehen, der sogenannte „linguistic turn“, zu Deutsch die „linguistische Wende“. Gemeint sind damit sprachwissenschaftliche und sprachphilosophische Ansätze, die bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurückreichen und sprachlichen Zeichen Realitätseffekte zuschreiben. Svenja Flaßpöhler ist promovierte Philosophin und Chefredakteurin des „Philosophie Magazin“.
Joseph Stiglitz benennt die Mängel der Globalisierung
Es bringt nichts, die Globalisierung einfach in ihrem bisherigen Ordnungsrahmen weiter voranzutreiben. Joseph Stiglitz erläutert: „Wir können in den kommenden Jahrzehnten nicht genauso weitermachen wie in den letzten 30 Jahren. Denn dies wird vermutlich noch mehr Leid, noch mehr politische Wirren verursachen.“ Die Globalisierung wurde in der Vergangenheit auf der Grundlage einer Reihe falscher Prämissen gemanagt. Nämlich, dass alle Menschen davon profitieren und es genüge, die Globalisierung in wirtschaftlicher Hinsicht gut zu gestalten. Man ließ die Arbeitnehmer wissen, dass sie sich aufgrund der Globalisierung mit niedrigeren Löhnen, schlechteren Arbeitsbedingungen und Kürzungen wichtiger staatlicher Leistungen abfinden müssten. Diese Maßnahmen dienten dazu, die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Ländern zu erhalten. Joseph Stiglitz war Professor für Volkswirtschaft in Yale, Princeton, Oxford und Stanford. Er wurde 2001 mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet.
Niemand weiß wie viele Arten es auf der Erde gibt
Die Vielfalt der Natur hat drei Dimensionen: Ökosysteme, Gene und Arten. Dirk Steffens und Fritz Habekuss erläutern: „Letztere haben den praktischen Vorteil, dass man sie relativ einfach zählen kann. Ein Zebra hier, eine Pusteblume da und eine Motte dort. Am Ende addiert sich das auf Millionen. Wie viele Millionen ist unbekannt.“ Denn selbst die scheinbar einfachste Frage ist erstaunlich schwer zu beantworten: Wie viele Arten gibt es überhaupt auf der Erde? Niemand weiß es. Die Forschenden streiten sogar darüber, was eine Art überhaupt ist. Biologen kennen mindestens 24 verschiedene Ansätze, um das Konzept einer Art zu definieren. In ihrem Buch „Über Leben“ erzählen der Moderator der Dokumentationsreihe „Terra X“ Dirk Steffens und Fritz Habekuss, der als Redakteur bei der „ZEIT“ arbeitet, von der Vielfalt der Natur und der Schönheit der Erde.
Computer-Logik generiert scheinbar Sicherheit
Rebekka Reinhard behauptet: „Wer die verblödete Vernunft über die Welt stülpt, sieht alles gestochen scharf.“ Sämtliche Widersprüche sind bereinigt. „Schlecht“ und „falsch“ stecken akkurat zusammengefaltet im dafür vorgesehenen Kästchen, „echt“ und „wahr“ im Kästchen gegenüber. Und das sind noch zwei für „männlich“ und „weiblich“. Alles klar. Computer-Logik macht glücklich und kennt keine Angst. Angst haben nur Leute, die sich von inneren Zuständen leiten lassen. Computer-Logik weiß, wie man Sicherheit generiert. Katastrophen sind wie Krisen: einfach irre Neuigkeiten, die zum Alltag gehören wie die neueste Dramaserie. So schlimm kann eine Kernschmelze nicht sein, wenn man Tschernobyl jetzt streamen kann. Oder? Solange sie entweder nicht mehr oder noch nicht da ist, ist Zeit für weitere Serienerlebnisse. Die Philosophin Rebekka Reinhard ist seit 2019 stellvertretende Chefredakteurin des Magazins „Hohe Luft“.
Der singularistische Lebensstil formt den Körper
Auch der Körper ist in der Spätmoderne zu einem Gegenstand des singularistischen Lebensstils geworden. Das Bürgertum und der alte Mittelstand übten sich noch in ausgesprochener Körperzurückhaltung. Dagegen macht die neue Mittelklasse den Körper zu einem Gegenstand bewusster Gestaltung, Aktivierung und Erfahrung. Andreas Reckwitz erläutert: „Er wird in Bewegung gesetzt, und die spätmoderne Identität speist sich in erheblichem Maße aus primär körperbezogenen Praktiken.“ Zudem finden hier unerbittliche Prozesse der kulturellen Valorisierung statt. Die gesunden und gewandten Körper stehen den ungesunden, übergewichtigen und unbeweglichen Körpern gegenüber. Die industrielle Moderne hatte den Körper weitgehend funktionalisiert. Er war entweder Mittel zum Zweck der Erwerbsarbeit oder wurde – bei den „Kopfarbeitern“ – stillschweigend übergangen. Andreas Reckwitz ist Professor für Kultursoziologie an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt / Oder.
Diskriminierung erfreut sich gegenwärtig großer Beliebtheit
Der Begriff der Diskriminierung erfreut sich gegenwärtig großer Beliebtheit und breiter Anwendung. Alexander Somek erläutert: „Das mag daran liegen, dass eine gesellschaftliche Benachteiligung, insofern es sich nicht um eine Wettbewerbsverzerrung handelt, sich als Diskriminierung darstellen lassen muss, um überhaupt normativ relevant zu sein.“ Wer nicht glaubhaft machen kann, diskriminiert worden zu sein, der gilt als wirklich weniger qualifiziert als die anderen oder bestenfalls als glückslos. Die betreffende Person hat dann entweder ihren Nachteil verdient oder schlicht Pech gehabt. Von einem Vorteil, den andere genießen, ungerechtfertigt ausgeschlossen zu sein, kann auf direkter oder indirekter Diskriminierung beruhen. Im ersten Fall misst man einem Merkmal Relevanz zu, obwohl es eigentlich irrelevant ist. Alexander Somek ist seit 2015 Professor für Rechtsphilosophie und juristische Methodenlehre an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.
Was ist der Unterschied zwischen Dampfen und Rauchen?
Die steigende Popularität von E-Zigaretten hat zu einer verstärkten Diskussion über die Unterschiede zwischen dem Dampfen und dem Rauchen geführt. Viele Menschen betrachten E-Zigaretten als potenziell weniger schädliche Alternative zu herkömmlichen Zigaretten. In diesem Artikel werden wir die grundlegenden Unterschiede zwischen dem Dampfen und dem Rauchen untersuchen, um ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, wie … Weiterlesen
Ökonomie und Polarisierung entmachten die Demokratie
In seinem Buch „Das Unbehagen in der Demokratie“ beschreibt Michael J. Sandel wie nicht rechenschaftspflichtige Macht und verfestigte Polarisierung zusammenhängen. Beide entmachten demokratische Politik. Der Autor schreibt: „Die Kulturkämpfe sind so kontrovers und unwiderstehlich, dass sie uns davon abhalten, gemeinsam das System von einseitiger Manipulation zu befreien.“ Um die amerikanische Demokratie wieder aufleben zu lassen, muss man zwei Fragen erörtern. Wie kann man die Wirtschaft so reformieren, dass sie demokratischer Kontrolle unterliegt? Und wie kann man die Polarisierung abschwächen, damit die Amerikaner die Fähigkeit erlangen, sich zu effektiven demokratischen Bürgern zu entwickeln? Es kommt also darauf an, einerseits wirtschaftliche Macht zur Verantwortung zu ziehen und andererseits die Bürgerschaft zu stärken. Michael J. Sandel ist ein politischer Philosoph. Er studierte in Oxford und lehrt seit 1980 in Harvard. Er zählt zu den weltweit populärsten Moralphilosophen.
Macht kann aktiv oder passiv wirken
Es gibt die sehr eingängige Vorstellung, dass soziale Macht eine Fähigkeit ist, die Menschen als soziale Akteure haben, um den Verlauf der Dinge in der Gesellschaft zu beeinflussen. Miranda Fricker hält zunächst einmal fest, dass Macht aktiv oder passiv wirken kann: „Zwischen aktiver und passiver Macht besteht ein Abhängigkeitsverhältnis. Denn die passive Macht schwindet im gleichen Maße, in dem die aktive Macht schwindet.“ Ein zweiter Punkt ist folgender: Macht ist eine Fähigkeit, die auch in jenen Zeiten Bestand hat, in denen sie nicht ausgeübt wird. Michel Foucault behauptet bekanntlich: „Macht existiert nur in actu.“ Miranda Fricker ist Professorin für Philosophie an der New York University, Co-Direktorin des New York Institute für Philosophy und Honorarprofessorin an der University of Sheffield.
Warum Tastings zuhause ein besonderes Genusserlebnis bieten
Gin-Tastings haben in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen und sind zu einem bedeutenden Trend geworden. Sie bieten die Möglichkeit, die Vielfalt und die unterschiedlichen Aromen des Gins kennenzulernen und zu erkunden. Durch die Durchführung von Tastings zuhause entsteht ein besonderes Genusserlebnis, da man in einer vertrauten Umgebung ist und sich voll und ganz auf … Weiterlesen
Markus Gabriel erforscht die Komplexität
Viele Menschen kennen das Problem, dass die Komplexität des modernen Alltags enorm gestiegen ist. Daher können sie manchmal nicht mehr nachvollziehen, wie eigentlich individuell die richtige Entscheidung zu treffen ist. Manche Menschen ergeben sich deshalb dem Zynismus und glauben, moralisch anspruchsvolle Politik sei gar nicht möglich. Sie wollen den eigenen Wohlstand auf Kosten anderer sichern. Markus Gabriel kritisiert: „Wer so denkt, rechtfertigt sich selbst gegenüber moralischen Widersprüchen, die bei Lichte betrachtet schwer erträglich sind. Allerdings täuscht der Eindruck eines nicht auflösbaren Knäuels ethischer Schwierigkeiten.“ Bei genauer Betrachtung gibt es für Markus Gabriel keine wirklichen ethischen Dilemmata, also keine unauflösbaren Situationen. Markus Gabriel hat seit 2009 den Lehrstuhl für Erkenntnistheorie und Philosophie der Neuzeit an der Universität Bonn inne. Zudem ist er dort Direktor des Internationalen Zentrums für Philosophie.
Sartre war ein atheistischer Existentialist
Im Jahr 1945, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, hielt Jean-Paul Sartre seine berühmt gewordene Rede „Der Existenzialismus ist ein Humanismus“. Darin ist keine Spur von Religiosität und nicht einmal mehr des Ringens darum zu finden. Ger Groot weiß: „Sartre geht von einem unproblematischen Atheismus aus, der keiner Rechtfertigung bedarf – und auch keine erhält.“ Er stellt fest, dass es zwei Arten von Existentialisten gibt: „Die ersten sind Christen, zu ihnen würde ich Karl Jaspers und Gabriel Marcel zählen. Und dann gibt es die atheistischen Existentialisten, zu denen man Matin Heidegger sowie die französischen Existentialisten und mich selbst zählen muss.“ Ger Groot lehrt Kulturphilosophie und philosophische Anthropologie an der Erasmus-Universität Rotterdam und ist Professor für Philosophie und Literatur an der Radboud Universität Nijmegen.
Billiges Geld führt zu Spekulationsblasen
Seit vier Jahrzehnten beschäftigt sich Nouriel Roubini mit Schuldenkrisen und deren Bekämpfung. Und zwar nicht nur als Wissenschaftler, sondern auch als Wirtschaftsberater der US-Regierung. Einige Krisen blieben auf eine Region begrenzt, andere erfassten die gesamte Weltwirtschaft. Manche hinterließen kaum Spuren, andere vernichteten ganze Wirtschaftssektoren und viele Millionen Existenzen. Niemand kann so tun, als hätte er oder sie alle Antworten auf ein derart komplexes Problem wie die Gestaltung der Wirtschaftspolitik parat. Doch so viel weiß Nouriel Roubini inzwischen: „Erfahrung ist kein guter Lehrmeister. Unbeirrt machen wir immer wieder dieselben Fehler. Ein ums andere Mal lassen wir zu, dass sich unter dem Einfluss des Überschwangs und einer Politik des billigen Geldes Spekulationsblasen aufblähen. Und ein ums andere Mal platzen diese Blasen.“ Nouriel Roubini ist einer der gefragtesten Wirtschaftsexperten der Gegenwart. Er leitet Roubini Global Economics, ein Unternehmen für Kapitalmarkt- und Wirtschaftsanalysen.
Spiel ist schöpferisches Tun und Zeit der Eroberung
„Denn … der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Friedrich Schiller weist dem Spiel mit diesen Worten eine herausragende Rolle in seinem idealen Programm zur ästhetischen Erziehung des Menschen zu. Dieses strebt eine schöpferische und glückliche Subjektivität an, wo Leidenschaft und Vernunft, das Schöne und das Gute endlich in erhoffter Harmonie zusammen existieren können. Isabella Guanzini weiß: „Wenn man spielt, vergessen die unterschiedlichen Seelenvermögen ihre Konflikte und Eifersüchteleien. Und alles nimmt einen leichteren Ton an, ohne an Intensität zu verlieren.“ Es ist als gewänne das Spiel jedes Mal diese ursprüngliche Dimension des Lebens zurück. Isabella Guanzini ist Professorin für Fundamentaltheologie an der Universität Graz.
Die Aufklärung fordert einen mündigen Menschen
Paul Kirchhof schreibt: „Die Aufklärung bündelt eine Entwicklung, die in den humanistischen Idealen von Einzelpersönlichkeit und Menschlichkeit, im wissenschaftlichen Weltbild der frühen Neuzeit ihre Wurzeln hat.“ Die Menschen emanzipieren sich von der traditionellen Kirchlichkeit. Sie suchen die Eigenständigkeit der Städte und eines Bürgertums und folgen einem wachsenden Fortschrittsglauben. Die Aufklärung erklärt die bisherigen Menschen für selbstverschuldet unmündig und führt ihn aus seinem Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ ist der Wahlspruch der Aufklärung. Dr. jur. Paul Kirchhof ist Seniorprofessor distinctus für Staats- und Steuerrecht an der Universität Heidelberg. Als Richter des Bundesverfassungsgerichts hat er an zahlreichen, für die Entwicklung der Rechtskultur der Bundesrepublik Deutschland wesentlichen Entscheidungen mitgewirkt.
Frank Berzbach nimmt überall die Schönheit wahr
Die Schönheit ist in vollendeter Form frei von Skepsis, sie kennt keinen Zweifel. Und dies nicht nur in Bezug auf abgetrennten Einzelformen, sondern im umfassenderen Sinn. Frank Berzbach erläutert: „Das Puzzle der Einzelstücke lässt sich über die Wahrnehmbarkeit von Schönheit zusammensetzen. Und dann scheint, ein seltener Moment, alles am rechten Platz zu sein und man selbst mittendrin.“ Es gibt eine Schönheit, deren Teil man wird, wenn man sich ihr aussetzt. Ob in Bezug auf ein Gemälde, einen schönen Menschen, einen Ort oder eine Landschaft. Man spürt die Anwesenheit, eine Stimmung entsteht. Der Philosoph Gernot Böhme hat dies „Anmutung“ und „Atmosphäre“ genannt. Diese können so kraftvoll werden, dass sie die Form von „Halbdingen“ annehmen. Dr. Frank Berzbach unterrichtet Psychologie an der ecosign Akademie für Gestaltung und Kulturpädagogik an der Technischen Hochschule Köln.
Die Philosophie befreit aus der Enge der Gedankenwelt
Menschen denken unterschiedlich. Das scheint unmittelbar einleuchtend und klingt nach einer Selbstverständlichkeit, dennoch vergessen dies viele immer wieder. Man glaubt, dass alle irgendwie ähnlich ticken als man selbst. Ludger Pfeil erklärt: „Enttäuschungen sind da nicht nur zwischen Fremden vorprogrammiert; auch im Gespräch mit Freunden und Partnern fühlen wir uns manchmal unverstanden.“ Die Philosophie bietet wie sonst höchstens die Literatur die Chance, andere Sichten auf die Welt kennenzulernen und einen Menschen aus der Beschränkung der mehr oder weniger engen eigenen Gedankenwelt und der eingefahrenen Argumentationsgleise mindestens zeitweise zu befreien. Einführende Schriften zur Philosophie orientieren sich im Allgmeinen historisch am Lauf der Geschichte oder an den Teildisziplinen der Philosophie. Der Philosoph Dr. Ludger Pfeil machte nach seinem Studium Karriere in der Wirtschaft als Projektleiter und Führungskraft und ist als Managementberater tätig.