Jürgen Habermas kritisiert die Kurzsichtigkeit der europäischen Politik

Die Sonderausgabe der Philosophiemagazins „Impulse für 2026“ enthält wie jedes Jahr ausgesuchte Essays und Gespräche zu den großen Fragen unserer Zeit. Der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas warnt in seinem Beitrag vor einer Rhetorik der Verfeindung und tritt für die Freundschaft mit unseren Nachbarn ein. Gleichzeitig kritisiert er die Kurzsichtigkeit der europäische Politik. Es ist für Jürgen Habermas schwer zu verstehen, warum die führenden Politiker Europas, insbesondere der Bundesrepublik, nicht vorausgesehen haben ober mindestens: warum sie sich blind gestellt haben gegenüber einer in den USA schon seit Längeren angebahnten Erschütterung des demokratischen Systems. Ebenso irritierend war die öffentliche Unempfindlichkeit für den Ausbruch militärischer Gewalt in Europa. Verschwunden schien jedes Gefühl für die abschreckende Gewalt von Kriegen und für die Tatsache, dass Kriege leicht entstehen, aber schwer zu beenden sind.

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Der Mensch hat sich seine eigene Umwelt geschaffen

In seinem Buch „Mensch“ plädiert Josef H. Reichholf dafür, die Menschen so zu nehmen, wie sie sind, nicht wie sie sein sollen. Dann macht man sich keine falschen Hoffnungen. Die drei Kernthesen des Buches lauten: Erstens, dass es „den“ Menschen nicht gib. Zweitens, dass die Natur der Menschen wirkmächtiger ist als ihr Geist. Und drittens, dass die Gegenwart ohne die Vergangenheit nicht zu verstehen und daher die Zukunft auf längere Sicht nicht zu planen ist. Die Menschheit hat heute eine globale Verbreitung erreicht, wie keine andere vergleichbare Art von Lebewesen, von Bakterien und Viren abgesehen. Sie nimmt keine „ökologische“ Nische ein, sondern hat sich von der natürlichen Umwelt verselbstständigt, emanzipiert und sich eine eigene geschaffen. Prof. Dr. Josef H. Reichholf ist Evolutionsbiologe und war bis 2010 Leiter der Wirbeltierabteilung der Zoologischen Staatsammlung München und Professor für Ökologie und Naturschutz an der Technischen Universität München.

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Der Verlust der biologischen Vielfalt hat katastrophale Folgen

Die Menschheit sollte sich nicht nur um ihre Nutztiere sorgen, auch für die in Freiheit lebenden Tiere sieht es düster aus. Viele Probleme treiben den Verlust der biologischen Vielfalt voran. Hannah Ritchie erklärt: „Der Klimawandel beeinträchtigt die Arten, ebenso die Entwaldung, der Verlust ihres Habitats durch Ausdehnung der Ackerflächen, die Jagd für den Fleischkonsum, die Plastikverschmutzung und die Überfischung.“ Unser Konflikt mit den Tieren ist nichts Neues, er besteht seit Jahrtausenden. Im letzten Jahrhundert hat sich die Aussterberate jedoch beschleunigt, und wir müssen uns fragen, ob wir gerade Zeugen des sechsten Massenaussterbens werden. Den Großteil der Menschheitsgeschichte hieß es: wir gegen die Tiere. Bei Plastik im Meer handelt es sich um das „modernste“ Problem, dem sich Hannah Ritchie in ihrem Buch „Hoffnung für Verzweifelte“ widmet. Dr. Hannah Ritchie ist Senior Researcher im Programm für globale Entwicklung an der Universität Oxford.

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In einem Jahr werden 98 Prozent der Atome im Körper ausgetauscht

Indem Menschen atmen, essen, trinken und ausscheiden, wechseln sie die Stoffe, aus denen sie bestehen, permanent aus. Innerhalb eines Jahres werden 98 Prozent aller Atome im menschlichen Körper ausgetauscht. Fabian Scheidler erklärt: „Wenn wir diese Vorgänge quantenphysikalisch betrachten, zeigen sich die scheinbar soliden und statischen Atome darüber hinaus als eine ununterbrochene Fluktuation von energetischen Beziehung, die alles mit allem verbinden.“ Menschen sind keine abgeschlossenen Objekte und auch keine souveränen Herrscher über eine außer ihnen stehende Natur, sondern Austauschwesen, Durchgangsorte, Transformationen. Der Stoff, aus dem Menschen bestehen, ist nicht nur mysteriöser und weit weniger materiell, als man glaubt, sondern auch permanent im Fluss. Dieser Fluss spielt sich auf mindestens zwei ineinander verschränkten Ebenen ab. Der Publizist Fabian Scheidler schreibt seit vielen Jahren über globale Gerechtigkeit.

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Michel de Montaigne lässt jede Vorstellung von Gott hinter sich

Michel de Montaigne (1533 – 1592) schrieb: „Wenn ich mit meiner Katze spiele – wer weiß, ob ich nicht mehr ihr zum Zeitvertreib diene als sie mir?“ Montaigne wird oft als einer der Begründer des modernen Humanismus genannt. Dabei handelt es sich um eine Denkströmung, die darauf abzielt, jegliche Vorstellung von Gott hinter sich zu lassen. John Gray ergänzt: „In Wahrheit aber stand er dem Menschen genauso skeptisch gegenüber wie Gott. Michel de Montaigne schrieb: „Das unseligste und gebrechlichste aller Geschöpfe ist der Mensch, gleichzeitig jedoch das hochmütigste.“ Beim Durchforsten früherer Philosophien fand er keine, die das Wissen vom richtigen Leben, das Tiere von Natur aus besäßen, ersetzen könne. John Gray lehrte Philosophie unter anderem in Oxford und Yale. Zuletzt hatte er den Lehrstuhl für Europäische Ideengeschichte an der London School of Economics inne.

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Die Artenvielfalt ist unfassbar groß

Ganz besondere Bedeutung gewinnen die multistabilen, robusten Netzwerke in der Ökologie. Dirk Brockmann erläutert: „Egal welches Ökosystem auf der Erde man sich anschaut, im Amazonas, in Sibirien, in der Tiefsee, am Great Barrier Reef, in der Wüste, im Wattenmeer oder im Grunewald bei Berlin: In jedem System koexistieren viele Millionen Arten, die aufeinander Einfluss haben.“ Die Artenvielfalt ist unfassbar groß. Bis vor Kurzem hat man geschätzt, dass auf der Erde etwa 80.000 Wirbeltierarten existieren, etwa sieben Millionen Wirbellose, davon fünf Millionen Insektenarten, etwa 400.000 Pflanzenarten, 1,5 Millionen Pilzspezies. Bezieht man aber mikrobielle Organismen, also Bakterien und Archaeen, mit ein, kommen neueste Studien auf mehr als eine Billion Arten. Der Komplexitätswissenschaftler Dirk Brockmann ist Professor am Institut für Biologie der Berliner Humboldt-Universität.

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Das Artensterben hat sich beschleunigt

Dirk Steffens und Fritz Habekuss wissen: „Die Beschleunigung des Artensterbens ist keine bloße Annahme, sondern belegbar.“ Der Living-Planet-Index hat ermittelt, dass die Wirbeltierbestände der Erde sind seit 1970 um etwa 60 Prozent geschrumpft sind. Um ihn zu ermitteln, sind die wissenschaftlichen Daten eines halben Jahrhunderts über fast 17.000 Populationen von mehr als 4.000 Wirbeltierarten ausgewertet worden. Es gibt also heute insgesamt weniger als halb so viele wilde Tiere wie noch vor fünfzig Jahren. Nimmt die Zahl der Individuen innerhalb der Arten weiter ab, muss zwangsläufig in den kommenden Jahrzehnten auch die Aussterberate schneller in die die Höhe schießen In ihrem Buch „Über Leben“ erzählen der Moderator der Dokumentationsreihe „Terra X“ Dirk Steffens und Fritz Habekuss, der als Redakteur bei der „ZEIT“ arbeitet, von der Vielfalt der Natur und der Schönheit der Erde.

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Das Schmecken ist ein Erkenntnisvermögen

In der Weisheit – sapientia – lassen sich deren Ursprünge im Wissen und Schmecken – beides sapor – noch erkennen. Lisz Hirn erklärt: „Das Schmecken ist hier nicht eine bloße Sinneswahrnehmung, sondern ein Erkenntnisvermögen.“ Schon Friedrich Nietzsche hat es „als eine kulturell oder individuell erworbene Form des lebenspraktischen – philosophischen – Weisheit“ verstanden. Das heißt, die Beurteilung und Erkenntnis der Dinge fordert die mündige Stellungnahme des Einzelnen. Diese kann jedoch mehr oder weniger erkenntnisreich ausfallen. Der Sapiens, der Schmeckende/Weise stellt Friedrich Nietzsche fest, schmeckt – nicht nur im übertragenen Sinne – quasi die bedeutsamen Unterschiede heraus. Er ist ein Mensch des „schärfsten Geschmacks“. Wo dieser Geschmack fehlt, kann man auf Vormünder zurückgreifen. Lisz Hirn arbeitet als Publizistin und Philosophin in der Jugend- und Erwachsenenbildung, unter anderem am Universitätslehrgang „Philosophische Praxis“.

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Kein Ort auf der Welt ist frei vom Einfluss der Menschen

Dirk Steffens und Fritz Habekuss stellen fest: „Es gibt heute keinen Ort mehr, der vom Einfluss des Menschen frei ist. Am Grund des Marianengrabens, 11.000 Meter unter dem Meer: Müll. In den Schneeflocken der Arktis, in abgefülltem Mineralwasser, in Bier, gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot, und wahrscheinlich atmen wir es längst: Plastik.“ Menschen und Nutztiere zusammen wiegen heute mehr als zwanzigmal so viel die alle wilden Tiere. Auf drei Vögel in der Natur kommen sieben Masthähnchen. Weltweit wachsen Pflanzen kräftiger, weil sie durch das Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre gedüngt werden. In ihrem Buch „Über Leben“ erzählen der Moderator der Dokumentationsreihe „Terra X“ Dirk Steffens und Fritz Habekuss, der als Redakteur bei der „ZEIT“ arbeitet, von der Vielfalt der Natur und der Schönheit der Erde.

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Weltweit gibt es sechs Prozent Vegetarier

Der Frage, warum und ob man überhaupt andere Tiere essen sollte, kann man sich aus ethischer und naturwissenschaftlicher Sicht nähern. Malte Rubach stellt fest: „Zum jetzigen Stand ist nahezu die gesamte Menschheit in der Lage, andere Tiere zu essen und diese Tatsache besteht schon seit Jahrmillionen.“ Der Anteil der Menschheit, der aus ethischen Gründen dazu nicht in der Lage ist, die vegan lebenden Menschen, beläuft sich weltweit im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Den Anteil der Vegetarier, die nur keine Tiere töten, aber von lebendigen Tieren stammende Lebensmittel genießen wollen, schätzt die Marktforschungsagentur Euromonitor auf weltweit sechs Prozent. In Propagandafilmen des Veganismus wie „The Game Changers“ wird es so dargestellt, als wäre der Mensch als Pflanzenfresser geboren. Der Referent und Buchautor Dr. Malte Rubach hat Ernährungswissenschaften in Deutschland, der Türkei und den USA studiert.

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Die Deutschen sind liberaler und friedlicher geworden

Innerhalb der letzten 30 Jahren sind die Mehrheit der Deutschen und der übrigen Welt deutlich fürsorglicher, liberaler und friedlicher, kurz: progressiver geworden. Dieser Wandel veranschaulicht allerdings nicht, warum am rechten Rand der deutschen Parteienlandschaft eine Lücke aufgeklafft ist. Diese besetzt jetzt eine neue Partei, die Alternative für Deutschland (AfD). Philipp Hübl blickt zurück: „Fast alle Länder und Kulturen haben in den letzten Jahrhunderten eine Entwicklung vom kollektivistischen Stammesmodell zu modernen Gesellschaftsnormen durchgemacht.“ Die Menschen legen mehr Wert auf Individualismus und universelle Gesetze, sodass der moralische Kompass immer weniger in Richtung Autorität und Loyalität ausschlägt. Fairness und Freiheit rückt in den Vordergrund, wie der amerikanische Anthropologe Alan Fiske zeigt. Philipp Hübl ist Philosoph und Autor des Bestsellers „Folge dem weißen Kaninchen … in die Welt der Philosophie“ (2012).

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Für Südafrika gilt der Slogan: „Die Welt in einem Land“

Für Dieter Losskarn ist es fast unmöglich, eine bessere Beschreibung für das Reiseland Südafrika zu finden als den Slogan: „Die Welt in einem Land“. Der Schwarze Kontinent präsentiert sich hier seinen Besuchern in kontrastreicher Vielfalt. Es gibt weite Savannen, Wüstengebiete, Hochplateaus, Buschland und Regenwälder, aber auch pulsierende Metropolen und endlose Küsten mit Traumstränden. Natur- und Aktivurlaubern sind in Südafrika fast keine Grenze gesetzt. Allein auf den berühmten Tafelberg führen über 300 verschiedene Wanderwege, von anstrengend bis sehr anstrengend. Bei einem Besuch in Südafrika ohne Safari würde etwas fehlen. Im weltberühmten Kruger National Park kann man Elefanten, Nashörner, Löwen, Leoparden, Büffel und viele andere Wildtiere beobachten. Der Autor Dieter Losskarn ist Journalist und Fotograf und lebt seit 1994 in Kapstadt.

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Längst ist der Mensch des Menschen Wolf

Nahrungsketten bilden die zentralen Abläufe in der Natur. Sie entsprechend den Produktionsketten in der Wirtschaft der Menschen. Das Prinzip ist ebenso einfach wie seit Urzeiten bekannt: Alle Lebewesen werden von anderen genutzt. „Gefressen“, wie man abwertend zu sagen pflegt. Josef H. Reichholf erläutert: „Das „Fressen und Gefressenwerden“ in der Natur missfällt uns, insbesondere, wenn es uns direkt oder indirekt betrifft.“ Direktes Betroffensein ist extrem selten geworden. Denn alle Raubtiere, die dem Menschen gefährlich werden können, sind entweder weithin ausgerottet oder in spezielle Gebiete, meistens Reservate, zurückgedrängt. Längst ist der Mensch des Menschen Wolf, wie schon die Alten wussten. Die Zahl der Menschen, die Raubtieren zum Opfer fallen, liegt weit niedriger als die vom Blitz Erschlagenen. Josef H. Reichholf lehrte an der Technischen Universität München 30 Jahre lang Gewässerökologie und Naturschutz.

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Der Mensch denkt und kann sich irren

Nur wer von einer Sache überzeugt ist, eine Meinung hat oder sich ein Urteil bilden kann, kann darin irren. Ludwig Huber blickt zurück: „Schon in der Antike und im Mittelalter haben Philosophen unterschiedliche Antworten auf die Fragen gefunden, ob Tiere denken können, Entscheidungen treffen, Ziele haben und Handlungen planen. Und schließlich haben sie auch darüber nachgedacht, ob Tiere etwas in vollem Bewusstsein tun.“ Oftmals wurde die Frage des Denkens bei Tieren kategorisch und allgemein gestellt. Dabei nahm man weder auf die möglichen Unterschiede zwischen Tierarten oder gar Individuen Rücksicht, noch auf die Möglichkeit unterschiedlicher Denkkategorien. Man stellte die Frage „Denken Tiere?“ deshalb so allgemein, weil man auf einen entscheidenden, kategorischen Unterschied zum denkenden Menschen hinweisen wollte. Ludwig Huber ist Professor und Leiter des interdisziplinären Messerli Forschungsinstituts für Mensch-Tier-Beziehungen an der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

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Alle Lebewesen erzeugen unentwegt Sinnliches

Das Sinnenleben erlischt nicht in dem Augenblick, in dem der wahrnehmende Akt vollzogen worden ist. Emanuele Coccia erläutert: „Das Sinnliche hat schon vor uns gelebt. Und es lebt auch noch nach der Wahrnehmung in uns weiter.“ Es lebt, ähnlich wie das Grundraunen all der menschlichen Gedanken, wie der lebendige Fluss aller Erinnerungen. Es existiert wie der letzte Horizont. In diesem nehmen alle Vorhaben und Handlungen Gestalt an, werden realisierbar und, ja, Wirklichkeit. Übrigens bleibt es laut Emanuele Coccia nicht nur beim Empfangen von Sinnlichem: „Alle Lebewesen erzeugen unentwegt Sinnliches. Darin ist der Mensch allen anderen Tieren überlegen: Er spricht, parfümiert sich, zeichnet, schematisiert.“ Emanuele Coccia ist Professor für Philosophiegeschichte an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris.

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Tiere können urteilen und irren

Ob Tiere denken, Verstand haben oder irren können, ist mit mindestens zwei Problemen verbunden. Einerseits mit der Bedeutung von Konzepten und Begriffen, mit denen die Wissenschaft komplexe Sachverhalte beschreibt. Andererseits mit der methodischen Schwierigkeit, die den Handlungen von Tieren zugrunde liegenden mentalen Prozesse aufzudecken. Ludwig Huber erklärt: „Ob Tiere irren können, hängt also einerseits davon ab, ob wir einen strengen Urteils- und Irrtumsbegriff anlegen.“ Dann kommt man nämlich zu dem Schluss, dass Tiere, weil sie keine propositionellen Einstellungen bilden können, weder urteilen noch irren können. Wenn man die Begriffe jedoch etwas weiter fasst, kann man durchaus davon sprechen wollen, dass Tiere urteilen und irren. Ludwig Huber ist Professor und Leiter des interdisziplinären Messerli Forschungsinstituts für Mensch-Tier-Beziehungen an der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

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Das rationale Tier ist allgegenwärtig

Ludwig Huber will in seinem Buch „Das rationale Tier“ nicht nur zeigen, was die Forschung heute über den Geist der Tiere weiß und wie sie es herausgefunden hat, sondern auch, wozu das gut ist. Neben der zweckfreien Befriedigung der Neugierde treibt ihn auch ein moralischer Imperativ. Ludwig Huber schreibt: „Um sie zu retten, müssen wir uns kümmern, und kümmern können wir uns nur, wenn wir sie verstehen.“ Dazu stellt er die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse vor. Diese verlangen eine entschiedene Revision der irrationalen und ethisch fragwürdigen Einstellungen der Menschen gegenüber Tieren. Intelligenzbestien in der Tierwelt findet man an Land, in der Luft und auch unter Wasser. Ludwig Huber ist Professor und Leiter des interdisziplinären Messerli Forschungsinstituts für Mensch-Tier-Beziehungen an der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

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Flüsse sind der Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen

Wanderungen an Flüssen präsentieren Facetten der Flussnatur. Sie fassen Vertrautes, Gewohntes in Beispiele, die jedoch längst nicht alles umfassen, was wichtig ist, um die Flussnatur zu verstehen. Angler werden kritisieren, dass Fische bisher in dem Buch „Flussnatur“ so gut wie nicht vorkamen, obwohl diese für sie das Wichtigste sind. Die Schifffahrt verweist auf die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Flüsse als Wasserstraßen und auf Schiffe als energiegünstiges Transportmittel. Josef H. Reichholf fügt hinzu: „Die Landwirtschaft fordert von der Gesellschaft, dass ihr sowohl Verluste durch Überschwemmungen als auch Ausfälle durch Dürre erstattet werden.“ Weil sie, gerade so wie die Schifffahrt und die Angler, von zuverlässiger Beständigkeit der Bedingungen ausgehen will. Josef H. Reichholf lehrte an der Technischen Universität München 30 Jahre lang Gewässerökologie und Naturschutz.

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Fast jede Technik lässt sich als Waffe einsetzen

Die Begabung für die Sprache und für die Vernunft gehört zweifellos zum Wesen des Menschen. Ohne jede Technik ein Mängelwesen, macht sich der Mensch mit der Hilfe von Technik von zahlreichen Zwängen der Natur frei. Er unterwirft sie seinem Willen. Otfried Höffe erklärt: „Die Technik hat sowohl eine emanzipatorische Tragweite – sie befreit von Zwängen – als auch eine positive, konstruktive Bedeutung.“ Nicht nur der Suezkanal, die Mondlandung und die immer kleineren und trotzdem immer leistungsfähigeren Rechner, sondern auch antike Aquädukte und gotische Kathedralen sind technische Meisterleistungen. Ein Mensch, der für die Wirklichkeit offen ist, übersieht auch nicht die von vornherein für aggressive und destruktive Ziele und Zwecke entworfene Technik. Otfried Höffe ist Professor für Philosophie und lehrte in Fribourg, Zürich und Tübingen, wo er die Forschungsstelle Politische Philosophie leitet.

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Die menschliche Expansion wirkt zerstörerisch

An einigen Orten auf der Welt ist die zerstörerische Kraft der menschlichen Expansion besonders augenfällig geworden. Als Beispiel nennen Dirk Steffens und Fritz Habekuss Neuseeland. Dort hat sich das Leben einige Millionen Jahre lang weitgehend getrennt vom Rest der Welt entwickelt. Abgesehen von einigen Fledermausarten hat die Evolution auf den abgelegenen Inseln keine Säugetiere hervorgebracht. Dafür aber eine besonders artenreiche Vogelwelt. Die ist inzwischen allerdings arg geschrumpft. Neuseeland war die letzte große Landmasse, die besiedelt wurde. Wahrscheinlich erst vor 800 Jahren erreichten polynesische Kanus die bis dahin unbekannte Küste. In ihrem Buch „Über Leben“ erzählen der Moderator der Dokumentationsreihe „Terra X“ Dirk Steffens und Fritz Habekuss, der als Redakteur bei der „ZEIT“ arbeitet, von der Vielfalt der Natur und der Schönheit der Erde.

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Die Hoffnung ist eine Kraftspenderin in der Not

Das Titelthema des neuen Philosophie Magazins 05/2021 handelt von der Hoffnung. Chefredakteurin Svenja Flaßpöhler schreibt im Editorial: „Keine Revolution, keine Fridays for Future, keine Zukunft gäbe es ohne den festen Glauben an das Gelingen. Die Hoffnung muss sich von der Angst lösen, um Kraft zu entwickeln.“ Positive Erwartungen sind allerdings auch risikobehaftet. Was, wenn das Erhoffte nicht eintritt? Gar alles noch schlimmer kommt? Andererseits gilt: Wenn die Furcht jede Hoffnung im Keim erstickt, gäbe es kein lebenswertes Morgen mehr. Es besteht für viele Menschen kein Zweifel daran, dass die Hoffnung eine Energiequelle ist, eine Kraftspenderin in der Not. Die antiken Stoiker sahen weder in der Hoffnung noch in der Furcht den Weg zu einem gelingenden Leben. Vielmehr rieten sie ab von jeder affektiven Zukunftserwartung und forderten eine vernunftgeleitete Konzentration auf das Hier und Jetzt.

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Intelligenz war vor dem Homo sapiens auf der Welt

Intelligenz kam nicht erst mit dem Homo sapiens auf die Welt. In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts stießen Paläontologen zum ersten Mal auf Fossilien von Homininen, also menschenartigen Wesen. Diese waren älter als eine Million Jahre und besaßen kleine Gehirne. Damit verwischte sich die bis dahin scharfe Grenze zwischen Mensch und Tier. Stefan Klein erläutert: „Man versuchte sie neu zu definieren, indem man erklärte, Menschen zeichneten sich durch ihre Gabe aus, Werkzeuge zu benutzen.“ Um diese Behauptung zu prüfen, beauftragte der Fossilienjäger Louis Leakey eine junge Frau in den Urwald zu gehen, um Tiere zu beobachten. Jane Goodall erwies sich als überragende Verhaltensforscherin. Stefan Klein zählt zu den erfolgreichsten Wissenschaftsautoren der deutschen Sprache. Er studierte Physik und analytische Philosophie in München, Grenoble und Freiburg.

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Der Mensch hat sich von der Natur entfremdet

Während die Menschheit die Natur zerstört, boomt gleichzeitig der Markt, der ihre Schönheit feiert. Dirk Steffens und Fritz Habekuss erklären: „Bücher über Bäume haben das Zeug, Weltbestseller zu werden. Outdoor-Zeitschriften, Reiseblogs und High-End-Dokumentationen feiern in orgiastischen Bildern die Wildnis, wo es sie noch gibt.“ Diese Produkte sollen den Graben der Entfremdung überbrücken, der sich zwischen den Menschen und der Natur aufgetan hat. Während sich ihre Zerstörung immer weiter beschleunigt, wird die abstrakte Liebe zu ihr paradoxerweise immer größer. Inzwischen enthüllt die Biologie sogar, dass Umwelteinflüsse sogar das Erbgut verändern können. In ihrem Buch „Über Leben“ erzählen der Moderator der Dokumentationsreihe „Terra X“ Dirk Steffens und Fritz Habekuss, der als Redakteur bei der „ZEIT“ arbeitet, von der Vielfalt der Natur und der Schönheit der Erde.

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Am Anfang war die Schönheit

Nichts ist für den Philosophen Konrad Paul Liessmann so verführerisch wie die Verführung: „Das Lockende und Verlockende, die Andeutungen und Versprechungen, die Eröffnung von bisher ungeahnten Möglichkeiten, das Verlassen eines sicheren Bodens, das Umgehen des Gewohnten, das Faszinosum des Neuen: Wer wollte dem widerstehen?“ Im Paradies muss es schön gewesen sein, so war es wohl. Am Anfang war die Schönheit, aber diese führte zu Wut, Trauer und Neid. Und der Schöpfer des Menschen ähnelte weniger einem Gott in seiner Machtvollkommenheit als einem Bastler. Dieser probiert einiges aus, um bei einem Produkt zu landen, das er nach kurzer Zeit wieder entsorgen muss. Die Erzählung vom Paradies ist von Anbeginn an eine Geschichte des Aufbegehrens und der Vertreibungen. Die Schöpfung in ihrer Schönheit provoziert den Widerstand desjenigen, dessen Licht diese Schönheit sichtbar macht, ohne selbst daran Anteil nehmen zu können.

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Der Homo sapiens bedroht das Leben auf der Erde

Matthias Glaubrecht beschreibt in seinem Buch „Das Ende der Evolution“ wie der angebliche Homo sapiens das gesamte Leben auf der Erde bedroht. Dabei legt er schonungslos die Fakten zur historischen Entwicklung von Ackerbau, Überbevölkerung und Urbanisierung offen. Im Zentrum seiner umfassenden Studie aber der dramatische Schwund an Biodiversität von Tieren und Planzen überall auf der Erde. Das fängt bei den großen Säugetieren wie Tiger und Elefant an, erfasst auch die heimische Vogelwelt und endet beim Sterben der Insekten. Sowohl an Land wie auch im Meer ist das drohende Aussterben von bis zu einer Million Arten bereits in vollem Gange. Mit dem größten Artenschwund seit dem Aussterben der Dinosaurier steht der Menschheit eine weltweite biologische Tragödie bevor. Matthias Glaubrecht ist Evolutionsbiologe, Systematiker und Wissenschaftshistoriker.

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