Der Staat spielt heute ein viel größere Rolle als früher

Die US-amerikanische Volkswirtschaft des 21. Jahrhunderts unterscheidet sich erheblich von der des 20. Jahrhunderts und sogar noch stärker von dem Wirtschaftssystem, über das Adam Smith in der Frühzeit der amerikanischen Republik schrieb. Joseph Stiglitz stellt fest: „Diese Veränderungen machen es unabdingbar, dass der Staat eine viel größere Rolle spielt als in jenen früheren Epochen.“ Denn die amerikanische Volkswirtschaft hat grundlegende Veränderungen vollzogen, die jeweils mehr kollektives Handeln erfordern. Dies ist unter anderem in der Innovationsökonomie erforderlich. Die Produktion von Wissen unterscheidet sich von jener von Stahl oder andere gewöhnlichen Waren. Märkte investieren von sich aus nicht genug in Grundlagenforschung, die Quelle, aus der sich alle anderen Fortschritte speisen – aus diesem Grund ist der Staat ihr wichtigster Finanzier. Joseph Stiglitz war Professor für Volkswirtschaft in Yale, Princeton, Oxford und Stanford. Er wurde 2001 mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet.

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Amartya Sen lehnt eine pauschale Verurteilung der Globalisierung ab

Amartya Sen hält es für äußerst dringlich, sich ernsthaft mit dem Gegenstand der Globalisierung zu befassen. Obwohl eines der meistdiskutierten Themen von heute, ist die Globalisierung kein sonderlich wohldefinierter Begriff. Unter dem allgemeinen Titel der Globalisierung fasst man eine Vielzahl von globalen Interaktionen zusammen, die von der Ausweitung der grenzüberschreitenden kulturellen und wissenschaftlichen Einflüsse bis zur Erweiterung der weltweiten Wirtschafts- und Geschäftsbeziehungen reichen. Eine pauschale Ablehnung der Globalisierung würde nicht nur der globalen Wirtschaft zuwiderlaufen, sondern auch die Verbreitung von Ideen, Einsichten und Kenntnissen unterbinden, die allen Völkern der Welt, auch den am stärksten benachteiligten Mitgliedern der Weltbevölkerung helfen können. Amartya Sen ist Professor für Philosophie und Ökonomie an der Harvard Universität. Im Jahr 1998 erhielt er den Nobelpreis für Ökonomie.

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Wohlstand entsteht oftmals auf Kosten der Natur

Neben utopischen und illusionären Träumen eines perfekten Systems gibt es auch ein anderes Narrativ des Kapitalismus. Anders Indset erklärt: „Eine Geschichte, die das rasante einseitige Wachstum des Kapitals und die damit verbundene Spaltung in Blick nimmt. Dass Technologie diesen Prozess über den mittlerweile exponentiellen Effizienzgewinn dynamisiert, nehmen die Erzähler dieser Geschichte als Beleg für ihre These von der Überlegenheit des Kapitals.“ Die Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit sind inzwischen nach allgemeinem Verständnis um den Faktor Umwelt ergänzt worden. Die Ausbeutung der Natur und der mögliche ökologische Kollaps wären demnach Beleg für ein weiteres fatales Ungleichgewicht der kapitalistischen Wirkkräfte. The winner takes it all. Adam Smith und seine Jünger haben die technologisierte Welt des 21. Jahrhunderts in dieser Form nicht kommen sehen. Anders Indset, gebürtiger Norweger, ist Philosoph, Publizist und erfolgreicher Unternehmer.

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Selbst die Demokratie erhöht tendenziell die Staatsschulden

Tatsache ist, dass die Staatsschulden weltweit in der Geschichte noch nie so hoch waren wie heute. Marcel Fratzscher erklärt: „Allein unter den reichen Industrieländern beträgt die Staatsverschuldung im Schnitt 125 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Selbst am Ende des Zweiten Weltkriegs, nachdem die meisten Regierungen enorme Schulden aufgenommen hatten, um den Krieg zu finanzieren, und gleichzeitig die Wirtschaft eingebrochen war, waren die Staatsschulden niedriger.“ In der Vergangenheit waren es meist Kriege und große Krisen, die zu höheren Staatsschulden – und nicht selten zu Staatspleiten – geführt haben. Aber auch die Funktionsweise des politischen Systems hat großen Einfluss auf die Staatsverschuldung. Ironischerweise hat der Anstieg von Staatsschulden in den vergangenen Jahrhunderten nicht nur zur Demokratisierung vieler Länder beigetragen, sondern die Demokratie selbst hat die Tendenz, Staatsschulden zu erhöhen. Marcel Fratzscher ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin.

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Peter Thiel hat ein Faible für Monopole

Als Star-Anwender der Ideologie der Chicago School kann man Peter Thiel bezeichnen, einen der umtriebigsten Investoren im Silicon Valley. Der Mann hat deutsche Wurzeln, 1967 wurde er in Frankfurt am Main geboren, doch die Eltern siedelten schon bald in die USA um. Hans-Jürgen Jakobs weiß: „Hier schloss Thiel ein Philosophiestudium an der Stanford University ab und beschloss, die Tech-Szene mit Geld und Geist zu versorgen.“ So war er Mitbegründer des Internet-Bezahldienstes Paypal sowie des opaken Sicherheitsdienstleisters Palantir. Peter Thiel finanzierte mit bei Hunderten Neugründungen, etwa bei Facebook von Mark Zuckerberg oder der Raumfahrt- und Raketenfirma SpaceX von Elon Musk. Seine Abneigung gegen Wettbewerb und sein ausgesprochenes Faible für Monopole hat Peter Thiel an mehreren Stellen dokumentiert. Hans-Jürgen Jakobs ist Volkswirt und einer der renommiertesten Wirtschaftsjournalisten Deutschlands.

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Der Staat ist ein relativ sicherer Schuldner

Auch für die Entwicklung von Finanzsystemen und der finanziellen Intermediation zwischen privaten Sparern und privaten Schuldnern waren und sind Staatschulden noch immer ganz entscheidend. Marcel Fratzscher stellt fest: „In den meisten Ländern galten und gelten noch immer die Schulden des eigenen Staates als die sicherste aller Anlageformen. Unternehmen und Privatpersonen sind als Schuldner generell sehr viel riskanter, da sie häufig von wenigen Einnahmequellen abhängen und viele Szenarien eintreten können, bei denen sie zahlungsunfähig werden und ihre Schulden nicht mehr bedienen können.“ Im Gegensatz dazu ist der Staat ein relativ sicherer Schuldner, da er immer die Möglichkeit hat, Steuern und Abgaben zu erheben, und eine Existenz eines Landes ohne staatliche Institutionen nicht möglich ist. Marcel Fratzscher ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin.

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Währungsunionen stehen oft auf tönernen Füßen

Aus der Geschichte der Geldkrisen hätte man lernen können, dass der Zusammenschluss verschiedener politischer und wirtschaftlicher Regionen zu einer Geldgemeinschaft auf tönernen Füßen steht. Die leisten Politiker haben diese Lektion jedoch nicht gelernt. Thomas Mayer weiß: „Unter einer Währungsunion versteht man die Abgabe der Geldemission durch Nationalstaaten und deren Zentralbanken an eine supranationale Institution oder die enge Koordinierung nationaler Emissionen.“ Die erste Definition trifft auf die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWU) zu, die zweite auf ihren Vorgänger, die Lateinischen Münzunion (LMU). Natürlich gab es in der Vergangenheit noch andere Währungsunionen, zum Beispiel die kurzlebige Rubelwährungsunion von 1991 bis 1993. Thomas Mayer ist promovierter Ökonom und ausgewiesener Finanzexperte. Seit 2014 ist er Leiter der Denkfabrik Flossbach von Storch Research Institute.

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Das Streben nach Gewinn erschien als Selbstzweck

Hans-Jürgen Jakobs weiß: „Karl Marx war der Erste, der prognostiziert hat, dass immer weniger Unternehmen einen Markt immer stärker beherrschen werden. Dass sie Kapital akkumulieren, um die Arbeiter besser ausbeuten zu können.“ So jedenfalls legte es das „absolute, allgemeine Gesetz der Kapitalakkumulation“ nahe, das Karl Marx formuliert hat. Das Streben nach Gewinn erschien als Selbstzweck, vom Autor stark ironisiert: „Akkumuliert! Akkumuliert! Das ist Moses und die Propheten.“ Dabei glaubte Karl Marx, die von den Kapitalisten erreichte „Profitrate“ würde unweigerlich immer weiter sinken. Nach einem „Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate“ hängt das von zwei Faktoren ab. Einmal vom stärkeren Einsatz von Maschinen, welche die wertschöpfende menschliche Arbeitskraft ersetzen würden. Hans-Jürgen Jakobs ist Volkswirt und einer der renommiertesten Wirtschaftsjournalisten Deutschlands.

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Die Debatten über die Wirtschaftspolitik haben sich verändert

In der heutigen amerikanischen Politik kreisen die ökonomischen Auseinandersetzungen um zwei Erwägungen: Wohlstand und Fairness. Michael J. Sanel erklärt: „Welche Steuerpolitik, Haushaltsvorschläge oder Regulierungspläne die Leute auch bevorzugen mögen – gewöhnlich setzen sie sich für etwas ein, weil die Maßnahmen zum Wirtschaftswachstum beitragen oder die Einkommensverteilung verbessern.“ Die Menschen behaupten, ihre Politik würde den Kuchen der Wirtschaft vergrößern, die Kuchenstücke fairer verteilen oder beides zusammen. Diese Rechtfertigung von Wirtschaftspolitik ist vielen Menschen so vertraut, das es aussehen könnte, als seien die Möglichkeiten damit erschöpft. Doch die Debatten über Wirtschaftspolitik waren nicht immer auf Größe und Verteilung des Nationalprodukts fokussiert. Michael J. Sandel ist ein politischer Philosoph. Er studierte in Oxford und lehrt seit 1980 in Harvard. Er zählt zu den weltweit populärsten Moralphilosophen.

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Thomas Mayer erklärt die Währungsreform von 1948

Anfang 1948 befand sich die deutsche Wirtschaft in einer schwierigen Lage. Thomas Mayer weiß: „Infolge der umfangreichen Kriegsschäden betrug die Produktion weniger als 60 Prozent des Niveaus von 1936 und der reale Pro-Kopf-Verbrauch lag bei etwa zwei Dritteln des damaligen Niveaus; es herrschte ein schwerer Mangel an den meisten Grundgütern.“ Darüber hinaus hatte die Kriegsfinanzierung dazu geführt, dass die Staatsverschuldung des „Dritten Reiches“ bei Kriegsende fast 400 Prozent des Bruttosozialproduktes (BSP) on 1939 betrug und eine enorme Überschussliquidität entstanden war. Die Reichsmark (RM) hatte ihre Funktion als Tauschmittel verloren, und der Tauschhandel war an der Tagesordnung. Schwarzmärkte untergruben das System der Preis- und Lohnkontrolle sowie der Warenproduktion und -verteilung, es gab keinen Anreiz für Geld zu arbeiten. Thomas Mayer ist promovierter Ökonom und ausgewiesener Finanzexperte. Seit 2014 ist er Leiter der Denkfabrik Flossbach von Storch Research Institute.

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Jeder Fortschritt wird vom Bevölkerungswachstum aufgezehrt

In seinen wissenschaftlichen Abhandlungen kritisierte Thomas Malthus den Utopismus zeitgenössischer Philosophen wie William Godwin und Nicolas de Condorcet – Vordenker des Zeitalters der Aufklärung – die eine unausweichliche Entwicklung der Menschheit hin zu einer vollkommenen Gesellschaft propagierten. Oded Galor weiß: „Im Jahr 1798 veröffentlichte Malthus seinen „Essay on the Principle of Population“ („Das Bevölkerungsgesetz“, in dem er seine tiefe Skepsis gegenüber diesen vorherrschenden und seiner Meinung nach naiven Ansichten bekundete.“ Ihnen stellte er seine pessimistische These entgegen, der zufolge sich die Menschheit auf lange Sicht nicht höher entwickeln könne, da jeder Fortschritt oder materielle Zugewinn am Ende vom Bevölkerungswachstum aufgezehrt werde. Der renommierte Ökonom Oded Galor untersucht in seinem neuen Buch „The Journey of Humanity“ die Entwicklungen, die zu Wohlstand und Ungleichheit führten.

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Die Evolution ist eine gleichmäßige Verbesserung

Die Evolution ist eine Aufwärtsbewegung hin zu Verbesserungen, die durch Anpassung und Lernprozesse eintreten. Darum herum entwickeln sich Zyklen. Ray Dalio ergänzt: „Die Evolution ist eine vergleichsweise gleichmäßige, stetige Verbesserung, weil mehr Wissen hinzugewonnen wird als verloren geht.“ Die Zyklen dagegen laufen auf- und abwärts und sorgen für Auswüchse in eine Richtung. Diese haben Trendwenden und Übertreibungen zur Folge – wie ein Pendel, das hin- und herschwingt. So erhöht sich zum Beispiel mit der Zeit der Lebensstandard, weil Menschen dazulernen, was zu höherer Produktivität führt. Dennoch gibt es in der Wirtschaft Auf- und Abschwünge, weil Schuldenzyklen existieren, welche die Konjunktur im Umfeld dieses Aufwärtstrends anheizen und bremsen. Ray Dalio ist Gründer von Bridgewater Associates, dem weltgrößten Hedgefonds. Er gehört mit zu den einflussreichsten Menschen der Welt.

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Der Staat stellt viele verschiedene öffentliche Güter bereit

Vor allem ab dem 19. Jahrhundert übernahm der Staat zunehmend auch eine soziale Funktion. Marcel Fratzscher erklärt: „So führte Otto von Bismarck eine Rentenversicherung ein, und viele andere Elemente folgten in ganz Europa. Der Staat realisierte, dass Menschen nicht nur in Geldsachen Sicherheit wünschten, sondern auch Absicherung gegen die Unwägbarkeiten des Leben, gegen Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter.“ Daraus entstand die soziale Marktwirtschaft als Grundlage des Gesellschaftsvertrags in vielen europäischen Ländern nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Staat stellt dabei viele verschiedene öffentliche Güter bereit. Dazu gehören nicht nur die sozialen Sicherungssysteme, sondern auch Bildung und Fortbildung, die Förderung von Kultur und sozialem Zusammenhalt sowie die internationale Kooperation. Marcel Fratzscher ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin.

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Die Menschheit lebt gerade in einer außergewöhnlichen Epoche

Der Gedanke, dass man Einfluss auf die weit entfernte Zukunft nehmen könnte und dabei so viel auf dem Spiel steht, könnte vielen Lesern verrückt vorkommen. So ging es zumindest William MacAskill. Doch die Verrücktheit des langfristigen Denkens hat nichts mit seinem moralischen Ausgangspunkt zu tun, sondern damit, dass wir in einer außergewöhnlichen historischen Epoche leben. Wir leben in einer Ära ungewöhnlicher Umwälzungen. Dazu muss man sich nur das weltweite Wirtschaftswachstum ansehen, das in den letzten Jahrzehnten bei durchschnittlich 3 Prozent im Jahr lag. Das ist historisch ohne jedes Beispiel. Während der ersten 290.000 Jahre der Menschheitsgeschichte war das globale Wirtschaftswachstum pro Jahr nahe null, im Zeitalter der Landwirtschaft stieg es auf 0,1 Prozent, und erst seit Beginn der industriellen Revolution hat e an Fahrt aufgenommen. William MacAskill ist außerordentlicher Professor für Philosophie an der Universität Oxford.

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Bei der Old Economy gibt es eine Tendenz zur Monopolisierung

Jeder Student der Volkswirtschaftslehre lernt die Bedeutung von drei klassischen Produktionsfaktoren: Arbeit, Kapital und Boden. Später ist diese Trias durch die Faktoren „Knowhow“ oder „Wissen“ ergänzt worden. Hans-Jürgen Jakobs fügt hinzu: „Übersetzt auf die Bedingungen der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts fokussiert sich die Theorie auf drei Faktoren: Daten, Börsenkapital und Rohstoffe (Bodenschätze). Bei all diesen Komponenten gibt es eine gefährliche Tendenz zur Monopolisierung.“ Bei den Rohstoffen handelt es sich sowohl um fossile und nukleare Energien für die Industrien alten Typs als auch um mineralische Rohstoffe für die Zukunftsmärkte wie Datenwirtschaft, Elektromobilität und Erneuerbare Energien. Oder, um es anders auszudrücken, um den mittlerweile wichtigsten Teil der „elementaren Produktionsfaktoren“ – Betriebsmittel, Werkstoffe –, wie Erich Gutenberg das nannte. Hans-Jürgen Jakobs ist Volkswirt und einer der renommiertesten Wirtschaftsjournalisten Deutschlands.

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Die Ungleichheit nimmt unaufhaltsam zu

In den meisten reicheren Ländern der Welt nimmt die Ungleichheit zu, und das schon seit geraumer Zeit. Jonathan Aldred Stellt fest: „Viele Menschen halten das für ein Problem, wenn auch keine Einigkeit darüber besteht, welche Bedeutung es hat. Jedenfalls sieht es so aus, als ob wir wenig daran ändern können – und davon abgesehen könnte die Medizin schlimmer sein als die Krankheit.“ Globalisierung und neue Techniken haben eine Wirtschaft entstehen lassen, in der Menschen mit hochgeschätzten Qualifikationen oder Begabungen sehr viel Geld verdienen können. Und so nimmt die Ungleichheit unaufhaltsam zu. Der Versuch, sie durch Umverteilung von Steuern zu reduzieren, ist wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt. Jonathan Aldred ist Direktor of Studies in Ökonomie am Emmanuel College. Außerdem lehrt er als Newton Trust Lecturer am Department of Land Economy der University of Cambridge.

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Der Ökonomie ist in den Alltag eingeflossen

Die meisten Menschen haben eine schwierige und unklare Beziehung zu den Wirtschaftswissenschaften. In den Nachrichten hören sie oft von irgendeiner ökonomischen Voraussage, die sich inzwischen als völlig falsch herausgesellt hat. Oder sie erfahren von einer wirtschaftlichen Maßnahme, die nicht die Versprechungen des Ökonomen erfüllen kann, der sie empfohlen hat. Und doch ist in der jüngeren Geschichte zu beobachten, dass sie den Ideen von Ökonomen immer mehr Ehrfurcht entgegenbringen. Jonathan Aldred stellt fest: „Einstmals umstrittene ökonomische Denkweisen sind in unseren Alltag eingeflossen. Unsere Beziehung zu den Wirtschaftswissenschaften ist eine Hassliebe. Und sie ist zutiefst ungleich.“ Jonathan Aldred ist Direktor of Studies in Ökonomie am Emmanuel College. Außerdem lehrt er als Newton Trust Lecturer am Department of Land Economy der University of Cambridge.

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Die Ungleichheit zwischen Gesellschaften ist immens

Erstaunlicherweise fand der sprunghafte Anstieg des Wohlstands, der in den letzten Jahrhunderten zu verzeichnen war, nur in einigen Teilen der Welt statt. Zudem löste er eine zweite große Transformation aus, die für die menschliche Spezies einzigartig ist. Nämlich die Entstehung einer immensen Ungleichheit zwischen den Gesellschaften. Oded Galor erklärt: „Man könnte mutmaßen, dieses Phänomen habe vor allem damit zu tun, dass der Ausbruch aus der Epoche der Stagnation weltweit zu unterschiedlichen Zeiten stattgefunden hat.“ Die westeuropäischen Länder und manche ihrer Ableger in Nordamerika und Ozeanien erlebten die sprunghafte Verbesserung ihrer Lebensbedingungen bereits im 19. Jahrhundert. Dagegen verzögerte sich ein entsprechender Fortschritt in den meisten Regionen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Oded Galor ist israelischer Wirtschaftswissenschaftler und mehrfach ausgezeichneter Professor an der Brown University, USA. Er forscht vor allem zum Thema Wirtschaftswachstum.

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Heutzutage lohnt sich das Unternehmertum manchmal nicht mehr

Reinhard K. Sprenger fordert: „Nehmt den Menschen, wie er ist: wir haben keinen universalethischen Therapievertrag.“ An der Freiheit des anderen kommt ohnehin niemand vorbei. Die Sollbruchstelle des gegenwärtigen Kapitalismus besteht für Reinhard K. Sprenger darin, dass es keine Antwort auf die Frage gibt, wie der Übergang von einem Managerkapitalismus zu einem neuen Eigentümerkapitalismus zu bewerkstelligen ist. Fest steht: In den letzten Jahrzehnten war es möglich, ohne Einsatz von eigenem Geld, also ohne eigenes Risiko, so wohlhabend zu werden, wie es früher nur Unternehmer wurden. Das ist ein extrem attraktives Lebensmodell, das viele zu verwirklichen trachteten – unter dem wohlgefälligen Nicken staatlicher Aufsichtsbehörden. Unter solchen Bedingungen lohnt sich das Unternehmertum nicht mehr. Reinhard K. Sprenger, promovierter Philosoph, ist einer der profiliertesten Führungsexperten Deutschlands.

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Kluger Umgang mit Geld lässt sich in den Casinos von Las Vegas beobachten

Eines der besten Beispiele für den klugen Umgang mit Geld lässt sich überraschenderweise in den Casinos von Las Vegas beobachten – wenn auch nicht bei allen Spielern, sondern bei der kleinen Gruppe der Kartenzähler. Morgan Housel erklärt: „Das Prinzip des Kartenzählens beim Black Jack – alias 17 und 4) ist ganz einfach: Niemand weiß mit Sicherheit, welche Karte der Geber als Nächstes zieht. Doch wer sich merkt, welche Karten schon gegeben wurden, weiß auch, welche Karten noch im Spiel sind.“ Dadurch lässt sich die Wahrscheinlichkeit berechnen, mit der eine bestimmte Karte vom Geber gezogen wird. Als Spieler setzt man mehr, wenn die Wahrscheinlichkeit für eine günstige Karte hoch ist, und weniger, wenn sie niedrig ist. Morgan Housel ist Partner bei der Risikokapitalgesellschaft The Collaborative Fund.

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Die Wirtschaft verändert sich unaufhörlich

Die Finanzkrise von 2008 war kein Naturereignis, sie war von Menschen gemacht. Joseph Stiglitz erklärt: „Ein komplexes System mit mehr Verflechtungen, in dem jeder Marktteilnehmer versucht, noch den letzten Dollar Gewinn herauszupressen, hat sich als ein sehr fragiles System erwiesen.“ Die Wirtschaft verändert sich unaufhörlich: Agrargesellschaften wandelten sich zu Industriegesellschaften, die schließlich zu Dienstleistungsgesellschaften werden. Überdies hat sich die Wirtschaft globalisiert und finanzialisiert. Heute müssen Menschen lernen, eine komplexe, urbane Ökonomie mit planetarischen Beschränkungen und einer rasch alternden Gesellschaft zu steuern. Dies stellt die Verteilung von Einkommen und Wohlstand zwischen den Generationen vor neue Herausforderungen. Märkte meistern Transformationen von sich aus nicht besonders gut. Joseph Stiglitz war Professor für Volkswirtschaft in Yale, Princeton, Oxford und Stanford. Er wurde 2001 mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet.

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Überraschende Ereignisse sind keine Seltenheit

Scott Sagan, Professor für Politikwissenschaften in Stanford, sagte einmal, jeder, der die Wirtschaft oder die Kapitalmärkte verfolgt, sollte sich diesen Spruch an die Wand hängen: „Ständig passieren Dinge, die nie zuvor passiert sind.“ Die Geschichtsschreibung handelt von vielen überraschenden Ereignissen. Trotzdem betrachten Investoren und Wirtschaftswissenschaftler Geschichte oft als unfehlbare Anleitung für die Zukunft. Morgan Housel betont: „Eine tiefen Respekt für die Geschichte von Wirtschaft und Geldanlage zu empfinden, ist klug. Geschichte hilft uns, Erwartungen zu kalibrieren und zu erkennen, wo Menschen oft irren.“ Geschichte vermag grob aufzuzeigen, was tendenziell funktioniert. Aber sie ist keinesfalls eine Blaupause für die Zukunft. Eine Falle, in die viele Geldanleger tappen ist ein blindes Vertrauen darauf, dass Daten aus der Vergangenheit ihnen eindeutige Signale für die Zukunft geben. Morgan Housel ist Partner bei der Risikokapitalgesellschaft The Collaborative Fund.

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Phillip Cagan analysierte die Hyperinflation

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erreichte neben den Kriegen auch die zerstörerische Kraft des Papiergeldes eine bis dahin in der Menschheitsgeschichte nicht gekannte Stärke. Thomas Mayer weiß: „Phillip Cagan analysierte in seinem 1956 erschienenen Beitrag zu einem von Milton Friedman herausgegebenen Buch zur Quantitätstheorie des Geldes fünf Episoden zur Hyperinflation nach dem Ersten Weltkrieg und zwei nach dem Zweiten Weltkrieg.“ Dabei definierte er als Hyperinflation die Zeit, zu der im ersten Monat der Anstieg der Preise gegenüber dem Vormonat mindestes 50 Prozent – die Jahresrate also knapp 13.000 Prozent – betrug, bis zu dem Monat nach dem Anstieg wieder unter diese Marke gefallen und mindestens für ein Jahr darunter geblieben war. Thomas Mayer ist promovierter Ökonom und ausgewiesener Finanzexperte. Seit 2014 ist er Leiter der Denkfabrik Flossbach von Storch Research Institute.

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Der Mensch kann die Wirtschaft sowohl kontrollieren als auch beeinflussen

Jonathan Aldred fordert: „Wir sollten diejenigen – Ökonomen und andere – zurückweisen, die behaupten, wir könnten ökonomische Ideen und die Wirtschaft nicht beeinflussen.“ Die Wirtschaft ist nicht wie ein natürliches System mit Gesetzen und Kräften, die der Mensch nicht kontrollieren könnte. Sie ist kein monolithisches Ding aus einer anderen Welt. Es ist richtig, dass bösartige ökonomische Ideen sich tief im alltäglichen Leben verankert haben, doch diese Entwicklung ist relativ neu. Zudem waren Ökonomen in der Regel kaum motiviert oder geübt zu versuchen, komplexe Ideen in einfachen Begriffen zu erklären. Manchmal haben sie sogar eine verzerrte Sicht dessen, was komplex ist. Jonathan Aldred ist Direktor of Studies in Ökonomie am Emmanuel College. Außerdem lehrt er als Newton Trust Lecturer am Department of Land Economy der University of Cambridge.

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Adam Smith propagiert die unsichtbare Hand des Marktes

Adam Smith propagierte in seiner „Theorie der ethischen Gefühle“, dass die Geschicke der Gesellschaft in der unsichtbaren Hand des Marktes liegen sollten statt in der Pranke eines Alleinherrschers. Der Moralphilosoph und Ökonom sah in einem empathischen und demzufolge moralischen Verhalten der Menschen die Grundlage vernünftigen Wirtschaftens und Zusammenlebens. Die Gerechtigkeit sei „der Hauptpfeiler, der das ganze Gebäude stützt. Wird dieser Pfeiler entfernt, muss der gewaltige, der ungeheure Bau der menschlichen Gesellschaft […] in einem Augenblick zusammenstürzen“. Roger de Weck weiß: „Doch viele Liberale des 21. Jahrhunderts ärgern sich mehr über die angebliche Hypermoral als über die tatsächliche „Hypomoral“: die unterentwickelte Moral, die den esprit général der liberalen Demokratie verdirbt. Sie verkennen, dass neurechtes Moral-Bashing nichts anderes ist als ein Generalangriff auf den Liberalismus. Roger de Weck ist ein Schweizer Publizist und Ökonom.

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