Frank Berzbach nimmt überall die Schönheit wahr

Die Schönheit ist in vollendeter Form frei von Skepsis, sie kennt keinen Zweifel. Und dies nicht nur in Bezug auf abgetrennten Einzelformen, sondern im umfassenderen Sinn. Frank Berzbach erläutert: „Das Puzzle der Einzelstücke lässt sich über die Wahrnehmbarkeit von Schönheit zusammensetzen. Und dann scheint, ein seltener Moment, alles am rechten Platz zu sein und man selbst mittendrin.“ Es gibt eine Schönheit, deren Teil man wird, wenn man sich ihr aussetzt. Ob in Bezug auf ein Gemälde, einen schönen Menschen, einen Ort oder eine Landschaft. Man spürt die Anwesenheit, eine Stimmung entsteht. Der Philosoph Gernot Böhme hat dies „Anmutung“ und „Atmosphäre“ genannt. Diese können so kraftvoll werden, dass sie die Form von „Halbdingen“ annehmen. Dr. Frank Berzbach unterrichtet Psychologie an der ecosign Akademie für Gestaltung und Kulturpädagogik an der Technischen Hochschule Köln.

Menschen werden von Atmosphären erfasst

Der Herbst, die Nacht, bestimmte Arten der Beleuchtung, die Stimme eines Menschen oder Tieres, die Weichheit der Luft am Mittelmeer oder das Wetter dienen Gernot Böhme als Beispiele. Nun können Menschen zum einen in solchen Atmosphären stranden, ohne es zu ahnen. Sie werden Teil der Dämmerung, sie spüren die Atmosphäre einer Stadt oder plötzlich fällt ihnen das eigentümliche Licht, der Geruch, ein Wind auf. Sie haben das nicht gesucht, aber werden davon erfasst.

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„Die Form der Schönheit“ von Frank Berzbach


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Gernot Böhme sieht die Erfahrung der Atmosphäre nun als zweifache Chance. Zum einen als Differenzphänomen: Menschen können, auch wenn sie trauern, plötzlich Mikromomente der Schönheit erleben, die sie trösten. Oder sie machen eine Erfahrung der Schönheit, indem sie in etwas hineingeraten. Die Schönheit setzt sich aus dieser Verbundenheit zusammen, weniger über die isolierten Formen. Es gibt für Gernot Böhmen nun Berufe, die an der Ästhetik arbeiten, die Atmosphäre schaffen wollen. Sie gehen der Frage nach, wie es dem wahrnehmenden Menschen in der Wahrnehmung geht.

Atmosphäre lässt sich nur schwer herstellen

Die Fähigkeit, etwas oberflächlich Schönes zu produzieren, erledigen heute teils Fachleuten gezielt und manipulierend. Aber die Kunst, eine Atmosphäre zu schaffen, kennt keine starren Rezepte. Es gibt viele Berufsgruppen, die, wenn vielleicht auch ausschnitthaft, damit betreut sind. Aber nicht nur Bühnenbildner am Theater, Architekten, Schriftsteller oder Illustratoren arbeiten daran. Sondern man begegnet der Berufsgruppe und dem Phänomen überhaupt auch im Alltag.

Eine gewisse Stimmigkeit – oder kunstvolle Widersprüche – zwischen der Person und den sie umgebenden Gegenständen zu schaffen, ist ein wichtiger Aspekt um Atmosphäre zu erzeugen. Die ganze Atmosphäre kann nur schwer erzeugt werden, weil zu vieles zusammenspielt und nur Teile davon beeinflussbar sind. Aber im Mikrokosmos entstehen immerhin Details diese Stimmung. Jeder Einzelaspekt kann sie zerstören. Aber selbst wenn alles stimmt, bedeutet das nicht, dass Atmosphäre entsteht. Quelle: „Die Form der Schönheit“ von Frank Berzbach

Von Hans Klumbies