Die neuen Medien erweitern die Formen der Literatur

In den neuen Medien muss man sich verstellen und seine eigene, emotionale Realität entwerfen, um sie leben zu können. Emanuele Coccia erklärt: „Darum sind Autor und Figur auch nicht mehr voneinander zu unterscheiden. Denn nur, wenn man zu einer fiktiven Figur wird, enthält man den Status eines Autors, und nicht umgekehrt.“ Autor zu sein bedeutet heute, ausschließlich über die literarische Fiktion Zugang zur eigenen Realität zu haben. Es handelt sich um eine erweiterte Form der Literatur, weil sich das Medium, in dem sie stattfindet, nicht allein auf Worte beschränkt, sondern mittels verschiedener Träger versucht, die Erfahrung so weit wie nur möglich zu reproduzieren. Emanuele Coccia ist Professor für Philosophiegeschichte an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris.

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Im Arche Literaturkalender 2026 geht es um das Thema „Herz und Verstand“

Der Arche Literaturkalender ist ein Klassiker. Auch 2026 ist er der unverzichtbare Begleiter durch das literarische Jahr. Herausgeberin Angela Volknant versammelt unter dem Thema „Herz und Verstand“ bekannte Autorinnen und Autoren aus aller Welt, aber auch solche, die es noch zu entdecken gilt. Zu den weltberühmten Autoren zählt ohne Zweifel James Joyce. „Sein Herz tanzte auf ihren Bewegungen wie ein Korken auf einer Welle. Er hörte, was ihre Augen unter dem Schal zu ihm sagten, und wusste, dass er in irgendeiner dunklen Vergangenheit, sei es im Leben oder in der Träumerei, ihre Geschichte schon einmal gehört hatte.“ Schon der Debütroman „Ein Porträt des Künstlers als junger Mann“ von James Joyce lässt erahnen, dass hier ein Schriftsteller großen Formats die Bühne betritt.

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Die Grausamkeit ist ein gängiges Thema in der Literatur

Für die subjektive Dimension der Diskursgeschichte der Grausamkeit stellt Robert Musils Kurzroman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ ein besonders anschauliches Exemplar dar. Die Annäherung an dieses frühe Meisterwerk erfolgt jedoch auf einem Umweg, bei dem einige Autoren vor Musil zur Sprache kommen. Ausgegangen wird von Stendhals Roman „Rot und Schwarz“, der während der Restaurationsperiode zwischen 1815 und 1830 spielt. Wolfgang Müller-Funk erklärt: „Der Held der Geschichte, der gesellschaftliche Emporkömmling Julien, streitet sich in einer Szene in einem Salon mit dem italienischen Grafen Altamira über den französischen Revolutionär Danton, aber eigentlich dreht sich das Gespräch um Selbstbehauptung, Stolz des männlichen Geschlechts, sozialen Status und nicht zuletzt auch um Grausamkeit.“ Wolfgang Müller-Funk war Professor für Kulturwissenschaften in Wien und Birmingham und u.a. Fellow an der New School for Social Research in New York und am IWM in Wien.

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Johann Wolfgang von Goethe lädt Friedrich Schiller nach Weimar ein

Wenige Wochen nach einem Treffen lud Johann Wolfgang von Goethe Friedrich Schiller für vierzehn Tage nach Weimar ein. „Kommen Sie mich besuchen“, schrieb Goethe Anfang September, Hof war auf einem anderen Schloss und niemand würde sie stören. Andrea Wulf ergänzt: „Sie könnten sich unterhalten und ihre Diskussion fortsetzen, und Goethe wollte Schiller seine Sammlungen von Büchern, Kunst und naturkundlichen Gegenständen zeigen.“ Friedrich Schiller freute sich, warnte den älteren Dichter jedoch, dass er ein schwieriger Gast sei – fast schon ein Invalide, der an chronischen Brustschmerzen und Magenkrämpfen sowie Schlaflosigkeit leide. Als Autorin wurde Andrea Wulf mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet, vor allem für ihren Weltbestseller „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ 2016, der in 27 Sprachen übersetzt wurde.

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Friedrich Schlegel und Novalis wollten das Leben romantisieren

„Der Nutzen ist das große Idol der Zeit“, heißt es bei Friedrich Schiller (1759 – 1805). Rebekka Reinhard stellt fest: „In der Folge von Französischer Revolution und Aufklärung wenden sich die Klassiker und Frühromantiker gegen die aus Vernunft geborene Zweckrationalität: Friedrich Schlegel (1772 – 1829) und Novalis (1772 – 1801) wollten das Leben nicht bilanzieren, sondern romantisieren.“ Kunst muss kein starr umgrenztes Genre sein. Sie kann auch Leben, Ereignis bedeuten, überall und jederzeit sein. In diesem Sinne plädiert Friedrich Schlegel in seinem „116. Athenäums-Fragment“ für eine „progressive Universalpoesie, die alle getrennten Gattungen wieder vereint, die das Leben und die Gesellschaft poetisch machen soll. Rebekka Reinhard ist Chefredakteurin des Magazins „human“ über Mensch und KI. Unter anderem ist sie bekannt durch den Podcast „Was sagen Sie dazu?“ der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft wbg.

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Petrarca wurde 1304 in Arezzo geboren

Unabhängig voneinander entschieden sich Boccaccio und Petrarca für einen neuen Weg: das literarische Leben. Sarah Bakewell ergänzt: „Eine junge Gegenkultur kann verschiedene Formen annehmen. Im 14. Jahrhundert konnte es bedeuten, viel Cicero zu lesen und eine Büchersammlung aufzubauen.“ Der ältere von beiden war Petrarca. Er wurde 1304 in Arezzo geboren, nicht in Florenz, aus dem seine Eltern als Anhänger der „Weißen“ fliehen mussten, als die schwarzen Guelfen die Macht übernahmen. Zu denen, welche die Stadt verließen, gehörte auch Dante, ebenfalls ein weißer Guelfe. Weder Dante noch Petrarcas Eltern kehrten jemals wieder nach Florenz zurück. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er teils auf der Flucht, teil an Orten, wo die Familie ein paar Monate oder Jahre blieb, bevor sie weiterzog. Sarah Bakewell lebt als Schriftstellerin in London, wo sie Creative Writing an der City University lehrt und für den National Trust seltene Bücher katalogisiert.

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Goethe und Schiller beflügelten gegenseitig ihre Kreativität

Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller kamen sich in einer Zeit näher, in der beide Probleme mit dem Schreiben hatte. Andrea Wulf weiß: „Nun aber inspirierten sie sich gegenseitig und produzierten in den folgenden zehn Jahren einige ihrer besten Werke. Sie arbeiteten eng zusammen, forderten einander heraus und redigierten gegenseitig ihre Texte.“ Die Tatsache, dass sie so gegensätzliche Temperamente hatten, beflügelte ihre Kreativität. „Ein jeder konnte dem anderen etwas geben, was ihm fehlte, und etwas dafür empfangen“, erinnerte sich Friedrich Schiller später. Die Begegnung mit Johann Wolfgang von Goethe, erklärte Friedrich Schiller einmal einer Freundin, „sei das wohltätigste Ereignis meines ganzen Lebens“ gewesen. Als Autorin wurde Andrea Wulf mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet, vor allem für ihren Weltbestseller „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ 2016, der in 27 Sprachen übersetzt wurde.

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William Shakespeares Werke wurde auf vielfältige Weise verändert

Obwohl die drei Bedingungen und die fünf Bestandteile aller Tragödien die gleichen sind wie früher in Athen, unterscheiden sich die Tragödien von William Shakespeare in vielen wichtigen Punkten von den alten. Ágnes Heller erklärt: „Shakespeares Publikum war dieser Unterschied egal, es war meist nicht mit den antiken Tragödien vertraut. Die Kunstexperten, die Theoretiker und das kultivierte Publikum jedoch konnten sich nur schwer mit diesen „barbarischen“ Werken versöhnen.“ William Shakespeares Werke wurden zensiert, gekürzt, beschnitten, einige Ausdrücke und Szenen wurden ganz wegelassen oder „gentrifiziert“, das Ende wurde verändert. Ab 1977 lehrte Ágnes Heller als Professorin für Soziologie in Melbourne. 1986 wurde sie Nachfolgerin von Hannah Arendt auf deren Lehrstuhl für Philosophie an der New School for Social Research in New York.

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Die Romantiker wollten nicht in eine Phantasiewelt entfliehen

Das Ziel aller Romantiker war es ja, das „Mysterium“ Wirklichkeit neu zu entdecken und zu entschlüsseln. Man tut den sogenannten „Realisten“ ebenso unrecht, wenn man ihnen diesen höheren Begriff der Wirklichkeit abspricht, wie den sogenannten „Romantikern“, wenn man ihren Wirklichkeitssinn nicht anerkennt. Jürgen Wertheimer erklärt: „Ob Novalis oder Chateaubriand, Keats, Shelley, Eichendorff oder Heine – keinem von ihnen ging es darum, aus der Gegenwart in eine Phantasiewelt zu entfliehen.“ Sie wollten, im Gegenteil, die möglicherweise verborgene, aber existenziell entscheidende Seite der Wirklichkeit freilegen, „Priester“ der großen Geheimnisse, aber auch der „kleinen Dinge“ sein. Das trifft nur auf die große Ausnahmefigur Victor Hugo zu, sondern auch auf Kollegen wie Adalbert Stifter oder Gottfried Keller. Jürgen Wertheimer ist seit 1991 Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik in Tübingen.

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Die Romantik war ein Schritt in Richtung Moderne

Im Grunde weckt der Begriff „Romantik“ heute völlig falsche Assoziationen. Jürgen Wertheimer erklärt: „Nein, es handelt sich um keine naive Gefühlsüberflutung, keine empfindsame Weltflucht. Es geht um nichts Geringeres als einen Umsturz der Wahrnehmung aus dem Geist der Poesie.“ Eine Revolution der Innenwelt, eine generelle Neuausrichtung der Wahrnehmungssensorien. Und das mit einer – trotz aller Verschiedenartigkeit der nationalen Situation – erstaunlichen Geschlossenheit. Denn im Grunde verbirgt sich hinter dem romantischen Aufbruch bei aller scheinbar Rückwärtsgewandtheit und Bizarrerie ein wesentlicher Schritt in Richtung Moderne. Alle romantischen Theoretiker sahen sich als Vertreter einer jungen, progressiven Bewegung, die einem neuen Denk- und Empfindungsstil den Weg bereiten sollte. Jürgen Wertheimer nennt Protagonisten August Wilhelm Schlegel, Novalis, Samuel Taylor Coleridge, John Keats, Victor Hugo und Alfred de Musset. Jürgen Wertheimer ist seit 1991 Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik in Tübingen.

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Die Tragödie entstand in Griechenland

Die Tragödie hat drei Bedingungen und fünf Bestandteile. Die drei Bedingungen teilt sie mit der Komödie, die fünf Bestandteile hingegen nicht. Die drei Bedingungen sind Theater, Werkt und Publikum. Ágnes Heller erläutert: „Das Theater ist eine Institution, meist auch ein Gebäude, das als Heim, als Ort der Aufführung eines Stücks für ein Publikum dient. Bekanntlich wurde die Tragödie in der Folge der dionysischen Feste in Griechenland geboren. Und dies, obwohl Dionysos dort ein Fremder war, ein fremdartiger, asiatischer Gott, auch wenn er vermutlich der Sohn von Zeus und Semele war. Ab 1977 lehrte Ágnes Heller als Professorin für Soziologie in Melbourne. 1986 wurde sie Nachfolgerin von Hannah Arendt auf deren Lehrstuhl für Philosophie an der New School for Social Research in New York.

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Die Literatur wollte die Realität schonungslos abbilden

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wollte die Kunst, wollte die Literatur nicht nur schonungslos die Realität abbilden, aus dem Gefängnis der Rücksichtsnahmen ausbrechen und einen neuen Frei- und Gestaltungsraum erobern – sie wollte sich darüber hinaus Realität schaffen. Jürgen Wertheimer nennt Beispiele: „Charles Dickens war es gelungen, die Sozialgesetzgebung seines Landes – etwa was die Kinderarbeit betrifft – entscheidend zu beeinflussen. Leo Tolstoi errichtete Schulen und revolutionierte die Agrarwirtschaft, Émile Zola trat 1898 in der sogenannten Dreyfus-Affäre mit dem offenen Brief „J´accuse“ für den verleumdeten Offizier jüdischer Herkunft ein und wurde zu einer Gefängnishaft verurteilt.“ Émile Zola floh nach England und kehrte 1899 amnestiert und gefeiert zurück; als er 1902 starb wurde er im Pantheon beigesetzt. Jürgen Wertheimer ist seit 1991 Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik in Tübingen.

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Die Adoleszenz hat einen gefährlich weichen seelischen Boden

Die biographische Zeit in Robert Musils Kurzroman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ ist die Adoleszenz, „das Alter des Übergangs“, das der Erzähler „als einen gefährlich weichen seelischen Boden“ bezeichnet, kurzum eine Welt, die man von anderen Autoren zu Anfang des 20. Jahrhunderts wie Frank Wedekind, Hermann Hesse oder Robert Walser kennen. Wolfgang Müller-Funk erklärt: „Der Verweis auf diese Autoren macht sinnfällig, dass jene Momente, die Musil sehr luzide beschreibt, sich auch in anderen Werken auf unterschiedliche Weise finden.“ Die Pointe der Geschichte Robert Musils besteht freilich darin, dass die Grausamkeit der drei angehenden Männer an einem vierten nicht so sehr durch zügellose Aggression hervorgerufen werden, sondern durch eine extreme Empfindlichkeit. Wolfgang Müller-Funk war Professor für Kulturwissenschaften in Wien und Birmingham und u.a. Fellow an der New School for Social Research in New York und am IWM in Wien.

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Die Sprache prägt die Zugehörigkeit zu einer Gruppe

Ein Exkurs schweift von der Hauptroute ab, aber so, dass auf dem Umweg geistige Heuer eingefahren werden kann. Der ausgelassene Bruder des akademischen Exkurses ist der Schlenkerer. Karl-Markus Gauß erläutert: „Er ist kein überlegtes Abschweifen vom geraden Weg, sondern ein Abschweifen aus reiner Lust und Laune.“ In der Sprache erfahren Menschen als Erstes die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, und in der Sprache wird diese später täglich erlebt. Aber das Sprechen selbst ist nicht der wichtigste Akt, mit dem sich ihnen diese Zugehörigkeit erweist. Wichtiger als das tatsächliche Sprachvermögen ist die soziale Sprach-Erinnerung: an das Leid, den Mut, die Arbeit, die Hoffnungen der Vorfahren. Karl-Markus Gauß lebt als Autor und Herausgeber der Zeitschrift „Literatur und Kritik“ in Salzburg. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt und oftmals ausgezeichnet.

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Charles Dickens wurde als „König der Herzen“ gefeiert

Wer produziert Kunst? Für wen? Und wozu? Grundsätzliche Fragen dieser Art erlangten im Verlauf des 19. Jahrhunderts brennende Aktualität. In seinem Essay „Was sollen wir den tun?“ (1886) stellt Leo Tolstoi (1828 – 1910) sie mit großer Insistenz. Jürgen Wertheimer blickt zurück: „Einige Jahrzehnte früher enthüllt Honoré de Balzac (1799 – 1850) den ökonomischen und soziologischen Kern jeder Kunstproduktion, während Charles Dickens (1812 – 1870) sie als Medium sozialer Verbesserung einzusetzen versucht.“ Von seinen Zeitgenossen wurde er als „König der Herzen“ gefeiert. „Nostro Carlo Dickens è morto“, titelten italienische Zeitungen, als die Nachricht vom Tod des Dichters am 9. Juni 1870 um die Welt ging, und dem Feuilletonisten einer Genueser Zeitung kam es vor, als sei die Sonne am Himmel ausgelöscht. Jürgen Wertheimer ist seit 1991 Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik in Tübingen.

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Friedrich Schiller hatte nur wenig Geld

Obwohl Charlotte aus einer Adelsfamilie stammte und Friedrich Schiller ein berühmter Dramatiker war, hatten sie nur wenig Geld. Andrea Wulf kennt die Fakten: „Die Universität zahlte dem vierunddreißigjährigen Autor magere 200 Taler im Jahr – das entsprach ungefähr dem Jahreseinkommen eines gelernten Handwerkers, etwa eines Zimmermanns oder Tischler – und seine schriftstellerische Tätigkeit war auch nicht sonderlich lukrativ.“ Zusammen beliefen sich sein Gehalt, die Verlagshonorare, die Gebühren seiner Studenten und ein kleiner Zuschuss der Familie seiner Frau auf gerade einmal 800 Taler – genug, um die Familie zu ernähren und zu versorgen, aber für eine elegante Wohnung, gute Möbel oder Kleindung war kein Geld übrig, ganz zu schweigen von anderem Luxus. Als Autorin wurde Andrea Wulf mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet, vor allem für ihren Weltbestseller „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ 2016, der in 27 Sprachen übersetzt wurde.

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Goethe war ein literarischer Superstar

Das Buch „Die Leiden des jungen Werthers“ waren Johann Wolfgang von Goethes bedeutendster Beitrag zum sogenannten Sturm und Drang. Dabei handelt es sich um eine literarische Bewegung, die sich gegen den Rationalismus der Aufklärung wandte. Die Schriftsteller des Sturm und Drang zelebrierten Emotionen in all ihren Extremen. Sie schrieben von leidenschaftlicher Liebe bis zur düsteren Melancholie, von selbstmörderischer Sehnsucht bis zu rasender Freude. Und Johann Wolfgang von Goethe wurde damit zum literarischen Superstar. Andrea Wulf weiß: „Der achtzehn Jahre alte Herzog Carl August war von dem Roman so angetan, dass er Goethe 1775 einlud, bei ihm im Herzogtum Sachsen-Weimar zu leben und zu arbeiten.“ Als Autorin zeichnete man Andrea Wulf mit einer Vielzahl von Preisen aus, vor allem für ihren Weltbestseller „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ 2016, der in 27 Sprachen übersetzt wurde.

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Uralt ist das Streben nach Glück

Das Leben ist gut – wie es auch sei. Es gibt bei vielen Menschen die Sehnsucht, seinem Leben und Erleben Glanz zu verleihen. Dazu gesellt sich die Entschlossenheit, das Schöne, das Wunder, den Zauber ins eigene Leben hereinzuholen. Diese Wünsche haben ihre Dynamik in der der prekären Gegenwart keineswegs verloren. Ulrich Grober betont: „Und das ist gut so. Dieser Wille gehört untrennbar zum Streben nach Glück, ist uralt und ewig jung. Er sucht sich immer neue Kanäle und Ausdrucksformen.“ Doch wie die sozialen Medien, ja das Netz insgesamt, ist gerade das Wortfeld WOW heillos verstrickt in die Sprache der Werbung und die Welt der Warenästhetik. Es wird seines Zaubers beraubt von endlosen Plakaten zu Lippenstiften und Anzeigen zum nächsten Wochenendtrip. Den Publizisten und Buchautor Ulrich Grober beschäftigt die Verknüpfung von kulturellem Erbe und Zukunftsvisionen.

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Schiller und Goethe waren gefeierte Schriftsteller

Im Jahr 1789 nahm Friedrich Schiller eine schlecht bezahlte Stelle an der Universität in Jena an. Andrea Wulf weiß: „Dort hielt er Vorlesungen über Geschichte und Ästhetik, und auch wenn das Geld knapp war, hatte er doch endlich die Freiheit zu schreiben.“ Johann Wolfgang von Goethe aber hielt sich von ihm fern. Beide waren gefeierte Schriftsteller, und beide wussten voneinander. Da Goethe im nur zwanzig Kilometer entfernten Weimar lebte, scheint es seltsam, dass sie nie wirklich miteinander sprachen. Es war Johann Wolfgang von Goethe, der den Kontakt gemieden hatte, wie er später zugab. Als Autorin wurde Andrea Wulf mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet, vor allem für ihren Weltbestseller „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ 2016, der in 27 Sprachen übersetzt wurde.

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Friedrich Schiller ist mit dem Stück „Die Räuber“ bekannt geworden

In den frühen 1780er Jahren war Friedrich Schiller mit „Die Räuber“ bekannt geworden. Dabei handelt es sich um ein Stück über zwei adlige Brüder, die sich nicht entscheiden konnten, ob sie nach Macht oder nach Freiheit streben sollten. Andrea Wulf blickt zurück: „Schiller wurde 1789 im Herzogtum Württemberg geborgen, wo sein Leben vom despotischen Herzog Karl Eugen überschattet wurde – eines Landesherrn, der sein Geld vor allem für Paläste, Feste und Kunst ausgab.“ Nach dem Vorbild des französischen Königs in Versailles war der Hof des Herzogs opulent, förmlich und absolut. Als Autorin wurde Andrea Wulf mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet, vor allem für ihren Weltbestseller „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ 2016, der in 27 Sprachen übersetzt wurde.

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In den Romanen von Philip Roth spielt die Komik immer eine Rolle

In den Romanen von Philip Roth nehmen der innere Aufruhr und die Sexualität einen wichtigen Platz ein. Doch wenn Roth von Sex spricht, spielt die Komik immer eine Rolle. Alain Finkielkraut nennt ein Beispiel: „Das trifft besonders auf „Portnoys Beschwerden“ zu. Die Hervorhebung des komischen Elements dieser entscheidenden Erfahrung hat Roth mit Milan Kundera, dem Autor von „Das Buch der lächerlichen Liebe“, gemeinsam.“ Diesem hat Philip Roth übrigens seinen Roman „Der Ghostwriter“ gewidmet. Der Vorwurf der Frauenfeindlichkeit bekundet die Dummheit der literaturfernen Gegenwart. In „Mein Leben als Mann“ hat Roth eine Frau als Monster geschildert. Die scharfsinnigen Kritiker haben daraus geschlossen, dass für ihn alle Frauen Monster seien, obwohl sein Werk reich ist an wundervollen, feinfühligen oder herzzerreißenden Frauengestalten. Alain Finkielkraut gilt als einer der einflussreichsten französischen Intellektuellen.

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Tod und Sex sind die Themen von Philip Roth

„Hier, wo der Mensch palavert und wehklagt, Der graue Schopf, erbärmlich dünn, sich neigt, Wo Jugend bleich und geisterhaft verdirbt, Wo denken heißt: sich sorgen.“ Diese großartigen Verse von John Keats sind als Motto Philip Roths Roman „Jedermann“ vorangestellt. Alain Finkielkraut weiß: „Es ist der Roman eines Sterblichen, unser aller Geschichte, und seinen Vornamen werden wir deswegen im ganzen Roman nicht erfahren. In Philip Roths Werk ist die ständige Auseinandersetzung mit dem Altern und dem Tod mindestens ebenso präsent wie der Sex.“ Der Tod ist unausweichlich, absurd, universell, so schrecklich wie banal, und inzwischen auch ohne Aussicht auf ein schöneres Jenseits. „Der Tod ist von Gott und hat seinen Vater gefressen“, sagt Elias Canetti. Alain Finkielkraut gilt als einer der einflussreichsten französischen Intellektuellen.

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Mythen prägten die griechische Tragödie

In der griechischen Tragödie spielte die Handlung in der mythologischen Vergangenheit, da man genau diese Vergangenheit am Ende überwand. Ágnes Heller ergänzt: „Bei Shakespeare spielte sich die Handlung hauptsächlich in der historischen Vergangenheit ab. Und nicht nur die aus der englischen Geschichte, sondern auch Hamlet, Macbeth oder König Lear – denn man kann die Geschichte nur hinter sich lassen, wenn man in ihr aufgeht. Die klassische französische Tragödie folgte beiden Vermächtnissen, ähnlich wie die Barockoper. Im griechischen Drama spielte der Chor immer eine entscheidende Rolle, nicht nur in Tragödien, sondern auch in Komödien des Aristophanes. Ab 1977 lehrte Ágnes Heller als Professorin für Soziologie in Melbourne. 1986 wurde sie Nachfolgerin von Hannah Arendt auf deren Lehrstuhl für Philosophie an der New School for Social Research in New York.

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William Shakespeare schrieb Tragödien und Komödien

Ágnes Heller weiß: „In der Neuzeit war die strikte Trennung zwischen tragischem Dichter und komischem Dichter bereits überholt.“ Sokrates schlug vor, dass derselbe Dichter Tragödie und Komödie schreiben sollte. Dabei bezog er sich offensichtlich auf seine eigenen philosophischen Dialoge, die sowohl tragisch als auch komisch waren. Doch der erste Dichter, der sowohl Tragödien als auch Komödien und darüber auch „Romanzen“ schrieb, war William Shakespeare. Und er tat noch etwas Unerhörtes: Es gab komische Szenen in seinen Tragödien als auch tragische Szenen in seinen Komödien. Ágnes Heller, Jahrgang 1929, war Schülerin von Georg Lukács. Ab 1977 lehrte sie als Professorin für Soziologie in Melbourne. 1986 wurde sie Nachfolgerin von Hannah Arendt auf deren Lehrstuhl für Philosophie an der New School for Social Research in New York. Ágnes Heller starb am 19. Juli 2019 in Ungarn.

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Johann Wolfgang von Goethe ritt von Weimar nach Jena

Am 20. Juli 1794 ritt Johann Wolfgang von Goethe von seinem Haus im Zentrum Weimars nach Jena, wo er an einer Sitzung der neu gegründeten Naturforschenden Gesellschaft teilnehmen wollte. Andrea Wulf blickt zurück: „Auf dem gut zwanzig Kilometer langen Weg von Weimar nach Jena kam Goethe an Bauern vorbei, die auf goldenen Feldern Weizen ernteten.“ Zwei Stunden ritt er durch flaches Ackerland, dann änderte sich die Landschaft allmählich. Kleiner Dörfer und Weiler schmiegten sich in sanfte Senken, dann wurde der Wald dichter und die Felder verschwanden. Die Gegend prägten nun Hügel. Als Autorin wurde Andrea Wulf mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet, vor allem für ihren Weltbestseller „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ 2016, der in 27 Sprachen übersetzt wurde.

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