Simone de Beauvoir schrieb den Weltbestseller „Das andere Geschlecht“

Die neue Sonderausgabe des Philosophie Magazins trägt den Titel „Beauvoir. Erobere deine Freiheit“. Der Klassiker „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir legt präzise und schonungslos offen, was Frauen davon abhält, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, ja sich überhaupt als Subjekt zu begreifen. Jana Glaese, die Chefredakteurin der Sonderausgabe, schreibt im Editorial: „Die Frau, so zeigt Beauvoir, erlebt sich von klein auf als Untergebene, als Andere des Mannes, die keine eigenen Wünsche und Bestrebungen, kein eigenes Begehren hat.“ Das Buch „Das andere Geschlecht“ wurde weltweit rezipiert, inspirierte die neue Frauenbewegung und ihren Kampf um geschlechtliche Gleichberechtigung. Simone des Beauvoir war nicht in erster Linie Feministin oder, wie es andere sehen, Schriftstellerin, die allein die Philosophie ihres Gefährten Jean-Paul Sartre kopierte und popularisierte.

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Freiheit ist der Ausgangspunkt aller Verfassungswerte

Das Grundgesetz bindet alles staatliche Handeln an Recht und Gesetz. Der Rechtsstaat und sein Medium, das Recht, beruhen auf Grundlagen, die der Pflege und der ständigen Vergewisserung bedürfen. Hans-Jürgen Papier erläutert: „Das gilt für die Zwecke und Ziele des Rechts ebenso wie für alle seine Funktionen, die unsere Freiheit sichern, und genauso in das Vertrauen in das Recht und das Rechtsbewusstsein – und zwar auf Seiten der Bevölkerung und in den Organen des Staates.“ Freiheit ist jedoch nicht der einzige Grundwert in der Verfassung. Sie ist aber ihr Ausgangspunkt und hat entscheidende Bedeutung für den Inhalt und das Gefüge aller anderen Verfassungswerte. Um die freiheitliche Entfaltung aller zu gewährleisten, haben sich Menschen der Idee nach überhaupt erst im Staat zusammengeschlossen und sich durch Verfassungen nicht zuletzt gegen seine Übermacht abgesichert. Prof. em. Dr. Dres. h.c. Hans-Jürgen Papier war von 2002 bis 2014 Präsident des Bundesverfassungsgerichts.

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Emanuele Coccia beschreibt das Zuhause in der Philosophie

Die Philosophie vernachlässigte das Zuhause nicht nur, sie ordnete es zudem der Stadt und der Politik unter und verbaute sich damit selbst den Weg zum Glück. Sie überließ das Zuhause den Kräften von Genealogie und Eigentum, so dass es in sich zusammenschrumpfte, bis es nur noch den Anforderungen des menschlichen Körpers diente. Dagegen verbannte man alles, was mit Glückseligkeit zu tun hat, aus den seinen vier Wänden und verlagerte es in die Stadt hinaus. Emanuel Coccia kritisiert: „Das Glück ist zum bloßen Schattenspiel verkommen, weil es aus dem zu eng gewordenen häuslichen Ambiente herausgelöst und zu einem politischen Faktum erhoben wurde, das sich nur im städtischen Raum entfalten kann.“ Emanuele Coccia ist Professor für Philosophiegeschichte an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris.

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Nichts fürchtet der Staat so sehr wie die Freiheit des Bürgers

Mancher der heutigen Staaten will eine bessere Welt schaffen. Er will eine Welt schaffen, die zu den Idealen der Staatslenker passt, nicht zu den Idealen der Bürger. Reinhard K. Sprenger erklärt: „Deshalb muss er dem Bürger möglichst viele Entscheidungen abnehmen und sie auf allen Wegen lenken und leiten. Der sich abzeichnende Staat lebt daher vom Entzug von Bürgersouveränität, es ist ein Staat des volkspädagogischen Katheders. Nichts scheint so unerträglich wie die Freiheit des Bürgers. Seit Jahrhunderten verläuft die Konfliktlinie zwischen Bürger und Staat. Viele Gesetze wurden erlassen, um den Bürger vor einem wuchernden und übergriffigen Staat zu schützen. Sogar die Unkündbarkeit des Beamtenrechts hat hier seine Ursprung. Gegenüber dem Staat waren die Bürger untereinander solidarisch. Reinhard K. Sprenger, promovierter Philosoph, ist einer der profiliertesten Führungsexperten Deutschlands.

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Zuwanderung kann das Problem der Alterung teilweise lösen

Tatsächlich kann Zuwanderung das Problem der Alterung in Industrienationen zumindest teilweise lösen, immer vorausgesetzt, das Wachstum ist stabil, und es gibt reichlich Arbeit. Nouriel Roubini erklärt: „Mehr junge Arbeitnehmer zahlen in die Sozial- und Krankenversicherung ein, mehr Verbraucher kurbeln die Nachfrage an und steigern die Steuereinnahmen des Staats, mit denen dieser die aktuelle und implizite Schuldenlast erleichtern kann.“ In den Vereinigten Staaten strömten Zuwanderer früher in die Industrie und in Dienstleistungssektoren, wo gut ausgebildete und motivierte Arbeitnehmer gebraucht wurden. Die Freiheitsstatue begrüßte die Massen der Beladenen und Armen der Welt, die sich nach Freiheit sehnten. Wie sich die Zeiten doch geändert haben. Nouriel Roubini ist einer der gefragtesten Wirtschaftsexperten der Gegenwart. Er leitet Roubini Global Economics, ein Unternehmen für Kapitalmarkt- und Wirtschaftsanalysen.

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Die Erfolge der Technik sind Quellen gegenwärtiger Freiheit

Die existenzielle Idee von Freiheit und Frieden braucht Menschen, die unsere Welt erkennen und anerkennen, den Menschen ergründen und verstehen. Paul Kirchhof schreibt: „Wenn der Mensch Güter produziert, menschliche Verhaltensweisen lenkt oder experimentell überprüfbare Wirkungsabläufe der Natur erkennt, verbessert er Lebensbedingungen, gibt sinnvolle Verhaltensempfehlungen, mehr das Wissen über den Menschen, seine Natur und seine Umwelt.“ Organisation und Verfahren der Politik, die Gesetzmäßigkeiten des Martes, die Ergebnisse gegenständlich-empirischer Forschung und die Erfolge der Technik sind Quellen gegenwärtiger Freiheit, ohne die wir aus heutiger Sicht in eine Unfreiheit zurückfallen würden. Doch wir brauchen auch Quellen für die Fähigkeit, den Sinn des menschlichen Lebens zu ergründen und zu erhellen. Dr. jur. Paul Kirchhof ist Seniorprofessor distinctus für Staats- und Steuerrecht an der Universität Heidelberg.

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Die Freiheit der Rede ist in der Demokratie ein hohes Gut

Man muss sich nur ausmalen, was es mit den Bürgern eines Landes macht, wenn sie glauben, sich nicht mehr frei äußern zu können. Richard David Precht erklärt: „Man überlegt sich lange und genau, was man sagt und was nicht. Der Konformitätsdruck sorgt für eine Schere in vielen Köpfen und erst recht bei Meinungsäußerungen. Das aber widerspricht ohne Zweifel dem Gedanken unserer liberalen Demokratien. Die Freiheit der Rede ist ihnen ein hohes Gut.“ Denn was liegt der liberalen Demokratie anderes zugrunde als das Konzept, dass über gesellschaftliche Themen breit und kontrovers diskutiert werden soll? Ihrem Ideal nach ist die Demokratie der Sieg der besten Ideen im fairen und ungezwungenen Wettstreit um das beste Argument. Richard David Precht ist Philosoph, Publizist und Autor. Er zählt zu den profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum.

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Der Mensch hat eine Sonderstellung gegenüber der Natur

Zuallererst gilt für Katia Henriette Backhaus: „Nachhaltige Freiheit ist bedingt.“ Denn die ökologische Krise und die durch diese geprägte Forderung der Nachhaltigkeit stellen eine Herausforderung für die Freiheit dar, weil sie die ökologisch-materiellen Grundlagen der Freiheit zur Sprache bringen. Die Vereinbarkeit von Freiheit und Nachhaltigkeit in einem Begriff nachhaltiger Freiheit muss also zunächst bei den Bedingungen der Möglichkeit von Freiheit ansetzen. Auch das Verhältnis von Mensch und Natur spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Die menschliche Sonderstellung in und gegenüber der Natur ermöglicht, dass die Menschen gleichermaßen als naturzerstörerische wie als naturschützende Kraft auftreten können. Die Menschen sind ein Teil der Natur, können diese aber auch transzendieren. Katia Henriette Backhaus hat an der Universität Frankfurt am Main promoviert. Sie lebt in Bremen und arbeitet als Journalistin.

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Die moderne Gesellschaftskritik ist Gewohnheitskritik

Dass die Gewöhnung zur Freiheit führt, ist ihre Bestimmung im griechischen Modell der Befreiung, der Befreiung als Subjektivierung. Christoph Menke stellt fest: „Dass sie knechtend ist, ist die Erfahrung, welche die Israeliten nach ihrer Freilassung durch Pharao machten: Sie ist der Kern der Gegenerfahrung der Gewohnheit, die nach den jüdischen Erzählungen das christliche Denken und von daher die moderne Gesellschaftskritik bestimmt – denn die moderne Gesellschaftskritik ist Gewohnheitskritik.“ Im Zentrum dieser – zunächst jüdischen, dann auch christlichen – Gegenerfahrung der Gewohnheit stellt die Einsicht von Augustinus, dass „wer der Gewohnheit nicht widersteht […] in den Banden einer harten Sklaverei“ liegt: er „verfällt der Notwendigkeit“. Die Gewohnheit schreibt dem Subjekt, das sie zu ihr befreit, eine Notwendigkeit ein, die es nicht zu brechen vermag – denn sie ist dasselbe wie seine Freiheit. Christoph Menke ist Professor für Philosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

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Die Zukunft ist ein Menschending

Das neue Buch von Rebekka Reinhard „Zukunft ist kein Männerding“ ist ein Frauenbuch, das absolut kein Frauenbuch sein will. Es ist ein Buch für alle, die neugierig sind, wie es weitergeht. Die große Lust auf Zukunft haben – eine Zukunft, die sie nicht passiv machtbesoffenen Bros überlassen, sondern selbst entwerfen und aktiv mitgestalten wollen. Zukunft ist kein Männerding, sondern ein Menschending. Dieses Buch ist eine Einladung, alles anders zu betrachten. Und alles anders zu machen. Die herrschenden Machtdynamiken auf eine Weise außer Kraft zu setzen, wie du es noch nie versucht hast. Macht ist hochdynamisch, wandelbar in alle Richtungen. Wie das Leben. Rebekka Reinhard ist Chefredakteurin des Magazins „human“ über Mensch und KI. Unter anderem ist sie bekannt durch den Podcast „Was sagen Sie dazu?“ der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft wbg.

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Joseph Stiglitz erklärt den Freiheitsbegriff auf verständliche Weise

Letzten Endes wird Joseph Stiglitz zeigen, dass die wahren Anhänger eines tiefen, bedeutungsvollen Freiheitsbegriffs der progressiven Bewegung sowohl in den USA als auch im Rest der Welt nahestehen. Sie und die Mitte-links-Parteien, die sie repräsentieren, müssen wieder die Kontrolle über die Freiheitsagenda übernehmen. Insbesondere von den Amerikanern verlangt dies, die Geschichte und die Gründungsmythen ihres Landes einer Neubewertung zu unterziehen. Der erste Teil von Joseph Stiglitz‘ Buch „Der Weg zur Freiheit“ besteht darin, den Freiheitsbegriff aus der Sicht der Wirtschaftswissenschaften des 21. Jahrhunderts auf eine verständliche und einfache Weise zu erklären, so wie es John Stuart Mill im der Mitte des 19. Jahrhunderts in seinem klassischen Werk „Über die Freiheit“ (1859) getan hat. Joseph Stiglitz war Professor für Volkswirtschaft in Yale, Princeton, Oxford und Stanford. Heute lehrt er an Columbia University in New York und ist ein weltweit geschätzter Experte zu Fragen von Ökonomie, Politik und Gesellschaft.

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Die Anfänge der Philosophie entwickeln sich in Griechenland

Freiheit und Gleichheit bedingen sich gegenseitig. Volker Gerhardt erläutert: „Erst im Bewusstsein der Gleichbehandlung durch das Gesetz, auf das jeder entweder so oder anders reagieren kann, kommt die Freiheit der eigenen Entscheidung eines politisch eingebundenen Einzelnen zu Bewusstsein.“ Herodot, so viel ist sicher, nimmt die Anfänge der Philosophie in Griechenland aufmerksam wahr und ist auch mit dem Abstraktionsgewinn der ionischen Denker vertraut. Xenophanes, Heraklit und Anaxagoras führen vor Augen, wie sicher sie bereits mit Begriffen wie Gott, Natur, Mensch und Geist umzugehen verstehen. Sie denken die Individualität der Dinge und Menschen als zugehörige Momente der Universalität des Kosmos und können somit auch die Freiheit der Einzelnen mit dem allgemeinen Gesetz des Staates zusammendenken. Volker Gerhardt lehrte bis 2012 als Professor für Philosophie an der Humboldt-Universität Berlin. Dort ist er auch weiterhin als Seniorprofessor tätig.

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Der Staat gewährt Sicherheit

Die verfassungsrechtliche Garantie von Freiheit und Gleichheit vor dem Gesetz kann manchmal für den Freiheitsberechtigten elementar an Wert verlieren. Nämlich wenn er durch Krieg und Terror bedroht ist oder sich gegen Gewalttätigkeit nicht wehren kann. Dies ist auch der Fall, wenn er als Flüchtling zu verhungern, zu verdursten oder zu erfrieren droht. Oder wenn ein Mensch in den Risiken von Freiheit, Alter und Arbeitslosigkeit alleingelassen wird. Paul Kirchhof erklärt: „Der Mensch ist in seiner Freiheit auf den Staat angewiesen. Ein Staat garantiert seinen Bürgern mit der ihm vorbehaltenen Hoheitsgewalt Sicherheit – historisch sogar Glück.“ Er beansprucht dafür Herrschaft über Menschen. Er weist die Menschen in die Schranken des Rechts und begründet Pflichten. Dr. jur. Paul Kirchhof ist Seniorprofessor distinctus für Staats- und Steuerrecht an der Universität Heidelberg.

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Die erste Form der Freiheit ist die Souveränität

Die deutsche Philosophin Edith Stein brachte während des Ersten Weltkriegs ihren eigenen Körper ein. Timothy Snyder erklärt: „Als Doktorandin ließ sie sich beurlauben, um sich freiwillig als Krankenschwester zu melden. Als sie wieder zu ihrer Doktorarbeit zurückkehrte, bestimmte die Erfahrung mit den Verwundeten ihre Abhandlung für die Einfühlung.“ „Ist nicht“, so fragte sie, „die Vermittlung des Leibes notwendig, um uns der Existenz eines anderen zu versichern.“ Statt vom „Körper“ sprach Edith Stein vom „Leib“. Die erste Form der Freiheit ist, wie Timothy Snyder zeigen möchte, die Souveränität. Eine souveräne Person kennt sich und die Welt in ausreichendem Maße, um Urteile über Werte abzugeben und diese Urteile verwirklichen zu können. Timothy Snyder ist Professor für Geschichte an der Yale University und Permanent Follow am Institut für die Wissenschaft vom Menschen in Wien.

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Freiheit funktioniert derzeit vor allem als Gallionsfigur der Verwüstung

Die Bewegungsfreiheit eines jeden Willens bleibt eingeschränkt. Denn er darf nicht zu sehr in die Freiheitsarena der anderen hineinwirken. Eva von Redecker ergänzt: „Im Gegenzug kann er dann aber auch innerhalb seiner eigenen unbehelligt schalten und walten. In diesem Kompromiss besteht die liberale Freiheit und durch ihn schwelt in ihr eine latente Unzufriedenheit.“ Es ist ein vernünftiger Kompromiss, doch ihm liegt eine bestimmte Unvernunft zugrunde: die Tendenz, doch alle Schranken niederreißen und gerade darin eine wahre, größere Freiheit spüren zu wollen. Zumindest für einen Moment. Oder eben: die anderen loswerden zu wollen, damit die Notwendigkeit der Beschränkung fortfiele. Man kann die Vernunft nachträglich gut heißen, aber zunächst schürt die simple Formel „frei bin ich, wenn ich tun kann, was ich will“, Sehnsucht nach einem leeren Universum. Eva von Redecker ist Philosophin und freie Autorin. Sie beschäftigt sich mit der Kritischen Theorie, Feminismus und Kapitalismuskritik.

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Unsere Wünsche entsprechen zumeist keinesfalls unseren Bedürfnissen

Michael Lehofer schreibt am Anfang seines neuen Buches „Zu viel von Allem und zu wenig vom Richtigen“: „Verwöhnung macht unglücklich. Der verwöhnte Mensch bekommt alles, was er sich in seinem wunschgetriggerten Vorstellungen jemals gewünscht hat, und möglicherweise noch darüber hinaus. Sonderbarerweise entsprechen unsere Wünsche zumeist keinesfalls unseren Bedürfnissen.“ Menschen, die alles haben, sind in der Regel frustriert. Solche Personen sind daher innerlich unruhig, manchmal geradezu aggressiv. Ihr Begehren ist nicht selten eine Ersatzhandlung für ihre eigentlichen Wünsche. Sie werden nach Verheißungen süchtig, nach dem, was ihnen eine Pseudobefriedigung beschert, aber nie nach dem, was erfüllt. Verheißungen sind dem Wesen nach meist unerfüllbare Hoffnungen. Man spricht von leeren Verheißungen. Michael Lehofer ist Philosoph, Psychiater und Psychologe und eine der bekanntesten Stimmen für persönliche Entwicklung im deutschsprachigen Raum.

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In Asien stehen Disziplin und Ordnung obenan

Eine der bemerkenswertesten Äußerungen einer reaktiven nicht-westlichen Identität besteht in den „asiatischen Werten“, die viele Ostasiaten vertreten. Damit reagiert man auf die Behauptung des Westens, er sei der historische Verwahrer der Ideen über Freiheit und Rechte. Amartya Sen weiß: „Verfechter der Vorzüglichkeit asiatischer Werte bestreiten das gar nicht, ganz im Gegenteil.“ Mag Europa auch die Heimat von Freiheit und individuellen Rechten gewesen sein, heißt es. Doch bei den asiatischen Werten stünden Disziplin und Ordnung obenan, und das sei, behauptet man, eine wunder3bare Priorität. Dem Westen deutet man an, er könne seine individuellen Freiheiten und Rechte behalten. Asien hingegen werde besserfahren, wenn es an ordentlichem Benehmen und disziplinierten Verhalten festhalte. Amartya Sen ist Professor für Philosophie und Ökonomie an der Harvard Universität. Im Jahr 1998 erhielt er den Nobelpreis für Ökonomie.

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Über die Wirtschaft kann man unterschiedlich nachdenken

Michael J. Sandel erläutert: „Der Kontrast zwischen der liberalen und der republikanischen Vorstellung von Freiheit legt zwei unterschiedliche Möglichkeiten nahe, über die Wirtschaft nachzudenken.“ Zwei Antworten auf die Frage: „Wozu ist die Wirtschaft da?“ Die liberale Antwort legte Adam Smith in „Der Wohlstand der Nationen“ vor, wo er schrieb, dass „Ziel und Zweck aller Produktion … der Verbrauch [ist].“ John Maynard Keynes wiederholte diese Antwort im 20. Jahrhundert: „Um noch einmal das Offensichtliche festzuhalten: allein Konsum ist Ziel und Zweck aller wirtschaftlichen Tätigkeit.“ Dem würden die meisten zeitgenössischen Ökonomen zustimmen. Doch das, was John Maynard Keynes offensichtlich erschien, ist nicht die einzige Möglichkeit, den Zweck der Wirtschaft zu erfassen. Michael J. Sandel ist ein politischer Philosoph. Er studierte in Oxford und lehrt seit 1980 in Harvard. Er zählt zu den weltweit populärsten Moralphilosophen.

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Der Staatsbürger soll seine Pflichten liebgewinnen

Der kollektive politische Körper ist frei, nicht aber der Einzelne. Und deshalb muss es, so Jean-Jacques Rousseau im Schlusskapitel des „Gesellschaftsvertrags“, ein verpflichtendes zivilreligiöses Glaubensbekenntnis geben. Rüdiger Safranski erklärt: „Der Mensch muss mit seiner ganzen geistigen Existenz vergesellschaftet werden. Diese Zivilreligion sollte den Staatsbürger dazu anhalten, eine gesellschaftlichen und politischen Pflichten liebzugewinnen.“ Es handelt sich dabei um eine Religion der sozialen Daseinserfüllung. Sie sollte das öffentliche Wohl an die Spitze aller Zwecke stellen, sollte verpflichten zum Glauben an die Existenz einer weisen und wohltätigen Gottheit, einer umfassenden Vorsehung, eines zukünftigen Lebens mit der Belohnung der Gerechten und der Bestrafung der Gottlosen. Rüdiger Safranski arbeitet seit 1986 als freier Autor. Sein Werk wurde in 26 Sprachen übersetzt und mit vielen Preisen ausgezeichnet.

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Amerika sollte der zeitlose Maßstab für Freiheit sein

In den frühen 1990er Jahren geschahen unerwartete Dinge: gewalttätige Rassenunruhen in Los Angeles, über die Timothy Snyder in polnischen Zeitungen las, als ich die Sprache an der Ostseeküste lernte; die erste Bewerbung des Milliardärs Ross Perot um das Präsidentenamt, der für Timothy Snyder auf einer BBC-Wahlkarte in einem Gemeinschaftsraum in Oxford real wurde; die Jugoslawien-Kriege, die Flüchtlinge nach Wien trieben, wo sich Timothy Snyder mit einigen von ihnen anfreundete. Doch in dieser Stimmung schien jede Krise etwas Besonderes und jede Herausforderung etwas Technisches zu sein. Geschichte war nicht etwas, das man lernte, sondern das man verantwortlich machte – die ethnischen Säuberungen auf dem Balkan waren angeblich eine Folge „uralten Hasses“, Amerika sollte der zeitlose Maßstab für Freiheit sein. Timothy Snyder ist Professor für Geschichte an der Yale University und Permanent Follow am Institut für die Wissenschaft vom Menschen in Wien.

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Carl von Clausewitz beschrieb die Deutschen als besonders unabhängig

Martin Wagner schreibt: „Die Frage des relativen deutschen Gehorsams oder Ungehorsams wurde fester Bestandteil der Debatten darüber, was typisch deutsch sei – Debatten über den eigenen Nationalcharakter also, wie sie die Deutschen, so hat Friedrich Nietzsche im 19. und so hat Norbert Elisas im 20. Jahrhundert gesagt, mehr als jede andere europäische Nationen auszeichnen.“ Noch ganz im Geiste der Idee „germanischer Freiheit“ beschrieb der junge Carl von Clausewitz die Deutschen 1807 als besonders unabhängig. Er kontrastiert sie mit den Franzosen, in denen der Sonnenkönig Ludwig XIV. ebenso wie später Napoleon „gehorsame Untertanen“ gefunden habe. Ähnlich beharrt auch Johann Gottlieb Fichte in seinen berühmten „Reden an die deutsche Nation“ (1806/07) auf dem Freiheitsinn als einem wesentlichen Charakteristikum der Deutschen. Martin Wagner ist Professor of German an der University of Calgary (Kanada).

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Weise Menschen nennt man Vorbilder für das eigene Leben

Von einem Philosophen erwartet man, einleitend seinen Gegenstand zu bestimmen. Otfried Höffe betont: „Die Erwartung ist umso berechtigter, wo der Gegenstand, hier die Weisheit, hochgeschätzt wird, aber unklar bleibt, was genau denn so schätzenswert sei.“ Hilfsweise kann man fragen, welche Menschen wir denn für weise halten. Je nach persönlicher Vorliebe wird man auf den Dalai Lama, aus Mahatma Gandhi oder Nelson Mandela, vielleicht auch auf Papst Franziskus hinweisen. Weise nennen wir nämlich Vorbilder für unser Leben oder Vorzeigepersonen, gelegentlich freilich nur die kundigen Mitglieder eines wirtschaftspolitischen Beratungsgremiums, den man den Beinamen der Fünf Weisen gegeben hat. Auch wenn letztere Bezeichnung zu schmeichelhaft klingt, ist sie, prinzipiell betrachtet nicht unzulässig. Otfried Höffe ist Professor em. für Philosophie an der Universität Tübingen und Leiter der dortige Forschungsstelle Politische Philosophie.

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Hadija Haruna-Oelker kennt den Wert der Freiheit

Der wichtigste Wert von Hadija Haruna-Oelker ist die Freiheit: „Verstöße dagegen begehen im Extremfall Extremisten. In meinem Alltag verstoßen dagegen auch Menschen mit diskriminierendem oder menschenfeindlichem Verhalten.“ Hadija Haruna-Oelker fühlt sich mehrfachzugehörig, mehrstaatlich grenzenlos. Sie zählt zu einer Generation, die sich selbstbestimmte Namen gibt, die ein Verständnis dafür einfordert, dass noch nie alle Deutschen „weiß“ waren und „unsere Werte“ neu überdacht werden müssen. Ihre Werte sind vielfältig, interkontinental. Sie ist das Kind einer christlich-deutsch sozialisierten Mutter der Fünfziger-Nachkriegsgeneration und eines muslimisch-ghanaisch sozialisierten Vaters der Vierziger-Postkolonial-Generation. Hadija Haruna-Oelker ist das, was sie ist. Sie ist politisch Schwarz. Es ist eine Lebenserfahrung, die sie weltweit mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und kulturellen Hintergründen verbindet. Hadija Haruna-Oelker lebt als Autorin, Redakteurin und Moderatorin in Frankfurt am Main. Hauptsächlich arbeitet sie für den Hessischen Rundfunk.

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Die Zukunft muss den Göttern entwendet werden

Die Philosophin Hannah Arendt verortet die Idee, dass es so etwas wie dauerhaften Fortschritt geben könnte, erst so etwa ab dem 17. Jahrhundert. Petra Pinzler erklärt: „Damals wird nach und nach das zyklische Zeitverständnis des Mittelalters durch ein lineares abgelöst. Dazu man die Zeit allerdings zu einem Kontinuum werden, darf nicht mit immer neuen Herrschern immer wieder neu anfangen, an Sommertagen länger sein als an Wintertagen und in verschiedenen Königreichen unterschiedlich gemessen werden.“ Die Zukunft muss den Göttern entwendet und damit zu etwas werden, das sich nicht nur durch Säen, Ernten, Einlagern und Erntedank beeinflussen lässt. Sondern auch durch Genialität und Mut, Wettbewerb und Kooperation, durch die Fähigkeit andere zu überzeugen oder zu organisieren. Durch Unternehmertum und politisches Talent. Petra Pinzler arbeitet als Hauptstadtkorrespondentin der Wochenzeitung „Die Zeit“. Sie schreibt zudem Bücher über Wirtschaft, Umwelt und Klimaschutz.

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Die Freiheit findet in Autoritäten Halt

Paul Kirchhof schreibt: „Freiheit sucht nach Autorität, findet in Autoritäten Halt. Autorität kann helfen, den Blick weiten und befreien, braucht aber neben der Autoritätsperson auch die kritischen Autoritätsbereitschaft dessen, der prüft, ob und welcher Autorität er folgen will.“ Der heute suchende Mensch ist nicht darauf angewiesen, nach Autoritäten zu denken und zu handeln. Er wird sich aber des eigenen Denkens durch Auseinandersetzung mit einer klassischen philosophischen, literarischen, religiösen und rechtlichen Überlieferung vergewissern. Darin mag das Eingeständnis eigener Schwäche liegen. Sicher ist es aber einen noch viel größere Schwäche, wenn einer sich einer solchen Selbstprüfung am Maßstab kultureller Texte nicht stellt und vorzieht, den Narren auf eigene Faust zu spielen. Dr. jur. Paul Kirchhof ist Seniorprofessor distinctus für Staats- und Steuerrecht an der Universität Heidelberg.

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