Sven Beckert schreibt im Vorwort seines Buchs „Kapitalismus“: „Wir leben in einer Welt, die vom Kapitalismus geschaffen wurde. Die unaufhörliche Anhäufung von Kapital formt die Städte, in denen wir leben, bestimmt unsere Arbeitsweise, ermöglicht einer außerordentlich großen Zahl von Menschen ein zuvor nie dagewesenes Konsumniveau, beeinflusst unsere Politik, gestaltet die Landschaften um uns herum. Es ist unmöglich, die Erde zu betrachten und die weltgeschichtliche Bedeutung des Kapitalismus zu übersehen.“ Der Handel ist viel älter als der Kapitalismus, neu daran ist jedoch die Intensität der globalen Verknüpfungen, die der Kapitalismus hervorgebracht hat. Nämlich eine Weltwirtschaft. Man kann den Kapitalismus als die beste aller möglichen Welten feiern oder ihn für die von ihm verursachten Schäden verantwortlich machen und sein Ende herbeisehnen. Sven Beckert ist Laird Bell Professor für Geschichte an der Harvard Universität.
Geld
Der Glaube an die Käuflichkeit des Glücks ist stark verankert
Es lohnt sich, sich selbst und seinen Partner zu fragen, ob wir nicht tatsächlich die Freuden des täglichen Lebens viel zu sehr unter- und die materiellen Dinge zu sehr überschätzen. Andreas Sacher stellt fest: „Man muss kein Zen-Mönch sein, um zu verstehen, dass wir uns nicht glücklicher fühlen, wenn wir ständig Dinge kaufen.“ Um nicht missverstanden zu werden, Geld kann vieles, es beruhigt und schafft Freiheit und sorgt gerade im Alter für bessere medizinische Versorgung, aber es macht eben nicht glücklich. Nur bei sehr armen Menschen, die unter dem Existenzminimum leben, gibt es einen Zusammenhang zwischen Geld und Glück. Dr. Andreas Salcher kämpft seit vielen Jahren für bessere Schulen und individuelle Talentförderung. Der Bestsellerautor gilt mit über 250.00 verkauften Büchern als einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren Österreichs.
Peter Thiel hat ein Faible für Monopole
Als Star-Anwender der Ideologie der Chicago School kann man Peter Thiel bezeichnen, einen der umtriebigsten Investoren im Silicon Valley. Der Mann hat deutsche Wurzeln, 1967 wurde er in Frankfurt am Main geboren, doch die Eltern siedelten schon bald in die USA um. Hans-Jürgen Jakobs weiß: „Hier schloss Thiel ein Philosophiestudium an der Stanford University ab und beschloss, die Tech-Szene mit Geld und Geist zu versorgen.“ So war er Mitbegründer des Internet-Bezahldienstes Paypal sowie des opaken Sicherheitsdienstleisters Palantir. Peter Thiel finanzierte mit bei Hunderten Neugründungen, etwa bei Facebook von Mark Zuckerberg oder der Raumfahrt- und Raketenfirma SpaceX von Elon Musk. Seine Abneigung gegen Wettbewerb und sein ausgesprochenes Faible für Monopole hat Peter Thiel an mehreren Stellen dokumentiert. Hans-Jürgen Jakobs ist Volkswirt und einer der renommiertesten Wirtschaftsjournalisten Deutschlands.
Die Maske des Geldes verdunkelt das Netz menschlicher Beziehungen
Die verschiedenen Ebenen der Verbundenheit von Menschen werden allerdings durch zwei Faktoren, die in der Geschichte eng zusammenhängen, verschleiert: die technokratische Ideologie und die Herrschaft des Geldes Fabian Scheidler nennt ein Beispiel: „Wenn ich über genügend Geld verfüge, kann ich zum Beispiel glauben, ich sei als souveränes, unabhängiges Individuum in eine Laden gegangen und habe mir von einem anderen autonomen Wirtschaftssubjekt einen Computer gekauft.“ Doch diese Art, die Geschichte zu erzählen, blendet das große Netzwerk von Beziehungen zwischen Menschen und natürlichen Systemen aus, ohne die es weder einen Computer noch eine Laden, noch das Geld in meiner Tasche geben würde. Das Geld, das zusammen mit dem Atomismus im antiken Griechenland entstanden ist, nährt die Illusion, es gebe so etwas wie isolierte Individuen. Der Publizist Fabian Scheidler schreibt seit vielen Jahren über globale Gerechtigkeit.
Währungsunionen stehen oft auf tönernen Füßen
Aus der Geschichte der Geldkrisen hätte man lernen können, dass der Zusammenschluss verschiedener politischer und wirtschaftlicher Regionen zu einer Geldgemeinschaft auf tönernen Füßen steht. Die leisten Politiker haben diese Lektion jedoch nicht gelernt. Thomas Mayer weiß: „Unter einer Währungsunion versteht man die Abgabe der Geldemission durch Nationalstaaten und deren Zentralbanken an eine supranationale Institution oder die enge Koordinierung nationaler Emissionen.“ Die erste Definition trifft auf die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWU) zu, die zweite auf ihren Vorgänger, die Lateinischen Münzunion (LMU). Natürlich gab es in der Vergangenheit noch andere Währungsunionen, zum Beispiel die kurzlebige Rubelwährungsunion von 1991 bis 1993. Thomas Mayer ist promovierter Ökonom und ausgewiesener Finanzexperte. Seit 2014 ist er Leiter der Denkfabrik Flossbach von Storch Research Institute.
Benjamin Franklin hatte ein gestörtes Verhältnis zur Arbeit
Benjamin Franklin – Gründervater der Vereinigten Staaten, furchtloser beim Sturm, Blitz und Donner, Erfinder der Bifokalbrille, der Franklin-Ofens und des Harnweg-Katheters – hatte ein gestörtes Verhältnis zur Arbeit. James Suzman erklärt: „Er kokettierte gern damit, „der faulste Mensch auf der Welt“ zu sein, ein bezeichnete seine Erfindungen selbstironisch arbeitssparende Vorrichtungen, hinter denen die Absicht stehe, sich Benjamin Franklin die Überzeugung, menschlicher Erfindungsreichtum könne künftigen Generationen aus einen Dasein voller Arbeit und Mühsal befreien. „Wenn jeder Mann und jede Frau jeden Tag vier Stunden an etwas Sinnvollem arbeiten würden“, verkündete Franklin euphorisch, „würde diese Arbeit genug hervorbringen, um uns mit allem Notwendigkeiten und Annehmlichkeiten des Lebens zu versorgen.“ James Suzman ist Direktor des anthropologischen Thinktanks Anthropos und Fellow am Robinson Collage der Cambridge University.
In Amerika gibt es eine starke Verflechtung von Geld und Politik
Die wachsende Macht des Geldes ist die vielleicht größte Schwäche des amerikanischen politischen Systems, sodass es sich eher mit dem Schlagwort „ein Dollar, eine Stimme“ als mit „eine Person, eine Stimme“ beschreiben lässt. Joseph Stiglitz schreibt: „Wir alle kennen die Komponenten dieser Verflechtung von Geld und Politik: Lobbyisten, Wahlkampfspenden, „Drehtüren“ zwischen Politik und Wirtschaft und von den Reichen kontrollierte Medien.“ Wohlhabende Privatpersonen und reiche Konzerne nutzen ihre Finanzkraft, um sich politische Macht zu kaufen und ihre Ideen zu verbreiten, manchmal sogar mit „Fake News“. Fox News ist zum Symbol dafür geworden, und seine Macht ist mittlerweile gut dokumentiert. Joseph Stiglitz war Professor für Volkswirtschaft in Yale, Princeton, Oxford und Stanford. Heute lehrt er an Columbia University in New York und ist ein weltweit geschätzter Experte zu Fragen von Ökonomie, Politik und Gesellschaft.
Heutzutage lohnt sich das Unternehmertum manchmal nicht mehr
Reinhard K. Sprenger fordert: „Nehmt den Menschen, wie er ist: wir haben keinen universalethischen Therapievertrag.“ An der Freiheit des anderen kommt ohnehin niemand vorbei. Die Sollbruchstelle des gegenwärtigen Kapitalismus besteht für Reinhard K. Sprenger darin, dass es keine Antwort auf die Frage gibt, wie der Übergang von einem Managerkapitalismus zu einem neuen Eigentümerkapitalismus zu bewerkstelligen ist. Fest steht: In den letzten Jahrzehnten war es möglich, ohne Einsatz von eigenem Geld, also ohne eigenes Risiko, so wohlhabend zu werden, wie es früher nur Unternehmer wurden. Das ist ein extrem attraktives Lebensmodell, das viele zu verwirklichen trachteten – unter dem wohlgefälligen Nicken staatlicher Aufsichtsbehörden. Unter solchen Bedingungen lohnt sich das Unternehmertum nicht mehr. Reinhard K. Sprenger, promovierter Philosoph, ist einer der profiliertesten Führungsexperten Deutschlands.
Kluger Umgang mit Geld lässt sich in den Casinos von Las Vegas beobachten
Eines der besten Beispiele für den klugen Umgang mit Geld lässt sich überraschenderweise in den Casinos von Las Vegas beobachten – wenn auch nicht bei allen Spielern, sondern bei der kleinen Gruppe der Kartenzähler. Morgan Housel erklärt: „Das Prinzip des Kartenzählens beim Black Jack – alias 17 und 4) ist ganz einfach: Niemand weiß mit Sicherheit, welche Karte der Geber als Nächstes zieht. Doch wer sich merkt, welche Karten schon gegeben wurden, weiß auch, welche Karten noch im Spiel sind.“ Dadurch lässt sich die Wahrscheinlichkeit berechnen, mit der eine bestimmte Karte vom Geber gezogen wird. Als Spieler setzt man mehr, wenn die Wahrscheinlichkeit für eine günstige Karte hoch ist, und weniger, wenn sie niedrig ist. Morgan Housel ist Partner bei der Risikokapitalgesellschaft The Collaborative Fund.
Überraschende Ereignisse sind keine Seltenheit
Scott Sagan, Professor für Politikwissenschaften in Stanford, sagte einmal, jeder, der die Wirtschaft oder die Kapitalmärkte verfolgt, sollte sich diesen Spruch an die Wand hängen: „Ständig passieren Dinge, die nie zuvor passiert sind.“ Die Geschichtsschreibung handelt von vielen überraschenden Ereignissen. Trotzdem betrachten Investoren und Wirtschaftswissenschaftler Geschichte oft als unfehlbare Anleitung für die Zukunft. Morgan Housel betont: „Eine tiefen Respekt für die Geschichte von Wirtschaft und Geldanlage zu empfinden, ist klug. Geschichte hilft uns, Erwartungen zu kalibrieren und zu erkennen, wo Menschen oft irren.“ Geschichte vermag grob aufzuzeigen, was tendenziell funktioniert. Aber sie ist keinesfalls eine Blaupause für die Zukunft. Eine Falle, in die viele Geldanleger tappen ist ein blindes Vertrauen darauf, dass Daten aus der Vergangenheit ihnen eindeutige Signale für die Zukunft geben. Morgan Housel ist Partner bei der Risikokapitalgesellschaft The Collaborative Fund.
Die Weltwirtschaftskrise verursachte eine lange Liste von Problemen
Während der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre hatte die industrialisierte Welt eine lange Liste von Problemen. Nouriel Roubini blickt zurück: „Der Handel kam nahezu zum Erliegen. Rechnungen blieben unbezahlt. Banken kollabierten. Die Arbeitslosigkeit stieg auf über 25 Prozent. Bankrotte Bauern und Hauseigentümer verkauften ihr Hab und Gut.“ Überall herrschte Ungewissheit. In einem Klima der Hoffnungslosigkeit kamen in Deutschland, Italien, Spanien und Japan totalitäre und militaristische Regimes an die Macht, die eine Rückkehr zu alter Größe versprachen und politische sowie Menschenrechte mit den Füßen traten. Unternehmen liehen sich Geld, um im Geschäft zu bleiben und Staaten taten es ihnen gleich, um die wirtschaftliche Aktivität anzukurbeln. Nouriel Roubini ist einer der gefragtesten Wirtschaftsexperten der Gegenwart. Er leitet Roubini Global Economics, ein Unternehmen für Kapitalmarkt- und Wirtschaftsanalysen.
Das globale Risiko wurde nach der Finanzkrise 2008 nicht gemildert
Die Finanzkrise des Jahres 2008 beutelte Schuldner und Gläubiger gleichermaßen und hätte zu einer grundlegenden Neubewertung der möglichen Risiken einer hohen Verschuldung führen müssen. Nouriel Roubini blickt zurück: „Einige gingen tatsächlich in sich, zumindest für kurze Zeit. Experten betonten die Bedeutung von Sicherheitsmechanismen, Finanzaufseher verabschiedeten neue Regeln, Rating-Agenturen wurden transparenter, Notenbanken und andere Aufsichtsbehörden unterzogen große Geldinstitute sogenannten Stresstests.“ Hoch verschuldete Haushalte und Banken bauten Schulden ab, indem sie entweder mehr sparten oder die Zahlung eines Teils ihrer Verpflichtungen einstellten. Doch andere Akteure – Staaten, Konzerne, Schattenbanken – nahmen mehr Geld auf. Statt das globale Risiko zu mildern, setzten Politiker und Teile der Privatwirtschaft die lieb gewonnene Überschuldung nahtlos fort. Nouriel Roubini ist einer der gefragtesten Wirtschaftsexperten der Gegenwart. Er leitet Roubini Global Economics, ein Unternehmen für Kapitalmarkt- und Wirtschaftsanalysen.
Das Loslassen von Besitztümern macht glücklich
Im Zen gibt es ein Wort für das Almosengeben: „Kisha“. Es bedeutet: „Gerne und ohne Reue etwas weggeben.“ So beschreibt Shunmyo Masuno den Brauch, beim Besuch eines Tempels oder Schreins Münzen in eine Spendenbox zu werfen. Warum sollte man etwas so Wichtiges wie Geld gerne weggeben? Shunmyo Masuno erklärt: „Der Grund dafür ist, dass wir einige unserer Anhaftungen aufgeben, wenn wir Dinge weggeben.“ Denn Anhaftungen trüben mit einiger Wahrscheinlichkeit den Geist eines Menschen. Das Loslassen von Anhaftungen dagegen vermag ihn glücklich zu machen. Das gilt auch für Besitztümer. Man braucht nur einen kurzen Blick auf die Dinge werfen, die einen umgeben. Shunmyo Masuno ist ein japanischer Zen-Mönch, preisgekrönter Zen-Garten-Designer sowie Professor für Umweltdesign an der Tama Art University in Tokyo.
Friedrich Schiller hatte nur wenig Geld
Obwohl Charlotte aus einer Adelsfamilie stammte und Friedrich Schiller ein berühmter Dramatiker war, hatten sie nur wenig Geld. Andrea Wulf kennt die Fakten: „Die Universität zahlte dem vierunddreißigjährigen Autor magere 200 Taler im Jahr – das entsprach ungefähr dem Jahreseinkommen eines gelernten Handwerkers, etwa eines Zimmermanns oder Tischler – und seine schriftstellerische Tätigkeit war auch nicht sonderlich lukrativ.“ Zusammen beliefen sich sein Gehalt, die Verlagshonorare, die Gebühren seiner Studenten und ein kleiner Zuschuss der Familie seiner Frau auf gerade einmal 800 Taler – genug, um die Familie zu ernähren und zu versorgen, aber für eine elegante Wohnung, gute Möbel oder Kleindung war kein Geld übrig, ganz zu schweigen von anderem Luxus. Als Autorin wurde Andrea Wulf mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet, vor allem für ihren Weltbestseller „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ 2016, der in 27 Sprachen übersetzt wurde.
Die Politik passt sich der Logik der Unterhaltungsindustrie an
Ned O’ Gorman stellt fest: „Vieles, was wir für Politik halten, geschieht auf den Bildschirmen und wird vermittelt über Medienkanäle und passt sich damit der Logik der Unterhaltungsindustrie an. In dieser Logik zählen wir letztlich nur als Konsumenten.“ Wenn Politik zum Geschäft oder einer bloßen Ausformung des Geschäfts wird, ist sie nicht nur finanziell abhängig, sondern wird auch von der unendlichen, grenzenlosen Jagd nach Geld und Reichtum vereinnahmt, die im kapitalistischen Expansionsdenken regiert. Sie schätzt die Bürger nur dann, insofern sie nützlich sind und sich „positiv“ an der Gesellschaft beteiligen, in dem sie durch den Aktienmarkt oder andere Instrumente zum Wirtschaftswachstum beitragen. Ansonsten gelten die Bürger als Bürde der Gesellschaft. Ned O’ Gorman ist Professor für Kommunikationswissenschaften an der University of Illinois.
Personen zu vertrauen ist riskant
Indem ein Mensch mit Geld etwas bezahlt, verwandelt er alle anderen in Zuschauer des Geldzaubers. Anders gesagt: Alle anderen Menschen versinken im Akt dieser Zahlung in eine wohltuende Neutralität. Norbert Bolz erklärt: „Denn für Verkäufer, Käufer und Zuschauer der wirtschaftlichen Transaktionen gilt, dass sie den jeweils anderen nicht mehr als „Individuum“ behandeln müssen. Das erleichtert das soziale Leben.“ Personen zu vertrauen ist zu riskant. In der modernen Welt kann man sich glücklicherweise Personenvertrauen durch Systemvertrauen ersparen. Doch das System ist undurchschaubar und unkontrollierbar. Deshalb ist das Angebot der modernen Wirtschaft unwiderstehlich, Systemvertrauen durch Geldvertrauen zu ersetzen. Geldvertrauen erspart einem Menschen das Vertrauen in andere Personen und in Informationen, die zum Verständnis des Systems nötig wäre. Univ.-Prof. Dr. Norbert Bolz lehrte bis zu seiner Emeritierung als Professor für Medienwissenschaft an der Technischen Universität Berlin.
Der Missbrauch des Geldes führt zu seinem Verfall
Der Missbrauch von Geld für politische Zwecke und zur Befriedigung der Geldgier führt letzten Endes zu seinem Verfall. Tatsächlich ist die Geschichte des Geldes immer auch eine Geschichte seiner Krisen. Mal ist zu wenig davon da, mal zu viel. Thomas Mayer nennt ein Beispiel: „Das musste schon der sagenhafte König Midas in der griechischen Antike erfahren. Der Gott Dionysos gewährte ihm den Wunsch, dass alles, was er berührte, zu Gold werden sollte. Da ihm auch Nahrung und Getränke zu Gold wurden, sobald er sie zu sich nehmen wollte, drohte er zu verhungern und zu verdursten. Nur weil Dionysos ihn von dieser Gabe wieder befreite, überlebte er.“ Thomas Mayer ist promovierter Ökonom und ausgewiesener Finanzexperte. Seit 2014 ist er Leiter der Denkfabrik Flossbach von Storch Research Institute.
Neue Technologien bedrohen die Demokratie
Noch beunruhigender als die potenziellen Bedrohungen durch die neuen Technologien für die Wirtschaft und die Privatsphäre sind jene für die Demokratie. Joseph Stiglitz erklärt: „Die neuen Technologien sind zweischneidige Schwerter. Befürworter haben das Positive hervorgehoben: Die Schaffung eines größeren öffentlichen Raums, in dem jeder seine Stimme zu Gehör bringen kann. Aber wir haben auch eine viel dunklere Seite kennengelernt. Etwa als sich Russland wiederholt in demokratische Wahlen eingemischt hat, scheinbar in dem Bestreben, das Vertrauen in westliche Demokratien zu untergraben.“ Die neuen Technologien lassen sich zur Manipulation einsetzen. Nicht nur um ökonomische Erträge zu steigern, sondern auch, um gewisse Meinungen zu fördern und andere in Zweifel zu ziehen. Joseph Stiglitz war Professor für Volkswirtschaft in Yale, Princeton, Oxford und Stanford. Er wurde 2001 mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet.
Viele Menschen hegen die Liebe zum Reichtum
Alexis de Tocqueville fragt in den 1830er-Jahren, was eigentlich passiert, wenn sich in der Demokratie das Geld zum höchsten erstrebenswerten Gut und Selbstzweck entwickelt. Denn es tritt damit an die Stelle von Stand und Ehr, die Aristokratien über alles andere stellen. Alexis de Tocqueville schreibt: „Die Menschen, die in demokratischen Zeiten leben, haben viele Leidenschaften. Aber die meisten ihrer Leidenschaften münden in der Liebe zum Reichtum, oder sie entspringen ihr. Das rührt nicht daher, dass sie kleinmütiger sind, sondern dass das Geld tatsächlich wichtiger ist.“ Richard David Precht erklärt: „Die ständige Fokussierung auf das Geld prägt die US-amerikanische Gesellschaft wie nichts anderes und ist, wie Tocqueville früh erkennt, das Stigma aller zukünftigen Demokratien.“ Der Philosoph, Publizist und Autor Richard David Precht einer der profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum.
Geld kam mit der Abtretung von Eigentum auf die Welt
Die Ökonomen Gunnar Heinsohn und Otto Steiger vertreten die These, dass Geld mit der Abtretung von Eigentum auf die Welt kam. Thomas Mayer ergänzt: „Die Entstehung von Eigentum ist aus dieser Sicht also die Voraussetzung für die Entstehung von Geld und Zins, die wiederum eine Quelle für wirtschaftliche Effizienz ist.“ Mit ihrer Theorie widersprechen auch Heinsohn und Steiger Adam Smith und stimmen David Graebers These vom Geld als Maß für Schuld zu. Allerdings vertreten sie eine völlig andere Position als David Graeber bei der Einschätzung der Rolle des privaten Eigentums. Während dieses für Heinsohn und Steiger grundlegend für die Geldwirtschaft ist, ist privates Eigentum bei Graeber der Stachel im Fleisch einer harmonischen menschlichen Gemeinschaft. Thomas Mayer ist promovierter Ökonom und ausgewiesener Finanzexperte. Seit 2014 ist er Leiter der Denkfabrik Flossbach von Storch Research Institute.
Der Abstieg eines Landes vollzieht sich zunächst allmählich
Die Niedergangsphase eines geht normalerweise auf interne Konjunkturschwäche im Zusammenspiel mit innenpolitischen Konflikten zurück – oder auf kostspielige außenpolitische Konflikte oder beides. Ray Dalio weiß: „Im Regelfall vollzieht sich der Abstieg eines Landes zunächst allmählich und dann abrupt.“ Innenpolitisch nehmen die Schulden überhand und es kommt zu einem Konjunkturabschwung. Wenn das Land sich nicht länger das nötige Geld leihen kann, um seine Schulden zurückzuzahlen, führt das zu großen internen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und zwingt es, sich zwischen einem Staatsbankrott und dem Anwerfen der Druckerpressen zu entscheiden. In dieser Situation entschließt sich das Land fast immer dazu, eine Menge neues Geld zu drucken – erst nach und nach und schließlich mit aller Kraft. Ray Dalio ist Gründer von Bridgewater Associates, dem weltgrößten Hedgefonds. Er gehört mit zu den einflussreichsten Menschen der Welt.
Die Regierung des Geldes verhindert blutige Gewalt
Norbert Bolz vertritt folgende These: „Geld entlastet die Gesellschaft von Menschlichkeiten wie Hass und Gewalt.“ Man kann leicht zeigen, dass sich Zivilität und Urbanität der Kultur der Geldwirtschaft verdanken. Wo Geld die Welt regiert, bleibt Menschen der Terror von nackter Faust und guter Gesinnung erspart. So könnte ein Wirtschaftsliberaler mit guten Gründen argumentieren, dass das weltweite Netzwerk der vielgescholtenen multinationalen Konzerne mehr für den Weltfrieden tun als die Vereinten Nationen. Wo Geld die Welt regiert, herrschen eben nicht: fanatische Ideologie und blutige Gewalt. Die monetarisierte Habsucht zähmt die anderen Leidenschaften. Auf die Liebe zum Geld ist Verlass – hier entfaltet sich ein ruhiges Begehren nach Reichtum. Univ.-Prof. Dr. Norbert Bolz lehrte bis zu seiner Emeritierung als Professor für Medienwissenschaft an der Technischen Universität Berlin.
Sparen ohne Ziel sorgt für Flexibilität und Selbstbestimmung
Sparen ohne Ziel verschafft dem Sparer Zeit zum Nachdenken. Es erlaubt, den Lauf der Dinge zu den eigenen Bedingungen zu ändern. Jedes bisschen Ersparte entspricht einem Dollar beziehungsweise Euro in der Zukunft, der jemand anderen gehört hätte und den man sich selbst zurückgibt. Morgan Housel stellt fest: „Diese Flexibilität und Selbstbestimmung sind eine unsichtbare Rendite auf dein Vermögen.“ Welche Rendite bringt Geld auf dem Konto, das Menschen die Option eröffnet, früher in Rente zu gehen oder sie einfach nur ruhig schlafen lässt. Morgan Housel hält diese Möglichkeit für unschätzbar wertvoll, und zwar in zweierlei Hinsicht: Erstens ist der Nutzen von Reserven so groß, dass sich ihm gar kein Preis zumessen lässt. Morgan Housel ist Partner bei der Risikokapitalgesellschaft The Collaborative Fund.
Deutschland ist nicht „überschuldet“
Finanzielles Sparen ist die Kehrseite von Verschuldung. Marcel Fratzscher erklärt: „Als Individuum kann ich nur dann finanziell sparen, wenn jemand anders gewillt ist, dieses Geld anzunehmen, also direkt oder indirekt mir gegenüber in die Schuld zu gehen.“ Deshalb muss jeder Sparer wollen, dass es ausreichend Schuldner gibt, welche die Ersparnisse nutzen und verlässlich in der Zukunft zurückzahlen können. Je mehr Schuldner und je größer die Nachfrage nach Ersparnissen, desto höher kann auch der Zins sein, also desto lohnender das Sparen. In Einzelfällen mag Überschuldung existieren, in der Gesamtheit kann es sie jedoch nicht geben. Oft wird davon gesprochen, dass Deutschland „überschuldet“ sei. Marcel Fratzscher ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Bescheidenheit erhört die Sparquote
Wenn man Geld ausgibt, müssen erst einmal die körperlichen Grundbedürfnisse erfüllt sein. Morgan Housel weiß: „Danach gönnen wir uns gern ein wenig Bequemlichkeit, darüber hinaus geben wir unser Geld für Unterhaltung und Selbstverwirklichung aus.“ Und weiter? Oberhalb eines recht niedrigen materiellen Niveaus spiegeln die meisten Ausgaben nur noch wider, dass das Ego mit dem Einkommen mitwächst. Das heißt, man gibt Geld aus, um seiner Umgebung zu zeigen, was man hat beziehungsweise hatte. Man sollte diese Erkenntnis bedenken, denn dann merkt man: Eine der besten Methoden, die Sparquote zu erhöhen, besteht nicht darin, das Einkommen zu steigern, sondern die Bescheidenheit. Sobald man Ersparnisse als den Abstand zwischen Ego und seinem Einkommen begreift, wird klar, warum so viele Menschen mit ansehnlichem Einkommen so wenig sparen. Morgan Housel ist Partner bei der Risikokapitalgesellschaft The Collaborative Fund.