Daniel-Pascal Zorn kennt die Geschichte der Postmoderne

Die Geschichte der Postmoderne gibt es nicht. Eine Geschichte der Postmoderne, sicherlich die bekannteste, ist verbunden mit Michel Foucault und Jacques Derrida, den beiden großen Philosophen der französischen Philosophie der 1960 und 1979er Jahre. Sie ist auch verknüpft mit Jean-François Lyotard, der 1979 „Das postmoderne Wissen“ geschrieben hat und mit Richard Rorty, der den Begriff „Postmoderne“ oder „postmodern“ zu verschiedenen Gelegenheiten diskutiert hat. Daniel-Pascal Zorn fügt hinzu: „Aber die Fragen, die diese Philosophen stellen, finden nicht im luftleeren Raum statt. Sie sind ihrerseits eingebettet in einen historischen und theoretischen Kontext, der weiter zurückreicht, bis zu den Anfängen der bürgerlichen Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Daniel-Pascal Zorn studierte Philosophie, Geschichte und Komparatistik. Seit 2021 ist er Geschäftsführer des Zentrums für Prinzipienforschung an der Bergischen Universität Wuppertal.

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Der Kapitalismus verlangt Agilität und Anpassungsfähigkeit

Eigentlichkeit und Kapitalismus gehen in der Regel nicht zusammen. Sie sind miteinander inkompatibel. Alexander Somek erklärt: „In eine kapitalistischen Gesellschaft erwartet „man“ von uns, dass wir uns als eine agile und anpassungsfähige Humanressource verstehen. Eine Gesellschaft dieser Art stellt die Karriere und den Erfolg als erstrebenswerte Güter in Aussicht.“ Agilität und Anpassungsfähigkeit sind der Preis, den man entrichten muss, um ihrer teilhaftig zu werden. Wer keine Aussicht hat, als Anwalt erfolgreich zu sein, als Anwalt erfolgreich zu sein, wir halt Chirurg oder umgekehrt. Wer sich diesen Normen fügt, auf den mag Theodor W. Adornos Diktum, das zwar herabwürdigend klingen mag, zutreffen, wonach es für viele Menschen eine Anmaßung sei, „ich“ zu sagen. Alexander Somek ist seit 2015 Professor für Rechtsphilosophie und juristische Methodenlehre an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.

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Ohne Gottlob Frege gäbe es heute keine digitale Revolution

Gottlob Frege gehört für Markus Gabriel zu den größten Logikern aller Zeiten. Als Mathematiker hat er maßgeblich zur Erfindung moderner symbolischer Logiken beigetragen. Das heißt, zu den mathematischen Zeichensystemen, die man heute noch verwendet, um die abstrakten Gedanken der Mathematik auszudrücken. Markus Gabriel stellt fest: „Gottlob Frege hat eine eigene Schriftsprache erfunden, um auf diese Weise die logischen Beziehungen zwischen Gedanken übersichtlicher darstellen zu können.“ Diese Schriftsprache nennt er die „Begriffsschrift“. Ohne Gottlob Freges Begriffsschrift gäbe es heute keine digitale Revolution. Er hat auch eine der wichtigsten Texte über das Denken geschrieben, seinen unscheinbaren kleinen Aufsatz „Der Gedanke“ von 1918. Markus Gabriel hat seit 2009 den Lehrstuhl für Erkenntnistheorie und Philosophie der Neuzeit an der Universität Bonn inne. Zudem ist er dort Direktor des Internationalen Zentrums für Philosophie.

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Vor der Politisierung gibt es kein Entkommen

Pauline Voss vertritt in ihrem Buch „Generation Krokodilstränen“ die These, dass es heutzutage eine Politisierung gibt, vor der es kein Entkommen gibt: Sprache, Essen, Freizeit, Liebe, Sex, Kindererziehung, Fortbewegung, Konsum – alles steht unter Beobachtung. Pauline Voss ergänzt: „Wo wir früher Entscheidungen trafen, lastet heute das gesamte Gewicht der politischen Gegenwart auf uns und presst noch der unbedeutendsten Alltagshandlung ein politisches Bekenntnis ab.“ Eine solche Politisierung engt ein. Sie öffnet dem Individuum keinen Raum für politische Forderungen, sondern stellt Forderungen an das Individuum. Es ist ein Zugriff der Politik auf das Privatleben. Warum aber beteiligen sich so viele junge Menschen an diesem Zugriff? Wie entstand eine Generation von Missionaren? Bei der heutigen Polarisierung ist an die Stelle der eigenen Interessen die Scham als Leitmotiv für politisches Handeln getreten. Pauline Voss ist seit 2023 als freie Journalistin tätig.

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Die Liebe ist das schwarze Loch aller moralischen Überlegungen

Emanuele Coccia weiß: „Dass es so schwer ist, über die Liebe – und damit über das Zuhause – nachzudenken, liegt allerdings nicht nur an der Zerbrechlichkeit und moralischen Blindheit unserer Kultur. Vielmehr ist die Liebe schon aufgrund ihrer Beschaffenheit das schwarze Loch aller moralischen Überlegungen.“ Denn sie ist der ethische Raum, in dem sich das Leben nicht auf Vorschriften, Gesetze oder Gewissheiten stützen kann. Der Grund dafür ist jedoch nicht ihr vermeintlich anarchisches Wesen, denn in Wahrheit gibt es nichts Strukturierteres als die Erfahrung der Liebe. Aber es ist eine besondere Struktur. In der Antike bezeichnete man moralische Kategorien wie diese üblicherweise als „Mysterien“, als Bereiche der Existenz also, in denen man sich nicht auf Wissen oder Gesetzmäßigkeiten verlassen kann, sondern in die man eingeweiht werden muss. Emanuele Coccia ist Professor für Philosophiegeschichte an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris.

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Die Natur ist kein Luxus

Lucy F. Jones weiß: „Wie naturnah wir leben, wirkt sich messbar auf unsere Gesundheit aus. Menschen, die in der Nähe von Parks, Wäldern und dem Meer leben, geben an, sich körperlich und geistig besser zu fühlen.“ Die Wahrscheinlichkeit, an Depressionen oder anderen psychischen Problemen zu erkranken, ist bei Menschen, die nicht in zugebauten urbanen Settings leben, sondern nahe der Natur, geringer – ihre Zufriedenheit insgesamt höher. Studien haben gezeigt, dass dies besonders auf Senioren, Hausfrauen und sozial schwache Menschen zutrifft. Die Natur ist kein Luxus. Ob man Zugang zu ihr hat oder nicht, wirkt sich bei unterschiedlichsten Menschengruppen auf die Gesundheit aus. Lucy F. Jones ist Journalistin und schreibt regelmäßig zu wissenschaftlichen Themen, Gesundheit, Umwelt und Natur für die BBC, The Guardian und The Sunday Times.

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Geld kam mit der Abtretung von Eigentum auf die Welt

Die Ökonomen Gunnar Heinsohn und Otto Steiger vertreten die These, dass Geld mit der Abtretung von Eigentum auf die Welt kam. Thomas Mayer ergänzt: „Die Entstehung von Eigentum ist aus dieser Sicht also die Voraussetzung für die Entstehung von Geld und Zins, die wiederum eine Quelle für wirtschaftliche Effizienz ist.“ Mit ihrer Theorie widersprechen auch Heinsohn und Steiger Adam Smith und stimmen David Graebers These vom Geld als Maß für Schuld zu. Allerdings vertreten sie eine völlig andere Position als David Graeber bei der Einschätzung der Rolle des privaten Eigentums. Während dieses für Heinsohn und Steiger grundlegend für die Geldwirtschaft ist, ist privates Eigentum bei Graeber der Stachel im Fleisch einer harmonischen menschlichen Gemeinschaft. Thomas Mayer ist promovierter Ökonom und ausgewiesener Finanzexperte. Seit 2014 ist er Leiter der Denkfabrik Flossbach von Storch Research Institute.

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Wichtige Faktoren für eine gute Immunabwehr des Körpers

Eine starke Immunabwehr ist entscheidend für die Gesundheit und das Wohlbefinden. Das Immunsystem schützt den Körper vor Infektionen und Krankheiten, indem es schädliche Eindringlinge wie Bakterien, Viren und Pilze bekämpft. Verschiedene Organe und Zellen im Körper spielen hierbei eine zentrale Rolle. Die Rolle des Immunsystems Das Immunsystem besteht aus einem Netzwerk von Organen, Geweben und … Weiterlesen

Die Fotografie ist ein Drama von Tod und Auferstehung

Das analoge Foto ist ein Ding. Nicht selten hüten es Menschen wie ein Herzensding. Seine fragile Materialität setzt es dem Altern, dem Verfall aus. Es wird geboren und erleidet den Tod. Byung-Chul Han ergänzt: „Die analoge Fotografie verkörpert die Vergänglichkeit auch auf der Ebene des Referenten. Das fotografierte Objekt entfernt sich unerbittlich in die Vergangenheit. Die Fotografie trauert.“ Ein Drama von Tod und Auferstehung beherrscht die Theorie der Fotografie von Roland Barthes, die sich als eine Eloge der analogen Fotografie lesen lässt. Als fragiles Ding ist die Fotografie zwar dem Tod geweiht, aber sie ist gleichzeitig ein Medium der Auferstehung. Sie fängt die Lichtstrahlen ein, die von ihrem Referenten ausgehen, und hält sie auf Silberkörnchen fest. Die Bücher des Philosophen Byung-Chul Han wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.

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Schiller und Goethe waren gefeierte Schriftsteller

Im Jahr 1789 nahm Friedrich Schiller eine schlecht bezahlte Stelle an der Universität in Jena an. Andrea Wulf weiß: „Dort hielt er Vorlesungen über Geschichte und Ästhetik, und auch wenn das Geld knapp war, hatte er doch endlich die Freiheit zu schreiben.“ Johann Wolfgang von Goethe aber hielt sich von ihm fern. Beide waren gefeierte Schriftsteller, und beide wussten voneinander. Da Goethe im nur zwanzig Kilometer entfernten Weimar lebte, scheint es seltsam, dass sie nie wirklich miteinander sprachen. Es war Johann Wolfgang von Goethe, der den Kontakt gemieden hatte, wie er später zugab. Als Autorin wurde Andrea Wulf mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet, vor allem für ihren Weltbestseller „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ 2016, der in 27 Sprachen übersetzt wurde.

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Der Abstieg eines Landes vollzieht sich zunächst allmählich

Die Niedergangsphase eines geht normalerweise auf interne Konjunkturschwäche im Zusammenspiel mit innenpolitischen Konflikten zurück – oder auf kostspielige außenpolitische Konflikte oder beides. Ray Dalio weiß: „Im Regelfall vollzieht sich der Abstieg eines Landes zunächst allmählich und dann abrupt.“ Innenpolitisch nehmen die Schulden überhand und es kommt zu einem Konjunkturabschwung. Wenn das Land sich nicht länger das nötige Geld leihen kann, um seine Schulden zurückzuzahlen, führt das zu großen internen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und zwingt es, sich zwischen einem Staatsbankrott und dem Anwerfen der Druckerpressen zu entscheiden. In dieser Situation entschließt sich das Land fast immer dazu, eine Menge neues Geld zu drucken – erst nach und nach und schließlich mit aller Kraft. Ray Dalio ist Gründer von Bridgewater Associates, dem weltgrößten Hedgefonds. Er gehört mit zu den einflussreichsten Menschen der Welt.

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Das Leiden an Trostlosigkeit breitet sich in einer sterbenden Welt aus

Der australische Naturphilosoph Glenn Albrecht hat 2005 den Begriff der „Solastalgie“ geschaffen, um das Trauma zu beschreiben, das durch den Verlust der vertrauten ökologischen Umwelt entsteht. Eva von Redecker ergänzt: „Nostalgie, aber in Echtzeit: eine Sehnsucht nicht nach Vergangenem, sondern nach dem, was man für unverrückbar gegenwärtig hielt.“ Das Wort, das sich aus dem lateinischen „solacium“ – Trost – und dem griechischen „algia“ – Leid – zusammengebaut ist, kommt einem nicht gerade leicht über die Lippen. „Leiden an Trostlosigkeit“: Das beschreibt nicht schlecht, was Menschen in einer sterbenden Welt befällt. Aber der Neologismus macht Eva von Redecker stutzig, weil in ihm so viel fehlt. Es kommt weder die Welt vor, auf die sich die Sehnsucht richtet, noch der Grund ihres Verlusts. Eva von Redecker ist Philosophin und freie Autorin. Sie beschäftigt sich mit der Kritischen Theorie, Feminismus und Kapitalismuskritik.

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Besondere Bedürfnisse von Schwangeren bei der Ernährung

Eine gesunde Ernährung ist für Schwangere von besonderer Bedeutung, da sie sowohl die Gesundheit der Mutter als auch die des ungeborenen Kindes unterstützt. Während der Schwangerschaft steigt der Bedarf an bestimmten Nährstoffen erheblich. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigen Nährstoffe und gibt Hinweise, wie ein Mangel vermieden werden kann. Wichtige Nährstoffe in der Schwangerschaft Folsäure ist … Weiterlesen

Jeder Mensch kann Großes vollbringen

In jedem Menschen steckt ein verborgenes Potenzial. In seinem neuen Buch „Hidden Potential“ bietet Adam Grant eine Anleitung, wie man es freisetzen kann. Man muss kein Wunderkind sein, um Spitzenleistungen zu erbringen. Der Autor ist davon überzeugt, dass alle Menschen Großartiges vollbringen können. Adam Grant schreibt: „Wenn wir unser Potenzial einschätzen, begehen wir den Kardinalfehler, uns auf Ausgangspunkte zu beschränken, also die Fähigkeiten, die unmittelbar sichtbar sind.“ Anhand des Ausgangspunkts einer Perons, lässt sich jedoch nicht prognostizieren, was sie einmal leisten wird. Wenn man die entsprechenden Chancen und die Motivation zum Lernen hat, kann jeder Großes vollbringen. Es geht beim Potenzial nicht darum, wo man anfängt, sondern darum, wie weit man kommt. Adam Grant ist Professor für Organisationspsychologie an der renommierten Wharton Business School. Seine Forschungsbeiträge im Bereich Motivation und Produktivität wurden vielfach ausgezeichnet.

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Nationalität ohne Grenzen ist möglich

Immer wieder hört Hadija Haruna-Oelker Menschen im Alltag von „anderer Hautfarbe“ sprechen, wenn sie Schwarz meinen. Sie selbst sagt das nie, weil Weißsein nicht die Norm ist, von der aus sie spricht. Von ihr aus betrachtet: „Was wäre das, „die andere Hautfarbe“? Hadija Haruna-Oelker erklärt: „Es gibt viele dieser unterbewussten Kategorisierungen. Gedanken von „deiner Kultur“ und „meiner Kultur“. Ein Islam, der für die einen zu Deutschland und für die anderen nicht zu Deutschland gehört.“ Es sind die Gegensätze, die man formuliert. Schon seit langer Zeit hat Nationalität im Kopf von Hadija Haruna-Oelker keine Grenzen gehabt, und sie plädiert für ein offenes Konzept von Zugehörigkeit. Hadija Haruna-Oelker lebt als Autorin, Redakteurin und Moderatorin in Frankfurt am Main. Hauptsächlich arbeitet sie für den Hessischen Rundfunk.

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Moralisieren führt zu nichts

Was bedeutet es, ein guter und glücklicher Mensch zu sein? Die Frage ist nicht, wie gut ein Mensch ist, sein sollte oder müsste, um als „gut“ durchzugehen. Rebekka Reinhard erläutert: „Ethik ist kein Wettbewerb. Moralisieren führt zu nichts – außer zur Spaltung aller menschlichen Regungen in „gut“ und „schlecht“. Die einzige Frage, auf die es ankommt, ist: „Was kann ich jetzt Gutes tun?“ Man fängt bei sich selbst an und tut es. So einfach ist das. Gutes geschieht nicht, wenn man es durchdenkt, darüber liest oder schreibt. Es passiert nicht irgendwann, wenn sich ein Slot im Kalender ergibt. Rebekka Reinhard ist Chefredakteurin des Magazins „human“ über Mensch und KI. Unter anderem ist sie bekannt durch den Podcast „Was sagen Sie dazu?“ der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft wbg.

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Vorteile durch Einbau eines Treppenliftes im eigenen Haus

Der Einbau eines Treppenliftes im eigenen Haus kann das Leben im Alter erheblich erleichtern. Treppen stellen für viele ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität ein großes Hindernis dar. Ein Treppenlift bietet hier eine praktische Lösung, um die eigene Unabhängigkeit und Lebensqualität zu bewahren. Erhöhte Mobilität und Unabhängigkeit Ein Treppenlift ermöglicht es älteren Menschen, sich … Weiterlesen

Die Menschheit greift in die natürlichen Klimaveränderungen ein

Heute greift die menschliche Zivilisation in ihrer Gesamtheit in die natürlichen Klimaveränderungen ein, indem sie Kohlenstoff, der während Jahrmillionen der Atmosphäre entzogen wurde, innerhalb weniger Jahrzehnte verfeuert und Kalkstein unter Freisetzung von Kohlendioxid in Beton verwandelt. Worin liegt das Problem? Gunter Mair erläutert: „Kohlendioxid ist ein Treibhausgas. Es lässt die Sonneneinstrahlung zum Erdboden durch, absorbiert und reflektiert aber die langwelligere Infrarotstrahlung, die von der Erde zurückgestrahlt wird, und wirkt damit wie die Glasscheibe eines Gewächshauses.“ Seit Beginn der Ausbeutung von Kohle, Erdöl und Gas wurden global rund 2000 Gigatonnen Kohlendioxid ausgestoßen, wodurch der atmosphärische Gehalt von vorindustriellen 280 -Anteile pro Million – ppm auf heute 410 ppm stieg. Dr. Gunther Mair arbeitete als promovierter Chemiker in der chemischen Großindustrie und entdeckte dort sein Interesse für die Klimagasproblematik.

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Der Philosoph Alain de Botton hat die „School of Life“ gegründet

Alain de Botton, Philosoph und Verfasser des Bestsellers „Wie Proust Ihr Leben verändern kann“, hat in London eine „School of Life“ gegründet. Andreas Salcher erläutert: „Er ist überzeugt, dass Literatur und Philosophie helfen können, ein besseres Leben zu leben – wenn sie nur richtig vermittelt werden.“ Alain de Botton sagt: Was wir tun, ist eine Provokation dem akademischen Betrieb. Die Grundannahme der Akademie ist: Es gibt sehr viel Wissen, aber es sollte nicht im Leben angewandt werden. Dies gilt als vulgär, jedenfalls in den Geisteswissenschaften. Alain de Botton hat nie verstanden, was so gefährlich daran sein soll, nach dem Nutzen von etwas zu fragen. Oder was so schlimm daran ist, wenn etwas Spaß macht. Dr. Andreas Salcher ist Mitgebegründer der „Sir Karl-Popper-Schule“ für besonders begabte Kinder. Mit mehr als 250.000 verkauften Büchern gilt er als einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren Österreichs.

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Vor dem Bildschirm sitzen die Zuschauer stets in der ersten Reihe

Von den Menschen früherer Zeiten unterscheidet die heute lebenden, dass sie Zuschauer geworden sind. Alain Finkielkraut erklärt: „Wir schauen Ereignissen zu, von denen unsere Vorgänger durch mündliche Berichte oder die Lektüre erfuhren. Dieses „Wir“ kennt keine Ausnahme mehr: Ganz gleich, wo wir leben, mit dem Bildschirm sitzen wir stets in der ersten Reihe.“ Das Bild von George Floyd, dem am 25. Mai 2020 in Minneapolis gezielt die Luft abgedrückt wurde, ist um die ganze Welt gegangen, ein unerträgliches Bild. „Ich kann nicht atmen“, keuchte der Farbige, während ihm sein Peiniger ungerührt und sogar lächelnd das Knie auf den Hals drückte, bis er starb. Die Amerikaner, die danach spontan auf die Straße gegangen sind, um ihre Empörung kundzutun, versteht Alain Finkielkraut umso besser, als der Mord an George Floyd nicht der erste seiner Art war. Alain Finkielkraut gilt als einer der einflussreichsten französischen Intellektuellen.

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Im Internet zeichnet sich eine Herrschaft des Pöbels ab

Viel ist in letzter Zeit vom Hass im Internet die Rede. Konrad Paul Liessmann weiß: „Für die Verfasser von Hasspostings hat sich ein neuer Anglizismus eingebürgert: Hater. Das klingt einerseits zeitgeistiger als der dumpfe deutsche Hasser und rückt den Protagonisten in die Nähe anderer Netz-Helden, wie dem User oder dem schon in die Jahre gekommenen Surfer.“ Aber der Hater ist auch die erste Erscheinungsform des Negativen und Bösen in den sozialen Medien, die sich hier durchaus als asozial erweisen. Drohend zeichnet sich nun für Besorgte gar eine neue Herrschaft des Pöbels ab. An Vorschlägen, wie mit dieser Gefahr umzugehen sei, mangelt es nicht. Von Aufklärung über pädagogische Interventionen bis hin zur strafrechtlichen Verfolgung reicht der Katalog der Maßnahmen, die erwogen werden. Konrad Paul Liessmann ist Professor emeritus für Philosophie an der Universität Wien, Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist.

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Die Liebe und der Tod verleihen allem Bedeutung

„Die Liebe und der Tod sind die Themen überhaupt, das A und O unserer Erzählungen, weil sie uns wie nichts anderes erschüttern.“ Mit diesem Satz leitet Lorenz Jäger sein neues Buch „Die Kunst des Lebens, die Kunst des Sterbens“ ein. Dabei ist der Tod nicht irgendein Thema unter anderen, sondern der letzte Probierstein des Denkens. Der Kontrast zwischen dem höchsten Lebensglück und der Vernichtung treibt den Umriss von beiden erst heraus. So allgegenwärtig die Verbindung von Liebe und Tod in der Literatur und Dichtung ist, ja eigentlich die Literatur erst ermöglicht, so merkwürdig spät erscheint sie in der Philosophie. Lorenz Jäger schreibt: „Die Liebe und der Tod verleihen allem Bedeutung, was in ihren Bereich tritt, mit ihnen erst sind wir Menschen.“ Seit 1997 arbeitete Lorenz Jäger als Redakteur im Ressort Geisteswissenschaften der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, das er zuletzt leitete.

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Nicht jeder Mensch beherrscht die Kunst der Liebe

Man verkennt das Wesen der Liebe, wenn man meint, dies sei nichts weiter als ein Gefühl, das sich einstellt oder nicht und auf das man wenig Einfluss hat. Albert Kitzler ist ganz anderer Ansicht: „Liebe ist eine Kunst, die keineswegs jeder Mensch von Natur aus beherrscht, sondern von den meisten gelernt werden muss, soll ihr Leben gelingen.“ Würden die Menschen die Kunst des Liebens beherrschen, würden die Menschheit in einer anderen Welt leben. Man würde sich dann nicht gegenseitig persönlich angreifen und verletzen, sondern miteinander respektvoll, mitfühlend und verständnisvoll umgehen. Die Völker würden sich nicht bekriegen, ausbeuten und unterdrücken, Gläubige würden Andersgläubige nicht verfolgen, ausgrenzen und töten. Der Philosoph und Medienanwalt Dr. Albert Kitzler gründete 2010 „Maß und Mitte – Schule für antike Lebensweisheit und eröffnete ein Haus der Weisheit in Reit im Winkl.

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Parteien und Medien sollten weithin zugänglich sein

Wie sollten intermediäre Institutionen, insbesondere Parteien und Medien, also idealerweise beschaffen sein, um ihre Funktionen für die Demokratie zu erfüllen? Jan-Werner Müller antwortet: „Sie sollten weithin zugänglich sein, und der Zugang darf nicht zu einem Privileg für ohnehin Bessergestellte werden. Sie sollten auf Fakten basieren, selbst wenn Fakten, wie Hannah Arendt bemerkte, stets fragil sind.“ Außerdem sollten sie autonom sein – das heißt, nicht auf korrupte Weise von mehr oder weniger verborgenen Akteuren abhängen. Sie müssen für alle Bürger relativ klar einzuschätzen sein, sodass sie von ihnen auch zur Rechenschaft gezogen werden können. Wie leicht sollte es beispielsweise sein, eine politische Partei zu gründen? Viele Länder verlangen eine Mindestzahl an Mitgliedern und den Nachweis einer ernsthaften Absicht, sich an Wahlen zu beteiligen. Jan-Werner Müller ist Roger Williams Straus Professor für Sozialwissenschaften an der Princeton University.

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Joseph Stiglitz benennt die Mängel der Globalisierung

Es bringt nichts, die Globalisierung einfach in ihrem bisherigen Ordnungsrahmen weiter voranzutreiben. Joseph Stiglitz erläutert: „Wir können in den kommenden Jahrzehnten nicht genauso weitermachen wie in den letzten 30 Jahren. Denn dies wird vermutlich noch mehr Leid, noch mehr politische Wirren verursachen.“ Die Globalisierung wurde in der Vergangenheit auf der Grundlage einer Reihe falscher Prämissen gemanagt. Nämlich, dass alle Menschen davon profitieren und es genüge, die Globalisierung in wirtschaftlicher Hinsicht gut zu gestalten. Man ließ die Arbeitnehmer wissen, dass sie sich aufgrund der Globalisierung mit niedrigeren Löhnen, schlechteren Arbeitsbedingungen und Kürzungen wichtiger staatlicher Leistungen abfinden müssten. Diese Maßnahmen dienten dazu, die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Ländern zu erhalten. Joseph Stiglitz war Professor für Volkswirtschaft in Yale, Princeton, Oxford und Stanford. Er wurde 2001 mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet.

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