John Adams, der zweite Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, schrieb: „Die Institutionen, die wir heute in Amerika ins Leben rufen, werden auch in tausenden von Jahren nicht ganz verschwunden sein. Es ist daher von äußerster Wichtigkeit, es richtig anzugehen. Wenn wir einen falschen Anfang machen, dann werden sie nie mehr, oder nur durch einen Glücksfall, auf den rechten Weg zurückfinden.“ William MacAskill weiß: „Die Gründerväter der Vereinigten Staaten bedienten sich bei Ideen, die fast zwei Jahrtausende zuvor formuliert worden waren.“ Der Gedanke der Gewaltenteilung ging auf John Locke und Baron de Montesquieu zurück. Die heute lebenden Menschen müssen gar nicht so einflussreich sein wie Thukydides oder Benjamin Franklin, um mit ihren Handlungen Einfluss auf die Zukunft zu nehmen. William MacAskill ist außerordentlicher Professor für Philosophie an der Universität Oxford.
Menschheit
Der überversorgende Wohlstand ist eine gefährliche Droge
Joachim Bauer betont: „Eine Lebensweise, welche die Grenzen der ökologischen Vernunft beachtet, bedeutet Gewinn, nicht Verlust. Persönliches Wohlergehen und das Schicksal unseres Planeten sind miteinander verknüpft. Gute Selbstfürsorge und Fürsorge für die Globus sind ein und dasselbe.“ Entfremdung von der Natur ist Selbst-Entfremdung. Wenn wir nicht fühlen, was die Welt fühlt, wenn wir unser Leben nicht ändern und den Klimawandel nicht stoppen, werden wir in naher Zukunft kein lebenswertes Leben mehr führen können. Der überversorgende Wohlstand, in dem wir derzeit noch leben, ist eine überaus gefährliche Droge: Bildlich gesprochen, sieht Joachim Bauer uns mit dem Handy in der Hand, mit unsere Aufmerksamkeit suchtartig an die digitalen Medien gefesselt, an einem reich gedeckten Esstisch verharren, während draußen der Waldbrand dabei ist, das Haus zu umzingeln. Prof. Dr. Med. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt.
In Europa sind zwanzig Prozent der Tierarten vom Aussterben bedroht
Wir Menschen greifen nicht nur in die Geosphäre ein, indem wir einen signifikanten Anstieg der Temperatur der Atmosphäre und der Oberfläche des Meeres herbeiführen. Matthias Glaubrecht fügt hinzu: „Vielmehr beeinflussen wir längst auch in vielfältiger Weise die Biosphäre und sind selbst zu einem Evolutionsfaktor des Lebens auf unserem Planten geworden. Bedingt dadurch nehmen die Vielfalt und Vielzahl der Lebewesen auf der Erde in dramatischer Weise ab, und zwar stärker noch, als bisher ohnehin schon vermutet wurde.“ Demnach sind im Durchschnitt mehr als zwei Drittel aller untersuchten Tierbestände in den vergangenen Jahrzehnten verloren gegangen. Der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) warnt davor, dass in wenigen Jahrzehnten eine Million von schätzungsweise acht oder neun Millionen auf der Erde existierenden Tier- und Pflanzenarten ausstirbt. Der Evolutionsbiologe und Biosystematiker Matthias Glaubrecht ist Professor für Biodiversität der Tiere an der Universität Hamburg.
Ein neuer Humanismus muss das Lebendige vor der Maschine schützen
Die wichtigste Aufgabe eines neuen – mancherorts nennt man ihn schon digitalen – Humanismus muss sein, nicht nur das Lebendige vor der Maschine zu schützen, sondern auch zu erkennen, was das menschliche Tier der Maschine überlegen macht. Lisz Hirn erklärt: „Die Arbeitsleistung ist es jedenfalls nicht. Viel eher werden wir das Recht auf Arbeit künftig durch ein Gebot zu Faulheit ersetzen müssen, wenn wir der unbarmherzigen Barbarei unseres Konsumkapitalismus oder dem gnadenlosen Wettbewerb mit den Gerätschaften maschinellen Denkens entkommen wollen.“ Diese Erkenntnis ist aus mindestens zwei Gründen wichtig: zum einen, weil sich die Menschheit mittels ihrer maschinellen Erfindungen, wie der Atombombe, selbst vernichten könnte, wie man seit Mitte des 20. Jahrhunderts schmerzlich weiß. Lisz Hirn arbeitet als Publizistin und Philosophin in der Jugend- und Erwachsenenbildung, unter anderem am Universitätslehrgang „Philosophische Praxis“.
Für die Existenz der Menschheit basiert auf Zufall
Charles Darwin präsentierte eine alternative Antwort auf die uralte Frage, warum die Menschen existieren. Und diese Antwort kam ganz ohne irgendein „télos“ aus. Christian Uhle erläutert: „Auf sehr überzeugende Weise erklärte er die Entstehung des Homo sapiens als eine Kette von Ursachen und Wirkungen. Das war weit mehr als eine „Kränkung“ des Egos, die Sigmund Freud diagnostiziert hatte.“ Unvorstellbares konnte man sich plötzlich sehr wohl vorstellen. Nämlich, dass es überhaupt keinen Sinn gibt, weshalb die Menschheit zu existieren begann. Warum gibt es Menschen? Charles Darwin hatte darauf eine komplett anderen Antwort als bisherige Entstehungsgeschichten. Denn er lieferte eine Erklärung der menschlichen Existenz, keine Begründung. Denn Naturwissenschaften können keine Sinnfragen beantworten. Das Anliegen des Philosophen Christian Uhle ist es, Philosophie in das persönliche Leben einzubinden.
Die Ungleichheit zwischen Gesellschaften ist immens
Erstaunlicherweise fand der sprunghafte Anstieg des Wohlstands, der in den letzten Jahrhunderten zu verzeichnen war, nur in einigen Teilen der Welt statt. Zudem löste er eine zweite große Transformation aus, die für die menschliche Spezies einzigartig ist. Nämlich die Entstehung einer immensen Ungleichheit zwischen den Gesellschaften. Oded Galor erklärt: „Man könnte mutmaßen, dieses Phänomen habe vor allem damit zu tun, dass der Ausbruch aus der Epoche der Stagnation weltweit zu unterschiedlichen Zeiten stattgefunden hat.“ Die westeuropäischen Länder und manche ihrer Ableger in Nordamerika und Ozeanien erlebten die sprunghafte Verbesserung ihrer Lebensbedingungen bereits im 19. Jahrhundert. Dagegen verzögerte sich ein entsprechender Fortschritt in den meisten Regionen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Oded Galor ist israelischer Wirtschaftswissenschaftler und mehrfach ausgezeichneter Professor an der Brown University, USA. Er forscht vor allem zum Thema Wirtschaftswachstum.
Die Menschheit hat sich von den Zwängen der Natur befreit
Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der Befreiung von den Zwängen der Natur. Philipp Hübl erläutert: „Die frühen Menschen haben das Feuer zu beherrschen gelernt und sich mit Licht und Wärme von den Zwängen des Tagesrhythmus und des Jahreswechsels befreit.“ Sie haben Ackerbau betrieben und Vorräte angelegt, um von den Nahrungsquellen ihrer Umgebung unabhängig zu sein. Mit Wagen und Schiffen wurden sie unabhängig von ihrer Herkunft, mit Kleidung, Häusern und Staudämmen trotzten sie den Widrigkeiten der Witterungen. Durch die Medizin sind Menschen Infektionen nicht mehr hilflos ausgeliefert und durch die Telekommunikation nicht mehr an einen Ort gebunden, um sich auszutauschen. Moderne Wohnungen sind selbstgebaute Oasen, in denen Wärme, Licht, fließendes Wasser, eine weiche Schlafstätte, Nahrung, Musik und Unterhaltung sichergestellt sind. Philipp Hübl ist Philosoph und Autor des Bestsellers „Folge dem weißen Kaninchen … in die Welt der Philosophie“ (2012).
Der Einzelne ist heute ohne die anderen nicht überlebensfähig
Heute lebt die Menschheit in einer von ihr geschaffenen Umwelt und Kultur, die mit nichts im Tierreich zu vergleichen ist. Matthias Glaubrecht betont: „Ohne Frage ist es höchst beachtlich, was dieses Zoon politikon mit seinem biologischem Vermächtnis von Konflikt und Kooperation, sozialer Intelligenz samt Trug und Täuschung geschaffen und aufgebaut hat.“ Nicht vergessen darf man indes, gerade wenn man die Kooperation hervorhebt, dass jedes einzelne Individuum nur einen Bruchteil dessen beherrscht, was zu dieser Kulturleistung nötig ist. Der Einzelne ist heute ohne die anderen nicht überlebensfähig. Vielfach 12wissen Menschen nicht einmal mehr, wie sie sich in der modernen, hoch technisierten Welt auf sich allein gestellt Nahrung beschaffen sollten. Auf Gedeih und Verderb sind sie mehr denn je auf Kooperation und immer komplexere Formen des Miteinanders angewiesen. Matthias Glaubrecht ist Evolutionsbiologe, Systematiker und Wissenschaftshistoriker.
Menschen sind unersättlich neugierig
Nichts beschäftigt den Menschen – seit grauer Vorzeit und bis in die Gegenwart – mehr als Fragen der zwischenmenschlichen Interaktion und Kommunikation. Matthias Glaubrecht erläutert: „Von den ersten schriftlichen Dokumenten und antiken Dossiers über die Briefkorrespondenz, von den Anfängen der Erzählung über Romane bis zum Smartphone dominiert das soziale Mit- und oft genug Gegeneinander unsere menschliche Kultur.“ Immer ging und geht es um die Frage: Wer macht was mit wem? Die Menschheit ist eine unersättlich neugierige Spezies, sofern es dabei um die eigene Person geht und um Menschen, die man kennt oder gerne kennenlernen würde. Menschen sind ewige Smartphoner und waren es bereits, lange bevor sie dazu die neuesten technischen und medialen Möglichkeiten entwickelt hatten. Matthias Glaubrecht ist Evolutionsbiologe, Systematiker und Wissenschaftshistoriker.
Seit Tausenden von Jahren leben die Menschen nicht ökologisch nachhaltig
Hannah Ritchie stellt fest: „Wir glauben immer, dass unsere Welt früher einmal „nachhaltig“ war und durch unsere Umweltverschmutzung aus der Bahn geraten ist. Doch diese Schlussfolgerung ist falsch. Seit Tausenden von Jahren – vor allem aber seit der Agrarrevolution – leben die Menschen nicht ökologisch nachhaltig.“ Unsere Vorfahren rotteten durch Jagd Hunderte der größten Landtiere aus, verschmutzten die Luft, indem sie Holz, Erntereste sowie Holzkohle verbrannten, und rodeten große Wälder zu Energiegewinnung oder für Ackerland. Ja, es gab Zeiten oder Gemeinschaften, in denen ein harmonisches Zusammenleben mit anderen Arten und der Umwelt erreicht wurde. In einigen indigenen Gruppen wurde das so gelebt und auch die Aufrechterhaltung von Artenvielfalt und Ökosystemen gewährleistet. Dr. Hannah Ritchie ist Senior Researcher im Programm für globale Entwicklung an der Universität Oxford.
Der Informationsfluss hat die Menschheit und die Welt geformt
Das neue Buch „Nexus“ von Yuval Noah Harari erzählt, wie der Informationsfluss die Menschheit und die Welt geformt hat. Die Geschichte beginnt in der Steinzeit, berichtet über die Erfindung des Buchdrucks und dem Aufstieg der Massenmedien sowie dem Wiederaufleben des Populismus in der Gegenwart. Zugleich steht die Menschheit heutzutage am Rande eines ökologischen Zusammenbruchs, verschuldet durch den Missbrauch der eigenen Macht. Yuval Noah Harari warnt: „Wir entwickeln neue Technologien wie die künstliche Intelligenz (KI), die das Potenzial haben, sich unserer Kontrolle zu entziehen und uns zu versklaven oder gar zu vernichten.“ Doch die Menschheit tut sich nicht etwa zusammen, um diesen Bedrohungen geschlossen entgegenzutreten, sondern die internationalen Spannungen nehmen zu. Der Historiker, Philosoph und Autor von einigen Weltbestsellern Yuval Noah Harari zählt zu den einflussreichsten Intellektuellen weltweit.
Eine wunderbare Zukunft ist kein leerer Traum
Die Zukunft könnte immens sein. Sie könnte auch sehr gut sein – oder aber sehr schlecht. William MacAskill erklärt: „Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie gut, sollten wir uns ansehen, welche Fortschritte die Menschheit in den vergangenen Jahrhunderten gemacht hat.“ Vor 200 Jahren betrug die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen weniger als dreißig Jahre, heut sind es 73. Damals lebten mehr als 80 Prozent der Menschen in extremer Armut; heute sind es weniger als zehn Prozent. Damals konnten nur 10 Prozent der Erwachsenen lesen, heute sind es 85 Prozent. Gemeinsam hat die Menschheit die Fähigkeit, diese positiven Entwicklungen fortzusetzen und etwas gegen negative Entwicklungen wie die massiven Treibhausemmissionen und das Leid der Massentierhaltung zu unternehmen. William MacAskill ist außerordentlicher Professor für Philosophie an der Universität Oxford.
Nicht jeder Mensch beherrscht die Kunst der Liebe
Man verkennt das Wesen der Liebe, wenn man meint, dies sei nichts weiter als ein Gefühl, das sich einstellt oder nicht und auf das man wenig Einfluss hat. Albert Kitzler ist ganz anderer Ansicht: „Liebe ist eine Kunst, die keineswegs jeder Mensch von Natur aus beherrscht, sondern von den meisten gelernt werden muss, soll ihr Leben gelingen.“ Würden die Menschen die Kunst des Liebens beherrschen, würden die Menschheit in einer anderen Welt leben. Man würde sich dann nicht gegenseitig persönlich angreifen und verletzen, sondern miteinander respektvoll, mitfühlend und verständnisvoll umgehen. Die Völker würden sich nicht bekriegen, ausbeuten und unterdrücken, Gläubige würden Andersgläubige nicht verfolgen, ausgrenzen und töten. Der Philosoph und Medienanwalt Dr. Albert Kitzler gründete 2010 „Maß und Mitte – Schule für antike Lebensweisheit und eröffnete ein Haus der Weisheit in Reit im Winkl.
Die Menschheit kann eine nachhaltige Welt schaffen
Hannah Ritchie stellt in ihrem Buch „Hoffnung für Verzweifelte“ unter anderem die These auf, dass die Menschheit die nie dagewesene Chance hat, eine nachhaltige Welt zu schaffen. Dabei hält sie vorläufig fest, dass der absolute Untergang des Planeten Erde eine Übertreibung ist. Aus verschiedenen Gründen denkt Hannah Ritchie, dass die Weltuntergangsszenarien mehr schaden als nützen. … Weiterlesen
Die Welt ist zu kompliziert geworden
Viele Menschen hoffen insgemein, der Weg in eine bessere Welt sei möglich. Doch selbst Übermorgen werden die Politiker der Welt auch keine Lösung für die Probleme der Welt finden. Ille C. Gebeshuber stellt fest: „Selbst der einfache Ansatz, dass der erste Schritt in eine bessere Welt darin besteht, dass alle die Regeln und Gesetze unserer Gesellschaft einhalten, erscheint undurchführbar.“ Die Bürger sehen, dass die Ankündigungen großer Schritte, die man nie ausführt, viel einfacher ist als das Gehen kleiner Schritte, die sofort Geld und Aufwand kosten. Zu kompliziert ist die Welt geworden und zu groß sind die Eigeninteressen einzelner. Aber man weiß einige Dinge. Zum einen weiß man, dass der Weg der globalen Gesellschaft nicht mehr lange so weitergehen kann. Ille C. Gebeshuber ist Professorin für Physik an der Technischen Universität Wien.
Die Kultur bringt die Emanzipation hervor
Es ist, alles in allem, die Kultur, die dem Menschen die Chancen eröffnet, sich durch eigene Anstrengung von vorgegebenen Konditionen zu emanzipieren. Volker Gerhardt erklärt: „In der Regel ermöglicht man das auf diese Weise Erreichte durch Konventionen, durch sprachliche Variation oder durch das Recht, auf alternative Weise zu leben.“ Die unzähligen neuen Techniken, die der Mensch im Lauf seiner viertausendjährigen Entwicklung auf den Weg gebracht hat, sind auch Gegenstand seiner institutionellen Einordnung geworden. Im Gang der kulturellen Entwicklung ist es dabei immer wieder zu mehr oder weniger tiefgreifenden Einteilung der Menschen nach Ständen, Kasten oder Klassen gekommen. Dominierende Eroberer, Gottkönige und ihre Adlaten haben Menschen unterworfen, ausgebeutet und nicht selten wie bloße Waren behandelt. Volker Gerhardt war bis zu seiner Emeritierung 2014 Professor für Philosophie an der Humboldt-Universität in Berlin.
Das Böse geht der Menschheit nicht verloren
In der griechischen Mythologie sind die Menschen ihren Ursprüngen entkommen, wie man einer Katastrophe entgeht. Aber sie brauchen sich nicht darum zu sorgen, dass ihnen das Böse verloren gehen könnte. Rüdiger Safranski stellt fest: „Es kehrt stets wieder – in veränderter Gestalt. Wie bei den Göttern, gibt es auch beim Bösen einen Gestaltwandel.“ Das „Böse“ ist kein Begriff. Nur ein Name. Ein Name wofür? Für vielerlei: für das Barbarische, die Gewalt, Realitätszerstörung. Aber neuerdings auch für das Chaos, den Zufall, die Entropie, die undurchschaubare und unberechenbare Komplexität. Was das Entscheidende ist: Das „Böse“ hat aufgehört, lediglich ein Name zu sein für das im engeren Sinne Moralische. Rüdiger Safranski arbeitet seit 1986 als freier Autor. Sein Werk wurde in 26 Sprachen übersetzt und mit vielen Preisen ausgezeichnet.
William MacAskill fordert ein radial neues Denken beim Thema Nachhaltigkeit
Der britische Philosoph William MacAskill fordert in seinem Buch „Was wir der Zukunft schulden“ ein radikal neues Denken beim Thema Nachhaltigkeit. Das Handeln der heute lebenden Menschen muss nicht nur die Konsequenzen für die nächsten Generationen miteinbeziehen, sondern auch die Folgen für die Menschheit in einer weit entfernten Zukunft. William MacAskill schreibt: „Es reicht nicht aus, den Klimawandel einzudämmen oder die nächste Pandemie zu verhindern. Wir müssen sicherstellen, dass sich die Menschheit nach einem Kollaps auch wieder erholt.“ In seinem Buch geht es William MacAskill vor allem um langfristiges Denken. Nämlich um den Gedanken, dass es die oberste moralische Priorität unserer Zeit ist, positiven Einfluss auf die Zukunft zu nehmen. Das langfristige Denken nimmt die Tatsache ernst, dass die Zukunft sehr groß sein kann und bei ihrer Gestaltung sehr viel auf dem Spiel steht. William MacAskill ist außerordentlicher Professor für Philosophie an der Universität Oxford.
Silvio Vietta kennt den Wert der Demokratie
Silvio Vietta kann im Rückblick auf die Geschichte der Demokratie viele Argumente für sie ausfindig machen. Erstens: Die Demokratie entsteht mit der Ersten Aufklärung in der Antike als eine Art Entmythisierung der Vorstellung, die Götter oder ein Gott lenke die Geschichte. Der Mensch als Gattungswesen muss daher selbst „erwachsen“ werden, und seine Politik wie Geschichte selbst verantworten. Silvio Vietta stellt fest: „Demokratie bedeutet in diesem Sinne einen Reifungsprozess der ganzen Menschheit.“ Zweitens: Schon Perikles in der antiken Demokratie stellt diese selbst in den Zusammenhang einer Mündigwerdung der demokratischen Polis und auch des einzelnen Bürgers. Dieser muss ja nun die Verantwortung für seine Geschicke selbst in die Hand nehmen und sollte daher kulturell gebildet, gut informiert und persönlich gereift sein. Prof. em. Dr. Silvio Vietta hat an der Universität Hildesheim deutsche und europäische Literatur- und Kulturgeschichte gelehrt.
Die westliche Wissenschaft lebt von vielen Einflüssen
Wichtig ist für Amartya Sen die Erkenntnis, dass sich die sogenannte westliche Wissenschaft auf das Erbe der gesamten Menschheit stützt: „Es besteht ein Traditionszusammenhang zwischen der Mathematik und Wissenschaft des Westens und frühen nicht-westlichen Vorläufern. So gelangte das Dezimalsystem, das in den ersten Jahrhunderten des ersten Jahrtausends in Indien entwickelt wurde, gegen Ende des Jahrtausends über die Araber nach Europa.“ Zu Wissenschaft, Mathematik und Philosophie haben viele Einflüsse aus nichtwestlichen Gesellschaften – u.a. der chinesischen, der arabischen, der persischen, der indischen – beigetragen. Diese spielten erst in der Renaissance und später in der Aufklärung in Europa eine bedeutende Rolle. Der Westen spielt also beim weltweiten Aufblühen von Wissenschaft und Technik nicht als einziger eine führende Rolle. Amartya Sen ist Professor für Philosophie und Ökonomie an der Harvard Universität. Im Jahr 1998 erhielt er den Nobelpreis für Ökonomie.
Die Evolution des Menschen beginnt vor rund fünf Millionen Jahren
Die Evolutionsgeschichte der ersten „Hominini“ ist die Geschichte der frühesten protomenschlichen Vorläufer nach der Abspaltung von dem Vorfahren, den die Menschen der Gegenwart mit den anderen heute noch lebenden Menschenaffen teilen. Hanno Sauer erläutert: „Diese kritische erste Phase unserer Evolution lässt sich ungefähr auf die Zeit vor fünf Millionen Jahren eingrenzen.“ Die erhaltenen Fossilien finden sich hauptsächlich im östlichen Afrika, Äthiopien, Kenia und Tansania. Die zweite Hauptkonfrontation von Fossilienfunden liegt in Südafrika. Heute sind die versteinerten Überbleibsel in paläoanthropologischen Forschungsinstituten auf der ganzen Welt zerstreut. Die Geschichte der Menschwerdung, die diese Funde erzählen, ist vorläufig. Sie bleibt in der „Geiselhaft empirischer Daten“ und droht jederzeit durch neue Entdeckungen revidiert, korrigiert oder überholt zu werden. Hanno Sauer ist Associate Professor of Philosophy und lehrt Ethik an der Universität Utrecht in den Niederlanden.
Die Nationalstaaten beuten die Natur aus
Die Werbung vieler Unternehmen feiert eine globalisierte Welt. Aber die Idee von der größeren Reichweite ihrer Geschäftsbeziehungen umfasst nur einen Aspekt der Globalisierung. Judith Butler weiß: „Nationalstaatliche Souveränität mag im Schwinden begriffen sein, aber neue Nationalismen halten an diesem Rahmen fest.“ Die Regierungen der Vereinigten Staaten sind nur schwer von der realen Bedrohung der lebensfähigen Welt durch den Klimawandel zu überzeugen. Das liegt daran, dass ihre Rechte zur Erweiterung von Produktion und Märkten weiterhin im Rahmen des Nationalstaates konzentriert bleiben. Dies trägt zur Ausbeutung der Natur und der Vormachtstellung des Profits bei. Sie rechnen vielleicht gar nicht mit der Möglichkeit, dass ihr Handeln Auswirkungen auf alle Regionen der Welt hat. Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley.
Zehn Megathreats gefährden die Zukunft der Menschheit
Nouriel Roubini skizziert in seinem Buch „Megathreats“ zehn Bedrohungen, mit denen die Menschheit heute konfrontiert ist. Ein Blick auf die Finanzkrise des Jahres 2008 oder den unschlüssigen Umgang mit der Coronapandemie reicht, um zu verstehen, dass schlechte Politik Ersparnisse vernichten und das Leben und die wirtschaftliche Existenz von Millionen von Menschen bedrohen kann. Als Wirtschaftswissenschaftler beschäftigt sich Nouriel Roubini mit Risiken und deren Konsequenzen. Im Jahr 2006 beobachtete er die astronomischen Preise auf dem privaten Immobilienmarkt. Dazu kam ein beängstigender Anstieg der Hypothekenverschuldung und ein Bauboom. Nouriel Roubini warnte, dass diese beispielslose Blase bald platzen und die Welt in eine Rezession und eine Finanzkrise stürzen würde. Seine Voraussagen bestätigten sich auf verheerende Weise. Nouriel Roubini ist einer der gefragtesten Wirtschaftsexperten der Gegenwart. Er leitet Roubini Global Economics, ein Unternehmen für Kapitalmarkt- und Wirtschaftsanalysen.
Der Menschheit droht der Untergang
Woher kommt dieser Größenwahn, der Mensch sei die Krone der Schöpfung und müsse die Natur beherrschen? Philipp Blom verfolgt in seinem neuen Buch „Die Unterwerfung“ die Geschichte einer Idee, die den Planeten Erde an den Rand des Abgrunds getrieben hat. Denn der Homo sapiens sieht sich als Mittelpunkt, als Maß als Herrscher der Natur. Und er glaubt tatsächlich, dass alle lebenden Kreaturen vor seiner unvergleichlichen Majestät in den Staub fallen. Dieses Menschenbild ergreift sich als erhaben über Tiere und andere Lebewesen, sieht die Natur als Kulisse seiner eigenen Ambitionen und als Rohstofflager. Gegliedert hat Philipp Blom sein Wert in drei große Abschnitte: Mythos, Logos und Kosmos. Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien.
Jeremy Rifkin hofft auf ein Zeitalter der Resilienz
In seinem neuen Buch „Das Zeitalter der Resilienz“ beschreibt den politischen, wirtschaftlichen und kulturellen globalen Weg vom Zeitalter des Fortschritts zur Epoche der Resilienz. Die Menschheit erkennt allmählich, dass sie und ihre Mitgeschöpfe auf einen Abgrund zusteuern, von dem es kein Zurück mehr gibt. Die Warnung, dass der von Menschen gemachte Klimawandel das sechste Massensterben auf der Erde verschuldet, ist inzwischen auch im politischen Mainstream angekommen. Das Zeitalter des Fortschritts ist tot und wartet nur noch auf seine Obduktion. Heute geht es immer und überall darum, wie sich die Menschheit am besten an das drohende Chaos „anpassen“ kann. „Resilienz“ oder Widerstandsfähigkeit ist dabei ein Schlagwort, auf das man dabei immer wieder stößt. Jeremy Rifkin ist einer der bekanntesten gesellschaftlichen Vordenker. Er ist Gründer und Vorsitzender der Foundation on Economic Trends in Washington.