Die Psychotherapiemethode des Harry Stack Sullivan

Harry Stack Sullivan hat in der Theorie und Praxis der Psychotherapie wertvolle Neuerungen eingeführt, die weit über das orthodoxe psychoanalytische Verfahren hinausreichen. So lehnte er es beispielsweise ab, mit seinen Patienten in endlosen Sitzungen Träume zu deuten, Erlebisse aus der Kindheit zu rekonstruieren und „Sexualromane zu dichten“. Sein therapeutisches Hauptanliegen war, zusammen mit dem Patienten dessen Verhaltensmuster zu erforschen, die ihm im Umgang mit sich selbst und mit seinen Beziehungspersonen besondere Schwierigkeiten bereiten. Dabei wollte er nicht die Rolle des kühlen und unbeteiligten Beobachters spielen. Er vertrat die Meinung, dass die wichtigsten Daten für die Einschätzung eines anderen Menschen nur durch teilhabende Beobachtung gewonnen werden können.

Philipp Bloms Plädoyer für die radikale Aufklärung

Philipp Blom entführt seine Leser in den Salon des Barons d`Holbach, wo sich wenige Jahre vor dem Ausbruch der Französischen Revolution einige der intelligentesten Denker Europas treffen. Zur illustren Runde gehören unter anderen Denis Diderot, David Hume, Laurence Sterne und Jean-Jacques Rousseau, die über eine zeitgemäße Philosophie diskutieren, die mit den Tabus der Vergangenheit bricht. Ihr Denken will die Religion hinter sich lassen, sich rein auf die Kraft des Verstandes stützen und zugleich den Leidenschaften einen angemessenen Raum zugestehen. Diese radikale Variante der Aufklärung konnte sich bis heute noch nicht in größeren Kreisen der Gesellschaft durchsetzen. Philipp Blom plädiert dafür, diesen aufklärerischen Ansatz der besten Köpfe Europas wieder aufzugreifen, denn er liefert Argumente mit einem vernunftgemäßen Umgang mit der Religion, setzt sich mit den Rollen der Geschlechter auseinander und propagiert die Idee einer wirklich menschlichen Gesellschaft.

Offene Kommunkation sorgt für seelische Gesundheit

Ronald D. Laing definiert die Psychopathologie als eine Theorie der Verweigerung von Kooperation und Kommunikation. Er behauptet: „So können zum Beispiel Frigidität und Impotenz durchaus als ein Lebensstil beschrieben werden, in den es nicht hineinpasst, einem heterosexuellen Du den Erfolg eines gelungenen Sexualverkehrs zu gönnen.“ Weder die frigide Frau, noch der impotente Mann wissen dies allerdings – aber sie leben es. Wissen und Lebensvollzug müssen nicht das Gleiche sein. Gerade am Koitus ist erkennbar, dass die Menschen mit Leib und Seele aufeinander wirken. Jeder erlebt dabei seine Bestätigung, wenn ihn der Partner anerkennt. Allerdings gibt es Menschen, die glauben, mehr an Prestige zu gewinnen, wenn sie dem Anderen die Anerkennung teilweise verweigern.

Maurice Merleau-Ponty kritisiert die Technikgläubigkeit

Obwohl Naturwissenschaft und Technik unwiderstehlich voranschreiten, bewirken sie für Maurice Merleau-Ponty keine fundamentale Förderung der Humanität. Denn das menschliche Ethos hat offenbar nur wenige Berührungspunkte mit dem Begreifen der Natur und der technischen Almacht über dieselbe. Jedenfalls hat es die Menschheit erlebt, dass Wissenschaft und Technik ohne Moral sich durchaus in den Dienst tyrannischer Herrschaftssysteme stellen lassen. In den Kriegen gehört es zu den Selbstverständlichkeiten, dass die großartigen technischen Erkenntnisse und Maschinen zur Vernichtung von Menschen eingesetzt werden. Die Naturwissenschaften sind laut Max Scheler eine Art von Herrschaftswissen, in denen keinerlei Heilswissen enthalten ist.

Das Denken von Michel Serres kennt keine Grenzen

Der Franzose Michel Serres wird in der Fachwelt als der Philosoph des Fließenden und des Flüchtigen bezeichnet. Wer seine Bücher liest, entdeckt ein Denken, das sich nicht festlegen lässt, weil die Skepsis des Suchenden das einzig Feststehende in seinem Werk ist. Für Michel Serres lebt die heutige Menschheit in revolutionären Zeiten, die er mit der Epoche der Renaissance oder der Zeit des fünften Jahrhunderts vor Christus, in der Platon lebte, vergleicht. Er begründet dies mit einer Veränderung, die so massiv ist, dass sie eigentlich jeden Menschen erstaunen müsste, aber völlig unerwartet mit stoischem Gleichmut hingenommen wird.