Pestizide und Herbizide töten viele Insekten

Die Menschheit hat ein Insektensterben historischen Ausmaßes entfacht, jener Helfer der Natur, die mehr als Dreiviertel der Nutzpflanzen bestäuben. Richard David Precht erläutert: „Man hat dieser Grundlage der Welternährung mit Pestiziden und Herbiziden bis zum Verschwinden oder bis zur Resistenz zugesetzt.“ Menschen haben zudem die Wälder abgeholzt und die Meere überfischt und die natürlichen Biotope auf dem Planeten Erde zerstört. Fast alle weiteren Risiken, die das Ranking des World Economic Forum auflistet, sind mehr oder weniger die Folgen der ersten drei. Dass weltweit die Spaltung von Arm und Reich zunimmt, wir mehr und mehr mit Klimaveränderungen zu tun haben, welche die Ärmsten der Armen südlich der Sahara unverhältnismäßig mehr treffen als Schweden oder Japan. Der Philosoph, Publizist und Autor Richard David Precht zählt zu den profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum.

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Weltweit verschwinden massenhaft Tier- und Pflanzenformen

Als Wissenschaftler beschäftigt sich Matthias Glaubrecht seit dreißig Jahren vornehmlich mit der Evolution und Biosystematik, und das – ausgerechnet – am Beispiel tropischer Süßwasserschnecken. In seiner Arbeitsgruppe, zunächst in Berlin am Naturkundemuseum, dann am Zoologischen Museum in Hamburg, haben sie dahin unbekannte Arten und ihre Vorkommen vor allem in Südostasien und Australien beschrieben und das alte Mysterium Charles Darwins untersucht, wie neue Arten entstehen und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. So kurios das im ersten Moment erscheinen mag, an Schnecken lassen sich solche grundsätzlichen Fragen der Biologie ideal erforschen. Und daher sind etwa die Hochlandseen der indonesischen Insel Sulawesi, die Bäche in Thailand un die Flüsse im Norden des australischen Outback jene Orte, die Matthias Glaubrecht aus eigenen Erleben am besten kennt. Der Evolutionsbiologe und Biosystematiker Matthias Glaubrecht ist Professor für Biodiversität der Tiere an der Universität Hamburg.

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Auch die Natur braucht zum Überleben eine Mindestfläche

Wenn wir die vielen Länder auf der Erde betrachten, sehen wir nur in wenigen Staaten ausgedehnte Flächenreserven für die Menschheit. Ille C. Gebeshuber stellt fest: „In den meisten ist die Natur bereits von der menschlichen Außengrenze umgeben und wird so durch Straßen und Zäune systematisch eingeschnürt und oft auch durchschnitten.“ Viele werden meinen, das sei kein großes Problem, aber auch die Natur braucht zum Überleben eine Mindestfläche. Wenn zum Beispiel Straßen oder andere Barrieren Populationen in kleinen Räumen einschließen, führt dies dazu, dass die einzelnen Tierarten nicht ausreichend genetisch-fremde Partner finden. Inzucht stellt sich ein, die sich über mehrere Generationen so verstärkt, dass mit dem Aussterben von Arten gerechnet werden muss. Ille C. Gebeshuber ist Professorin für Physik an der Technischen Universität Wien.

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Die Ostsee ist das das dreckigste Meer der Welt

Dirk Steffens und Fritz Habekuss blicken zurück: „Historische Transformationen wie die Abschaffung der Sklaverei oder die Installation einer hygienischen Wasserversorgung mussten verschiedene Phasen durchlaufen, bis sie zu ihrem Ziel gelangten.“ Der Prozess kann an vielen Stellen im System unterschiedlich schnell ablaufen und auch jederzeit wieder in eine frühere Phase kippen. Zu verschiedenen Zeitpunkten spielen jeweils andere Akteure die entscheidenden Rollen. Allein in Europa, so schätzt das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, gehen jährlich rund 25.000 Netze verloren, die dann als tödlicher Müll viele Jahre lang durch die Meere treiben. In ihrem Buch „Über Leben“ erzählen der Moderator der Dokumentationsreihe „Terra X“ Dirk Steffens und Fritz Habekuss, der als Redakteur bei der „ZEIT“ arbeitet, von der Vielfalt der Natur und der Schönheit der Erde.

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Der Klimawandel ist ein Symptom der globalen Krise der Ungleichheit

Wer Extremwetterereignisse erforscht, schaut wie durch ein Brennglas auf Gesellschaften und beobachtet, wie das Zusammenspiel von Wetter, Klima, Geografie, Information, Kommunikation, Regierungsstrukturen und sozioökonomischen Gegebenheiten zu Katastrophen führt – und vor allem für wen. Friederike Otto stellt fest: „Was mich Extremwetterereignisse also vor allem gelehrt haben, ist, dass die Klimakrise eine Krise ist, die hauptsächlich durch Ungleichheit und die nach wie vor unangefochtene Vorherrschaft patriarchaler und kolonialer Strukturen geprägt ist, die zudem verhindern, dass ernsthaft Klimaschutz betrieben wird.“ Physikalische Veränderungen wie stärkere Regenfälle und trockenere Böden wirken sich nur mittelbar aus. Kurz: Der Klimawandel ist ein Symptom dieser globalen Krise der Ungleichheit und Ungerechtigkeit, nicht ihre Ursache. Friederike Otto forscht am Grantham Institute for Climate Chance zu Extremwetter und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Sie hat das neue Feld der Zuordnungswissenschaft – Attribution Science – mitentwickelt.

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Die ökologische Bewegung wird nicht als Avantgarde anerkannt

Ullrich Fichtner schreibt: „Im alten Paradigma der Fliegerhelden, Erfinden, Raumfahrtpioniere und Fabrikanten, sagen wir ruhig: im falschen ersten Paradigma des Anthropozäns, waren laut Bruno Latour Wohlstand, Emanzipation, Freizeit die motivierenden Werte schlechthin.“ Diese nun umgestalten zu müssen, weil es die krisenhafte Entwicklung des Klimas erfordert, löse keinerlei Begeisterung aus, sondern trage den Öko-Aktivisten und -Parteien nur den Vorwurf der Langeweile, Einschränkung und Rückwärtsgewandtheit ein. Die ökologische Bewegung wird deshalb nicht als Avantgarde anerkannt, nicht als führende Kraft auf einem „Zeitpfeil“, nicht als Vorhut der Zukunft, nicht als Agent des Fortschritts, im Gegenteil. Sie steht für trockene Vernunft, also Humorlosigkeit, Verbote, Predigten, für Verzicht. Das macht es ihren Gegnern leicht, gegen eine angeblich aufziehende „Ökodiktatur“ zu trommeln und die Umweltfreunde vorzugsweise als kleinkarierte Moralapostel vorzuführen. Ullrich Fichtner ist Reporter des „Spiegel“ und gehört zu den renommiertesten Journalisten Deutschlands.

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Der überversorgende Wohlstand ist eine gefährliche Droge

Joachim Bauer betont: „Eine Lebensweise, welche die Grenzen der ökologischen Vernunft beachtet, bedeutet Gewinn, nicht Verlust. Persönliches Wohlergehen und das Schicksal unseres Planeten sind miteinander verknüpft. Gute Selbstfürsorge und Fürsorge für die Globus sind ein und dasselbe.“ Entfremdung von der Natur ist Selbst-Entfremdung. Wenn wir nicht fühlen, was die Welt fühlt, wenn wir unser Leben nicht ändern und den Klimawandel nicht stoppen, werden wir in naher Zukunft kein lebenswertes Leben mehr führen können. Der überversorgende Wohlstand, in dem wir derzeit noch leben, ist eine überaus gefährliche Droge: Bildlich gesprochen, sieht Joachim Bauer uns mit dem Handy in der Hand, mit unsere Aufmerksamkeit suchtartig an die digitalen Medien gefesselt, an einem reich gedeckten Esstisch verharren, während draußen der Waldbrand dabei ist, das Haus zu umzingeln. Prof. Dr. Med. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt.

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Das sechste Artensterben ist dieses Mal menschengemacht

Matthias Glaubrecht klagt an: „Wir sehen zu, wie unsere moderne Zivilisation den Planeten entwaldet, die Ozeane entleert und wie wir Krieg gegen die Natur führen. Wir erleben ein weiteres naturhistorisches Massensterben der Tier- und Pflanzenwelt – das sechste Artensterben, das dieses Mal allerdings menschengemacht ist. Doch immer noch verweigern wir uns dieser Erkenntnis, ignorieren wir die globale Artenkrise und schenken dem Leben um uns herum nicht ausreichend Aufmerksamkeit.“ Die Natur kämpft vielerorts auf der Erde längst ums Überleben, im Würgegriff von intensiver Landwirtschaft und einem gierigen Welthandel, vorangetrieben von Rohstoffhunger und Ressourcenverbrauch. Diese ließen eine Welt von unserer Hand entstehen, das Anthropozän oder die Menschen-Zeit. Der Evolutionsbiologe und Biosystematiker Matthias Glaubrecht ist Professor für Biodiversität der Tiere an der Universität Hamburg.

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Für Aldo Sohn bedeutet Wein Lebensfreude

Aldo Sohm und Christine Muhlke erklären in dem Buch „Einfach Wein“ unter anderem wie man Wein schmeckt – Tipp: Es fängt nicht mit der Zunge an –, einkauft, bestellt, serviert und lagert. Aldo Sohm hat Wein auf vielen Ebenen zu seinen Lebensinhalt gemacht: „Fünf Tage pro Woche, mittags und abends, beobachte ich, wie Menschen ihm begegnen und ihn erleben – als Genießer oder Abenteurer, als Statustrinker oder Kenner.“ Für Aldo Sohm persönlich bedeutet Wein Lebensfreude. Seine besondere Gabe ist, Menschen zusammenzubringen. Er regt Unterhaltung an wie nichts sonst. Er setzt Dinge in Gang und bezieht alles mit ein, ob man nun mit Freunden eine Flasche Champagner öffnet oder für sich alleine ein Glas an der Bar trinkt. Der Österreicher Aldo Sohm ist einer der renommiertesten Sommeliers der Welt, eine Legende seiner Branche. Christine Muhlke ist Redakteurin des Feinschmecker-Magazins „Bon Appétit“.

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Täglich sterben Hunderte von Organismen aus

Was mit der Vielfalt des Lebens auf diesem Planeten passiert und wie rapide sich dieser Zusammenbruch vollzieht, ist fürchterlich. Philipp Blom ergänzt: „Nicht nur, dass täglich Hunderte von Organismen aussterben, noch bevor sie jemals von Menschen identifiziert wurden. Die rapide Veränderung und Verschlechterung von Lebensräumen führt dazu, dass Schlüsselarten verschwinden, auf denen ganze Ökosysteme aufbauen.“ In manchen Gegenden Europas sind jetzt schon durch Pestizide und Monokulturen achtzig Prozent der Insekten verschwunden. Die Verödung ganzer Landschaften oder Meeresregionen lässt sich in vielen Fällen gar nicht mehr oder nur sehr langsam wieder rückgängig machen. Mikroplastik hat inzwischen nicht nur den tiefsten Grund der Ozeane erreicht, sondern ist auch in menschlichen Hirnen und in Muttermilch gefunden worden. Jede Minute verschwinden dreißig Fußballfelder Regenwald und eine Million Tonnen arktisches Eis. Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien.

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Fossile Energien sorgen für hohe Ernteerträge

Die vorindustrielle Landwirtschaft, die mit menschlicher und tierischer Arbeit und mit einfachen Werkzeugen aus Holz und Eisen auskam, hatte die Sonne als ihre einzige Energiequelle. Vaclav Smil weiß: „Auch heute, wie zu allen Zeiten, wäre ohne die von der Sonne gespeiste Photosynthese keine Getreideernte möglich, aber die hohen Erträge, die heute unter minimalem Arbeitseinsatz und daher zu beispiellos niedrigen Kosten erzeugen werden, wären ohne direkte und indirekte Injizierung fossiler Energien schlicht nicht denkbar.“ Manche dieser anthropogenen Energiezufuhren sind elektrischer Natur, wobei der Strom durch Verbrennung von Kohle oder Erdgas erzeugt wird oder aus erneuerbaren Energien stammen kann. Der Löwenanteil entfällt jedoch auf flüssige und gasförmige Kohlenwasserstoffe, die in Form von Treibstoffen und Rohstoffen einfließen. Vaclav Smil ist Professor Emeritus für Umweltwissenschaften an der University of Manitoba. Er hat unter anderem das Grundlagenwerk „Energy and Civilization“ geschrieben.

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In Europa sind zwanzig Prozent der Tierarten vom Aussterben bedroht

Wir Menschen greifen nicht nur in die Geosphäre ein, indem wir einen signifikanten Anstieg der Temperatur der Atmosphäre und der Oberfläche des Meeres herbeiführen. Matthias Glaubrecht fügt hinzu: „Vielmehr beeinflussen wir längst auch in vielfältiger Weise die Biosphäre und sind selbst zu einem Evolutionsfaktor des Lebens auf unserem Planten geworden. Bedingt dadurch nehmen die Vielfalt und Vielzahl der Lebewesen auf der Erde in dramatischer Weise ab, und zwar stärker noch, als bisher ohnehin schon vermutet wurde.“ Demnach sind im Durchschnitt mehr als zwei Drittel aller untersuchten Tierbestände in den vergangenen Jahrzehnten verloren gegangen. Der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) warnt davor, dass in wenigen Jahrzehnten eine Million von schätzungsweise acht oder neun Millionen auf der Erde existierenden Tier- und Pflanzenarten ausstirbt. Der Evolutionsbiologe und Biosystematiker Matthias Glaubrecht ist Professor für Biodiversität der Tiere an der Universität Hamburg.

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Die Bewahrung der Natur hat für viele Menschen nicht die oberste Priorität

Wilhelm Schmid stellt fest: „Im frühen 21. Jahrhundert sind noch immer nicht alle Menschen von der Dringlichkeit einer Heimatpflege zur Bewahrung der Heimat in der Natur überzeugt. Die Auseinandersetzung hierüber gleicht einem Kulturkampf, der in jeder einzelnen Gesellschaft geführt werden muss, mit offenen Ausgang, der sich aber in jedem Fall planetar auswirkt.“ Manche vertreten sogar die Ansicht, dass die Menschen aus der Natur austreten sollten, indem sie die natürliche Evolution durch eine technische „Exo-Evolution“ ersetzen. Aber ein Außerhalb – exon im Griechischen – zur Evolution der Natur steht nicht in der Macht von Menschen. Absolut alles, was Menschen schaffen können, bleibt in die planetarische und kosmische Evolution der schaffenden Natur eingebettet, die darüber entscheidet, wie weit die menschengemachte Evolution gehen kann. Wilhelm Schmid lebt als freier Philosoph in Berlin.

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Der Umwelt- und Klimaschutz müssen in der Politik an erster Stelle stehen

Gegenüber den großen Themen der Umwelt- und damit Lebenszerstörung wirken alle anderen politischen Herausforderungen, so wichtig sie sind, deutlich kleiner. Richard David Precht nennt Beispiele: „Die Schuldenkrise in Ländern wie Griechenland, Argentinien oder Venezuela schafft es gerade mal auf Platz neun des Weltwirtschaftsforums-Rankings, die wachsenden geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China sowie Russlands Krieg gegen die Ukraine auf Platz zehn.“ Die Folgerungen, die sich daraus für die Politik wie für die Außenpolitik ableiten, lassen an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig: Oberstes Primat aller politischen Anstrengungen hat der Umwelt- und Klimaschutz. Die Treibhausgasemissionen müssen, gemäß des Klimaabkommens von Paris, im Jahr 2030 auf die Hälfte dessen reduziert werden, was 2010 ausgestoßen wurde. Der Philosoph, Publizist und Autor Richard David Precht zählt zu den profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum.

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Eine zur Ökologie bekehrte Wissenschaft kann sehr hilfreich sein

Weil aus Verheißung drohende Vernichtung geworden ist, suchen die Fortschrittsgläubigen nach Alternativen zur schmutzigen Energie. Alain Finkielkraut nennt ein Beispiel: „Daher rührt ihre Begeisterung für Windräder, die eine Verlangsamung der Klimaerwärmung ermöglichen, indem sie die Emission von Treibhausgasen begrenzen.“ Und die Zahlen geben ihnen recht. Aber Zahlen sind nicht alles. Nicht alles ist quantifizierbar: nicht der Anblick der Dinge, wie sie vor einer mathematischen Umsetzung aussehen, nicht die Wirklichkeit, so wie sie in den Augen erscheint. Eine zur Ökologie bekehrte Wissenschaft kann sehr hilfreich sein; damit aber die Erde bewohnbar bleibt, darf man der Wissenschaft nicht das Monopol der Wahrheit überlassen. Renaud Camus schreibt: „Überall schießen die Windräder wie Pilze aus dem Boden.“ Alain Finkielkraut gilt als einer der einflussreichsten französischen Intellektuellen.

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Der Verlust der biologischen Vielfalt hat katastrophale Folgen

Die Menschheit sollte sich nicht nur um ihre Nutztiere sorgen, auch für die in Freiheit lebenden Tiere sieht es düster aus. Viele Probleme treiben den Verlust der biologischen Vielfalt voran. Hannah Ritchie erklärt: „Der Klimawandel beeinträchtigt die Arten, ebenso die Entwaldung, der Verlust ihres Habitats durch Ausdehnung der Ackerflächen, die Jagd für den Fleischkonsum, die Plastikverschmutzung und die Überfischung.“ Unser Konflikt mit den Tieren ist nichts Neues, er besteht seit Jahrtausenden. Im letzten Jahrhundert hat sich die Aussterberate jedoch beschleunigt, und wir müssen uns fragen, ob wir gerade Zeugen des sechsten Massenaussterbens werden. Den Großteil der Menschheitsgeschichte hieß es: wir gegen die Tiere. Bei Plastik im Meer handelt es sich um das „modernste“ Problem, dem sich Hannah Ritchie in ihrem Buch „Hoffnung für Verzweifelte“ widmet. Dr. Hannah Ritchie ist Senior Researcher im Programm für globale Entwicklung an der Universität Oxford.

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Die weltweiten Ökosysteme bestimmen und stabilisieren das Klima

Welchen Zustand ein Ökosystem annimmt, hängt sehr stark von der Stabilität der klimatischen Bedingungen ab. Dieser Einfluss wirkt auch in die andere Richtung. Dirk Brockmann erklärt: „Die weltweiten Ökosysteme bestimmen und stabilisieren das Klima. Wenn sich Ökosysteme durch Überschreiten von Kipppunkten in kürzester Zeit stark verändern, können sie auch lokale Klimasysteme ins Wanken bringen.“ Das Klima versteht man am besten als Netzwerk von dynamischen Teilsystemen, wie zum Bespiel den Regenwald des Amazonas, der Meeresströmungen, die sich alle gegenseitig beeinflussen. Mittlerweile weiß man aus Klimamodellen, dass verschiedene regionale Faktoren, sogenannte Kippelemente, wichtig sind. Jedes dieser Elemente kann in zwei verschiedenen Zuständen sein, was wiederum Einfluss auf die anderen Elemente hat. Der Komplexitätswissenschaftler Dirk Brockmann ist Professor am Institut für Biologie der Berliner Humboldt-Universität.

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Im Dürresommer 2019 vertrockneten 110.000 Hektar Wald

Die Klimakrise wirkt inzwischen mehr oder weniger stark auf fast alle Naturkreisläufe ein. Dirk Steffens und Fritz Habekuss nennen ein Beispiel: „Auch auf die Landwirtschaft. Die Faustregel für Getreide: Mit jedem Grad Temperaturanstieg geht die Ernte um mindestens zehn Prozent zurück.“ In Deutschland richtete allein der Dürresommer 2019, der auf den extrem heißen und trockenen Sommer 2018 folgte, immensen Schaden am: 110.000 Hektar Wald vertrockneten, dabei erstmals großflächig auch die Buchen, die bis dahin als besonders resistent galten. Nur die Schäden aufzuräumen kostete zwei Millionen Euro – da war das Pflanzen neuer Wälder noch nicht mit eingerechnet. In ihrem Buch „Über Leben“ erzählen der Moderator der Dokumentationsreihe „Terra X“ Dirk Steffens und Fritz Habekuss, der als Redakteur bei der „ZEIT“ arbeitet, von der Vielfalt der Natur und der Schönheit der Erde.

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Alexander von Humboldt ist so hoch geklettert wie kein Mensch vor ihm

Als Alexander von Humboldt 1802 nur 400 Höhenmeter vor dem Gipfel des Chimborazo-Vulkans kehrtmachen muss, ist er so hoch geklettert wie kein Mensch vor ihm. Dirk Steffens und Fritz Habekuss schreiben: „Seine Schuhe sind zerschlissen, er schlottert in der Kälte, sein Zahnfleisch blutet. Die einheimischen Führer, die den verrückten Weißen unten noch ausgelacht hatten, sind lange vor ihm umgekehrt.“ Trotz klirrender Kälte und beißenden Windes hat er unterwegs alle paar hundert Meter angehalten, seine schweren und sperrigen Instrumente ausgepackt und Messungen durchgeführt. Den Luftdruck, die Temperatur, die Himmelsbläue, alles hat er notiert. In ihrem Buch „Über Leben“ erzählen der Moderator der Dokumentationsreihe „Terra X“ Dirk Steffens und Fritz Habekuss, der als Redakteur bei der „ZEIT“ arbeitet, von der Vielfalt der Natur und der Schönheit der Erde.

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Die Menschheit bewegt sich auf eine massive Krise zu

Ille C. Gebeshuber stellt fest: „Es steht außer Frage, dass die Menschheit sich auf eine massive Krise zubewegt. Während darüber gestritten wird, ob die Auswirkungen der Aktivitäten der Menschheit überhaupt signifikant genug sind, um Einfluss auch unser Klima und die Umwelt zu nehmen, sehen wir zu, wie große Flächen der Erde in Einöden verwandelt werden.“ Dies geschieht auf vielfältige Art und Weise, etwa durch Austrocknung, Überbauung, Abholzung oder Überfischung. Wie man den Zustand unserer Erde auch sehen mag, optimistisch oder pessimistisch, Fakt ist, dass die Bevölkerung immer weiter wächst und jeder Mensch eine ständige Verbesserung seines persönlichen Wohlstands anstrebt. Das bedeutet, dass immer größere Mengen an Nahrung und Rohstoffen beschafft werden müssen. Ille C. Gebeshuber ist Professorin für Physik an der Technischen Universität Wien.

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Hitzewellen verändern sich stärker als andere Wetterphänomene

Man weiß noch zu wenig darüber, wie die Auswirkungen des Klimawandels je nach Wetterart und Ort variieren. Aber die Klimaforscher haben in den letzten Jahren deutlich dazugelernt. Friederike Otto nennt ein Beispiel: „Beispielsweise ist heute klar, dass sich Hitzewellen aufgrund des Klimawandels stärker verändern als andere Wetterphänomene.“ Mithilfe von Klimamodellen simulieren Friederike Otto und ihr Team grob gesagt zwei Welten: eine mit und eine ohne den menschengemachten Klimawandel. Im Anschluss berechnen sie mit verschiedenen statistischen Methoden, wie wahrscheinlich oder intensiv Hitzewellen an konkreten Orten sind – und zwar mit und ohne die menschengemachte Erderwärmung. Friederike Otto forscht am Grantham Institute for Climate Chance zu Extremwetter und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Sie hat das neue Feld der Zuordnungswissenschaft – Attribution Science – mitentwickelt.

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Bäume und Buschwerk säumen die Fließgewässer

Von der Quelle bis zur Mündung säumen mehr oder minder breite Bestände von Bäumen und Buschwerk die Fließgewässer. Sie tragen unterschiedliche Bezeichnungen, wie „Galerie“ und „Auwald“, je nachdem wie breitflächig sie entwickelt sind. Josef H. Reichholf erklärt: „Das hängt selbstverständlich von den örtlichen Gegebenheiten der Landschaftsstruktur ab. So kann sich an Bergbächen, die durch tief eingeschnittene, v-artig geformte Täler tosen, allenfalls ein Baumbestand direkt entlang des Wasserlaufes entwickeln.“ In den Ebenen jedoch breitet sich Auwald als richtiger Wald kilometerweit zu beiden Seiten des Flusses aus. Die Grenze der Aue bildet die mittlere Reichweite der Hochwässer. Extreme Fluten können zwar unter Umständen erheblich weiter auf das Umland hinausgreifen. Josef H. Reichholf lehrte an der Technischen Universität München 30 Jahre lang Gewässerökologie und Naturschutz.

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Die Meinungen über Natural Wine gehen weit auseinander

Kaum etwas spaltet Weintrinker heute so sehr wie Natural Wine. Aldo Sohm stellt fest: „Selbst Nichtprofis haben dazu eine klare Meinung; das Thema ist fast wie Politik mit fanatischen Fraktionen links und rechts.“ Auch Aldo Sohm zu zugehen, dass er Natural Wine immer kritisch gegenüberstand. Sosehr er seine Erzeuger und auch den Geschmack seiner Kollegen und der jungen Sommeliers, die ihn mögen, respektiert, die flüchtige Säure, durch die der Geschmack so schnell ändert, die cider- und komuchaartigen Geschmacksnoten, das manchmal auftretende Mäusearoma – all dies sind keine Aspekte, die Aldo Sohm begeistern. Es handelt sich hier um einen interessanten Trend, und der verfolgt mit Spannung, wie sich diese Weine entwickeln. Der Österreicher Aldo Sohm ist einer der renommiertesten Sommeliers der Welt, eine Legende seiner Branche. Christine Muhlke ist Redakteurin des Feinschmecker-Magazins „Bon Appétit“.

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Das Leben der Menschen hängt vom Wasser ab

Josef H. Reichholf schreibt: „Unser Leben hängt vom Wasser ab. Biologisch sind wir jedoch nicht auf einen sparsamen Umgang mit Wasser eingerichtet. Wir müssen viel trinken, weit mehr als Säugetiere vergleichbarer Körpermasse, um die die täglichen Verluste durch die Abgabe von Harn auszugleichen.“ Mehr noch verlangen körperliche Anstrengung und das damit verbundene Schwitzen. Der Wasserbedarf für die Zubereitung von Nahrung kommt hinzu. Waschen und Kochen, Entsorgung von „Abwasch“ und anderem Müll ergeben nicht nur in unserer sehr verschwenderisch mit Trinkwasser umgehenden Form von Zivilisation eine ungleich größere Tageswassermenge, als dem rein physiologischen Bedarf entspricht. Die monatlichen oder jährlichen Wasserrechnungen enthalten die Mengenangaben. Sie kommen uns teuer, Tendenz steigend. Josef H. Reichholf lehrte an der Technischen Universität München 30 Jahre lang Gewässerökologie und Naturschutz.

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Eine vollkommen unberührte Natur existiert nirgendwo mehr

Wilhelm Schmid weiß: „Kleinste Partikel von Plastik lagern sich in Sedimenten ab, mit all den Schadstoffen, die sich daran binden, ebenso radioaktiver Fallout und Abfall, der über Jahrmillionen hinweg weiter strahlt. Eine vollkommen unberührte Natur existiert nirgendwo mehr, auch nicht in den entlegensten Gegenden.“ Der Einsatz von künstlichen Düngemitteln und Pestiziden reduziert dauerhaft die Artenvielfalt und kann ein Artensterben wie vor 65 Millionen Jahren zur Folge haben, damals ausgelöst von einem Riesenmeteoriten. Rückstände in den Nahrungsmitteln schaden den Menschen selbst. Am Ende könnten tatsächlich ausgeräumte Landschaften übrig bleiben, in denen nichts mehr gedeiht, auch Menschen nicht. Das wäre ein Rückfall in die Frühzeit der Erde, in der sie „wüst und leer“ war. Wilhelm Schmid lebt als freier Philosoph in Berlin.

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