Es gibt unterschiedliche Wege zu einem als glücklich empfundenen Leben

Martin Seligman, Mitbegründer der Positiven Psychologie, untersuchte jahrelang extrem unglückliche und extrem glückliche Menschen, um herauszufinden, wodurch sich diese unterscheiden. Andreas Salcher erklärt: „Es zeigte sich, dass die Glücklichen nicht religiöser, reicher, erfolgreicher waren, sondern sich vor allem durch eine Eigenschaft gegenüber den Unglücklichen auszeichneten: Sie waren sehr gesellig, hatten befriedigende Liebesbeziehungen und viele Freude.“ Diese Erklärung war Martin Seligman aber zu einfach und vor allem zu undifferenziert, um sie auf jeden Menschen übertragen zu können. Er glaubte nicht daran, dass das gesamte menschliche Antriebssystem nur auf ein Motiv zurückzuführen wäre. Außerdem sah er den Begriff „Glück“ als zu allgemein, um damit sinnvoll arbeiten zu können. Dr. Andreas Salcher kämpft seit vielen Jahren für bessere Schulen und individuelle Talentförderung. Der Bestsellerautor gilt mit über 250.00 verkauften Büchern als einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren Österreichs.

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Die Werbung schlägt eine Brücke zwischen Emotion und Kognition

Hadija Haruna-Oelker weiß: „Es ist neurobiologisch erwiesen, dass sogar unsere Körperhaltung Auswirkungen auf unser Befinden, unser Denken und Verhalten hat. Unser Körper ist Zugang und Brennglas verdeckter innerer Muster und zugleich der Schlüssel für Lösungen, wenn wir in Krisen stecken.“ Gefühle sind überall. Nicht ohne Grund wird in der Werbung auf den Dreiklang gesetzt: über Emotionen die Neugier wecken und über die Neugier die Kenntnis. Damit wird die Brücke zwischen Emotion und Kognition geschlagen. Emotion ist ein Begriff, bei dem die meisten sicher an Gefühle wie Angst, Wut, Freude, Trauer und Liebe denken. In der Wissenschaft gibt es aber mehrere Erklärungen dafür: zum Beispiel, dass Gefühle Wahrnehmungen von Emotionen beziehungsweise von Körperzustandsveränderungen sind. Hadija Haruna-Oelker lebt als Autorin, Redakteurin und Moderatorin in Frankfurt am Main. Hauptsächlich arbeitet sie für den Hessischen Rundfunk.

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Die Angst ist die Mutter aller vermeintlich negativen Emotionen

Die Psychologin Susan David sagt: „Unwohlsein ist der Eintrittspreis für ein bedeutungsvolles Leben.“ Um diese Aussage und die dahinterstehende Biologie besser nachvollziehen zu können, lohnst sich für Maren Urner ein Blick auf die „Mutter aller vermeintlich negativen Emotionen“: die Angst. Warum haben wir Angst? Maren Urner meint nicht die Angst, dass die Frisur nicht richtig sitzt oder ob man im richtigen Moment das Falsche sagt. Sondern existenzielle Angst. Eine Angst, die zur Panik führen kann. Die einem die Kontrolle über den eigenen Körper entzieht. Evolutionsbiologisch gefragt: Warum hat sich Angst als Verhalten durchgesetzt? Das ist nur möglich, wenn ihr eine nützliche – im Sinne von überlebensförderliche – Aufgabe zukommt. Dr. Maren Urner ist Professorin für Medienpsychologie an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Köln.

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Statuswettbewerbe werden mit sozialen Signalen ausgetragen

Hanno Sauers These ist, dass soziale Klassenhierarchien durch Statuswettbewerbe entstehen, die mit sozialen Signalen ausgetragen werden. Denn die ästhetische, moralische und monetäre Dimension des Klassenbegriffs lassen sich nur im Rahmen einer Theorie sozialer Signale verstehen. Hanno Sauer erklärt: „Soziale Signale müssen, um ihre Funktion erfüllen zu können, fälschungssicher sein. Sogenannte „teure“ oder auch „kostspielige“ Signale sind die zentrale Währung von Statuswettbewerben, mit denen sich Gesellschaften in Klassenhierarchien stratifizieren.“ Aber soziale Signale sind intrinsisch unstabil, und ihre Logik ist dynamisch: Um als Zeichen verlässlich zu bleiben, müssen sich kostspielige Signale permanent wandeln, verkehren sich als Kontersignale in ihr Gegenteil. Sie verstecken sich als vergrabene Signale vor dem Entdeckwerden, um als vor dem Entdeckwerden Versteckte entdeckt zu werden. Hanno Sauer ist Professor für Philosophie an der Universität Utrecht.

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Politisch geschulte Redner setzen am Gefühl an

Hans-Otto Thomashoff schreibt: „Politisch geschulte Redner setzen am Gefühl an und suggerieren uns, dass sie einfache Lösungen für komplexe Sachverhalte haben. Durchschauen wir ihre Strategie nicht, dann unterliegen wir dem regressiven Sog und vertrauen ihnen aus dem Bauch heraus.“ Doch nicht nur das. Zugleich prägt sich uns besonders gut ein, was sie sagen. Denn Gefühle heben das Wesentliche hervor. Sie sind das Schmieröl für das Lernen, weil sich in der Evolution bewährt hat, sich besonders gut einzuprägen, was intensiv gefühlsbesetzt ist – Gefahr oder die Aussicht auf eine besondere Belohnung wie gutes Essen oder Sex. Wahlkampfreden von Politikern, besonders vom Rand des politischen Spektrum, sind ein offenes Buch über Manipulationstechniken. Hans-Otto Thomashoff ist Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychoanalyse in eigener Praxis in Wien.

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Jeder Mensch kennt negative Emotionen persönlich

Angst, Wut, Trauer und Hass gehören zu den klassischen Kandidaten für die Kategorie negativer Emotionen, die jeder Mensch in unterschiedlicher Form und Ausprägung sehr wahrscheinlich alle persönlich kennt, aber kein besonderes Verhältnis zu ihnen hat. Maren Urner fügt hinzu: „Stärker noch: Wir verwenden häufig einen großen Teil unserer Lebenszeit darauf, uns nicht zu intensiv mit ihnen zu beschäftigen zu müssen, geschweige denn, sie zu spüren.“ Wir bauen Häuser, ziehen Grenzen und schließen Verträge, um der Angst vor Kälte, Fremden und Verlusten zu begegnen. Wir geben uns zwei bis drei Tage, um zu trauern, wissen nicht so richtig, wohin mit Schmerz, Wut und Langeweile, und betäuben sie mit den unterschiedlichsten Formen der Unterhaltung und Ablenkung. Dr. Maren Urner ist Professorin für Medienpsychologie an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Köln.

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Der Begriff der „Emotion“ ist nicht trennscharf definiert

Jeder kennt und keiner liebt sie: Menschen, die bei geringstem Anlass unverhältnismäßig hefig reagieren, die sofort die Beherrschung verlieren oder meinen, dass Beherrschung einen Aufwand erfordere, den sie sich selbst lieber nicht zumuten möchten. Heidi Kastner erklärt: „In der distanziert-formalen Sprache derjenigen Wissenschaften, die sich mit psychischen Phänomen befassen, handelt es sich bei solchen Personen um Menschen mit hoher Impulsivität, womit ein weiterer „technischer Begriff“ benannt ist, mit dem wir Emotionen anderer distanziert-emotionsfrei etikettieren.“ Ein nicht unwesentliches Problem liegt darin, dass diese Begrifflichkeit, so wie auch der Begriff der „Emotion“ nicht trennscharf definiert ist. Bei der Impulsivität handelt es sich um ein Konstrukt, das in neurobiologischen oder psychologischen Studien zumeist mit Aggression gleichgesetzt wird. Heidi Kastner ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie. Seit 2005 ist sie Chefärztin der Forensischen Abteilung der Landesnervenklinik in Linz.

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Das Geschäft mit der Psyche boomt

Diana Pflichthofer warnt in ihrem Buch „Die Psychoindustrie“, dass in diesem Bereich mehr Show als Substanz vorherrscht. Eine Vielzahl von selbst ernannten Therapeuten, Coaches und Heilpraktiker versprechen Menschen in psychischer Not Erleichterung und Heilung. Das Geschäft mit der Psyche boomt. Doch in einer Zeit der Krisen, die psychische Erkrankungen deutlich ansteigen lassen, sind diese ausgeklügelten Geschäftsmodelle ausgeklügelter denn je. Immer wieder ist Diana Pflichthofer erstaunt, wer sich im Fernsehen oder in Zeitungen sich auf welche Weise sich zu Themen rund um psychische Erkrankungen und Nichterkrankungen äußert. Was sich gerade in der sogenannten „Psychoindustrie“ abspielt macht Diana Pflichthofer fassungslos: „Seit geraumer Zeit beobachte ich, wie viele vermeintliche Psycho-Expertinnen auf den Psycho-Markt drängen und „therapieren“ möchten, häufig ohne Ausbildung, ohne fachkundige Supervision, ohne Erfahrung mit klinischen Krankheitsbildern und ohne professionelle Selbsterfahrung.“ Dr. Diana Pflichthofer ist Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychoanalytikerin und Gruppenanalytikerin.

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Die Menschheit hat sich von den Zwängen der Natur befreit

Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der Befreiung von den Zwängen der Natur. Philipp Hübl erläutert: „Die frühen Menschen haben das Feuer zu beherrschen gelernt und sich mit Licht und Wärme von den Zwängen des Tagesrhythmus und des Jahreswechsels befreit.“ Sie haben Ackerbau betrieben und Vorräte angelegt, um von den Nahrungsquellen ihrer Umgebung unabhängig zu sein. Mit Wagen und Schiffen wurden sie unabhängig von ihrer Herkunft, mit Kleidung, Häusern und Staudämmen trotzten sie den Widrigkeiten der Witterungen. Durch die Medizin sind Menschen Infektionen nicht mehr hilflos ausgeliefert und durch die Telekommunikation nicht mehr an einen Ort gebunden, um sich auszutauschen. Moderne Wohnungen sind selbstgebaute Oasen, in denen Wärme, Licht, fließendes Wasser, eine weiche Schlafstätte, Nahrung, Musik und Unterhaltung sichergestellt sind. Philipp Hübl ist Philosoph und Autor des Bestsellers „Folge dem weißen Kaninchen … in die Welt der Philosophie“ (2012).

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Autonomie und Selbstverwirklichung gibt es auch in einer Partnerschaft

Im Titelthema geht das neue Philosophie Magazin 01/2025 der Frage nach: „Können wir noch zusammen sein?“ Chefredakteurin Svenja beantwortet die Frage mit Ja. Das funktioniert aber nur, wenn ein Paar Streit zulässt, anstatt ihn krampfhaft zu bekämpfen. Denn ein Streit dynamisiert Beziehungen, hält sie lebendig – und ermöglicht so Substanz und Dauer. Aber es gibt natürlich Fälle, in denen sehr starke Gründe für ein Beziehungsende sprechen, etwa Gewalt, Demütigung und Respektlosigkeit. Doch ein Großteil der Kontaktabbrüche dürfte heute auf andere Weise motiviert sein: vom Gefühl, dass die Beziehung dem eigenen Streben nach Autonomie und Selbstverwirklichung entgegensteht. In einer Partnerschaft gilt es, sich zu öffnen, Veränderungen zuzulassen und sich mit vielleicht bislang unbeachtete Seiten der eigenen Persönlichkeit auseinanderzusetzen. Wenn das gelingt, kann es eine Selbstverwirklichung in tieferem Sinne bedeuten.

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Das Denken ist kostenlos

Der Intellekt wird in den Gesellschaften des Westens hoch geschätzt. Deshalb ist nicht nur der Bedarf an Gutem, sondern auch der Denkbedarf gigantisch. Rebekka Reinhard erklärt: „Riesige Mengen kognitiver Inhalte werden täglich produziert und freigesetzt. Denken ist ein globaler Markt, der keine Lieferengpässe kennt. Das Tolle am Denken ist: Es ist kostenlos.“ Jeder Mensch mit verstandes- und vernunftmäßiger Ausstattung kann so viel denken, wie er will. Man kann sich sein Gehirn vorstellen wie einen inneren Streaming-Dienst, der alle Themen, Info-Formate, Filme und Serien inkludiert – und damit nicht alle guten und schlechten Gedanken, sondern auch sämtliche positive und negative Emotionen. Rebekka Reinhard ist Chefredakteurin des Magazins „human“ über Mensch und KI. Unter anderem ist sie bekannt durch den Podcast „Was sagen Sie dazu?“ der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft wbg.

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Mündige Bürger müssen eine ausreichende Impulskontrolle besitzen

Hans-Otto Thomashoff fordert, dass mündige Bürger eine ausreichende Impulskontrolle besitzen, die verhindert, dass sie aufgrund von plötzlich ausgelösten Impulsgefühlen ihnen Verstand an den Nagel hängen und im schlimmsten Fall zu willenlosen Getriebenen werden. Weil jede Gesellschaft ihren Mitgliedern abverlangt, ihr Leben mit anderen zu teilen, die eigene, oft abweichende Interessen haben, kann das Zusammenleben nur gelingen, wenn Kompromisse gefunden werden. Das gilt in einer Demokratie. Voraussetzung dafür ist eine grundsätzliche Kompromissfähigkeit auf allen Seiten, idealerweise in einer gelebten Konfliktkultur, die lösungsorientierte, sachliche Kompromissfindungen begünstigt. Dazu bedarf es einer Gesprächsatmosphäre, die dem Verstand genügend Zeit für seine Arbeit gibt. Jeder weiß aus eigener Erfahrung, dass für rationale Argumente kein Platz ist, wenn die Emotionen hochgehen. Hans-Otto Thomashoff ist Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychoanalyse in eigener Praxis in Wien.

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Emotionen spielen bei der Geldanlage eine gewaltige Rolle

Jeder Mensch ist unvollkommen und emotional. Morgan Housel brauchte eine Weile, um diese Wahrheit zu erkennen, doch kaum hatte es geklickt, verstand er, dass dieser Umstand bei der Geldanlage eine gewaltige Rolle spielt. Morgan Housel erläutert: „Die – oft übersehene – Folgerung daraus lautet: Versuche nicht, finanzielle Entscheidungen allein anhand eines kalt rationalen Kalküls zu treffen. Versuche lieber, einigermaßen vernünftig zu entscheiden.“ Das ist ein realistischeres Ziel, es erhöht die Chance langfristig dabeizubleiben – und darauf kommt es bei der Geldanlage ja an. Die Finanzwissenschaft sucht nach mathematisch optimalen Investmentstrategien. Doch nach Morgan Housels Theorie streben Menschen in Wirklichkeit keine mathematisch optimale Strategie an. Sie suchen nach einer Strategie, die sie nachts ruhig schlafen lässt. Morgan Housel ist Partner bei der Risikokapitalgesellschaft The Collaborative Fund.

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Goethe war ein literarischer Superstar

Das Buch „Die Leiden des jungen Werthers“ waren Johann Wolfgang von Goethes bedeutendster Beitrag zum sogenannten Sturm und Drang. Dabei handelt es sich um eine literarische Bewegung, die sich gegen den Rationalismus der Aufklärung wandte. Die Schriftsteller des Sturm und Drang zelebrierten Emotionen in all ihren Extremen. Sie schrieben von leidenschaftlicher Liebe bis zur düsteren Melancholie, von selbstmörderischer Sehnsucht bis zu rasender Freude. Und Johann Wolfgang von Goethe wurde damit zum literarischen Superstar. Andrea Wulf weiß: „Der achtzehn Jahre alte Herzog Carl August war von dem Roman so angetan, dass er Goethe 1775 einlud, bei ihm im Herzogtum Sachsen-Weimar zu leben und zu arbeiten.“ Als Autorin zeichnete man Andrea Wulf mit einer Vielzahl von Preisen aus, vor allem für ihren Weltbestseller „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ 2016, der in 27 Sprachen übersetzt wurde.

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Politik ist immer emotional

In ihrem neuen Buch „Radikal emotional“ beschreibt die Neurowissenschaftlerin Maren Urner wie Gefühle Politik machen. Sie vertritt dabei unter anderem die These, dass nicht nur die großen Zusammenhänge, sondern auch vermeintlich „rein private“ Alltagsentscheidungen immer politisch sind. Gefühle sind für die Autorin nichts „Privates“, dass man von der professionellen und politischen Ebene trennen kann. Maren Urner schreibt: „Die Ansicht, Emotionen hätten in der Politik nichts zu suchen, ist sogar – Achtung! – irrational. Denn Politik ist nichts anderes als ein Aushandlungsprozess über unterschiedliche Gefühle und damit verbundene Werte und Ideen innerhalb einer Gruppe von Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt.“ In diesen Aushandlungsprozess sind alle Menschen involviert. Dr. Maren Urner ist Professorin für Medienpsychologie an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Köln.

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Erfahrungen und Emotionen können die Quelle für Wissen sein

Michael Hampe erzählt in seinem neuen Buch „Wozu?“ die beispielhafte Biografie eines Menschen. Er schreibt: „Autobiografische Philosophie basiert auf der Idee, dass persönliche Erfahrungen und Emotionen eine legitime Quelle für Wissen und Einsichten sind.“ Einige Beispiele von Philosophinnen und Philosophen, die autobiografische Elemente in ihren Arbeiten verwendeten, sind Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir und Friedrich Nietzsche. Ihre Arbeiten offenbaren eine Menge über ihre eigene Lebenserfahrung, ihre persönlichen Gedanken und Gefühle und darüber, wie sie ihre philosophischen Ideen geformt haben. Es ist behauptet worden, dass man „das Selbst“ als eine Fiktion ansehen könnte, die, so wie ein Schwerpunkt als der Ort, an dem die Gravitationskraft auf einen Körper wirkt, innerhalb einer Erzählung entsteht als die Perspektive, aus der die Erzählung gesponnen wird und zu der sie immer wieder zurückkehrt. Michael Hampe ist seit 2003 Professor für Philosophie an der ETH Zürich.

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Manchmal sind schmerzliche Gefühle normal

Randolph M. Nesse vertritt in seinem neuen Buch „Gute Gründe für schlechte Gefühle“ folgende These: „Gerade die evolutionären Entwicklungen, die uns zu sozialen Handeln und kognitiven Leistungen befähigen, sind auch dafür verantwortlich, dass wir mental leiden.“ Die Evolutionsmedizin bietet neue Erklärungsansätze, warum der menschliche Körper so krankheitsanfällig ist, die inzwischen auch bei psychischen Störungen systematisch zur Anwendung kommen. Randolph Nesses Buch ist ein breit gefächerter Bericht von der vordersten Front der Evolutionären Psychiatrie. Psychische Störungen sind eine so große Plage der Menschen, dass sich alle unverzüglich Lösungen wünschen. Die Evolutionäre Psychiatrie kann dazu hilfreiche philosophische Erkenntnisse bieten. Professor Randolph M. Nesse ist Mitbegründer der Evolutionären Medizin. Seit 2014 lehrt er and er University of Arizona, wo er als Gründungsmitglied und Direktor das Center for Evolution and Medicine leitet.

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Lügen sind von Fakten schwer zu unterscheiden

Die alten Printmedien und Sendeanstalten öffneten den Raum für ein homogenes nationales Gespräch. Anne Applebaum kritisiert: „In vielen Demokratien gibt es heute keine gemeinsame Debatte mehr, von einer gemeinsamen Erzählung ganz zu schweigen.“ Menschen hatten immer unterschiedliche Ansichten. Heute haben sie unterschiedliche Tatsachen. In einer Informationssphäre ohne politische, kulturelle oder moralische Autorität ist es schwer, Verschwörungstheorien von Fakten zu unterscheiden. Falsche, parteiliche und oftmals bewusst irreführende Erzählungen verbreiten sich heute wie digitale Lauffeuer. Und die Lügenkaskaden sind zu schnell, als das Faktenchecker noch mithalten könnten. Und selbst wenn sie es könnten, spielt das keine Rolle mehr. Viele Menschen würden niemals eine Website von Faktenchecker besuchen, und wenn doch, dann würden sie ihnen keinen Glauben schenken. Anne Applebaum ist Historikerin und Journalistin. Sie arbeitet als Senior Fellow an der School of Advanced International Studies der Johns Hopkins University.

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Menschen lernen Vertrautes

Es ist wahrscheinlich, dass die natürliche Selektion diejenigen Gene weiterverbreitete, die für das Erlernen überlebenswichtiger Fähigkeiten, für Nahrungsbeschaffung und Fortpflanzung entscheidend waren. Der Sozialbiologe Edward O. Wilson schreibt: „Ein bestimmter Genotyp macht ein gewisses Verhalten wahrscheinlicher, sodass es sich wiederum in der Population weiterverbreitet, bis sich das Verhalten schließlich durchsetzt.“ Anders gesagt: Menschen lernen, was ihnen vertraut ist, doch manche Dinge lernen sie schneller und einfacher als andere. Lucy F. Jones erklärt: „Und diese Dinge lassen sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf den natürlichen Lebensraum zurückführen, in dem der Homo sapiens den mit Abstand größten Teil seiner Entwicklungsgeschichte verbracht hat.“ Lucy F. Jones ist Journalistin. Sie schreibt regelmäßig zu wissenschaftlichen Themen, Gesundheit, Umwelt und Natur für die BBC, The Guardian und The Sunday Times.

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In Narrationen teilt man die Erfahrungen anderer

Warum verbringen Menschen so viel Zeit mit Narrationen? Damit meint Fritz Breithaupt nicht nur die Filme, die man sich reinzieht, und die Bücher, die man liest. Sondern er zählt auch die vielen Unterhaltungen dazu, die Menschen darüber führen, wer was mit wem gemacht hat, die Posts in den sozialen Medien sowie die eigenen Gedanken dazu. Die Antwort auf diese erste Frage ist für Fritz Breithaupt einfach: „In Narrationen erleben wir die Erlebnisse von anderen mit und teilen ihre Erfahrungen. Das ist möglich, weil wir uns in Narrationen ja an die Stelle von anderen versetzen können und dann tatsächlich „ihre“ Erfahrungen selbst machen.“ Und zugleich kommt man durch Narrationen in den Genuss, auch das Verbotene einmal zu erproben. Fritz Breithaupt ist Professor für Kognitionswissenschaften und Germanistik an der Indiana University in Bloomington.

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Das Drama war ein Produkt der Stadtstaaten

Die Männer, die aus dem Trojanischen Krieg zurückkamen, waren Verändernde und Veränderte. Von den Erfahrungen auf dem Schlachtfeld gezeichnet, passten sie nicht mehr ins soziale Gefüge der Orte, von denen sie ausgezogen waren. Und doch blieben sie im Gedächtnis derer Leitfiguren. Jürgen Wertheimer stellt fest: „Mit der Erfindung des Dramas findet im 5. Jahrhundert vor unserer Zeit ein entscheidender Medienwechsel statt.“ Natürlich gab es Rituale und kultische Vorführungen schon früher und an anderen Orten. Aber es ist sicher nicht übertrieben zu sagen, dass das Drama ein Produkt der noch jungen Stadtstaaten war. Es diente als zentrale öffentliche Form der kulturellen Selbstdarstellung. Unterhalb des Burghügels der Akropolis, kann man seine Reste noch heute besichtigen. Jürgen Wertheimer ist seit 1991 Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik in Tübingen.

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Das narrative Denken ist ein großartiges Medium

Fritz Breithaupt klärt in seinem neuen Buch „Das narrative Gehirn“ darüber auf, warum Menschen so viel Zeit mit Narrationen verbringen. Eine seiner Thesen lautet: „In den Narrationen erleben wir die Erlebnisse von anderen mit und teilen ihre Erfahrungen. Das ist möglich, weil wir uns in Narrationen ja an die Stelle von anderen versetzen können und dann tatsächlich „ihre“ Erfahrungen selbst machen.“ Man kann auch narrative und mentale Erfahrungen machen und zugleich die Handlungen nicht ausführen. Somit verdoppelt man sein Leben. Man kann auch bereits Getanes ein zweites Mal miterleben oder sich eine geplante Handlung vor Augen führen. Dies fängt bei minimalen Reaktionen an und endet bei den großen Lebensentscheidungen. Insofern ist narratives Denken ein großartiges Medium des Erlebens und Planens. Fritz Breithaupt ist Professor für Kognitionswissenschaften und Germanistik an der Indiana University in Bloomington.

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Hass ist die primitivste aller Emotionen

Reinhard Haller definiert den Hass in seinem neuen Buch „Die dunkle Leidenschaft“ wie folgt: Es handelt sich dabei um eine „auf Zerstörung ausgerichtete Abneigung, die destruktivste Form der Verachtung“. Als intensives Empfinden von Feindseligkeit und Aggressivität äußert sich Hass beispielsweise in toxischem Schweigen oder verbalen Attacken. Er kann zu heftigen zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen und Gesellschaftskonflikten führen. Weitere Formen des Hasses sind Diskriminierung und Mobbing, am schlimmsten Verbrechen und Krieg. Hass ist tatsächlich eine Leidenschaft, die nichts als Leiden schafft. Hass ist die primitivste aller Emotionen – ein Trieb zur Grausamkeit, wie ihn Sigmund Freud bezeichnet hat. Prof. Dr. med. Reinhard Haller war als Psychiater, Psychotherapeut und Neurologe über viele Jahre Chefarzt einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik. Heute führt er eine fachärztliche Praxis in Feldkirch (Österreich).

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Platon verficht eine klare Ordnung des Diskurses

Das Theater setzt Gefühle frei und schafft sogar Momente der Empathie mit dem Abscheulichen. Es steuert, kommentiert, kontrolliert diese Gefühle, indem es mit ihnen artistisch jongliert. Jürgen Wertheimer stellt fest: „Wie alle wichtigen Spiele ist auch dieses ein sehr ernstes Spiel, wenngleich kein Spiel auf Leben und Tod. Stattdessen „nur“ eine Simulation – eine Simulation, in der es um Leben und Tod anderer geht.“ Aber genau deshalb konnte man in den Theatern Griechenlands gezielt Grenzen überschreiten. Schon damals nicht ohne den massiven Widerstand derer, die in einem solchen Spiel mit dem Feuer der Phantasie und der Emotionen Gefahren für die gesellschaftliche Ordnung sahen. Kein geringerer als Platon (428 – 348 v. u. Z.) war ein Verfechter einer klaren Ordnung des Diskurses. Jürgen Wertheimer ist seit 1991 Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik in Tübingen.

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Willensimpulse bestimmen die Glücksdynamik

Die künstliche Intelligenz (KI), die einen Meister des „Go“ Spiels schlug, ist nicht emotional. Emotionalität ist kein irrationales Manko des Menschen, wie viele antike Griechen und manchen Philosophen der Aufklärung, wie beispielsweise Immanuel Kant, meinten. Richard David Precht erläutert: „Ohne unsere Gefühle wüsste unser Verstand überhaupt nicht, was er tun soll. Es sind unsere emotionalen Willensimpulse und ihre Erfüllung, die wesentlich unsere Glücksdynamik bestimmen.“ Künstliche Intelligenzen können Emotionen zwar mit Sensoren erspüren und mimisch und stimmlich imitieren. Aber das macht sie beileibe nicht zu emotionalen Wesen. „Affective Computing“ verhält sich zum Empfinden von Emotionen wie Donald Duck zu einer Stockente. Auch können künstliche Intelligenzen nicht alle menschlichen Gefühle lesen. Der Philosoph, Publizist und Autor Richard David Precht zählt zu den profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum.

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