Die Natur ist kein Luxus

Lucy F. Jones weiß: „Wie naturnah wir leben, wirkt sich messbar auf unsere Gesundheit aus. Menschen, die in der Nähe von Parks, Wäldern und dem Meer leben, geben an, sich körperlich und geistig besser zu fühlen.“ Die Wahrscheinlichkeit, an Depressionen oder anderen psychischen Problemen zu erkranken, ist bei Menschen, die nicht in zugebauten urbanen Settings leben, sondern nahe der Natur, geringer – ihre Zufriedenheit insgesamt höher. Studien haben gezeigt, dass dies besonders auf Senioren, Hausfrauen und sozial schwache Menschen zutrifft. Die Natur ist kein Luxus. Ob man Zugang zu ihr hat oder nicht, wirkt sich bei unterschiedlichsten Menschengruppen auf die Gesundheit aus. Lucy F. Jones ist Journalistin und schreibt regelmäßig zu wissenschaftlichen Themen, Gesundheit, Umwelt und Natur für die BBC, The Guardian und The Sunday Times.

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Es gibt sechs bis zehn Millionen Insektenarten

Insekten sind überall. Sie sind zahlreich. Sie unterscheiden sich so stark voneinander wie keine andere Klasse des Lebendigen. Eine erdrückende Mehrheit der tierischen Biodiversität – 90 Prozent – verdankt sich ihrem anatomischen Dandytum. Emanuele Coccia erläutert: „Man schätzt die Anzahl ihrer Arten auf sechs bis zehn Millionen. Ihr somatischer Einfallsreichtum beschränkt sich dabei nicht nur auf die Erfindung neuer, spezifischer Identitäten.“ Sie besitzen auch die Gabe, derart verschiedene Körper im Laufe eines individuellen Lebens zu bilden, dass man sie lange Zeit für magische Wesen hielt, die von einer Spezies zur anderen wechseln konnten. Die Insekten machen die Biodiversität des Planeten zu einer Frage der persönlichen Virtuosität. Emanuele Coccia ist Professor für Philosophiegeschichte an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris.

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Auf der Erde gibt es neun planetare Grenzen

Die Erde setzt dem Lebensstil der Menschen enge Grenzen. Ein Team von Resilienzforschern hat vor rund zehn Jahren erstmals versucht, diese Belastungsgrenzen zu definieren. Dirk Steffens und Fritz Habekuss erläutern: „Es beschrieb neun planetare Grenzen. Wenn wir sie dauerhaft überschreiten, verlassen wir den Bereich, in dem wir sicher leben können. Nicht alle dieser neun Grenzen müssen überschritten werden, um unsere jetzige Zivilisation zu vernichten.“ Eine reicht schon. Ohne genug Süßwasser beispielsweise wäre die Menschheit geliefert. Die acht weiteren Bereiche sind das Ozon, die Versauerung der Ozeane, der Klimawandel, die Luftverschmutzung, die biochemischen Kreisläufe, der Landverbrauch, die Verschmutzung der Erde mit neuartigen Substanzen wie Plastik und die Biodiversität. In ihrem Buch „Über Leben“ erzählen der Moderator der Dokumentationsreihe „Terra X“ Dirk Steffens und Fritz Habekuss, der als Redakteur bei der „ZEIT“ arbeitet, von der Vielfalt der Natur und der Schönheit der Erde.

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In Deutschland gibt es 800 Typen von Biotopen

Biodiversität ist ein Mosaik aus unüberschaubar vielen Steinchen, riesig großen und winzig kleinen, die sich in drei Kategorien einteilen lassen. Dirk Steffen und Fritz Habekuss erläutern: „Da ist erstens die Vielfalt der Ökosysteme, also der Lebensräume wie Wälder, Flüsse, Meere oder Almwiesen. Alleine in Deutschland gibt es 800 verschiedene Typen von Biotopen.“ Die Liste reicht von Ästuarien, also Flussmündungen mit Brackwasser, Sandbänken, Schlickgrasbeständen über trockene, lebende Hochmoore und Kalktuffquellen bis hin zu Kalkschiefer-Schutthalden, Hangmischwäldern und Gletschern. In einem fühlt sich der Rotfuchs wohl, in einem anderen die Miesmuschel und in dem nächsten vielleicht der Dunkle Ameisenbläuling. In ihrem Buch „Über Leben“ erzählen der Moderator der Dokumentationsreihe „Terra X“ Dirk Steffens und Fritz Habekuss, der als Redakteur bei der „ZEIT“ arbeitet, von der Vielfalt der Natur und der Schönheit der Erde.

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Die Ökonomie missbraucht die Ideen der Aufklärung

Es ist für Philipp Blom erstaunlich zu sehen, was im Zusammenhang des verabsolutierten Marktes aus den Ideen der Aufklärung wird, die ein fester Bestandteil seiner Theorien sind. Hier wie dort sind Menschen rational, liegt ihr Heil in der Vernunft. Beide sind universalistisch und tolerant. Sie gehen davon aus, dass Menschen von Geburt an mit Freiheiten und Rechten ausgestattet sind. Beide sehen optimistisch in die Zukunft, die besser, gerechter und wohlhabender sein wird. Der alles entscheidende Unterschied wird laut Philipp Blom allerdings wirksam, wenn diese Gedanken aus dem Kontext der philosophischen Debatte in den der ökonomischen Theorie transportiert werden und dabei ihre qualitativen Aspekte verlieren. Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford und lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien.

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Der Homo sapiens bedroht das Leben auf der Erde

Matthias Glaubrecht beschreibt in seinem Buch „Das Ende der Evolution“ wie der angebliche Homo sapiens das gesamte Leben auf der Erde bedroht. Dabei legt er schonungslos die Fakten zur historischen Entwicklung von Ackerbau, Überbevölkerung und Urbanisierung offen. Im Zentrum seiner umfassenden Studie aber der dramatische Schwund an Biodiversität von Tieren und Planzen überall auf der Erde. Das fängt bei den großen Säugetieren wie Tiger und Elefant an, erfasst auch die heimische Vogelwelt und endet beim Sterben der Insekten. Sowohl an Land wie auch im Meer ist das drohende Aussterben von bis zu einer Million Arten bereits in vollem Gange. Mit dem größten Artenschwund seit dem Aussterben der Dinosaurier steht der Menschheit eine weltweite biologische Tragödie bevor. Matthias Glaubrecht ist Evolutionsbiologe, Systematiker und Wissenschaftshistoriker.

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Die Menschheit führt Krieg gegen die Natur

Ein Freund von Philipp Blom sagt: „Dies ist ein Krieg. Wir erobern und okkupieren ein Territorium und beuten es aus und zerstören, was da ist.“ Niemand hält die Umweltzerstörer auf, denn die, die es verteidigen müssten, sind noch nicht geboren. Die Menschheit führt einen Krieg gegen die Zukunft. Philipp Blom bestätigt diese These: „Die Menschheit baut mehr Rohstoffe ab denn je, verbraucht jedes Jahr mehr Erdöl, produziert Jahr für jahr mehr CO2. So viel, dass die vorausgesagten Veränderungen natürlicher Systeme längst Realität geworden sind.“ Es wird heißer, die Naturkatastrophen häufen sich, das Polareis schmilzt rapider ab, die Meeresspiegel steigen an. All dies ist innerhalb kürzester Zeit geschehen. Auch ein Vergleich mit 1970 sagt schon genug. Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford.

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Es gibt keine Grenze zwischen dem Mensch und der Natur

Fast jeder sagt von sich, ein Naturliebhaber zu sein. Warum sind dann aber so viele Menschen in ihrer Beziehung zur Natur so tief verunsichert, dass sie ihren eigenen Gefühlen nicht trauen? Dirk Steffens und Fritz Habekuss antworten: „Solche Fragen definieren das Verhältnis zwischen uns und der Natur. Deshalb sind sie nützlich für die Diskussion um das Artensterben und den Verlust der Biodiversität.“ Es beginnt schon mit der Frage, warum man überhaupt eine Grenze zieht, wo ja in Wahrheit gar keine ist. Schließlich sind die Menschen ein Teil der belebten Welt. Sie existieren in und nicht neben ihr. In ihrem Buch „Über Leben“ erzählen der Moderator der Dokumentationsreihe „Terra X“ Dirk Steffens und Fritz Habekuss, der als Redakteur bei der „ZEIT“ arbeitet, von der Vielfalt der Natur und der Schönheit der Erde.

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Das Artensterben ist das drängendste Problem der Menschheit

In ihrem Buch „Über Leben“ erzählen der Moderator der Dokumentationsreihe „Terra X“ Dirk Steffens und Fritz Habekuss, der als Redakteur bei der „ZEIT“ arbeitet, von der Vielfalt der Natur und der Schönheit der Erde. Sie schreiben über das Netz des Lebens und darüber, wie alles mit allem zusammenhängt. Es ist aber auch ein Buch über die Menschen. Es schildert ihren Aufstieg zur beherrschenden Art und wie sie immer rücksichtsloser die Natur zerstören. Das Buch handelt ebenso von der Zukunft der Menschheit und wie sie gelingen könnte. Das globale, immer schneller voranschreitende Artensterben, ist für die Autoren das drängendste Problem der Gegenwart. Es bedroht den Wohlstand, die Sicherheit, die Gesundheit und gefährdet die Existenz der Menschheit. Dirk Steffens und Fritz Habekuss beschreiben, was die Wissenschaft über die Krise weiß, und zeigen Wege auf, um sie zu beenden.

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Der homo oeconomicus ist ein Zerrbild

Der homo oeconomicus gilt als Grundlage wissenschaftlicher Modelle und beschreibt einen Menschen, dessen Interesse sich lediglich auf die Maximierung seines persönlichen Nutzens in Form eines immer höheren Einkommens reduziert. Für Gerhard Schick ist das ein Zerrbild des Menschen, denn eine Politik, die sich daran orientiert, kann dem Menschen nicht gerecht werden. Der Mensch ist nämlich kein rationaler, egoistischer Maximierer seines Nutzens – und die Gesellschaft ist mehr als ein Markt. Gerhard Schick erklärt: „Der Markt ist ein Teil der Gesellschaft und sollte sie nie in ihrer Gesamtheit prägen. Vielmehr sollten Gesellschaften darüber entscheiden, welche Aspekte des menschlichen Zusammenlebens wettbewerblich-marktwirtschaftlich und welche Aspekte anders organisiert werden.“ Welche Güter wie bereitgestellt werden, ist das Ergebnis von gesellschaftlichen Werteentscheidungen. Der grüne Politiker Gerhard Schick zählt zu den versiertesten Ökonomen im Deutschen Bundestag.

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Der Stickstoffüberschuss in der Landwirtschaft nimmt wieder zu

In den vergangenen 25 Jahren sind in Deutschland die Nitratgehalte im Trinkwasser zurückgegangen. Doch seit Kurzem bewegt sich die Nitratkurve wieder leicht nach oben. Einer der Gründe dafür ist, dass immer mehr Mais für Biogasanlagen angebaut wird. Zudem wird der Mais häufig überdüngt und bei der Herstellung von Biogas fallen stickstoffreiche Gärreste an, die auf den Feldern ausgebracht werden dürfen. Wenn aus diesen Quellen zu viel Stickstoff in den Boden gelangt, verwandelt sich dieser in Nitrat und belastet das Grundwasser. Friedhelm Taube, Agrarwissenschaftler an der Universität Kiel, erklärt: „Die Böden in Deutschland sind gesättigt. Wir sind derzeit bei einem Stickstoffüberschuss von 112 Kilogramm pro Hektar, dabei waren wir schon bei 96 Kilogramm.“ Der größte Teil des Nitrats stammt aus der Viehwirtschaft.

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Paul R. Ehrlich warnt vor der Bevölkerungsexplosion

Seit ein paar Tagen gibt es auf der Erde sieben Milliarden Menschen und es werden stündlich mehr. Der amerikanische Biologieprofessor Paul R. Ehrlich forscht seit mehr als drei Jahrzehnten über die Folgen der Bevölkerungsexplosion. Er sagt: „Die wissenschaftliche Debatte dreht sich nicht mehr darum, ob wir mehr Menschen ernähren können, sondern wie wir den Kollaps der Zivilisation verhindern. Paul R. Ehrlich rechnet vor, dass seit 1968, als er sein Buch „Die Bevölkerungsbombe“ veröffentlichte, weltweit 200 Millionen Menschen verhungert sind. Inzwischen hungert 1 Milliarde Menschen, drei Milliarden leben von weniger als zwei Dollar am Tag. Das Bevölkerungswachstum ist dennoch noch lange nicht zu Ende. Paul R. Ehrlich ist Professor für Biologie an der amerikanischen Universität Stanford.

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