Eine Diagnose kann einen Patienten auch entlasten

In der Regel gehen Menschen zu Therapeutinnen, Coaches, Lebensberaterinnen und so weiter, weil sie fühlen, dass etwas nicht stimmt, sie etwas quält. Diana Pflichthofer ergänzt: „Aber sie haben für dieses Etwas keinen Namen. Dann ist es womöglich hilfreich, wenn es einen Namen bekommt, auch wenn es ein nicht zutreffender ist.“ Eine Diagnose kann auch entlasten, und dies umso mehr, als sie mit der Riesenwelle der Kognitiven Verhaltenstherapie annehmbare Angebote dafür gemacht werden, warum man X hat. Irgendwie hat man die Erkrankung „geerbt“, in den „Genen“, damit also von Geburt an. Das wird – missverstanden – so aufgenommen, dass die individuellen und gesellschaftlichen Lebensumstände nichts damit zu tun haben. Oder es handelt sich um eine Art „Fehlprogrammierung“. Dr. Diana Pflichthofer ist Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychoanalytikerin und Gruppenanalytikerin.

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Das Absolute ist eine außerordentlich listige Denkfigur

Was die Postmoderne hätte sein können umfasst ein Denken, das auch dasjenige der Postmoderne ist, die man heute kennt, das aber darüber hinausgeht. Es greift zugleich weiter aus, versteht seine Protagonisten als Leser von Texten einer früheren Epoche. Daniel-Pascal Zorn ergänzt: „Die Postmoderne erbt von der Moderne die Frage nach einer Alternative zu dem, was mit der Französischen Revolution und der Überwindung des Absolutismus erledigt schien: das Absolute.“ Dieses Absolute ist eine außerordentlich listige Denkfigur. Die Wissenschaft des Absoluten und die Rückkehr des Absoluten werden verbunden durch eine Zeit, die eine Krise des Absoluten markiert. Diese Zeit ist die Postmoderne. Daniel-Pascal Zorn studierte Philosophie, Geschichte und Komparatistik. Seit 2021 ist er Geschäftsführer des Zentrums für Prinzipienforschung an der Bergischen Universität Wuppertal.

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Die Digitalisierung verändert den Menschen und die Welt

Die Digitalisierung aller Lebensbereiche ist mit einer Wucht und Geschwindigkeit über die Menschheit hereingebrochen wie keine andere Erfindung zuvor. Eva Menasse stellt fest: „Sie verändert sich und uns immer weiter, beständig nur in ihrem lawinenhaften Charakter. Gerade weil die Rechenleistungen sich dauernd multiplizieren, ist unabsehbar, was als Nächstes kommt.“ Das Internet ist ja keine Erfindung allein, sondern eine ganze Serie von seit Jahrzehnten ineinandergreifenden, aufeinander aufbauenden technischen Errungenschaften. So als hätten sich, wie in einem guten Skript, viele geniale Tüftler verabredet, um gemeinsam etwas zu schaffen, das die Welt noch einmal neu aufsetzt. Und das ist gelungen. Jetzt, im Nachhinein , könnte man die Zeitpunkte markieren, als die einzelnen Bestandteile aneinander andockten und einander fortschrieben, als die Entwicklungen einander schwindelerregend beschleunigten. Die Romane der österreichischen Schriftstellerin Eva Menasse sind vielfach ausgezeichnet worden.

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Seit Ende 2022 ist die Künstliche Intelligenz plötzlich in aller Munde

In den ersten Jahrzehnten der KI-Forschung lag der Schwerpunkt auf grundlegenden Algorithmen, auf symbolischer Logik und Expertensystemen. Andrea Römmele ergänzt: „Mit dem Aufkommen leistungsstarker Computer und der digitalen Verfügbarkeit großer Datenmengen begann die KI-Forschung, von datengetriebenen Ansätzen zu profitieren.“ Maschinelles Lernen, insbesondere Deep-Learning, ermöglichte es algorithmischen Systemen, Muster und komplexe Zusammenhänge in großen Datensätzen zu erkennen und von diesen zu lernen, um Vorhersagen zu treffen oder um ähnliche Daten, Bilder oder Texte zu generieren. Seit Ende 2022 ist KI plötzlich in aller Munde. So wie das iPhone die Digitalisierung und Vernetzung der Welt auf einen Schlag „sichtbar“ machte und den Übergang vom Web 1.0 zum Web 2.0 markierte, brachte ChatGPT eine breiten Öffentlichkeit Künstliche Intelligenz (KI) näher. Andrea Römmele ist Professorin für Politische Kommunikation und Vizepräsidentin an der Hertie School in Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Demokratie, Wahlen und politische Parteien.

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Neue Technologien sorgen für mehr Komfort und Bequemlichkeit

Christian Uhle stellt fest: „Die Hoffnung, durch neue Technologien mehr Komfort, Bequemlichkeit und Freizeit zu gewinnen, ist nicht erst durch die Digitalisierung in die Welt gekommen. Im Gegenteil, seit jeher sind die meisten Technologien mit dieser Hoffnung verbunden: Egal ob Auto, Gaszeitung oder Pürierstab – immer geht es darum, effizienter, bequemer und schneller zum Ziel zu kommen.“ Allein durch die Waschmaschine sparen wir irrsinnig viel Zeit und Aufwand. Während bei einem Haushalt von vier Personen wöchentlich circa fünf Stunden für die Handwäsche benötigt werden, sind es mit einer Waschmaschine nur eine Stunde. Damit werden etwa 220 Stunden im Jahr gespart. Hinzu kommen all die weiteren Haushaltsgeräte. Wenn wir über Digitalisierung und Künstliche Intelligenz nachdenken, dann ist es hilfreich, sich diese grundlegenden Eigenschaften von Technik bewusst zu machen. Der Philosoph Christian Uhle hat als Wissenschaftler zu gesellschaftlichen und technologischen Transformationen geforscht.

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Die Digitalisierung breitete sich in immer mehr Lebensbereichen aus

Ende der 1980er-Jahre zogen die ersten PCs in die Haushalte ein. Rüdiger Maas blickt zurück: „Daten wurden auf sogenannten Floppy Disks gespeichert, die weniger Datenvolumen hatten, als ein simples Smartphone-Foto heute in Anspruch nimmt. Walkman, Discman, CDs, Spielkonsolen oder Gameboys gehörten zum Alltag – der Gameboy hatte übrigens schon eine größere Prozessorleistung als das erste Spaceshuttle.“ Das Internet wurde erfunden und die Digitalisierung nahm Fahrt auf, breitete sich auf immer mehr Lebens- und Arbeitsbereiche der Menschen aus. Erste Diskussionen über den Umgang mit Medien und Daten, vor allem aber über die Gefahren des Videospielkonsums entbrannten in den 1990ern. Sind Kriegsspiele gewaltverherrlichend? Hat es schädliche Folgen, wenn Kinder einen eigenen Computer oder ein eigenes TV-Gerat mit Spielkonsole im Zimmer haben? Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer und Leiter eines Instituts für Generationenforschung.

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Das Web 2.0 ermöglicht seinen Nutzern eine aktive dynamische Teilhabe

Andrea Römmele schreibt: „Die technischen Möglichkeiten entwickelten sich weiter und so wurde aus dem Web 1.0 das Web 2.0. Erstmalig wurde dieser Begriff 2004 von Dale Dougherty von O´Reilly Media auf einer Konferenz in San Francisco verwendet.“ Er wurde schnell zu einem geflügelten Wort, das die gesamte zweite Generation des World Wide Web beschreibt, die sich durch interaktive und kollaborative Online-Plattformen auszeichnet. Im Vergleich zum eher statischen Charakter des Web 1.0 ermöglicht das Web 2.0 seinen Nutzern eine aktive dynamische Teilhabe. Sie können selbstständig Beiträge erstellen und posten, Beiträge anderer teilen oder kommentieren. Die Nutzer werden so zu „Prosumern“: Der Begriff meint das gleichzeitige Produzieren und Konsumieren von Nachrichten und ist aus Teilen beider Worte zusammengesetzt. Andrea Römmele ist Professorin für Politische Kommunikation und Vizepräsidentin an der Hertie School in Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Demokratie, Wahlen und politische Parteien.

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Täglich sterben Hunderte von Organismen aus

Was mit der Vielfalt des Lebens auf diesem Planeten passiert und wie rapide sich dieser Zusammenbruch vollzieht, ist fürchterlich. Philipp Blom ergänzt: „Nicht nur, dass täglich Hunderte von Organismen aussterben, noch bevor sie jemals von Menschen identifiziert wurden. Die rapide Veränderung und Verschlechterung von Lebensräumen führt dazu, dass Schlüsselarten verschwinden, auf denen ganze Ökosysteme aufbauen.“ In manchen Gegenden Europas sind jetzt schon durch Pestizide und Monokulturen achtzig Prozent der Insekten verschwunden. Die Verödung ganzer Landschaften oder Meeresregionen lässt sich in vielen Fällen gar nicht mehr oder nur sehr langsam wieder rückgängig machen. Mikroplastik hat inzwischen nicht nur den tiefsten Grund der Ozeane erreicht, sondern ist auch in menschlichen Hirnen und in Muttermilch gefunden worden. Jede Minute verschwinden dreißig Fußballfelder Regenwald und eine Million Tonnen arktisches Eis. Philipp Blom studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und Historiker in Wien.

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Die Digitalisierung betrifft uns alle

Christian Uhle betont: „Längst wird deutlich: Digitalisierung ist kein Thema allein für Computerfreaks, sondern betrifft uns alle – ob wir wollen oder nicht. Es ist eine Entwicklung, die unser aller Zukunft prägen wird Ein so weitreichender Prozess sollte wohlüberlegt, gemeinsam und demokratisch gestaltet werden.“ Das Buch „Künstliche Intelligenz“ von Christian Uhle möchte Anregungen geben, wie über Digitalisierung und Künstliche Intelligenz nachgedacht werden kann. Darauf folgt aber nicht unmittelbar, was genau zu tun ist – das muss jeder Mensch selbst entscheiden. Aber wenn man das eigene Leben in der Welt, seine Rolle darin und die Entwicklungen in der Gesellschaft besser versteht, kann dies auch bei der Orientierung im Alltag helfen. Der Philosoph Christian Uhle hat als Wissenschaftler zu gesellschaftlichen und technologischen Transformationen geforscht.

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Das Internet gleicht einer Zone des sozial erzwungenen Konformismus

Die Weiten des Internets verwandeln sich seit geraumer Zeit von einer Spielwiese für Individualisten in eine Zone des sozial erzwungenen Konformismus. Die digitale Öffentlichkeit wirkt immer öfter wie eine spießige Ansammlung von Gardinenspähern. Pauline Voss zieht für dieses Phänomen einen Vergleich heran: „Michel Foucault bezeichnete diese sozialen Dynamiken als „Panoptismus“. Er orientierte sich dabei am britischen Philosophen Jeremy Bentham, der im 18. Jahrhundert das sogenannte Panopticon als ideales Gefängnis entwarf.“ Ein Überwachungsturm in der Mitte eines ringförmigen Gebäudes ermöglicht den Wärtern Einsicht in alle Zellen. Die Gefangenen jedoch haben keine Einsicht in den Turm der Wärter. Jeremy Bentham, schreibt Michel Foucault in seinem Buch „Überwachen und Strafen“, habe „das Prinzip aufgestellt, dass die Macht sichtbar, aber uneinsehbar sein muss“. Pauline Voss ist seit 2023 als freie Journalistin tätig.

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Ein neuer Humanismus muss das Lebendige vor der Maschine schützen

Die wichtigste Aufgabe eines neuen – mancherorts nennt man ihn schon digitalen – Humanismus muss sein, nicht nur das Lebendige vor der Maschine zu schützen, sondern auch zu erkennen, was das menschliche Tier der Maschine überlegen macht. Lisz Hirn erklärt: „Die Arbeitsleistung ist es jedenfalls nicht. Viel eher werden wir das Recht auf Arbeit künftig durch ein Gebot zu Faulheit ersetzen müssen, wenn wir der unbarmherzigen Barbarei unseres Konsumkapitalismus oder dem gnadenlosen Wettbewerb mit den Gerätschaften maschinellen Denkens entkommen wollen.“ Diese Erkenntnis ist aus mindestens zwei Gründen wichtig: zum einen, weil sich die Menschheit mittels ihrer maschinellen Erfindungen, wie der Atombombe, selbst vernichten könnte, wie man seit Mitte des 20. Jahrhunderts schmerzlich weiß. Lisz Hirn arbeitet als Publizistin und Philosophin in der Jugend- und Erwachsenenbildung, unter anderem am Universitätslehrgang „Philosophische Praxis“.

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Christian Uhle denkt über Künstliche Intelligenz und Digitalisierung nach

Christian Uhle nimmt in seinem neuen Buch „Künstliche Intelligenz und wahres Leben“ fünf Versprechen unter die Lupe, die häufig mit Technologien der Künstlichen Intelligenz (KI) verknüpft werden. Erstens: Endlich mehr Zeit für dich. Zweitens: Du bist nicht allein. Drittens: Dein neuer Freund und Helfer. Viertens: Die Welt ist dir zu Diensten. Fünftens: Sinn statt Hamsterrad. Längst wird deutlich: Digitalisierung ist kein Thema allein für Computerfreaks, sondern betrifft uns alle – ob wir wollen oder nicht. So ein weitreichender Prozess sollte wohlüberlegt, gemeinsam und demokratisch gestaltet werden. In seinem Buch „Künstliche Intelligenz und wahres Leben möchte Christian Uhle Anregungen geben, wie über Digitalisierung und Künstliche Intelligenz nachgedacht werden kann. Der Philosoph Christian Uhle hat als Wissenschaftler zu gesellschaftlichen und technologischen Transformationen geforscht.

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Die Digitalisierung greift tief in das Leben jeden Einzelnen ein

Andrea Römmele betont: „Die Digitalisierung hat die Welt fundamental verändert. Sie greift tief in das Leben jedes Einzelnen von uns ein. Sie ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie bestimmt, wie wir arbeiten, und sie prägt unser Verhältnis zum Staat und seinen Institutionen.“ Der Begriff Digitalisierung umfasst unterschiedliche Phänomene, die sich aus der technischen und technologischen Entwicklung im Umfeld von Computern und Datennetzen ergeben. Im Kern versteht man unter Digitalisierung die Umwandlung analoger Informationen in verschiedene digitale Formate. Häufig wird unter Digitalisierung nur der technologische Aspekt des digitalen Wandels verstanden, das ist jedoch eine verkürzte Sichtweise. Andrea Römmele ist Professorin für Politische Kommunikation und Vizepräsidentin an der Hertie School in Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Demokratie, Wahlen und politische Parteien.

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Die globale Digitalisierung ist die einzige und wahre Zeitenwende

Mensch und Gesellschaft wurden folgenreicher und vor allem viel schneller umgeformt als selbst durch die Industrialisierung. In eineinhalb Jahrzehnten sind die Bedingungen des Menschseins grundlegend andere geworden. Eva Menasse erläutert: „Die globale Digitalisierung ist daher die einzige und wahre Zeitenwende – eine solche kann niemals ausgerufen, sondern erst in der Rückschau bemerkt werden. Kein Krieg, keine Wirtschaftskrise, auch nicht die Pandemie hatten vergleichbare Auswirkungen.“ Die Art, wie Menschen die Welt wahrnehmen, ist eine andere geworden. Ihr Verhalten und ihre kognitiven Fähigkeiten haben sich ebenso verändert wie die Grundlagen des Zusammenlebens, die Ansprüche an-, die Ungeduld mit-, der Hass aufeinander. Peter Sloterdijk schreibt: „Die Menschen sind nicht darauf vorbereitet, mit Milliarden Zeitgenossen in voller Kenntnis ihrer Gegenwart zu koexistieren.“ Die Romane der österreichischen Schriftstellerin Eva Menasse sind vielfach ausgezeichnet worden.

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Das Leben selbst wird als Problemlösen betrachtet

Tücken der Dinge gehören wohl der Vergangenheit an. Menschen werden nicht mehr von den Dingen traktiert. Byung-Chul Han ergänzt: „Sie verhalten sich nicht destruktiv und widerstrebend. Sie verlieren ihre Stacheln. Wir nehmen sie nicht in ihrer Andersheit und Fremdheit wahr. Dadurch schwächt sich das Wirklichkeitsgefühl ab.“ Vor allem die Digitalisierung verschärft die Entwirklichung der Welt. Befremdlich klingt Jacques Derridas Bemerkung, dass das Ding das „ganz Andere“ sei, dass es uns sein „Gesetz“ diktiere, dem sich die Menschen zu unterwerfen hätten. Die Dinge sind heute ganz unterwürfig. Sie werden en menschlichen Bedürfnissen unterworfen. Die Dinge verlieren plötzlich ihr Eigenleben und werden willfährige Werkzeuge zur Problemlösung. Das Leben selbst wird als Problemlösen betrachtet. Die Bücher des Philosophen Byung-Chul Han wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.

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Neue Werte übernehmen die Vorherrschaft

Die Umbruchzeit der Digitalisierung dürfte Opfer kosten. Diese sind weit größer als das, was die Bürger der DDR in der Umbruchzeit der deutschen Vereinigung erlebt haben. Richard David Precht kennt die Zukunft auch nicht: „Ob es mit der Moral in Deutschland alles in allem bergab oder vielleicht doch bergauf geht, ist eine heiß umstrittene Frage.“ Auf der einen Seite steht das Gefühl jener Generation, dass Pflichtgefühl, Treue, Gemeinsinn, Arbeitsmoral, Sitte und Anstand kontinuierlich nach unten gingen. Erstaunlich nur, dass es sie, so oft totgesagt, heute irgendwie immer noch gibt. Was seit über hundert Jahren zur Neige geht, müsste eigentlich irgendwann einmal erloschen sein. Kulturpessimismus scheint oft mehr mit dem Lebensalter und den persönlichen Zukunftserwartungen zu tun zu haben als mit dem Zeitalter und den gesellschaftlichen Ausblicken auf die Zukunft. Der Philosoph, Publizist und Autor Richard David Precht einer der profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum.

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Die Kommunikation übers Smartphone ist körperlos

In der digitalen Kommunikation fällt auch die Anrede häufig weg. Man ruft den Anderen nicht eigens an. Byung-Chul Han fügt hinzu: „Wir schreiben lieber Text-Nachrichten als anzurufen, denn schriftlich sind wir dem Anderen weniger ausgeliefert. So verschwindet der Andere als Stimme.“ Die Kommunikation übers Smartphone ist eine entkörperlichte und blicklose Kommunikation. Dagegen hat die Gemeinschaft eine körperliche Dimension. Schon aufgrund fehlender Körperlichkeit schwächt die digitale Kommunikation die Gemeinschaft. Die Digitalisierung bringt den „Anderen als Blick“ zum Verschwinden. Die Abwesenheit des Blicks ist mitverantwortlich für den Verlust der Empathie im digitalen Zeitalter. Bereits beim Kleinkind verwehrt man den Blick dadurch, dass die Bezugsperson aufs Smartphone starrt. Gerade im Blick der Mutter findet das Kleinkind normalerweise Halt, Selbstbestätigung und Gemeinschaft. Die Bücher des Philosophen Byung-Chul Han wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.

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Andrea Römmele fordert mehr Zukunftsmut

In einer Demokratie können die Bürger die Zukunft mitgestalten. Denn in der Regel kündigen sich große politische, ökonomische oder gesellschaftliche Veränderungen an. Sie vollziehen sich prozesshaft und langsam. Viele akute Krisen und disruptive Ereignisse sind nur die sichtbare Folge eines schon lang andauernden Trends, den die Wissenschaft schon früh vorgezeichnet hat. Diese Trends gilt es zu verstehen, zu durchdenken und mögliche Konsequenzen daraus abzuleiten. Das ist der Ausgangspunkt des neuen Buchs „Demokratie neu denken“ von Andrea Römmele. Deutschland, Europa und die Welt stehen an der Schwelle zu einer neuen Ära. Das Zeitalter westlicher Vorherrschaft geht zu Ende. Rechtspopulistische Parteien fordern die Demokratien heraus. Andrea Römmele ist Professorin für Politische Kommunikation und Vizepräsidentin an. der Hertie School in Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Demokratie, Wahlen und politische Parteien.

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Die Demokratie hat sich als sehr widerstandsfähig erwiesen

Roger de Weck kritisiert: „Der Nationalismus befeuert den Verteilungskampf zwischen Partner und Nachbarn. Der Ultrakapitalismus bringt Umverteilung zugunsten von Reichen und Superreichen. Die Digitalisierung schafft Räume der Hemmungslosigkeit, sei es in den sozialen Medien, sei es in der Weltwirtschaft.“ Die triumphale Rückkehr der Rücksichtslosigkeit signalisiert, dass nicht nur der Zweite Weltkrieg, sondern schleichend auch die Nachkriegszeit in Vergessenheit gerät. Allerdings wirkt sie noch in die Gegenwart hinein. Europa hat bislang weder die soziale Marktwirtschaft vollends abgeschrieben noch die Evidenz verlernt, dass die Nation für die großen Probleme zu klein und für die kleinen Probleme zu groß ist, wie der Soziologe Daniel Bell schrieb. Und in vielen Ländern haben sich die bedrängten Institutionen der Demokratie als außerordentlich widerstandsfähig erwiesen. Roger de Weck ist ein Schweizer Publizist und Ökonom.

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Die globale Digitalisierung ist die wahre Zeitenwende

In ihrem neuen Buch „Alles und nichts sagen“ geht Eva Menasse der Frage nach, was die digitale Massenkommunikation zwischenmenschlich angerichtet hat. Denn die Digitalisierung aller Lebensbereiche ist mit einer Wucht und Geschwindigkeit über die Menschheit hereingebrochen wie keine andere Erfindung zuvor. Eva Menasse schreibt: „Sie verändert sich und uns immer weiter, beständig nur in ihrem lawinenhaften Charakter.“ In eineinhalb Jahrzehnten sind die Bedingungen des Menschseins grundlegend andere geworden. Die globale Digitalisierung ist daher die einzige und wahre Zeitenwende. Die Grundlagen des Zusammenlebens haben sich fundamental verändert. Die Ansprüche, die Ungeduld und der Hass auf die Anderen sind gewachsen. Die Romane der österreichischen Schriftstellerin Eva Menasse sind vielfach ausgezeichnet worden.

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Das Internet gilt als Klimakiller

Wenn das Internet ein Land wäre, gehörte es zu den Top Ten der Energieverbraucher, in einer Liga mit Staaten wie den USA, China, Indien, Russland, Japan oder Deutschland. Dirk Steffens und Fritz Habekuss wissen: „Und während in vielen Wirtschaftsbereichen langsam – zu langsam! – der Energiebedarf zu sinken beginnt, wächst der Energiehunger der digitalen Welt um neun Prozent pro Jahr.“ Allein die Streamingdienste sind für etwa 300 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr verantwortlich. Das entspricht immerhin fast einem Drittel der Emissionen des globalen Luftverkehrs. So gesehen sind Katzenvideos fast so klimaschädlich wie Flugreisen. In ihrem Buch „Über Leben“ erzählen der Moderator der Dokumentationsreihe „Terra X“ Dirk Steffens und Fritz Habekuss, der als Redakteur bei der „ZEIT“ arbeitet, von der Vielfalt der Natur und der Schönheit der Erde.

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Digital ersetzt analog

Die zunächst analoge Entwicklung des Computers ging ganz urwüchsig aus dem mechanischen Weltbild und dem ihm innewohnenden Beschleunigungswahn hervor. Damit trat ein neues Prinzip mit der Räderwerkslogik in Konkurrenz. Die analoge Technik ersetzte man dann durch eine digitale Datenübertragung. Mit deren Hilfe können alle Informationen durch eine je eigene Kombination von nur zwei Zuständen beschrieben werden. Nämlich mit „ein“ und „aus“, anwesend und abwesend, 1 und 0. Damit eröffnete sich ein völlig neuer Horizont. Daniel Goeudevert stellt fest: „Mit diesem binären Zeichensystem wurde das Räderwerk praktisch obsolet.“ Man ersetze es durch die sehr viel einfachere und beliebig einsetzbare wie variable Lochkarte. Damit begann eine neue Zukunft. Daniel Goeudevert war Vorsitzender der deutschen Vorstände von Citroën, Renault und Ford sowie Mitglied des Konzernvorstands von VW.

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Monopole zerstören den Wohlstand

Hans-Jürgen Jakobs beschreibt in seinem neuen Buch „Das Monopol im 21. Jahrhundert“ wie private Unternehmen und staatliche Konzerne den Wohlstand der Bürger zerstören. Der Autor verwendet den Begriff „Monopol“ nicht strikt als Synonym für Alleinanbieter. Denn so etwas kommt sehr selten vor. Sondern er bezeichnet damit Unternehmen, die sich extrem hoher Marktanteile erfreuen und somit eine bestimmende Wirkung haben. Einen „Monopolismus“ gibt es inzwischen weltweit in zwei Varianten. Im Westen hat er sich durch das Wirken von Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft metastasenartig ausgebreitet. Digitalisierung ist für sie Monopolisierung, in der Öffentlichkeit als angebliches Grundgesetz der Plattformökonomie verkauft. Die östliche Variante des Monopolismus ist staatlich beziehungsweise verstaatlicht. China steht mit seinem Staatsmonopolismus für die zweite Spielart des Monopolismus. Hans-Jürgen Jakobs ist Volkswirt und einer der renommiertesten Wirtschaftsjournalisten Deutschlands.

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Die Digitalisierung beendet das Ding-Paradigma

Die industrielle Revolution verfestigt und erweitert die Dingsphäre. Sie entfernt die Menschen von der Natur und vom Handwerk. Byung-Chul Han betont: „Erst die Digitalisierung beendet das Ding-Paradigma. Sie unterwirft die Dinge den Informationen. Hardwares sind devote Unterlagen der Softwares. Sie sind sekundär gegenüber Informationen. Ihre Miniaturisierung lässt sie immer weiter schrumpfen.“ Das Internet der Dinge macht diese zu Informationsterminals. Der 3D-Drucker erweitert die Dinge in ihrem Sein. Sie werden zu materiellen Derivaten der Information degradiert. Was wird aus Dingen, wenn sie von Informationen durchdrungen werden? Die Informatisierung macht aus Dingen „Infomate“, nämlich Akteure, die Informationen verarbeiten. Das Auto der Zukunft wird kein Ding mehr sein, mit dem sich Phantasmen von Macht und Besitz verbinden. Byung-Chul Han ist ein koreanisch-deutscher Philosoph, Kulturwissenschaftler und Autor. Seine Bücher wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.

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Die Digitalisierung ist eine Herausforderung

Im Zuge der digitalen Revolution erleben die Menschen heute einen öffentlichkeitswirksamen Bewusstseinswandel. Immer wieder liest man von den Herausforderungen der Digitalisierung und den Gefahren. Aber es gibt auch Hoffnungen, die mit dem technischen Fortschritt wie der künstlichen Intelligenz verbunden sind. Markus Gabriel ergänzt: „Aus unserer alltäglichen Erfahrung kennen wir den Eindruck einer zunehmenden gesellschaftlichen Beschleunigung.“ Das hängt sicherlich mit dem exponentiellen Wachstum der Rechenleistungen der Computer zusammen. In diesem Kontext wirkt „die These vom erweiterten Geist“ besonders plausibel. Sie besagt, dass die menschliche psychologische und mentale Wirklichkeit längst nicht mehr auf den Leib eines Menschen beschränkt ist. Markus Gabriel hat seit 2009 den Lehrstuhl für Erkenntnistheorie und Philosophie der Neuzeit an der Universität Bonn inne. Zudem ist er dort Direktor des Internationalen Zentrums für Philosophie.

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