Besonnenheit und ein entspanntes Nachdenken sind segensreich

Dirk Steffens schreibt in seinem Buch „Hoffnungslos optimistisch“: „Wer an Lösungen glaubt, hat bessere Chancen auch tatsächlich welch zu finden. Wenn wir die Zukunft eher als Chance und weniger als Bedrohung sehen, ist das bereit der erste Schritt in die richtige Richtung.“ Besonnenheit, ein bisschen entspannten Nachdenken sind segensreich, damit wir auf der Flucht vor unseren Sorgen nicht aus Versehen Richtung Abgrund losrennen. Die gesamte Menschheitsgeschichte ist schließlich gespickt von Momenten, in denen disruptive Änderungswünsche über die Vernunft gesiegt haben. Verzweiflung trieb Suchende immer wieder in die Arme wirrer Propheten, brutaler Diktatoren, gewissenloser Populisten oder naiver Weltverbesserer. Aber den Untergang als unumkehrbare Sache zu betrachten, ist in Deutschland, in dem wir so frei, so gesund und so wohlhabend wie niemals zuvor leben, dann doch ziemlich idiotisch. Dirk Steffens ist einer der bekanntesten und renommiertesten Wissenschaftsjournalisten Deutschlands, spezialisiert auf Umwelt- und Naturthemen.

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Die turbulente Weltlage ähnelt einem Science-Fiction-Roman

Rebecca Solnit schreibt: „In der Welt, in der wir leben, geht es so turbulent zu, wie es sich kaum ein Science-Fiction-Roman erdenken konnte. Ich teile mittlerweile Howard Zinns Sichtweise, wonach die Zukunft zwar ungewiss ist, die Vergangenheit aber erkennen lässt, dass ganz normale Leute weltverändernde Kampagnen gestartet haben, von denen viele unvorhersehbar gewesen waren.“ Die zunächst unscheinbar wirkenden Bewegungen, die 1989 die autoritären Regime in Osteuropa stürzten, überraschen sogar die Beteiligten selbst. Niemand sah im vergangenen Jahrtausend voraus, dass indigene Völker auf dem amerikanischen Kontinent Einfluss und Sichtbarkeit zurückgewinnen, ihre Rechte und die Geltung ihrer Weltbilder weitgehend anerkannt würden. Rebecca Solnit ist eine der bedeutendsten Essayistinnen und Aktivistinnen der USA. Sie ist Mitherausgeberin des Magazins „Harper´s“ und schreibt regelmäßig Essays für den „Guardian“.

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Jeder kann die Zukunft durch eigene Entscheidungen mitgestalten

Florence Gaub empfiehlt in ihrem Buch „Szenario“ ihren Lesern, die Zukunft durch eigenen Entscheidungen mit zu gestalten. Diese haben zwar keine Exekutivgewalt, keine Truppen, keine Satellitenflotten. Aber was ihnen zur Verfügung steht, sind Muster, Daten, Erfahrung – und ein Gefühl für Dynamik. Florence Gaub betont: „Die Zukunft ist das Ergebnis von nachvollziehbaren Entwicklungen und Entscheidungen, nicht ein mystisches Zusammenspiel unergründlicher Mechanismen.“ Zu behaupten, was wisse genau, was da komme, ist so falsch die die Horoskope der Babylonier. Der einzige Weg, diese scheinbare Unordnung der Zukunft greifbarer zu machen, sind Szenarien, das Durchdenken von Handlungsketten und Dominoeffekten in alle Richtungen, von wahrscheinlich bis unwahrscheinlich, von wünschenswert bis katastrophal. Dr. Florence Gaub ist Politikwissenschaftlerin, Militärstrategin und Zukunftsforscherin. Sie leitet als Direktorin den Forschungsbereich am NATO Defense College in Rom.

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Die Zukunft muss den Göttern entwendet werden

Die Philosophin Hannah Arendt verortet die Idee, dass es so etwas wie dauerhaften Fortschritt geben könnte, erst so etwa ab dem 17. Jahrhundert. Petra Pinzler erklärt: „Damals wird nach und nach das zyklische Zeitverständnis des Mittelalters durch ein lineares abgelöst. Dazu man die Zeit allerdings zu einem Kontinuum werden, darf nicht mit immer neuen Herrschern immer wieder neu anfangen, an Sommertagen länger sein als an Wintertagen und in verschiedenen Königreichen unterschiedlich gemessen werden.“ Die Zukunft muss den Göttern entwendet und damit zu etwas werden, das sich nicht nur durch Säen, Ernten, Einlagern und Erntedank beeinflussen lässt. Sondern auch durch Genialität und Mut, Wettbewerb und Kooperation, durch die Fähigkeit andere zu überzeugen oder zu organisieren. Durch Unternehmertum und politisches Talent. Petra Pinzler arbeitet als Hauptstadtkorrespondentin der Wochenzeitung „Die Zeit“. Sie schreibt zudem Bücher über Wirtschaft, Umwelt und Klimaschutz.

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Die Unausweichlichkeit erweist sich meistens als falsche Prophezeiung

Die Ausrufung von Unausweichlichkeit ist meistens eine falsche Prophezeiung. Rebecca Solnit schreibt: „Hoffnung ist in diesem Sinn schlicht die Erkenntnis, dass die Ungewissheit eventuell Raum dafür lässt, sich zu den besten Möglichkeiten hin- und von den schlechtesten wegzubewegen, dass die Zukunft, anders, als ihr oft angedichtet wird, eben kein bereits existierender Ort ist, zu dem wir uns hinschleppen, sondern einer, den wir mit unseren Handlungen – oder auch unserem Nichtstun – in der Gegenwart erst erschaffen.“ Genauer gesagt besteht Hoffnung aus dieser Erkenntnis sowie der Bereitschaft, auf die besseren Möglichkeiten innerhalb des Spielraum des Ungewissen, des noch nicht Geschaffenen hinzuarbeiten. Rebecca Solnit ist eine der bedeutendsten Essayistinnen und Aktivistinnen der USA. Sie ist Mitherausgeberin des Magazins „Harper´s“ und schreibt regelmäßig Essays für den „Guardian“.

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Das Nachdenken über die Zukunft steigert das Wohlbefinden

Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass die Zukunft keine ferne Zeit ist, sondern das, was die Menschen heute über sie denken, fühlen und tun. Florence Gaub ergänzt: „Studien belegen, wie viel der Mensch über die Zukunft nachdenkt – viel –, wie weit er in die Zukunft reist – nicht sehr weit – und dass dies sein Wohlbefinden steigert.“ Es gibt sogar Studien, die zeigen, dass eine Zukunft umso wahrscheinlicher wird, je mehr man sie sich vorstellt. Das ist nicht nur Pop-Psychologie: Sobald das Gehirn auf ein Ziel fixiert ist, filtert es alles andere auf dem Weg dorthin heraus. Aber am wichtigsten ist vielleicht, dass das Gehirn keinen Unterschied zwischen der täglichen Zukunft und der des Planeten macht. Dr. Florence Gaub ist Politikwissenschaftlerin, Militärstrategin und Zukunftsforscherin. Sie leitet als Direktorin den Forschungsbereich NATO Defense College in Rom.

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Innovationen sind wie Vorboten einer goldenen Zukunft

Neue Technologien erzeugen nicht nur eine kurze, vergängliche Euphorie, weil sie den Horizont des Bekannten übersteigen. Christian Uhle ergänzt: „Sie sind auch mit ausgesprochenen oder unausgesprochenen Versprechen eines besseren Lebens verbunden. Innovationen glänzen verheißungsvoll, sie sind wie Vorboten einer goldenen Zukunft.“ In Werbespots oder Zukunftsvisionen werden diese Versprechen unmittelbar sichtbar. An anderen Stelle schwingen sie unausgesprochen mit, narrative Tiefenstruktur des sogenannten Fortschritts. Man kann diese Entwicklung besser verstehen und bewusster gestalten, wenn man diesen Treibstoff unter die Lupe nimmt. In seinem Buch „Künstliche Intelligenz und echtes Leben“ geht Christian Uhle einigen dieser Technologieversprechen – und insbesondere solchen eines sinnerfüllten Lebens – nach. Er versucht sie einzuordnen und überlegt, ob sie realistisch sind und wir tatsächlich auf eine bessere Zukunft zusteuern oder ob es leere, trügerische Versprechen sind, die uns an der Nase herumführen. Der Philosoph Christian Uhle hat als Wissenschaftler zu gesellschaftlichen und technologischen Transformationen geforscht.

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Über die Hoffnung gibt es unzählige Zitate

Es gibt Begriffe, die lechzen geradezu danach, sich in einem Kalenderspruch oder Sprichwort wiederzufinden. Zu diesen zählt zweifellos und prominent die Hoffnung. Wer im Internet kurz nach Zitaten zur Hoffnung sucht, wird auf Anhieb mit mehreren hundert Fundstellen beglückt. Auch Konrad Paul Liessmann beginnt deshalb mit einer alten Weisheit: „Dum spiro spero – Solange ich amte, hoffe ich. Diese Sentenz gehört wahrscheinlich zu den meistzitierten Sätzen der Antike, sie wird gemeinhin Marcus Tullius Cicero zugeschrieben.“ Recherchiert man ein wenig dazu im Internet, wird man darauf verwiesen, dass diese Formel unvollständig sei. Ergänzt wird sie durch die Sätze: „Solange ich hoffe, liebe ich. Solange ich liebe, lebe ich.“ Konrad Paul Liessmann ist Professor emeritus für Philosophie an der Universität Wien, Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist.

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Ohne Zukunftorientierung sind Gesellschaften nicht innovativ

Regierungen gestalten die Zukunft nicht allein. Es sind die Ideen und Vorschläge von Unternehmen und Einzelpersonen, die ganz genauso wichtig sind. Florence Gaub weiß: „Ohne eine zukunftsorientierte Bewegung sind Gesellschaften nicht innovativ, sei es in der Technologie, der Bildung oder Science-Fiction, sie stellen die Gegenwart nicht infrage und entwickeln keine Optionen, wie die Zukunft aussehen könnte.“ Andernorts ist dies bereits in vollem Gange: Die Long Now Foundation in Kalifornien fördert die Idee, uns als Wesen zu begreifen, das nicht nur die nächsten 100, sondern 10.000 Jahre beeinflusst. In Japan hat die Future-Design-Bewegung eine innovative Form der Bürgerversammlung ins Leben gerufen, bei der einige Teilnehmer Einwohner aus der Zukunft repräsentieren mussten. Dr. Florence Gaub ist Politikwissenschaftlerin, Militärstrategin und Zukunftsforscherin. Sie leitet als Direktorin den Forschungsbereich NATO Defense College in Rom.

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Die Zukunftsprognosen für Europa sind momentan nicht gut

Europa bietet momentan keine echt positiven Zukunftsprognosen. Florence Gaub erklärt: „Stattdessen hofft man, eine negative Zukunft zu vermeiden: eine, in der unsere Jobs weggenommen werden, in der die Temperaturen steigen, in der die Werte sich verändern.“ Egal wie man inhaltlich dazu steht, die europäische Zukunft wird bestenfalls als Status quo oder als gebremste Rückkehr zur Vergangenheit beschrieben, ebenso wie die amerikanische, die verspricht, alles „great again“ zu machen. Und natürlich würden die meisten demokratischen Regierungen nicht im Traum daran denken, irgendwelche Aussagen für 2030 zu machen, geschweige denn für 2050, wenn sie schon längst nicht mehr an der Macht sind. Das Problem bei einer solchen Nichtzukunft ist, dass es keine richtige ist. Dr. Florence Gaub ist Politikwissenschaftlerin, Militärstrategin und Zukunftsforscherin. Sie leitet als Direktorin den Forschungsbereich NATO Defense College in Rom.

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Die Menschheit lebt gerade in einer außergewöhnlichen Epoche

Der Gedanke, dass man Einfluss auf die weit entfernte Zukunft nehmen könnte und dabei so viel auf dem Spiel steht, könnte vielen Lesern verrückt vorkommen. So ging es zumindest William MacAskill. Doch die Verrücktheit des langfristigen Denkens hat nichts mit seinem moralischen Ausgangspunkt zu tun, sondern damit, dass wir in einer außergewöhnlichen historischen Epoche leben. Wir leben in einer Ära ungewöhnlicher Umwälzungen. Dazu muss man sich nur das weltweite Wirtschaftswachstum ansehen, das in den letzten Jahrzehnten bei durchschnittlich 3 Prozent im Jahr lag. Das ist historisch ohne jedes Beispiel. Während der ersten 290.000 Jahre der Menschheitsgeschichte war das globale Wirtschaftswachstum pro Jahr nahe null, im Zeitalter der Landwirtschaft stieg es auf 0,1 Prozent, und erst seit Beginn der industriellen Revolution hat e an Fahrt aufgenommen. William MacAskill ist außerordentlicher Professor für Philosophie an der Universität Oxford.

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Ein perfektes Modell könnte die Zukunft genau prognostizieren

Ray Dalio behauptet: „Da alles, was sich in der Vergangenheit ereignet hat, und alles, was sich zukünftig zutragen wird, den Interaktionen der Teile eines Perpetuum mobiles zuzuschreiben war und ist, kann man sagen, alles sei vorbestimmt.“ Ray Dalio ist überzeugt: Hätten wir ein perfektes Modell, das alle Kausalzusammenhänge berücksichtig, könnten wir die Zukunft genau prognostizieren. Im Wege steht uns dabei nur, dass wir nicht in der Lage sind, sämtliche dieser Ursache-Wirkungs-Beziehungen zu modellieren. Das mag stimmen oder auch nicht, verrät seine Lesern aber jedenfalls, wie Ray Dalio die Dinge sieht und was er damit bezweckt. Viele Menschen sehen das ganz anders. Ray Dalio ist Gründer von Bridgewater Associates, dem weltgrößten Hedgefonds. Er gehört mit zu den einflussreichsten Menschen der Welt.

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Von der Zukunft erwarten die meisten Deutschen nicht viel

Vierundachtzig Prozent der Deutschen blicken 2022 pessimistisch in die Zukunft. Andreas Reckwitz fügt hinzu: „Dies ist das Ergebnis einer Studie der Universität Bonn, die außerdem zeigt, dass der Anteil derjenigen, die erwarten, dass es künftigen Generationen schlechter gehen wir, in den letzten Jahren beständig gewachsen ist.“ Auch wenn Meinungsumfragen mit Vorsicht zu genießen sind: Es ist bemerkenswert, wie stark sich negative gesellschaftliche Zukunftserwartungen seit den 2010er Jahren in vielen westlichen Ländern verfestigt haben. Auch bezogen auf die Problemlösungskompetenz liberaler Demokratien haben sich die Erwartungen flächendeckend eingetrübt: Einer Studie des an der Universität Cambridge angesiedelten Centre for the Future of Democracy zufolge ist bei der Mehrheit der Menschen in den westlichen Gesellschaften ein politischer Vertrauensverlust zu verzeichnen. Andreas Reckwitz ist Professor für Allgemeine Soziologie und Kultursoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin.

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Die Politik im 21. Jahrhundert braucht einen neuen Kompass

Zukunftsfähige Politik des 21. Jahrhunderts muss sich sehr grundsätzlich von der des vergangenen Jahrhunderts unterscheiden, nicht nur weil die Krisen heftiger und häufiger werden. Petra Pinzler ergänzt: „Auch können die Fortschrittskonzepte der Vergangenheit nicht mehr einfach so in die Zukunft fortgeschrieben werden. Erfolgreiche Regierungspolitik braucht also einen neuen Kompass.“ Regierungswechsel markieren immer eine Zäsur für neuen Wandel. Nötig wäre er, der Wandel. Die Zukunft Deutschlands braucht eine andere Art der politischen Zusammenarbeit. Man kann das, was wir gerade erleben, mit dem Wort „Epochenwechsel“ beschreiben. Man kann es die „Geschichtlichkeit des Augenblicks“ nennen oder „Polykrisenzeiten“. All das klingt groß, aber genau darum geht es: Um gewaltige Veränderungen und daraus abgeleitet die Frage, wie die Politik auf die neue Wirklichkeit reagier oder reagieren sollte. Petra Pinzler arbeitet als Hauptstadtkorrespondentin der Wochenzeitung „Die Zeit“. Sie schreibt zudem Bücher über Wirtschaft, Umwelt und Klimaschutz.

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Die Zukunft war bis vor Kurzem kaum wissenschaftlich untersucht

Die Neigung der Menschen zu Gegenwart und Vergangenheit kommt auch daher, dass man die Zukunft bis vor Kurzem kaum wissenschaftlich untersuchte. Florence Gaub blickt zurück: „Für unsere Vorfahren war die Zukunft nicht etwas, das in ihren Köpfen entstand und von ihren Entscheidungen, Träumen und Ängsten geprägt war. Stattdessen war die Zukunft für sie etwas, das von jemand anderen geschaffen wurde, etwas, dem sie bei der Entfaltung nur zusehen konnten.“ Das kam daher, dass die meisten keinen richtigen Einfluss auf die Zukunft hatten, auch auf die eigene nur sehr begrenzt. Die meisten Menschen lebten von ihrer Geburt bis zum Tod im selben Dorf, blieben in der gleichen sozialen Schicht und gingen den gleichen Tätigkeiten nach wie Vater und Mutter. Dr. Florence Gaub ist Politikwissenschaftlerin, Militärstrategin und Zukunftsforscherin. Sie leitet als Direktorin den Forschungsbereich NATO Defense College in Rom.

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Erinnerungen sind ganz zentral für ein gutes Leben

In seinem Buch „Mit der Vergangenheit leben“ stellt Charles Pépin die These auf, dass Erinnerungen zentral für ein gutes Leben sind: „In den Werten, an die wir glauben, und in den Dingen, und wichtiger sind als alles andere, überdauern die Spuren unseres Herkunftsmilieus, unserer Erziehung und unseres einschneidenden Begegnungen.“ All dies entspringt der Vergangenheit. Und in allem ist die Vergangenheit gegenwärtig. Sie liegt nicht hinter einem Menschen, sondern macht sich kontinuierlich bemerkbar. Egal, ob Menschen glücklich oder unglücklich sind, ihre Vergangenheit kehrt unentwegt zurück. Ein seltsames Ding die Vergangenheit: Sie lässt sich nicht rückgängig machen und sucht doch fortwährend die Gegenwart heim. Menschen bestehen zu weitaus größeren Teilen aus Vergangenheit als aus Gegenwart. Charles Pépin ist Schriftsteller und unterrichtet Philosophie. Seine Bücher wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.

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Das Gehirn des Menschen ruht selbst in „Pausen“ nicht

Es ist eine Tatsache, dass das menschliche Gehirn selbst in „Pausen“ nicht ruht. Im Gegenteil, gerade tagträumerische Pausen, und wenn man dabei auch manchmal nur aus dem Fenster auf den Himmel schaut, können die Quelle für kreatives Denken sein. Markus Hengstschläger weiß: „Das Gehirn schaltet sich nie aus, es schaltet eher um. Im Gehirn des Homo sapiens gibt es eine Gruppe von Regionen, bekannt als Default Mode Network – Ruhezustandsnetzwerk –, die beim Lösen von Aufgaben deaktiviert ist und erst beim Nichtstun aktiviert wird.“ Das unbeschäftigte Gehirn benutzt diese Regionen während des Tagträumens im Zuge von routinemäßigen, eher monotonen Tätigkeiten wie zum Beispiel Joggen oder Duschen. Seit einigen Jahren untersucht man wissenschaftlich die Rolle des Default Mode Network für die kreative Leistungsfähigkeit des Menschen. Professor Markus Hengstschläger ist Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der MedUni Wien.

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Überraschende Ereignisse sind keine Seltenheit

Scott Sagan, Professor für Politikwissenschaften in Stanford, sagte einmal, jeder, der die Wirtschaft oder die Kapitalmärkte verfolgt, sollte sich diesen Spruch an die Wand hängen: „Ständig passieren Dinge, die nie zuvor passiert sind.“ Die Geschichtsschreibung handelt von vielen überraschenden Ereignissen. Trotzdem betrachten Investoren und Wirtschaftswissenschaftler Geschichte oft als unfehlbare Anleitung für die Zukunft. Morgan Housel betont: „Eine tiefen Respekt für die Geschichte von Wirtschaft und Geldanlage zu empfinden, ist klug. Geschichte hilft uns, Erwartungen zu kalibrieren und zu erkennen, wo Menschen oft irren.“ Geschichte vermag grob aufzuzeigen, was tendenziell funktioniert. Aber sie ist keinesfalls eine Blaupause für die Zukunft. Eine Falle, in die viele Geldanleger tappen ist ein blindes Vertrauen darauf, dass Daten aus der Vergangenheit ihnen eindeutige Signale für die Zukunft geben. Morgan Housel ist Partner bei der Risikokapitalgesellschaft The Collaborative Fund.

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Der Mensch der Zukunft ist ein Spieler

Der an den Dingen interessierte Mensch der Zukunft ist kein Arbeiter, sondern ein Spieler. Byung-Chul Han erklärt: „Er braucht die Widerstände der materiellen Wirklichkeit nicht mühsam durch Arbeit überwinden. Die von ihm programmierten Apparate übernehmen die Arbeit.“ Die künftigen Menschen sind handlos. Er behandelt keine Dinge mehr, und darum kann man bei ihm nicht mehr von Handlungen sprechen. Die Hand ist das Organ der Arbeit und Handlung. Der Finger hingegen ist das Organ der Wahl. Der handlose Mensch der Zukunft macht nur von seinen Fingern Gebrauch. Er wählt, statt zu handeln. Er drückt auf Tasten, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Sein Leben ist kein Drama, das ihm Handlungen aufnötigt, sondern ein Spiel. Die Bücher des Philosophen Byung-Chul Han wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.

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Extremereignisse werden meist unterschätzt

Am klarsten stechen aus historischen Daten jene Extremereignisse heraus, die alle Rekorde brechen. Sie sind es, welche die Nadel in der Wirtschaft und am Aktienmarkt am stärksten ausschlagen lassen. Morgan Housel nennt Beispiele: Die Weltwirtschaftskrise, der Zweite Weltkrieg, die Dotcom-Blase, der 11. September, die Subprime-Krise nach 2008.“ Eine Handvoll Extremereignisse wirft alles über den Haufen, weil sich in ihrem Kielwasser so viele Gegebenheiten verändern, die vordergründig gar nichts mit ihnen zu tun haben. Extremereignisse werden deswegen meist unterschätzt, weil man so leicht verkennt, wie sich Effekte auftürmen und potenzieren. Der Großteil dessen, was zu einem gegebenen Augenblick in der Weltwirtschaft geschieht, lässt sich auf eine Handvoll Ereignisse zurückführen, die praktisch unvorhersagbar waren. Morgan Housel ist Partner bei der Risikokapitalgesellschaft The Collaborative Fund.

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Der Kapitalismus hat das Leben unendlich viel besser gemacht

Der Demokratie wird unter anderem Zukunftsunfähigkeit vorgeworfen, aufgrund ihrer Wahlzyklen könne sie nicht über fünf Jahre hinausdenken, so heißt es. Florence Gaub ergänzt: „Auch das kapitalistische Wachstumsversprechen, das andere Hauptmerkmal unserer alten Zukunft, steht in der Kritik. In weltweiten Umfragen stimmten 52 Prozent der Menschen der Aussage zu, dass „der Kapitalismus mehr schadet als nützt“, unter anderem, weil er als Hauptverursacher des Klimawandels angesehen wir und das Versprechen von Wohlstand für alle nicht ganz eingelöst hat.“ Diese Unzufriedenheit mit der Demokratie als auch mit dem Kapitalismus mag ein bisschen ungerecht sein, denn beide haben vieles erreicht und das Leben unendlich viel besser gemacht als das unserer Vorfahren. Dr. Florence Gaub ist Politikwissenschaftlerin, Militärstrategin und Zukunftsforscherin. Sie leitet als Direktorin den Forschungsbereich NATO Defense College in Rom.

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Andrea Römmele fordert mehr Zukunftsmut

In einer Demokratie können die Bürger die Zukunft mitgestalten. Denn in der Regel kündigen sich große politische, ökonomische oder gesellschaftliche Veränderungen an. Sie vollziehen sich prozesshaft und langsam. Viele akute Krisen und disruptive Ereignisse sind nur die sichtbare Folge eines schon lang andauernden Trends, den die Wissenschaft schon früh vorgezeichnet hat. Diese Trends gilt es zu verstehen, zu durchdenken und mögliche Konsequenzen daraus abzuleiten. Das ist der Ausgangspunkt des neuen Buchs „Demokratie neu denken“ von Andrea Römmele. Deutschland, Europa und die Welt stehen an der Schwelle zu einer neuen Ära. Das Zeitalter westlicher Vorherrschaft geht zu Ende. Rechtspopulistische Parteien fordern die Demokratien heraus. Andrea Römmele ist Professorin für Politische Kommunikation und Vizepräsidentin an. der Hertie School in Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Demokratie, Wahlen und politische Parteien.

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Die Zukunft kann schön oder schrecklich sein

Die Zukunft könnte nicht nur schön sein, sondern auch schrecklich. Dazu muss man sich nur einige der negativen Entwicklungen der Vergangenheit ansehen und sich eine Zukunft vorstellen, die von ihnen beherrscht wird. William MacAskill blickt zurück: „Erinnern wir uns zum Beispiel, dass England und Frankreich die Leibeigenschaft schon Ende des 12. Jahrhunderts fast völlig abgeschafft hatten, nur um dann im Kolonialzeitalter zu Sklavenhändlernationen zu werden.“ Oder dass Mitte des 20. Jahrhunderts einstige Demokratien zu totalitären Staaten wurden. Oder dass die Menschheit ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu verwendet, um Atombomben und Tiermastbetriebe zu bauen. Nicht nur die Eutopie ist eine reale Möglichkeit, sondern auch die Dystopie. In der Zukunft könnte ein totalitäres Regime die ganze Welt beherrschen, die Lebensqualität von heute könnte lediglich eine schwache Erinnerung an ein früheres Goldenes Zeitalter sein. William MacAskill ist außerordentlicher Professor für Philosophie an der Universität Oxford.

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Matthias Horx begibt sich auf die Suche nach der wahren Zukunft

Fast sein ganzes Leben hat Matthias Horx über eine Frage nachgedacht: „Was bedeutet eigentlich Zukunft?“ Eine andere Frage, die ihn lebenslang beschäftigt, lautet: „Wie entsteht Wandel?“ In seinem neuen Buch „Der Zauber der Zukunft“ hat Matthias Horx versucht, die Wandel-Zeiten zu skizzieren, welche die Generation der Boomer in friedlichen und zukunftsfreudigen Zeiten durchlebte. Die Gegenwart dagegen wird beherrscht von einer Omnikrise, in der die Zukunft hinter dem Horizont zu verschwinden scheint. Deshalb begibt sich Matthias Horx auf die Suche nach der wahren Zukunft. Dieses Buch ist auch ein Buch über den Irrtum, und was Menschen mit ihm anfangen können. Matthias Horx betont: „Nein, die Zukunft kommt nicht auf uns zu. Die Zukunft beginnt, wenn wir uns selbst verwandeln. Wenn wir in den Spiegel der Welt schauen, und uns in ihr neu erkennen. Wenn wir andere werden, in neuen Perspektiven.“ Matthias Horx zählt zu den einflussreichsten Trend- und Zukunftsforschern des deutschsprachigen Raums.

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Viele Menschen geben die Zukunft quasi auf

Sobald Menschen zu viele schlechte Prognosen hören, fallen sie in eine Art Starre. Florence Gaub erläutert: „Anstatt zu handeln, Entscheidungen zu treffen, und etwas vorzustellen und die Zukunft zu beeinflussen, tun wir nichts. Wir geben die Zukunft quasi auf.“ Das ist an sich schon schlimm genug, aber das ist noch nicht alles. Negative Zukünfte können nämlich mit positiven ausbalanciert werden, ja meistens ist die Zukunft eine Mischung aus beiden, aber da, wo früher eine erstrebenswerte Zukunft lag, gähnt nun eine Leere. Früher bestand für die meisten Westeuropäer die gute Zukunft aus Wohlstand und Freiheit, und sie ging einher mit dem Wunsch, diese Zukunft in den Rest der Welt zu exportieren. Dr. Florence Gaub ist Politikwissenschaftlerin, Militärstrategin und Zukunftsforscherin. Sie leitet als Direktorin den Forschungsbereich NATO Defense College in Rom.

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