Mit unseren Smartphones sind wir digital vernetzt, ohne sie sind wir oft nicht mehr handlungsfähig. Andrea Römmele erklärt: „Smartphones ermöglichen es uns, jederzeit und überall mit anderen Menschen zu kommunizieren – ob über Anrufe, Textnachrichten, E-Mails oder die sozialen Medien.“ Wir können über Smartphones auf Nachrichten, Wetter, Rezepte zugreifen – überall, immerzu und sofort. Sie weisen uns mit ihrer GPS-Funktion den Weg und zeigen uns die besten Verbindungen im öffentlichen Nahverkehr. Auch Wanderkarten haben sie parat. Durch Kalender-Apps, Erinnerungsmeldungen und To-do-Listen helfen sie, unseren Alltag zu organisieren. Unsere Gesundheit überwachen wir mit Health-Apps, die uns dabei unterstützen, unsere Fitness nicht aus den Augen zu verlieren, unsere Ernährung zu planen und individualisierte medizinische Informationen abzurufen. Andrea Römmele ist Professorin für Politische Kommunikation und Vizepräsidentin an der Hertie School in Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Demokratie, Wahlen und politische Parteien.
Internet
Der Überwachungskapitalismus sammelt persönliche Daten
Google, Facebook und andere Plattformen sammeln Daten über ihre Nutzer und legen Profile an, die ihren Werbekunden ermöglichen, ihre Nutzer gezielt anzusprechen, die am ehesten geneigt sind, die Anzeige anzuklicken und schließlich einen Kauf zu tätigen. Gerd Gigerenzer erklärt: „Der Werbekunde bezahlt die Plattform für jeden Klick, Seitenaufruf oder Kaufabschluss eines Nutzers. Dieses Geschäftsmodell kann nur funktionieren, wenn man insgeheim in die Privatsphäre der Menschen eindringt, wobei dies umso besser gelingt, je rücksichtsloser das Eindringen ist.“ Anders als der Industriekapitalismus, der physische Güter herstellt und vertreibt, sammelt und analysiert der Überwachungskapitalismus persönliche Daten. Dabei müssen wir unbedingt verstehen, dass der Überwachungskapitalismus keine unvermeidliche Konsequenz einer smarten Welt ist. Gerd Gigerenzer ist ein weltweit renommierter Psychologe. Das Gottlieb Duttweiler Institut hat Gigerenzer als einen der hundert einflussreichsten Denker der Welt bezeichnet.
Die Digitalisierung verändert den Menschen und die Welt
Die Digitalisierung aller Lebensbereiche ist mit einer Wucht und Geschwindigkeit über die Menschheit hereingebrochen wie keine andere Erfindung zuvor. Eva Menasse stellt fest: „Sie verändert sich und uns immer weiter, beständig nur in ihrem lawinenhaften Charakter. Gerade weil die Rechenleistungen sich dauernd multiplizieren, ist unabsehbar, was als Nächstes kommt.“ Das Internet ist ja keine Erfindung allein, sondern eine ganze Serie von seit Jahrzehnten ineinandergreifenden, aufeinander aufbauenden technischen Errungenschaften. So als hätten sich, wie in einem guten Skript, viele geniale Tüftler verabredet, um gemeinsam etwas zu schaffen, das die Welt noch einmal neu aufsetzt. Und das ist gelungen. Jetzt, im Nachhinein , könnte man die Zeitpunkte markieren, als die einzelnen Bestandteile aneinander andockten und einander fortschrieben, als die Entwicklungen einander schwindelerregend beschleunigten. Die Romane der österreichischen Schriftstellerin Eva Menasse sind vielfach ausgezeichnet worden.
Seit Ende 2022 ist die Künstliche Intelligenz plötzlich in aller Munde
In den ersten Jahrzehnten der KI-Forschung lag der Schwerpunkt auf grundlegenden Algorithmen, auf symbolischer Logik und Expertensystemen. Andrea Römmele ergänzt: „Mit dem Aufkommen leistungsstarker Computer und der digitalen Verfügbarkeit großer Datenmengen begann die KI-Forschung, von datengetriebenen Ansätzen zu profitieren.“ Maschinelles Lernen, insbesondere Deep-Learning, ermöglichte es algorithmischen Systemen, Muster und komplexe Zusammenhänge in großen Datensätzen zu erkennen und von diesen zu lernen, um Vorhersagen zu treffen oder um ähnliche Daten, Bilder oder Texte zu generieren. Seit Ende 2022 ist KI plötzlich in aller Munde. So wie das iPhone die Digitalisierung und Vernetzung der Welt auf einen Schlag „sichtbar“ machte und den Übergang vom Web 1.0 zum Web 2.0 markierte, brachte ChatGPT eine breiten Öffentlichkeit Künstliche Intelligenz (KI) näher. Andrea Römmele ist Professorin für Politische Kommunikation und Vizepräsidentin an der Hertie School in Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Demokratie, Wahlen und politische Parteien.
Die Digitalisierung breitete sich in immer mehr Lebensbereichen aus
Ende der 1980er-Jahre zogen die ersten PCs in die Haushalte ein. Rüdiger Maas blickt zurück: „Daten wurden auf sogenannten Floppy Disks gespeichert, die weniger Datenvolumen hatten, als ein simples Smartphone-Foto heute in Anspruch nimmt. Walkman, Discman, CDs, Spielkonsolen oder Gameboys gehörten zum Alltag – der Gameboy hatte übrigens schon eine größere Prozessorleistung als das erste Spaceshuttle.“ Das Internet wurde erfunden und die Digitalisierung nahm Fahrt auf, breitete sich auf immer mehr Lebens- und Arbeitsbereiche der Menschen aus. Erste Diskussionen über den Umgang mit Medien und Daten, vor allem aber über die Gefahren des Videospielkonsums entbrannten in den 1990ern. Sind Kriegsspiele gewaltverherrlichend? Hat es schädliche Folgen, wenn Kinder einen eigenen Computer oder ein eigenes TV-Gerat mit Spielkonsole im Zimmer haben? Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer und Leiter eines Instituts für Generationenforschung.
Erstmals existierten mehr Maschinen im Netz als Bewohner der Erde
Rechnende Maschinen können heutzutage nahezu jede Aufgabe übernehmen. Stefan Klein nennt Beispiele: „Computer lenken Autos, handeln Aktien, vergeben Kredite, verkuppeln Singles auf Dating-Portalen. Sie steuern Flugzeuge über den Ozean, versorgen Menschen mit Nachrichten und Unterhaltung, lassen Industrieroboter Waren herstellen, analysieren den Kosmos und die menschlichen Gene.“ Hunderte Milliarden elektronischer Prozessoren verrichten heute weltweit ihre Dienste. Wie viele es genau sind, weiß niemand, so schnell wächst ihre Zahl. Eine vorsichtige Schätzung liefert die Menge der im Internet vergebenen Adressen. Im Jahr 1990 waren im weltweiten Netz ein paar Tausend, im Jahr 2000 an die Hundert Millionen Geräte miteinander verknüpft. Zehn Jahre später waren die Menschen schon in der Unterzahl: Erstmals existierten mehr Maschinen im Netz als Bewohner der Erde. Stefan Klein zählt zu den erfolgreichsten Wissenschaftsautoren der deutschen Sprache. Er studierte Physik und analytische Philosophie in München, Grenoble und Freiburg.
Das Web 2.0 ermöglicht seinen Nutzern eine aktive dynamische Teilhabe
Andrea Römmele schreibt: „Die technischen Möglichkeiten entwickelten sich weiter und so wurde aus dem Web 1.0 das Web 2.0. Erstmalig wurde dieser Begriff 2004 von Dale Dougherty von O´Reilly Media auf einer Konferenz in San Francisco verwendet.“ Er wurde schnell zu einem geflügelten Wort, das die gesamte zweite Generation des World Wide Web beschreibt, die sich durch interaktive und kollaborative Online-Plattformen auszeichnet. Im Vergleich zum eher statischen Charakter des Web 1.0 ermöglicht das Web 2.0 seinen Nutzern eine aktive dynamische Teilhabe. Sie können selbstständig Beiträge erstellen und posten, Beiträge anderer teilen oder kommentieren. Die Nutzer werden so zu „Prosumern“: Der Begriff meint das gleichzeitige Produzieren und Konsumieren von Nachrichten und ist aus Teilen beider Worte zusammengesetzt. Andrea Römmele ist Professorin für Politische Kommunikation und Vizepräsidentin an der Hertie School in Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Demokratie, Wahlen und politische Parteien.
Im Jahr 2017 hatte die Hälfte der Menschheit einen Online-Zugang
Im Jahr 1993 wurde das World Wide Web (WWW) öffentlich zugänglich gemacht. Andrea Römmele stellt fest: „In den darauffolgenden Jahren stieg die Zahl der Nutzer global rasant an – 2005 nutzten bereits eine Milliarde Menschen weltweit das Internet. 2017 hatte die Hälfte der Menschheit einen Online-Zugang.“ Allerdings unterschieden sich die jeweiligen Weltregionen bis heute stark, wenn es um die Anzahl von Menschen mit und ohne Internetzugang geht. Noch 2022 hatten laut Statistischem Bundesamt immer noch 34 Prozent der Weltbevölkerung keinen Zugang zum Internet, was rund 2,7 Milliarden Menschen entspricht. Schaut man sich die Verteilung nach unterschiedlichen Ländern an, so werden große Unterschiede sichtbar. Andrea Römmele ist Professorin für Politische Kommunikation und Vizepräsidentin an der Hertie School in Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Demokratie, Wahlen und politische Parteien.
Für alle Menschen ist ungehinderter Zugang zum Wissen möglich
Einigen Menschen kam der Aufbruch in das digitale Zeitalter wie die Französische Revolution von 1789 vor, nur ohne Blut. Gerd Gigerenzer ergänzt: „Anderen wie das Jahr 1989, als die Bevölkerung der DDR ein Regime stürzte, das die Medien kontrollierte und seine Bürger überwachte. Zwanzig Jahre später, als eine Welle von Demonstrationen den Nahen Osten und Nordafrika überzog, begannen die sozialen Medien tatsächlich eine wichtige Rolle bei der Koordination der öffentlichen Proteste zu spielen.“ Der Arabische Frühling entfachte eine neue Begeisterung für die befreienden Kräfte des Internets. Jeder kann alles wissen. Geheimnis ist ein Wort, das der Vergangenheit angehört. Für alle Menschen ist ungehinderter Zugang zum Wissen möglich. Gerd Gigerenzer ist ein weltweit renommierter Psychologe. Das Gottlieb Duttweiler Institut hat Gigerenzer als einen der hundert einflussreichsten Denker der Welt bezeichnet.
Die Digitalisierung betrifft uns alle
Christian Uhle betont: „Längst wird deutlich: Digitalisierung ist kein Thema allein für Computerfreaks, sondern betrifft uns alle – ob wir wollen oder nicht. Es ist eine Entwicklung, die unser aller Zukunft prägen wird Ein so weitreichender Prozess sollte wohlüberlegt, gemeinsam und demokratisch gestaltet werden.“ Das Buch „Künstliche Intelligenz“ von Christian Uhle möchte Anregungen geben, wie über Digitalisierung und Künstliche Intelligenz nachgedacht werden kann. Darauf folgt aber nicht unmittelbar, was genau zu tun ist – das muss jeder Mensch selbst entscheiden. Aber wenn man das eigene Leben in der Welt, seine Rolle darin und die Entwicklungen in der Gesellschaft besser versteht, kann dies auch bei der Orientierung im Alltag helfen. Der Philosoph Christian Uhle hat als Wissenschaftler zu gesellschaftlichen und technologischen Transformationen geforscht.
Um die echte Welt wird ein Schwarm von digitalen Welten kreisen
Durch die digitale Revolution werden sich die Menschen zu Wanderern zwischen vielen verschiedenen Welten entwickeln. Aber die einzelnen Welten werden nur aus der Sicht des Individuums wichtig sein. Ille C. Gebeshuber erklärt: „Das eigentliche digitale Universum wird als Zentrum die echte Welt haben, um die ein Schwarm von digitalen Welten kreisen wird. Das Verhältnis der Welten zum digitalen Universum muss man sich so vorstellen wie jenes der Homepages zum Internet.“ Die Inhalte sehen unabhängig aus, die verschiedenen Teile sind dennoch in einer Super-Wolke verbunden, sich Ille C. Gebeshuber wie eine große Kumuluswolke vorstellt und daher als Cumulus bezeichnet. Die Cumulus besteht also aus der Kumulation einer riesigen Menge an Datenwolken. Ille C. Gebeshuber ist Professorin für Physik an der Technischen Universität Wien.
Die Digitaltechnologie befindet sich im Konflikt mit der Privatsphäre
Die beiden Besonderheiten der Digitaltechnologie – Bequemlichkeit und Überwachung – befinden sich im Konflikt mit der Privatsphäre. Gerd Gigerenzer erklärt: „Viele Menschen fühlen sich ausgeliefert und wissen keinen Ausweg. Anderen ist die unmittelbare Bequemlichkeit wichtiger als der langfristige Verlust der Privatsphäre.“ Trotzdem ist es bemerkenswert, dass die meisten nicht bereit sind, auch nur einen Euro zu bezahlen, um ihre Privatsphäre zurückzugewinnen. Vielleicht sind manche auch der Meinung, die Social-Media-Unternehmen würden sich nicht an eine solche Vereinbarung halten oder ihre Daten würden auch von anderen Organisationen gesammelt. Was immer die Gründe sein mögen, es könnte gut sein, dass das Privatsphären-Paradox nur ein kurzes Zwischenspiel der Geschichte bleiben wird. Gerd Gigerenzer ist ein weltweit renommierter Psychologe. Das Gottlieb Duttweiler Institut hat Gigerenzer als einen der hundert einflussreichsten Denker der Welt bezeichnet.
Hans-Jürgen Jakobs stellt die fünf Internetgiganten vor
Wenn man die „Big Five“ – Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft – der westlichen digitalen Welt miteinander vergleicht, dann wirkt es so, als läge ein Art abgestimmtes Verhalten vor. Hans-Jürgen Jakobs erklärt: „Auf der einen Seite lassen sich die fünf Internetgiganten ihre jeweils angestammten Monopole, ihre Zonen der Alleinherrschaft. Vermutlich ist der Grund, dass es viel zu teuer käme, an diesen Verhältnissen etwas zu ändern.“ So hegt und pflegt Google weiter sein Suchmaschinenmonopol, ohne große Gegenwehr von Microsofts Konkurrenzangebot Bing fürchten zu müssen. So kultiviert Meta nach wie vor das eigene Social Network, ohne große Attacken der anderen. So baut Amazon kontinuierlich seine große Bedeutung im E-Commerce aus, Microsoft seine dominierende Rolle als elektronischer Bürohelfer sowie Apple seinen Geltungsanspruch bei Smartphones. Hans-Jürgen Jakobs ist Volkswirt und einer der renommiertesten Wirtschaftsjournalisten Deutschlands.
Die Digitalisierung greift tief in das Leben jeden Einzelnen ein
Andrea Römmele betont: „Die Digitalisierung hat die Welt fundamental verändert. Sie greift tief in das Leben jedes Einzelnen von uns ein. Sie ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie bestimmt, wie wir arbeiten, und sie prägt unser Verhältnis zum Staat und seinen Institutionen.“ Der Begriff Digitalisierung umfasst unterschiedliche Phänomene, die sich aus der technischen und technologischen Entwicklung im Umfeld von Computern und Datennetzen ergeben. Im Kern versteht man unter Digitalisierung die Umwandlung analoger Informationen in verschiedene digitale Formate. Häufig wird unter Digitalisierung nur der technologische Aspekt des digitalen Wandels verstanden, das ist jedoch eine verkürzte Sichtweise. Andrea Römmele ist Professorin für Politische Kommunikation und Vizepräsidentin an der Hertie School in Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Demokratie, Wahlen und politische Parteien.
Die globale Digitalisierung ist die einzige und wahre Zeitenwende
Mensch und Gesellschaft wurden folgenreicher und vor allem viel schneller umgeformt als selbst durch die Industrialisierung. In eineinhalb Jahrzehnten sind die Bedingungen des Menschseins grundlegend andere geworden. Eva Menasse erläutert: „Die globale Digitalisierung ist daher die einzige und wahre Zeitenwende – eine solche kann niemals ausgerufen, sondern erst in der Rückschau bemerkt werden. Kein Krieg, keine Wirtschaftskrise, auch nicht die Pandemie hatten vergleichbare Auswirkungen.“ Die Art, wie Menschen die Welt wahrnehmen, ist eine andere geworden. Ihr Verhalten und ihre kognitiven Fähigkeiten haben sich ebenso verändert wie die Grundlagen des Zusammenlebens, die Ansprüche an-, die Ungeduld mit-, der Hass aufeinander. Peter Sloterdijk schreibt: „Die Menschen sind nicht darauf vorbereitet, mit Milliarden Zeitgenossen in voller Kenntnis ihrer Gegenwart zu koexistieren.“ Die Romane der österreichischen Schriftstellerin Eva Menasse sind vielfach ausgezeichnet worden.
Potentielle Kunden werden durch Daten ausfindig gemacht
Konrad Paul Liessmann schreibt: „Die rührenden Versuche staatlicher und europäischer Einrichtungen, die Datengier der Internetkonzerne einzudämmen, werden nicht nur die Frage nach den monopolistischen Strukturen des digitalen Kapitalismus auf, sondern auch die nach dem eigentlichen Sinn des hemmungslosen Datensammelns.“ Dass mit diesen Daten bislang wenig Schlimmes passiert, da sie nur dazu dienen, den Internetanbietern präzisere Profile ihrer Kunden zu liefern, um diese mit optimierten und individualisierten Angeboten zu verwöhnen, mag im ersten Augenblick sogar beruhigend klingen. Möglich aber, dass sich gerade hinter diesen trivialen Erklärung der eigentliche Schrecken verbirgt. Daten werden angeboten, preisgegeben, gesammelt und zusammengeführt, um potentielle Käufer ausfindig zu machen. Natürlich soll es jedem Bürger freistehen, seine Daten anderen zu überlassen, um kostenlose oder verbilligte Angebote in Anspruch zu nehmen. Konrad Paul Liessmann ist Professor emeritus für Philosophie an der Universität Wien, Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist.
Digitalisierung in Arztpraxen: Chancen, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Die Digitalisierung erfasst zunehmend alle Lebensbereiche, darunter auch das Gesundheitswesen. Für Arztpraxen bietet sie immense Potenziale, um Arbeitsabläufe zu optimieren, Patienten besser zu versorgen und den steigenden Anforderungen des Gesundheitssektors insbesondere der Bürokratie gerecht zu werden. Doch die Transformation bringt auch Herausforderungen mit sich, die gemeistert werden müssen. Status Quo und Notwendigkeit Die Digitalisierung in … Weiterlesen
Der moderne Monopolismus verfügt über politische Macht
Im Fall Facebook zeigt sich wie nirgendwo sonst im modernen Monopolismus, dass die Hoheit über das Veröffentlichen von Meinungen und Informationen, so falsch sie auch sein mögen, politische Macht bedeutet. Hans-Jürgen Jakobs erläutert: „Lange profitierte das Soziale Netzwerk vom Mythos des „Arabischen Frühlings“ aus dem Jahr 2011, von all den Erzählungen über die Hunderttausende von Unterdrückten, die sich in Ägypten, Tunesien und anderen fernen Ländern via Facebook trotz Zensur und Repression verabredeten und der Staatsgewalt trotzten.“ Es bürgerte sich dafür sogar der Begriff „Facebook-Revolution“ ein – eine Übertreibung die Marc Zuckerberg kultivierte, weil der Funke tatsächlich von Social Media auf die klassischen Medien übergesprungen war. Es gibt allerdings kein Monopol darauf, dass die Macht von Facebook immer nur für das Gute, Wahre, Schöne, kurzum für Demokratie und „westliche Werte“ eingesetzt wird. Hans-Jürgen Jakobs ist Volkswirt und einer der renommiertesten Wirtschaftsjournalisten Deutschlands.
Mit dem Internet hat die „Weltkommunikation“ eingesetzt
Die Weltformel der globalen Gesellschaft wird gebildet aus den heißen Drähten, an denen sie unentrinnbar hängt. Eva Menasse schreibt: „Man könnte das, was fast mit einem Schlag eingesetzt hat, analog dem World Wide Web auch „Weltkommunikation“ nennen. Eine solche ist zum ersten Mal möglich, indem ein Großteil der Weltbevölkerung theoretisch unkompliziert miteinander in Verbindung treten kann, ohne große Hürden oder Kosten, in Echtzeit, ungeachtet aller Zeitverschiebungen und Entfernungen.“ Es begann, als das „mobile“ oder altmodisch sogenannte „Handtelefon“ vom Telefonnetz, den Mobilfunkanbietern und ihren Phantasie- und Roamingpreisen abhängig wurden. Plötzlich war es kein Telefon mehr, sondern war zum maximal potenten Weltempfänger und -sender geworden. Dadurch haben die neue Telefon eine erstaunlichen Teil der Medienmacht zurück an die Masse gegeben. Die Romane der österreichischen Schriftstellerin Eva Menasse sind vielfach ausgezeichnet worden.
Im Internet zeichnet sich eine Herrschaft des Pöbels ab
Viel ist in letzter Zeit vom Hass im Internet die Rede. Konrad Paul Liessmann weiß: „Für die Verfasser von Hasspostings hat sich ein neuer Anglizismus eingebürgert: Hater. Das klingt einerseits zeitgeistiger als der dumpfe deutsche Hasser und rückt den Protagonisten in die Nähe anderer Netz-Helden, wie dem User oder dem schon in die Jahre gekommenen Surfer.“ Aber der Hater ist auch die erste Erscheinungsform des Negativen und Bösen in den sozialen Medien, die sich hier durchaus als asozial erweisen. Drohend zeichnet sich nun für Besorgte gar eine neue Herrschaft des Pöbels ab. An Vorschlägen, wie mit dieser Gefahr umzugehen sei, mangelt es nicht. Von Aufklärung über pädagogische Interventionen bis hin zur strafrechtlichen Verfolgung reicht der Katalog der Maßnahmen, die erwogen werden. Konrad Paul Liessmann ist Professor emeritus für Philosophie an der Universität Wien, Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist.
Künstliche Intelligenz hat keine Intuitionen
Schon Dreijährige begreifen, dass Menschen im Gegensatz zu Objekten Absichten und Wünsche haben. Die schließen intuitiv aus Blicken, Körperbewegungen oder Tonfällen auf die Absichten anderer Menschen. Gerd Gigerenzer weiß: „Die Fähigkeit, anderen Menschen Absichten zuzuschreiben, bezeichnet man auch als Theorie des Geistes (Theorie of Mind).“ Sie trägt beispielsweise zum sicheren Fahren im Straßenverkehr bei. Wenn ein Kind an der Bordsteinkante einer vielbefahrenen Straße steht, können menschliche Fahrer in einem Sekundenbruchteil erkennen, ob das Kind die Absicht hat, auf die Straße zu laufen oder nicht. Wenn das Kind einen Ball auf der anderen Straßenseite im Blick hat, könnte das sehr wohl passieren. Blickt das Kind dagegen eine Frau direkt neben sich an, ist das unwahrscheinlich. Das Gottlieb Duttweiler Institut hat Gerd Gigerenzer als einen der hundert einflussreichsten Denker der Welt bezeichnet.
Die Werbung im Netz ist perfekt auf den Einzelnen abgestimmt
Die permanente digitale Kommunikation greift tief in den Gefühlshaushalt der Menschen ein. Ulrich Grober erklärt: „Wir vertrauen unser Erleben, vor allem unsere WOW-Momente, sozialen Medien an. Wir nutzen sie, sie nutzen uns. Sie bieten uns, scheinbar umsonst, eine Plattform für alle Äußerungen, die wir senden möchten.“ Umgekehrt machen sie die Menschen zum Empfänger von perfekt auf jeden Einzelnen abgestimmten Werbebotschaften. Jede Sekunde im Netz macht einen dafür empfänglich. Ja, man hat die Freiheit, sich ihren Botschaften zu verweigern. Aber das ist gar nicht so einfach. „Wir sind programmiert durch das, was unsere Zuschauer sehen wollen“, sagte Netflix-Gründer Reed Hastings. Er fügt hinzu: „Wir liefern etwas ab, was in einem Moment Hunderte Millionen Menschen gucken können.“ Den Publizisten und Buchautor Ulrich Grober beschäftigt die Verknüpfung von kulturellem Erbe und Zukunftsvisionen.
Künstliche Intelligenz kann Entscheidungen verbessern
Wenn Entscheidungen zu treffen sind, verwenden Experten meist weniger Informationen als Neulinge. Denn sie wissen, was relevant ist und ignorieren den Rest. Wenn einige Aspekte wichtiger sind als andere, halten sich Experten vorrangig an diese Merkmale und stützen ihre Entscheidung unter Umständen nur auf den wichtigsten Aspekt. Gerd Gigerenzers Forschungsteam hat diese Intuitionen in einfache Algorithmen programmiert, die effiziente Entscheidungsbäume heißen. Der Name bringt ihre rasche und ökonomische Logik zum Ausdruck. Gerd Gigerenzer weiß: „Psychologische Künstliche Intelligenz (KI) kann, wie im Fall von effizienten Entscheidungsbäumen, menschliche Entscheidungen fördern und verbessern.“ Im Gegensatz zu vielen komplexen Algorithmen ist psychologische KI transparent, was ihren Nutzern ermöglicht, einen Algorithmus zu verstehen und ihn an veränderte Situationen anzupassen. Gerd Gigerenzer ist ein weltweit renommierter Psychologe. Das Gottlieb Duttweiler Institut hat Gigerenzer als einen der hundert einflussreichsten Denker der Welt bezeichnet.
Edmund Husserl erschafft die Phänomenologie
Fast unmittelbar nach Immanuel Kant versuchen Philosophen Denken und Wirklichkeit wieder zusammenzubringen. Sei es nun durch eine „Phänomenologie des Geistes“ wie bei Hegel oder durch eine „Philosophie des Willens“ wie bei Arthur Schopenhauer. Ger Groot weiß: „Am Ende dieses Jahrhunderts gibt der Mathematiker und Philosoph Edmund Husserl dem Denken Immanuel Kants eine bedeutende Wendung. Auch Husserl geht davon aus, dass die primäre Gegebenheit unserer Erkenntnis darin besteht, dass uns die Dinge erscheinen.“ Sie sind Phänomene – daher der Name der philosophischen Schule, die er ins Leben ruft: Phänomenologie. Auf Basis dieser Feststellung geht er, ebenso wie Immanuel Kant, auf die Möglichkeitsbedingungen der Phänomene zurück. Ger Groot lehrt Kulturphilosophie und philosophische Anthropologie an der Erasmus-Universität Rotterdam. Außerdem ist er Professor für Philosophie und Literatur an der Radboud Universität Nijmegen.
Herbert Simon war einer der Begründer der KI
Warum kann künstliche Intelligenz (KI) beim Schach gewinnen, aber nicht den passendsten Partner finden? Schließlich scheint das Ziel doch ähnlich zu sein. Man weist jedem Zug oder Kandidaten einen Wert zu und sucht dann den besten aus. Gerd Gigerenzer ergänzt: „Schachalgorithmen wie Deep Blue weisen den Milliarden mögliche Stellungen, die das System vorhersehen kann, Werte zu. Genauso wie Liebesalgorithmen Millionen von potenziellen Partnern Punkte zuordnen.“ Beim Schach klappt das wunderbar. Warum nicht auch in allen anderen Bereichen? Herbert Simon war einer der Begründer der Künstlichen Intelligenz. Und er war bislang der einzige Wissenschaftler, der sowohl den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften und den Turing Award – informell auch Nobelpreis für Informatik – erhalten hat. Gigerenzer ist ein weltweit renommierter Psychologe. Das Gottlieb Duttweiler Institut hat Gigerenzer als einen der hundert einflussreichsten Denker der Welt bezeichnet.