Die Bewahrung der Natur hat für viele Menschen nicht die oberste Priorität

Wilhelm Schmid stellt fest: „Im frühen 21. Jahrhundert sind noch immer nicht alle Menschen von der Dringlichkeit einer Heimatpflege zur Bewahrung der Heimat in der Natur überzeugt. Die Auseinandersetzung hierüber gleicht einem Kulturkampf, der in jeder einzelnen Gesellschaft geführt werden muss, mit offenen Ausgang, der sich aber in jedem Fall planetar auswirkt.“ Manche vertreten sogar die Ansicht, dass die Menschen aus der Natur austreten sollten, indem sie die natürliche Evolution durch eine technische „Exo-Evolution“ ersetzen. Aber ein Außerhalb – exon im Griechischen – zur Evolution der Natur steht nicht in der Macht von Menschen. Absolut alles, was Menschen schaffen können, bleibt in die planetarische und kosmische Evolution der schaffenden Natur eingebettet, die darüber entscheidet, wie weit die menschengemachte Evolution gehen kann. Wilhelm Schmid lebt als freier Philosoph in Berlin.

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Angeklagte Eltern bekommen oft Depressionen und ziehen sich zurück

Angeklagte Kinder dürfen Kinder bleiben, Verständnis und Mitgefühl erwarten. Die Rolle angeklagter Eltern hingegen ist unattraktiv und führt oft zu einem einsamen, depressiven Rückzug. In der Familiendynamik hängt vieles mit vielem zusammen. Gegenwärtig wird unter anderem das Gewicht des Verlusts der gemischten Spielgruppe unterschätz, in der nicht Erwachsene „erziehen“, sondern ältere Kinder die jüngeren sozialisieren. Wolfgang Schmidbauer stellt fest: „In der menschlichen Evolution haben diese Gruppen das Heranwachsen dieser Gruppen geprägt; das hat sich erst in den letzten zweihundert Jahren mit der Individualisierung der Gesellschaft und der wachsenden Bedeutung mobiler Kleinfamilien verändert.“ In diesen Gruppen gab es sehr viel bessere Möglichkeiten, den Umgang mit Aggressionen und Selbstverantwortung zu erlernen; wo sie zurücktreten, erkranken mehr Erwachsene an Depressionen, Kinder werden wegen ihrer Aufmerksamkeitsdefizite medikamentös behandelt, denn was in einer solchen Gruppe willkommen ist, missfällt Erzieherinnen und Lehrern. Wolfgang Schmidbauer gilt als einer der bekanntesten Psychoanalytiker Deutschlands.

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Die Evolution bringt grundsätzlich nichts Neues hervor

Fabian Scheidler weiß: „Selektion, welche Rolle sie in der Evolution auch spielen mag, bringt grundsätzlich nichts Neues hervor. Sie ist selbst nicht kreativ, sondern kann nur auswählen, was schon da ist.“ Die entscheidende Frage für das Verständnis der Evolution ist daher, wie Variation überhaupt zustande kommt. Wie entsteht Neues, und zwar auf eine Weise, welche die Entstehung der enormen Komplexität von Lebewesen erklären kann? Charles Darwin war sich schmerzhaft im Klaren darüber, dass er auf diese Frage keine Antwort hatte. Er nahm zunächst an, dass Variation ausschließlich durch zufällige Abweichungen zustande kommt, also vollkommen ungerichtet verläuft. Diese zufälligen Veränderungen würden sich gleichmäßig über die Zeit verteilen und so, in Kombination mit der Selektion, zu einem langsamen, graduellen Wandel von einer Art zur anderen führen. Der Publizist Fabian Scheidler schreibt seit vielen Jahren über globale Gerechtigkeit.

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Die Kooperation scheint intrinsisch angelegt zu sein

Würden Sie nicht auch dichthalten und sich weigern, Ihren Komplizen zu verpfeifen? Ist das nicht eine Frage der Ehre? Hanno Sauer erklärt: „Selbst Diebe kennen Regeln, soll Cicero gesagt haben, und auch Studenten weigern sich fast immer, die Logik zweckrationalen Handelns anzuerkennen; sie müssen regelrecht dazu erzogen werden, die Vorteile nicht-kooperativen Verhaltens einzusehen.“ Wenn es Ihnen genauso geht, zeigt das, das Ihr moralischer Kompass funktioniert. Es bestätigt auch die These, dass kooperative Instinkte wahrscheinlich angeboren sind. Die Tatsache, dass Sie das gemeinschaftliche Handeln intuitiv attraktiv finden und gegenüber Trittbrettfahrern sogar Wut und Empörung verspüren, zeigt, dass die Evolution bei uns Menschen im Verlauf eines viele Millionen Jahre andauernden Lernprozess soziale Präferenzen installiert hat, die uns Kooperation als intrinsisch geboten erscheinen lassen. Hanno Sauer ist Associate Professor of Philosophy und lehrt Ethik an der Universität Utrecht in den Niederlanden.

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Die Evolution ist eine gleichmäßige Verbesserung

Die Evolution ist eine Aufwärtsbewegung hin zu Verbesserungen, die durch Anpassung und Lernprozesse eintreten. Darum herum entwickeln sich Zyklen. Ray Dalio ergänzt: „Die Evolution ist eine vergleichsweise gleichmäßige, stetige Verbesserung, weil mehr Wissen hinzugewonnen wird als verloren geht.“ Die Zyklen dagegen laufen auf- und abwärts und sorgen für Auswüchse in eine Richtung. Diese haben Trendwenden und Übertreibungen zur Folge – wie ein Pendel, das hin- und herschwingt. So erhöht sich zum Beispiel mit der Zeit der Lebensstandard, weil Menschen dazulernen, was zu höherer Produktivität führt. Dennoch gibt es in der Wirtschaft Auf- und Abschwünge, weil Schuldenzyklen existieren, welche die Konjunktur im Umfeld dieses Aufwärtstrends anheizen und bremsen. Ray Dalio ist Gründer von Bridgewater Associates, dem weltgrößten Hedgefonds. Er gehört mit zu den einflussreichsten Menschen der Welt.

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Neue Arten sind sprunghaft mit sehr hoher Rate entstanden

Waldbrände, Pandemien und Erdbeben sind zugegebenermaßen recht katastrophale Ereignisse. Aber auch das Leben selbst scheint auf fundamentale Art und Weise ein kritisches Phänomen zu sein. Dirk Brockmann erläutert: „Erdgeschichtlich sind immer wieder neue Arten entstanden und andere ausgestorben. Charles Darwin hat für diese Evolutionsprozesse die wissenschaftliche Theorie geliefert. Zufällige genetische Mutationen etwa führen zu neuen Varianten, werden selektiert und setzen sich durch, weil sie besser an die Umgebung angepasst sind.“ Charles Darwins Theorie beschreibt den Evolutionsprozess als graduelle, stetige Veränderung in kleinen Schritten, obwohl die paläontologischen Befunde eher darauf hindeuteten, dass neue Arten sprunghaft mit sehr hoher Rate in vergleichsweise kurzen Zeiträumen entstanden sind. So haben vor rund 500 Millionen Jahren – zu Beginn des Kambriums – praktisch alle heute vertretenen Tierstämme in dem geologisch winzigen Zeitraum von für bis zehn Millionen Jahren das Licht der Welt erblickt. Der Komplexitätswissenschaftler Dirk Brockmann ist Professor am Institut für Biologie der Berliner Humboldt-Universität.

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Goethe und Schiller beflügelten gegenseitig ihre Kreativität

Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller kamen sich in einer Zeit näher, in der beide Probleme mit dem Schreiben hatte. Andrea Wulf weiß: „Nun aber inspirierten sie sich gegenseitig und produzierten in den folgenden zehn Jahren einige ihrer besten Werke. Sie arbeiteten eng zusammen, forderten einander heraus und redigierten gegenseitig ihre Texte.“ Die Tatsache, dass sie so gegensätzliche Temperamente hatten, beflügelte ihre Kreativität. „Ein jeder konnte dem anderen etwas geben, was ihm fehlte, und etwas dafür empfangen“, erinnerte sich Friedrich Schiller später. Die Begegnung mit Johann Wolfgang von Goethe, erklärte Friedrich Schiller einmal einer Freundin, „sei das wohltätigste Ereignis meines ganzen Lebens“ gewesen. Als Autorin wurde Andrea Wulf mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet, vor allem für ihren Weltbestseller „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ 2016, der in 27 Sprachen übersetzt wurde.

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Sozialer Erfolg ist für Menschen extrem wichtig

Man könnte annehmen, dass überbordende Starrsinnigkeit vom Standpunkt der Evolution aus betrachtet eine Fehlanpassung wäre. Jonathan Rauch ist anderer Meinung: „Dem ist aber nicht so, und eine Erklärung dafür liefert schon Aristoteles: Menschen sind soziale Tiere. Aus evolutionärer Sicht am wichtigsten ist nicht, dass eine Person wahre Überzeugungen ausbildet, sondern solche, die zum sozialen Erfolg führen.“ Denn entscheidend ist unter dem Strich nicht, was ich glaube oder was Sie glauben, sondern was wir glauben. Der Psychologe und Rechtsforscher Dan Kahan von der Yale University hat ein überzeugendes Modell auf Grundlage dessen konzipiert, was er als „identitätsschützende Kognition“ bezeichnet. Jonathan Rauch studierte an der Yale University. Als Journalist schrieb der Politologe unter anderem für das National Journal, für The Economist und für The Atlantic.

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Für die Existenz der Menschheit basiert auf Zufall

Charles Darwin präsentierte eine alternative Antwort auf die uralte Frage, warum die Menschen existieren. Und diese Antwort kam ganz ohne irgendein „télos“ aus. Christian Uhle erläutert: „Auf sehr überzeugende Weise erklärte er die Entstehung des Homo sapiens als eine Kette von Ursachen und Wirkungen. Das war weit mehr als eine „Kränkung“ des Egos, die Sigmund Freud diagnostiziert hatte.“ Unvorstellbares konnte man sich plötzlich sehr wohl vorstellen. Nämlich, dass es überhaupt keinen Sinn gibt, weshalb die Menschheit zu existieren begann. Warum gibt es Menschen? Charles Darwin hatte darauf eine komplett anderen Antwort als bisherige Entstehungsgeschichten. Denn er lieferte eine Erklärung der menschlichen Existenz, keine Begründung. Denn Naturwissenschaften können keine Sinnfragen beantworten. Das Anliegen des Philosophen Christian Uhle ist es, Philosophie in das persönliche Leben einzubinden.

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Der Einzelne ist heute ohne die anderen nicht überlebensfähig

Heute lebt die Menschheit in einer von ihr geschaffenen Umwelt und Kultur, die mit nichts im Tierreich zu vergleichen ist. Matthias Glaubrecht betont: „Ohne Frage ist es höchst beachtlich, was dieses Zoon politikon mit seinem biologischem Vermächtnis von Konflikt und Kooperation, sozialer Intelligenz samt Trug und Täuschung geschaffen und aufgebaut hat.“ Nicht vergessen darf man indes, gerade wenn man die Kooperation hervorhebt, dass jedes einzelne Individuum nur einen Bruchteil dessen beherrscht, was zu dieser Kulturleistung nötig ist. Der Einzelne ist heute ohne die anderen nicht überlebensfähig. Vielfach 12wissen Menschen nicht einmal mehr, wie sie sich in der modernen, hoch technisierten Welt auf sich allein gestellt Nahrung beschaffen sollten. Auf Gedeih und Verderb sind sie mehr denn je auf Kooperation und immer komplexere Formen des Miteinanders angewiesen. Matthias Glaubrecht ist Evolutionsbiologe, Systematiker und Wissenschaftshistoriker.

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Reiche Gesellschaften konnten sich spezialisierte Denker leisten

Von Anbeginn der Gesellschaft gab es eine Welt und viele Menschen. Eine Welt, in der die Menschen einer Vielzahl von Ereignissen ausgesetzt waren. Von diesen waren viele unerklärlich, manche gar Wunder. Ille C. Gebeshuber ergänzt: „Die Menschen suchten die rätselhaften Ereignisse und Abläufe zu erklären und stellten eine höhere Macht in den Mittelpunkt – Gott. Seine Taten und Absichten spiegelten sich vermeintlich in den Mysterien des Lebens wider.“ Doch mit der Zeit nahm der Reichtum der Menschheit zu. Daher konnte sie sich spezialisierte Denker, die Wissen ansammelten, leisten. Ausgehend von diesem Wissen erkannte man, dass die Natur sehr präzisen Gesetzen gehorchte. Das Unlogische, das Wundersame war mit einem Mal logisch. Man wusste von der Natur und stellte von nun an diese in den Mittelpunk. Ille C. Gebeshuber ist Professorin für Physik an der Technischen Universität Wien.

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Es gibt verschiedene Sichtweisen auf die Evolution

Es gibt mehrere Arten, wie man sich die Entstehung von Neuem in der Natur vorstellen kann. Die erste Art kann man das Chnum-Prinzip nennen. Fabian Scheidler erklärt: „Der widderköpfige ägyptische Schöpfergott Chnum wurde an einer Töpferscheibe sitzend dargestellt, wo er Menschen, Götter, Tiere und Pflanzen formte, um sie anschließend mit seinem Zauberstab zum Leben zu erwecken.“ Eine der beiden biblischen Schöpfungsgeschichten ist eine Variante dieses Modells. In Genesis 2,7 heißt es: „Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Staub vom Erdboden und blies in seine Nase den Lebensatem.“ Das Chnum-Prinzip ist eine Metapher, die auf der menschlichen Fähigkeit basiert, Pläne zu fassen und diese dann handwerklich umzusetzen. Dieser Form der menschlichen Kreativität ist eine menschliche Grunderfahrung. Der Publizist Fabian Scheidler schreibt seit vielen Jahren über globale Gerechtigkeit.

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Menschen sind unersättlich neugierig

Nichts beschäftigt den Menschen – seit grauer Vorzeit und bis in die Gegenwart – mehr als Fragen der zwischenmenschlichen Interaktion und Kommunikation. Matthias Glaubrecht erläutert: „Von den ersten schriftlichen Dokumenten und antiken Dossiers über die Briefkorrespondenz, von den Anfängen der Erzählung über Romane bis zum Smartphone dominiert das soziale Mit- und oft genug Gegeneinander unsere menschliche Kultur.“ Immer ging und geht es um die Frage: Wer macht was mit wem? Die Menschheit ist eine unersättlich neugierige Spezies, sofern es dabei um die eigene Person geht und um Menschen, die man kennt oder gerne kennenlernen würde. Menschen sind ewige Smartphoner und waren es bereits, lange bevor sie dazu die neuesten technischen und medialen Möglichkeiten entwickelt hatten. Matthias Glaubrecht ist Evolutionsbiologe, Systematiker und Wissenschaftshistoriker.

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Der Mensch gewinnt die Herrschaft über die Natur

Paul Kirchhof stellt fest: „Was der Mensch aus eigener Kraft nicht kann, gelingt ihm durch die Herrschaft über die Natur.“ Er gewinnt sie, indem er die Gesetzmäßigkeiten der Natur für seine Ziele einsetzt. Er beherrscht auch andere Menschen, die Gesetzmäßigkeiten der Natur für ihre Zwecke nutzen wollen. Diese werden nun durch Gegenkräfte gehemmt. Je mehr der Mensch seine Fähigkeiten und Kenntnisse erweitert, desto mehr stimmt er sich mit anderen Menschen ab, die auf andere Weise die Natur beherrschen. Die Geschichte der Freiheit beginnt mit dem Kampf gegen die Naturgewalten. Aus diesen löst sich der Mensch nach und nach. Er gewinnt Herrschaft über Teile der Natur. Dr. jur. Paul Kirchhof ist Seniorprofessor distinctus für Staats- und Steuerrecht an der Universität Heidelberg.

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Jeder Mensch hat seinen Preis

In der Lebenswelt hat alles seinen Preis, nicht nur die natürlichen Ressourcen und die Dinge, sondern auch die Menschen. Annemarie Pieper erklärt: „Zwar läuft niemand mit einem angehefteten Preisetikett durch die Gegend, aber wir taxieren andere automatisch: anhand ihres Aussehens, ihrer Kleidung, der Art, wie sie sich bewegen, sprechen, sich verhalten.“ In lange zurückliegenden Zeiten mag die blitzschnelle Einschätzung, insbesondere von Fremden, überlebenswichtig gewesen sein: Freund oder Feind? Besser, man bemächtigt sich seines Skalps als Trophäe für die eigene Überlegenheit, als die Konfrontation mit dem Leben zu bezahlen. Die heutigen Kopfjäger hingegen, die sogenannten Headhunter, bemessen den Wert einer Person an den Spitzengehältern, die der freie Markt für die Fähigkeiten ihres Kopfes zu zahlen bereit ist. Prof. Dr. Annemarie Pieper lehrte von 1981 bis 2004 Philosophie an der Universität Basel.

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Manche Menschen sprechen mit Pflanzen

Für Menschen, die mit Pflanzen sprechen, wie Prinz Charles es angeblich tut, muss man eine besondere Schwäche haben. Man muss anerkennen, dass Gespräche mit Pflanzen nicht nur die Anerkennung wertvoller Formen nichtmenschlichen Lebens bedeuten. Sondern man muss auch den Respekt für die Idee würdigen, dass gute Pflege, ob tatsächlich oder poetisch in Form freundlicher Worte, für das Leben nichtmenschlicher Lebewesen etwas bedeutet. Das ist ein wahrhaft liebenswürdiger Gedanke. Antonio Damasio hat keine Ahnung, ob Prinz Charles wirklich etwas über Botanik im Besonderen oder über Biologie im Allgemeinen weiß. Aber es gibt für ihn viele Gründe, Pflanzen zu respektieren und zu lieben. Antonio Damasio ist Dornsife Professor für Neurologie, Psychologie und Philosophie und Direktor des Brain and Creativity Institute an der University of Southern California.

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Das erste Leben entsteht tief im Ozean

Am Anfang war das Nichts. Kein Leben. Vor rund 4,5 Milliarden Jahren tobten ununterbrochen Feuerstürme und den Globus. Vulkane speien Asche und Lava in die Luft, alles kocht und brodelt und brennt. Würde man die Lebensgeschichte der Erde in einem Tag erzählen, von Mitternacht bis Mitternacht, ginge das bis vier Uhr morgens. Dirk Steffens und Fritz Habekuss stellen fest: „Dann entsteht das erste Leben, die tief im Ozean an Schloten leben, aus denen heißes Wasser schießt, in dem einfache Moleküle herumtreiben.“ Dann passiert nichts mehr. Sehr lange nicht. In ihrem Buch „Über Leben“ erzählen der Moderator der Dokumentationsreihe „Terra X“ Dirk Steffens und Fritz Habekuss, der als Redakteur bei der „ZEIT“ arbeitet, von der Vielfalt der Natur und der Schönheit der Erde.

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Ein Zyklus steuert den Aufstieg und Fall von Weltreichen

Die Menschheit erlebt derzeit eine archetypische gewaltige Veränderung des relativen Wohlstands- und Machtgefüges sowie der gesamten Weltordnung. Dies wird sich auf allen Ländern grundlegend auswirken. Es gibt einen archetypischen großen Zyklus, der den Aufstieg und Fall von Weltreichen steuert. Die wichtigsten Zyklen der langfristige Kredit- und Kapitalmarktzyklus sowie der innen- und der außenpolitische Zyklus von Ordnung und Chaos. Ray Dalio erläutert: „Diese Zyklen lösen Pendelbewegungen zwischen den beiden Extremen aus – zwischen Frieden und Krieg, Hochkonjunktur und Rezession, der Machtergreifung der Linken und der Rechten, der Entstehung und Auflösung von Weltreichen und mehr.“ Diese Pendelbewegungen treten in der Regel auf, weil die Menschen bis zum Äußersten gehen und die Situation aus dem Gleichgewicht bringen. Ray Dalio ist Gründer von Bridgewater Associates, dem weltgrößten Hedgefonds. Er gehört mit zu den einflussreichsten Menschen der Welt.

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Die Kultur bringt die Emanzipation hervor

Es ist, alles in allem, die Kultur, die dem Menschen die Chancen eröffnet, sich durch eigene Anstrengung von vorgegebenen Konditionen zu emanzipieren. Volker Gerhardt erklärt: „In der Regel ermöglicht man das auf diese Weise Erreichte durch Konventionen, durch sprachliche Variation oder durch das Recht, auf alternative Weise zu leben.“ Die unzähligen neuen Techniken, die der Mensch im Lauf seiner viertausendjährigen Entwicklung auf den Weg gebracht hat, sind auch Gegenstand seiner institutionellen Einordnung geworden. Im Gang der kulturellen Entwicklung ist es dabei immer wieder zu mehr oder weniger tiefgreifenden Einteilung der Menschen nach Ständen, Kasten oder Klassen gekommen. Dominierende Eroberer, Gottkönige und ihre Adlaten haben Menschen unterworfen, ausgebeutet und nicht selten wie bloße Waren behandelt. Volker Gerhardt war bis zu seiner Emeritierung 2014 Professor für Philosophie an der Humboldt-Universität in Berlin.

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Die Psyche und das Gehirn sind eng verbunden

Wenn man über die Psyche spricht, spricht man auch über das Gehirn. Genauer: über das gesamte Nervensystem. Franca Cerutti weiß: „Die Trennung zwischen Psyche und Körper und die Vorstellung, als sei die Psyche etwas, was den Körper „bewohnt“, ist schlicht und einfach falsch. Wir haben keinen Körper, wir sind ein Körper.“ Menschen sind Chemie und Strom, sie sind Botenstoffe und Hormone. Gleichzeitig sind sie, wie Aristoteles schon sagte, als Ganzes mehr als die Summe ihrer Teile. Menschen sind die Magie, die sich aus dem gesamten komplexen, verzahnten Geschehen ergibt. Und wie könnte dieses ganze System stets und ständig bei jedem „normal“ laufen? Das menschliche Gehirn ist wohl das komplizierteste Organ, das sich im Laufe der Evolution entwickelt hat. Franca Cerutti ist Psychotherapeutin mit eigener Praxis und Podcasterin.

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Das Gehirn besitzt 86 Milliarden Nervenzellen

Es mag naheliegen, die Vergrößerung seines Gehirns mit er Lebensweise des Menschen und seinen besonderen Fertigkeiten und Fähigkeiten zu verknüpfen. Und so ist auch vielfach ein Zusammenhang insbesondere mit der Ernährung, mit der Handfertigkeit, mit Werkzeuggebrauch, Sprache, Kultur und Kunst vermutet worden. Matthias Glaubrecht betont: „Und doch ist bislang nicht überzeugend geklärt, was wirklich das Gehirn zu einem solch besonderen Organ beim Menschen gemacht hat.“ Zugleich gehört es zweifelsohne zu den erstaunlichsten Paradoxien in der Natur, dass ausgerechnet Menschen als an sich anderweitig unspezialisierte Generalisten ein sehr spezielles Organ spazieren tragen. Da es in energetischer Hinsicht alles andere als verbrauchsneutral kam, muss das menschliche Gehirn einen hohen Auslesewert gehabt haben. Immerhin dienen in ihm heute 86 Milliarden Nervenzellen der Weiterleitung und Verarbeitung von Reizen. Matthias Glaubrecht ist Evolutionsbiologe, Systematiker und Wissenschaftshistoriker.

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Die Entstehung des Lebens ist immer noch ungeklärt

Die Geschichte des Lebens war keine gleichmäßige Entwicklung. Sondern sie war charakterisiert durch lange Phasen, oft über Hunderte von Millionen Jahren, in denen wenig Neues geschah. Plötzlich entstanden dann durch „Sprünge“ in verhältnismäßig kurzer Zeit vollkommen neue Organisationsformen. Der Evolutionsbiologe Stephen Jay Gould und der Paläontologe Niles Eldredge sprachen angesichts dieser stark schwankenden Geschwindigkeiten auch von einem „punktierten Gleichgewicht“. Fabian Scheidler weiß: „Evolutionäre Sprünge zeichnen sich oft dadurch aus, dass zuvor getrennte Elemente zu neuen integrierten Einheiten verbunden werden, die vollkommen neue Eigenschaften aufweisen.“ Diese neuen Eigenschaften lassen sich nicht aus dem Verhalten der einzelnen Teile ableiten oder auf sie reduzieren. Sie tauchen erst auf der höheren Integrationsebene auf. Der Publizist Fabian Scheidler schreibt seit vielen Jahren über globale Gerechtigkeit.

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Nervensysteme schufen Bewusstsein und Geist

Nervensysteme erschienen in der Geschichte des Lebendigen erst spät auf der Bühne. Antonio Damasio erklärt: „Sie waren nichts Primäres, sondern tauchten auf, um dem Leben zu dienen, um Leben auch dann noch möglich zu machen, als die Komplexität der Lebewesen ein hohes Maß an Funktionskoordination erforderte.“ Und ja, Nervensysteme trugen dazu bei, bemerkenswerte Phänomene und Funktionen zu erzeugen, die es vor ihrer Entstehung nicht gab. Dabei handelt es sich um Dinge wie Gefühle, Geist, Bewusstsein, explizites Überlegen, eine verbale Sprache und Mathematik. Die neuronalen Neuerungen bewirkten, dass sich die Regulation der Homöostase optimierte und das Leben mit größerer Sicherheit aufrechterhalten werden konnte. Antonio Damasio ist Dornsife Professor für Neurologie, Psychologie und Philosophie und Direktor des Brain and Creativity Institute an der University of Southern California.

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Die Evolution des Menschen beginnt vor rund fünf Millionen Jahren

Die Evolutionsgeschichte der ersten „Hominini“ ist die Geschichte der frühesten protomenschlichen Vorläufer nach der Abspaltung von dem Vorfahren, den die Menschen der Gegenwart mit den anderen heute noch lebenden Menschenaffen teilen. Hanno Sauer erläutert: „Diese kritische erste Phase unserer Evolution lässt sich ungefähr auf die Zeit vor fünf Millionen Jahren eingrenzen.“ Die erhaltenen Fossilien finden sich hauptsächlich im östlichen Afrika, Äthiopien, Kenia und Tansania. Die zweite Hauptkonfrontation von Fossilienfunden liegt in Südafrika. Heute sind die versteinerten Überbleibsel in paläoanthropologischen Forschungsinstituten auf der ganzen Welt zerstreut. Die Geschichte der Menschwerdung, die diese Funde erzählen, ist vorläufig. Sie bleibt in der „Geiselhaft empirischer Daten“ und droht jederzeit durch neue Entdeckungen revidiert, korrigiert oder überholt zu werden. Hanno Sauer ist Associate Professor of Philosophy und lehrt Ethik an der Universität Utrecht in den Niederlanden.

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Die Aufklärung hat seit jeher Feinde

Der mit der Aufklärung verbundene Fortschritt hatte seit jeher Feinde. Dazu gehören heue auch religiöse Konservative. Ihnen missfallen Ideen wie die Evolution und einigen sind die Toleranz und der Liberalismus ein Dorn im Auge. Hinzu kommen Menschen, deren wirtschaftliche Interessen im Widerspruch zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen stehen. Joseph Stiglitz nennt als Beispiel die Eigentümer von Bergbauunternehmen und ihre Arbeiter. Da sie in erheblichem Umfang zur globalen Erwärmung und zum Klimawandel beitragen, müssen sie damit rechnen, dass man ihren Betrieb schließt. Um die politische Macht zu erlangen, bedurfte es der Unterstützung der Wirtschaft insgesamt, die als Gegenleistung Deregulierung und Steuersenkungen verlangte. Joseph Stiglitz war Professor für Volkswirtschaft in Yale, Princeton, Oxford und Stanford. Er wurde 2001 mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet.

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