Work-Life-Fit nennt sich das Modell, nach dem viele Angehörige der Generation Y streben: Freizeit, Privates und Arbeit sollten sich wie ein Puzzle ineinanderfügen. Rüdiger Maas weiß: „Dies wussten viele Arbeitgeber schnell für sich zu nutzen: Mach ein Praktikum bei uns, such deinen Sinn und arbeite gleich bis zehn Uhr abends. Und dann lass uns noch gemeinsam ein Feierabendbier trinken.“ Latte Macchiato mit laktosefreier Biomilch wird tagsüber gestellt, dafür soll man seine E-Mail bitte auch nach Dienstschluss checken, falls einen solchen überhaupt gibt. Gehalt bekommt man dann nach dem Praktikum, falls man übernommen werden sollte. Die Generation Y mischte am Ende Arbeit und Freizeit so intensiv, dass aus Work-Life-Balance schließlich ein Work-Life-Blending wurde. Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer und Leiter eines Instituts für Generationenforschung.
Generation Z
Angst und Depressionen nehmen bei Jugendlichen stark zu
Jonathan Haidt stellt fest: „Der Anstieg von Angst und Depressionen bei Heranwachsenden lässt sich auf kein wirtschaftliches Ereignis und keinen politischen Trend zurückführen, das oder mir bekannt wäre. Zudem ist kaum einzusehen, warum eine Wirtschaftskrise Mädchen stärker treffen sollte als Jungen und Mädchen unter dreizehn stärker als irgendjemanden sonst.“ Eine andere oft gehörte Erklärung ist, die Generation Z sei deshalb so ängstlich und depressiv, weil sie sich wegen des Klimawandels sorgen, der ihr Leben stärker beeinflussen wird als das der älteren Generationen. Jonathan Haidt bestreitet nicht, dass sie sich zu Recht sorgen, doch er möchte darauf hinweisen, dass die einer Nation oder einer Generation drohenden Gefahren historisch gesehen nicht zu einer Zunahme psychischer Erkrankungen führen. Jonathan Haidt ist Professor für Sozialpsychologie an der New York University. Seine Forschungsschwerpunkte sind die psychischen Grundlagen von Moral, moralische Emotionen und Moralvorstellungen in verschiedenen Kulturen.
Ab Mitte der 1960er-Jahre entstanden No-Future-Bewegungen
Die ab Mitte der 1960er- bis Mitte der 1970er-Jahre Geborenen erlebten in ihrer Jugend unter anderem das Reaktorunglück von Tschernobyl, den Kalten Krieg und sein Ende, den Fall der Berliner Mauer. Rüdiger Maas erklärt: „Es entstand eine Generation, die das Weltuntergangsszenario rund um den berühmten Roten Kopf zelebrieren musste, den entweder die USA oder Russland beziehungsweise die UdSSR betätigen und damit einen Atomkrieg beginnen könnten.“ Ein Kopfdruck, und die Erde ist Geschichte. Die Vorstellung prägte viele Filme und die Popkultur. No-Future-Bewegungen entstanden. Die Antwort auf die Neue Deutsche Welle folgten die Dunkle Welle, später auch Gothic genannt. Auf die Hippies folgten die Punks, auf Pop der Schlager und Heavy Metal, später Grunge, Westcoast-Punk, Rap und Hip-Hop. Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer und Leiter eines Instituts für Generationenforschung.
Vorurteile über die Jugend sind so alt wie die Menschheit selbst
Marketingexperten übernahmen eine etwa einhundert Jahre alte Idee eines Generationenbegriffes, der auf den Soziologen und Philosophen Karl Mannheim zurückkehrt. Rüdiger Maas erklärt: „Mannheim schrieb 1928 einen Essay über die Einteilung der Generationen. Er entwarf die Theorie, dass Geburtenjahrgänge einen Einfluss haben könnten, wie Menschen ihre Kindheit und Jugend verbringen.“ Karl Mannheim hatte damals die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten vor allem um die Zeit vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg vor Augen. Er dachte dabei jedoch nur an Männer, Frauen spielten in seiner Betrachtungsweise keine Rolle. Damit war Karl Mannheim damals nicht der Einzige in der Wissenschaft. In der Medienlandschaft wird das Konstrukt von Mannheim ohne wirkliches Verständnis nun auf Menschengruppen angewendet. Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer eines Instituts für Generationenforschung. Zuletzt erschien sein Bestseller „Generation lebensunfähig“.
Der Begriff Generation Z beschreibt für 90 % der Deutschen etwas Negatives
Rüdiger Maas schreibt: „In den Talkshows und Leitmedien kann das Narrativ über die verlorene Jugend so gut bedient werden, weil wir einen Begriff für sie gefunden haben: „Gen Z“. Der Begriff beschreibt für 90 Prozent der Deutschen etwas Negatives.“ Man muss also gar nicht „schlechte Gen Z“ sagen, da schlecht bereits in der Bezeichnung Gen Z angelegt ist. Hat man einen negativen Begriff, mit alle etwas Negatives verbinden, wird es leichter mit negativen Zuschreibungen, und sie werden weniger hinterfragt. Denn Menschen verhalten sich entsprechend den Bedeutungen, die sie für sie haben: Ein Kind, das von einer kratzbürstigen Katze eine mitbekommen hat, verbindet mit der Katze „Gefahr“, während ein anderes Kind, das Katzen gerne streichelt, die Katze als ungefährlich einstuft. Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer eines Instituts für Generationenforschung. Zuletzt erschien sein Bestseller „Generation lebensunfähig“.
Menschen können Erinnerungslücken schließen
Menschen erfinden sich täglich neu, indem sie – oft unabsichtlich – dann Personen, Dinge, Ereignisse oder Handlungen hinzu- oder wegnehmen, um Erinnerungslücken zu schließen. Rüdiger Maas ergänzt: „Um am Ende eine logische Geschichte von uns selbst zu erhalten. Oft sind wir und dann relativ sicher und meinen, es hätte all dies wirklich gegeben.“ Besonders intensiv sind die Erinnerungen an die Zeit zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr, also genau an das Alter, in dem die Generation Z beziehungsweise unsere jungen Nachwuchskräfte in die Arbeitswelt eintreten oder studieren. Diese Zeit wird Reminiscere Bump, zu Deutsch Erinnerungshügel, genannt. Der Hügel ermöglicht kognitiv-emotionales Wiedererleben persönlicher Ereignisse, die in dieser Zeitspanne stattgefunden haben. Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer eines Instituts für Generationenforschung. Zuletzt erschien sein Bestseller „Generation lebensunfähig“.
Die Generation Z wird die Gesellschaft verändern
Das Institut für Generationenforschung, das Rüdiger Maas gegründet hat, untersucht seit vielen Jahren die Generation Z mit Fokus auf den Arbeitsmarkt. In seinem neuen Buch „Generation arbeitsunfähig“ beantwortet Rudiger Maas unter anderem folgende Fragen: „Was ist dran an dem Gefühl, dass die heutige Jugendgeneration anders tickt? und „Wie sollten wir ihr begegnen?“ In seinem Buch nimmt er seine Leser mit auf eine Spurensuche. Anhand einiger Protagonisten erfährt man, warum die heutigen Nachwuchskräfte so sind, wie sie sind, wie viele von uns sie wahrnehmen. Aber auch, inwieweit wir sie in der Regel richtig und wo falsch wahrnehmen und wie all das unsere Gesellschaft verändern wird. Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer eines Instituts für Generationenforschung. Zuletzt erschien sein Bestseller „Generation lebensunfähig“.
Die Generation Angst hat kein Enddatum
Das neue Buch „Generation Angst“ von Jonathan Haidt erzählt die Geschichte der Generation, die nach 1995 geboren wurde, allgemein als Generation Z bezeichnet. Dabei handelt es sich um jene Generation, die auf die sogenannten Millennials – geboren 1981 bis 1995 – folgte. Jonathan Haidt glaubt nicht, dass die Generation Z – die ängstliche Generation – ein Enddatum hat. Sie endet nur dann, wenn die Erwachsenen die Bedingungen für eine Kindheit verändern, die junge Menschen so ängstlich macht. Jonathan Haidt schreibt: „Generation Z wurde die erste Generation in der Geschichte, die ihre Pubertät mit einem Portal in der Tasche durchlebte, das sie fort von den Menschen um sie herum in ein alternatives Universum rief, das aufregend, suchterzeugend, instabil und – wie ich zeigen werde – für Kinder und Heranwachsende ungeeignet war.“ Jonathan Haidt ist Professor für Sozialpsychologie an der New York University. Seine Forschungsschwerpunkte sind die psychischen Grundlagen von Moral, moralische Emotionen und Moralvorstellungen in verschiedenen Kulturen.