Ein sinnvolles Leben besteht nicht nur aus Nützlichkeit und Erfolg

Das Titelthema des neuen Philosophie Magazin 05/2025 lautet: „Was ist der Sinn meines Lebens?“ Chefredakteurin Svenja Flaßpöhler schreibt: „Wer sich diese Frage stellt, tritt gleichsam aus sich heraus, betrachtet das eigene Dasein von außen. Was genau mache ich hier eigentlich? Wozu das alles?“ Solche Zweifel zuzulassen ist der erste Schritt. Der Sinn meines Lebens erschöpft sich weder darin, Ansprüche zu erfüllen, noch bedeutet „Sinn“, dass ich jede Sekunde des Tages etwas Sinnvolles tun sollte. Sein Leben als sinnvoll zu erfahren, ist geknüpft an die Erfahrung von Sinnlichkeit. Der Soziologe Hartmut Rosa hat für diese Sinnlichkeit den Begriff der Resonanz gefunden: Die Welt steht mir nicht mehr stumm und abweisend gegenüber, sondern ich unterhalten eine Beziehung zu ihr. Mein Tun- und Nicht-Tun bringt mich im Inneren zum Schwingen.

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Die Ästhetik konkurriert mit der Philosophie

Was heißt es, ein Mensch zu sein? Und insbesondere was heißt es in der heutigen Zeit ein Mensch zu sein? Das sind Fragestellungen, die typisch für Philosophen sind. Aber die Philosophie hat in ihrem Versuch, die großen Fragen nach dem Menschen und seinem in der Welt sein zu beantworten, durchaus auch Konkurrenz. Lambert Wiesing stellt fest: „Der zweifellos bekannteste Mitbewerber ist die Religion.“ Man sollte seiner Meinung allerdings folgendes nicht übersehen. Nämlich dass es noch einen weiteren wichtigen Mitbewerber für die Zuständigkeit für die großen Fragen gibt. Denn es ist keineswegs so, dass sich nur die Philosophie und die Religion mit der Frage nach der „conditio humana“ befassen. Prof. Dr. Lambert Wiesing lehrt an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena Bildtheorie und Phänomenologie. Außerdem ist er geschäftsführender Direktor des Instituts für Philosophie.

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Das Zeitalter des Narzissmus ist ausgebrochen

Eine gewisse Form von Ich-Bezogenheit kann überhaupt erst entstehen, wenn ein Mensch ein Bild von sich sieht, ein Spiegelbild, ein Porträt oder ein Foto. Konrad Paul Liessmann erläutert: „Denn nur dann sehe ich etwas, was ich ansonsten nicht sehen kann: mich. Das „Mich der Wahrnehmung“, wie es der Philosoph Lambert Wiesing genannt hat, ist mir immer nur als Bild zugänglich.“ Ohne dieses sieht ein Mensch nur Teile seines Körpers – nie den Rücken, nie das Gesicht – und dass man sich in den Reaktionen und Verhaltensweisen anderer spiegeln kann, ist eine Metapher, die die Erfahrung des Selbst im Bild schon voraussetzt. Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann ist Professor für Methoden der Vermittlung von Philosophie und Ethik an der Universität Wien und wissenschaftlicher Leiter des Philosophicum Lech.

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Luxus geht über das Notwendige hinaus

Als Luxus bezeichnet man – und das scheint unstrittig wie sinnvoll zu sein – „jeden Aufwand, der über das Notwendige hinausgeht“. Dies ist die klassische Definition, die der Soziologe Werner Sombart in seinem berühmten Buch „Luxus und Kapitalismus“ von 1913 gegeben hat. Lambert Wiesing ergänzt: „Luxusgüter sind demnach die Dinge und Lebensweisen, mit denen die Vorstellungen vom Notwendigen, vom Sinnvollen, vom Normalen und Angemessenen gesprengt werden.“ Die Kontexte und die Situationen mögen sich ändern; was einmal Luxus war, muss nicht immer Luxus bleiben. Doch in jedem Fall gilt: Wenn etwas in einer Situation Luxus ist, dann deshalb, weil dieses Etwas mit einem übertriebenen, verschwenderischen, irrationalen und überflüssigen Aufwand verbunden ist. Prof. Dr. Lambert Wiesing ist lehrt an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena Bildtheorie und Phänomenologie und ist geschäftsführender Direktor des Instituts für Philosophie.

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Die Menschen leben heute in einem Zeitalter des Konformismus

Die Gegenwart ist von einem Widerspruch geprägt: Auf der einen Seite gibt es einen zunehmenden Egoismus, gepaart mit dem Gedanken der Selbstverwirklichung. Auf der anderen Seite scheinen sich die Individualität und Einzigartigkeit der Menschen immer mehr aufzulösen. Dabei entwickelt sich die Teamfähigkeit zu einer immer bedeutenderen Kompetenz. Und wer nicht gut vernetzt ist, wird schnell als Außenseiter abgestempelt. Das 17. Philosophicum Lech beschäftigte sich unter anderem mit der Frage, wie sich Menschen in dieser widersprüchlichen Welt erleben und wie sie sich auf ihr Ich auswirkt. Daneben wurden auf folgende Fragen Antworten gesucht: Wie gestalten sich Beziehungen in virtuellen Netzen, was bedeutet es, wenn die virtuellen Netze enger, die realen sozialen Netze aber immer durchlässiger werden? Diesen Entwicklungen, ihren Vorgeschichten und Konsequenzen sind Soziologen, Philosophen sowie Kultur- und Naturwissenschaftler im Wintersportort Lech am Arlberg nachgegangen.

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