Freundschaft fördert den Glauben an die Menschheit

In einer Freundschaft finden sich gemäß Siegfried Kracauer immer nur Menschen von ähnlicher typischer Veranlagung zusammen. Er schreibt: „Indem sie sich gegenseitig aufnehmen, verdoppeln sie sch in allem, worin sie gleich sind.“ Ein Ich wird durch das andere gestärkt, und weil es seine Eigenheiten und Schwächen und manches Heimliches bei seinem Freund in liebender Obhut weiß, kann es auf dem ihm vorgegebenen Weg vertrauensvoll weitergehen. Nur der Einsame schwankt unsicher wie ein Fähnchen im Wind oder erschöpft sich im Kampf um seine Selbstbehauptung. Der Widerhall eines Freundes dagegen stärkt das Selbstwertgefühl. Der Schriftsteller Siegfried Kracauer ist davon überzeugt, dass Freundschaft menschengläubig macht wie alle wahrhafte Liebe.

Die Freundschaft schenkt den Menschen ungeahnte Schätze

Immer bleibt sie eine Stätte der Zuflucht, wenn ein Unglück über einen Menschen hereinbricht und keiner mehr zu ihm hält. Siegfried Kracauer erklärt: „An dem Freund kann und muss er sich wieder aufrichten, über ihn weg auch stets von neuem an die Menschen glauben lernen.“ Solange sich sein Wesen an seinem Freund wieder aufrichten darf, hat die letzte Bitterkeit, die zur völligen Abstumpfung führt, keine Macht über ihn.

Für Siegfried Krakauer steht fest, dass die Freundschaft die Seele erweitert. Das gemeinsame Betreten des Reiches der Freundschaft, in dem sich der eigene Typ offenbaren darf, schenkt den Menschen Schätze, die sie allein nur schwerlich hätten erlangen können. Siegfried Kracauer schreibt: „Ihr Denken und ihre Phantasie durchdringen sich schließlich derart, dass niemand mehr weiß, was ihm und was dem Freund gehört.“ Ihre Gemeinschaft erzeugt oft Gedanken und Taten, die den weiteren Lebensweg der Freunde prägen können.

Das Scheitern einer Freundschaft

Von Freunden strömen Anregungen und Ermutigungen zu. Das Dasein schwillt laut Siegfried Kracauer über das Ich hinaus und jeder lebt zwei Seelen. Zum eigenen Gewissen tritt noch das Gewissen des Freundes hinzu. Friedrich Kracauer schwärmt: „Die Freunde erziehen sich in Hinsicht auf das vereint erkannte Gute, das, in weihevollen Stunden gewusst oder geahnt, selbstständig und losgelöst nun immerdar vor ihrer Seele schwebt. Diesem Höhepunkt ihrer Gemeinschaft müssen sie sich würdig erweisen, wenn sie voreinander bestehen wollen.“

Oft scheitern die Vereinigung zweier Freundesseelen gemäß Siegfried Kracauer an gewissen schlechten Eigenschaften des Charakters wie Misstrauen, Hochmut oder Unverträglichkeit. Auch verschiedene Gewohnheiten, wenn zwei Menschen beispielsweise aus verschiedenen Gesellschaftsschichten stammen, können einer Freundschaft im Weg stehen. Selbst geringe Äußerlichkeiten, dem einen anhaftend, vom anderen als störend empfunden, bauen sich gerne als schwer zu überwindende Hindernisse zwischen zwei Menschen auf, die nach ihrer Wesensart wohl in enger Freundschaft verbunden sein könnten.

Von Hans Klumbies

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