Ai Weiwei: "Alle Menschen müssen Philosophen werden"

Ai Weiwei, einer der bekanntesten chinesischen Künstler, kommt zu der Schlussfolgerung, dass die absolute Freiheit, wie sie Amerika propagiert hat, der menschlichen Entwicklung schadet. Denn absolute Freiheit ist nicht nachhaltig. Nachhaltigkeit hingegen ist eine sehr praktische Idee, weil ohne sie nichts mehr Fortbestand haben wird. Sie ist heute der Maßstab aller Dinge. Ai Weiwei stellt sich die Frage, wie die Menschheit den amerikanischen Eroberungsdrang, der sie bislang so ungeheuer fasziniert hat, abschütteln und in Frieden mit dem Universum leben kann.

Ai Weiwei: „Die Freiheit an sich schadet der Menschheit nicht“

Es ist nicht die Freiheit an sich, die der Menschheit schadet. Es ist laut Weiwei die Ideologie der Freiheit. In Amerika dient die Freiheit als eine Art Superideologie, die alles rechtfertigt. Daher ist es kein Wunder, dass sie zum System erstarrt ist. Das Böse der Menschen tritt aber immer dann in Erscheinung, wenn sie sich einer abstrakten Superideologie hingeben.

Dass sich auch Freiheitswerte zu einem solchen ideologischen Missbrauch eignen, ist die wichtigste Erkenntnis der Gegenwart. Denn jetzt ist das amerikanische System auf selbstmörderische Art und Weise zusammengebrochen.

China hat nichts aus den Fehlern des Westens gelernt

Ai Weiwei vertritt die These, dass die Weltwirtschaftskrise andauern muss, nicht damit unsere Lebensgrundlagen weiter zerstört werden, aber damit die alten Strukturen irreparablen Schaden erleiden und etwas Bedeutungsvolles, Neues entstehen kann. Das Supermonster der absoluten Freiheit besiegen würde heißen, dass die Menschen persönliche Freiheitswerte wiederentdecken, die nicht dem Materialismus, Geld und Zahlen frönen, sondern ehrlichen Beziehungen zu Natur, Nachbarn und Frieden verpflichtet sind. In der großen Krise liegt auch die Chance für große Veränderungen.

Ai Weiwei glaubt nicht daran, das China von den Fehlern des Westens lernen und bestimmte, besonders schädliche Entwicklungsstufen überspringen kann. Noch wird in China alles von oben entschieden. Es gibt in China zwar große Veränderungen, aber die politischen Reformen haben noch immer nicht stattgefunden. China bietet deshalb keine Alternative zu Amerika. Es fehlt in dem Land jegliches Bewusstsein dafür, dass die Chinesen mit ihren eigenen Werten und Handlungen der Welt neue Impulse geben könnten. In China gibt es keine demokratische Gesellschaft und deshalb fehlt dort völlig ein weltbürgerliches Bewusstsein und Verantwortungsgefühl. Das gilt für die Elite wie für die Massen.

Die Menschen müssen ihren Eroberungsfeldzug gegen die Natur beenden

Es liegt im chinesischen Charakter, dass dort der Kapitalismus noch schneller ist als anderswo und keine Grenzen kennt. Der Einzelne handelt nicht aus individuellen Motiven, Verantwortungsgefühl oder Leidenschaft. Er passt sich vielmehr dem System und seinem mörderischen Entwicklungstempo an. Dennoch blickt Ai Weiwei nicht ohne Hoffnung in die Zukunft. Denn in der alten chinesischen Philosophie gibt es zahlreiche Motive nachhaltigen Denkens und Handelns. Konfuzianismus und Taoismus sehen den Menschen als Teil der Natur, nicht als ihren Beherrscher. Dem entspricht der ganzheitliche Heilungsansatz in der chinesischen Medizin.

Ai Weiwei ist der Ansicht, dass alle Menschen zu chinesischen Philosophen werden müssen, wenn sie ihren sich Selbst zerstörenden, vom naiven westlichen Fortschrittsdenken inspirierten Eroberungsfeldzug gegen die Natur beenden wollen. Allerdings werden auch im 21. Jahrhundert die neuen Ideen auch aus dem Westen kommen. Er allein verfügt über die freien Denkfabriken, die gesellschaftliche Alternativen produzieren können. Außerdem haben die Chinesen nicht den Willen, die Welt anstelle Amerikas zu beherrschen. Ai Weiwei warnt allerdings davor, dass sich China und der Westen in ihrer jeweils eigenen Verantwortungslosigkeit gegenüber der Entwicklung der Menschheit gegenseitig bestärken.

Kurzbiographie: Ai Weiwei

Ai Weiwei ist der Sohn eines Dissidenten und Chinas bekanntester Künstler. Bei der documenta 12 gestaltete er das Projekt „Fairytale“ mit 1.001 Chinesen, die auf Ais Einladung nach Kassel reisten. Außerdem errichtete er einen Turm aus alten chinesischen Türen und Fenstern, der nach einem Gewittersturm einstürzte.

Als Berater des Schweizer Architekturbüros Herzog & de Meuron beeinflusste der Künstler wesentlich den Bau des Vogelnests, des Pekinger Olympiastadions. An der Eröffnungsfeier nahm er jedoch nicht teil, um sein persönliche Wahlfreiheit zu demonstrieren.

Von Hans Klumbies

Ein Gedanke zu „Ai Weiwei: "Alle Menschen müssen Philosophen werden"

  • 22. Juni 2012 um 08:30
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    Aiweiwei ist voll mit leerem Geschwafel. Er selbst ist groesster Profiteur des chinesischen Materialismus. Er ist vor allem eines nicht: Chinas bekanntester Kuenstler. In China kennt ihn keiner. Er ist ein kuenstliches Produkt und wurde zum Kuenstler gemacht von seinem Schweizer Investor Uli Sigg. Ein Fake, das dem Westen dient China in die Seite zu pieksen. Mehr nicht.

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