Die Tugenden Bescheidenheit und Ehrlichkeit

Der griechische Philosoph Platon zählt zu den Kardialtugenden Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit. Der Scholastiker Thomas von Aquin fügte ihnen noch drei weitere hinzu: die Liebe, den Glauben und die Hoffnung. Diesen sieben fundamentalen Tugenden stehen die so genannten sieben Todsünden gegenüber. Sie heißen Wut, Neid, Hochmut, Geiz, Völlerei, Wollust und Trägheit des Herzens. Zu den Sekundärtugenden zählt die Soziologie folgende Eigenschaften: Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Genauigkeit, Fleiß und Ordentlichkeit. Aus soziologischer Sicht handeln Menschen, die ehrlich, bescheiden, genau, fleißig und ordentlich sind, einigermaßen regelmäßig so, weil es ihnen Freude macht, so zu agieren. Es ist ihnen gelungen, derartiges Handeln zu ihrer zweiten Natur werden zu lassen.

Bescheidene Menschen handeln und denken demokratisch

Bescheidene Menschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht mit ihren Taten prahlen oder mit ihrem Besitz angeben. Der Bescheidene möchte wenig für sich selbst, selbst dann nicht, wenn im mehr zustehen würde. Ein Mensch, der die Bescheidenheit lebt, handelt und denkt demokratisch, da er fest daran glaubt, dass alle Menschen ein Recht darauf haben, in gleicher Art und Weise behandelt zu werden.

Wer die Bescheidenheit pflegt, möchte von seinen Mitmenschen nicht herausgehoben werden und leidet auch kaum an Selbstüberschätzung. Sie würdigen gerne die Leistungen anderer Personen, wenn sie die Wertschätzung verdienen. Doch bescheidene Menschen sehen sich in der heutigen Zeit mancherlei Kritik ausgesetzt. Das geht so weit, die Bescheidenheit als psychopathologische Deformation zu bezeichnen.

Es wird dabei postuliert, dass eine Haltung von Demut und Verzicht, die sich selbst verleugnet, niemals freiwillig sein kann, sondern von außen eingeimpft worden ist. Außerdem wird behauptet, die Bescheidenheit könne sich in einer Leistungsgesellschaft für die berufliche Karriere oder die eigene Selbstverwirklichung nur negativ auswirken.

Ehrlichkeit hat immer etwas mit der Wahrheit zu tun

Wie die Bescheidenheit zählt auch die Ehrlichkeit zu den Sekundärtugenden. Sie bezieht sich in ihrem Ursprung auf etwas, was in der heutigen Zeit etwas verstaubt klingt – die Ehre. Nach einer weit verbreiteten Vorstellung ist also die Ehre die Basis aller Ehrlichkeit. Wer heute das Wort Ehrlichkeit benützt, meint damit vor allem die wahrheitsgemäße Zuverlässigkeit von Verhalten und Aussagen. Ehrlichkeit hat also immer etwas mit der Wahrheit zu tun.

Wenn man die Ehrlichkeit als Norm betrachtet, folgt daraus sogar, dass eine Aussage mit der Wirklichkeit übereinstimmen muss. Es empfiehlt sich allerdings, mit der Wahrheit im alltäglichen Leben sehr besonnen umzugehen. Denn es ist sehr fraglich, ob es die eine Wahrheit gibt. Der Philosoph Jürgen Mittelstraß hat dem Rechnung getragen und den Begriff „Wahrheit des Irrtums“ geprägt.

Von Hans Klumbies

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