Tim Jackson fordert einen nachhaltigen Kapitalismus

Für den britischen Wirtschaftsexperte Tim Jackson stehen allzu blauäugige Annahmen wie die, der Kapitalismus sei effizient genug, um das Klima zu stabilisieren und die Knappheit der Ressourcen zu bewältigen, vor dem Offenbarungseid. Das Streben nach Gewinn führt seiner Meinung nach zur beständigen Suche nach neueren, besseren, billigeren Produkten und Dienstleistungen. Gleichzeitig hält die unendliche Suche nach dem Neuen und nach gesellschaftlichem Ansehen die Menschen im stahlharten Gehäuse des Konsumismus gefangen. Tim Jackson schreibt: „Überfluss ist auf die unaufhörliche Produktion und Reproduktion neuer Dinge angewiesen. Sind wir ständig mit Neuem konfrontiert, löst das Angst aus und schwächt unsere Fähigkeit, langfristige gesellschaftliche Ziele anzustreben.“

Der falsche Weg des Materialismus

Laut Tim Jackson untergräbt der Überfluss das Wohl der Menschen und das ihrer Mitmenschen. Irgendwo verlieren die Menschen aus den Augen, wonach sie in Wirklichkeit suchen – nach dem Wohlstand für alle. Tim Jackson definiert Wohlstand wie folgt: „Jenseits von Nahrung und Obdach besteht Wohlstand in der Fähigkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, Vorstellungen und Ziele mit anderen zu teilen und gemeinsam zu träumen.“ Die Menschen haben sich allerdings daran gewöhnt, dieses Ziel auf materiellem Wege zu erreichen.

Die Grundlage für einen gewandelten Kapitalismus sieht Tim Jackson darin, dass sich die Menschen von dieser Gewohnheit befreien. Es geht für ihn darum, die Menschen in die Lage zu versetzen, tatsächlich weniger materialistisch zu leben. Er schreibt: „Insbesondere gilt es, den Begriff der öffentlichen Güter neu zu beleben. Es müssen ein neuer öffentlicher Raum und neue öffentliche Einrichtungen geschaffen werden. Wir müssen wieder Zeit und Geld in eine Infrastruktur stecken, die wir teilen.“

Die nachhaltige Organisation einer Volkswirtschaft

Für eine neue Form des Wohlstands fordert Tim Jackson nicht mehr und nicht weniger als eine neue Form der Wirtschaft, die sich innerhalb bestimmter Grenzen bewegen muss. Diese Grenzen werden zum Teil durch die Ökologie des Planeten Erde bestimmt, zum Teil durch die Größe der Weltbevölkerung. Tim Jackson erklärt: „Beide Faktoren zusammen bestimmen, wie viele Ressourcen und wie viel Raum uns zur Verfügung stehen.“ Diese Grenzen gilt es für die nachhaltige Organisation einer Volkswirtschaft einzuhalten.

Für die Entwicklung eines nachhaltigen Wirtschaftsmodells sind laut Tim Jackson einige unabdingbare Veränderungen notwendig. Dazu zählt er neuartige ökologische Dienstleistungen, das Umschalten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auf die grüne Schiene sowie die Suche nach ökologisch bedingten Grenzen der Produktion.

Tim Jackson stellt fest: „Grundsätzlich könnte es also sein, dass das neue Wirtschaftsmodell „weniger kapitalistisch“ sein wird. Neue ökologische Investitionen werden voraussichtlich das Gleichgewicht zwischen privaten und öffentlichen Investitionen verändern. Langfristige Investitionen sind für die Nachhaltigkeit unabdingbar, für das private Kapital aber weniger attraktiv.

Von Hans Klumbies

Ein Gedanke zu „Tim Jackson fordert einen nachhaltigen Kapitalismus

  • 15. Mai 2011 um 11:58
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    Die Analyse der heutigen Gesellschaft von Seiten Tim Jackson trifft meiner Meinung nach voll ins Schwarze. Unser Ziel, ob bewusst oder unbewusst, ist es, Reichtum und Status zu erlangen. Doch wofür? Um anzugeben, wie viel wir haben? Um anderen zu zeigen, dass wir alles und die nichts sind? Diese (niederen) Beweggründe sind geradezu erbärmlich und zeigen uns, dass sich der Mensch trotz des 21. Jahrhunderts nicht verändert hat. Dieser Hochmut, der geradezu daraus erwächst, dass wir aus dem Vollen schöpfen können, ist aber auch unser größter Feind. Denn wie Tim Jackson richtig bemerkt, leben wir in Angst. Denn wer viel zu verlieren hat, hat in der Regel mehr Angst als derjenige, der nur wenig zu verlieren hat. Schon paradox, dass das Geld, das uns eigentlich Lebensqualität bringen und die Angst eigentlich bekämpfen sollte, gerade unsere Ängste schürt. Ganz jenseits von kommunistischen Überlegungen ist der Ansatz zur Lösung ebenfalls Wert, verfolgt zu werden. Gemeinsam mehr erreichen! Neid bekämpfen und auch stolz auf den Nachbarn sein. Gemeinsam heißt auch, Lebensqualtität neu zu entdecken. Jemandem Nutzen stiften, kann durchaus auch Nutzen für sich selbst bedeuten, jenseits aller materiellen Dinge. Jeder muss bereit sein, den Gürtel etwas enger zu schnallen und zu teilen. So paradox das auch klingen mag, am Ende werden alle profitieren. Die Angst vor Krieg, Geldentwertung, Hunger und Durst sowie Einsamkeit würden zurückgedrängt. Die Lebensqualität näme zu.

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