Im Oktober 2008 stand die Weltwirtschaft am Abgrund

Im Oktober 2008 befand sich laut Joseph Stiglitz die Wirtschaft der USA im freien Fall und stand kurz davor, einen großen Teil der Weltwirtschaft mit sich in den Abgrund zu reißen. Während alles gleichzeitig unterzugehen schien, gab es seiner Meinung eine einzige gemeinsame Ursache: „Die leichtfertige Kreditvergabe im Finanzsektor, die die Immobilienblase gespeist hatte, die schließlich platzte.“ Solche Blasen und die Auswirkungen ihres Platzens sind für Joseph Stiglitz so alt wie der Kapitalismus und das Kreditgewerbe. Die Vereinigten Staaten von Amerika waren nach der Großen Depression nur deshalb nicht mit solchen Blasen konfrontiert, weil die US-Regierung nach diesem Wirtschaftszusammenbruch strenge Regeln eingeführt hatte. Nachdem in jüngster Vergangenheit die Deregulierung in allen Bereichen vorangetrieben worden war, war es für Joseph Stiglitz nur eine Frage der Zeit, bis sich die Schrecken der Vergangenheit wiederholen würden.

Die Bank Lehman Brothers bricht zusammen

Das Platzen der Immobilienblase und die gleichzeitige Verknappung des Kreditangebots hatten gemäß Joseph Stiglitz unvermeidliche Folgen. Er schreibt: „Die Konjunktur kühlte sich ab. Und in dem Maße, wie die Konjunktur auf Talfahrt ging, nahm der Anteil der Zwangsvollstreckungen zu.“ Es war schon damals abzusehen, dass diejenigen Amerikaner, die jetzt ihre Hypothekendarlehen nicht mehr zurückzahlen konnten, auch bald ihre Kreditkartenverbindlichkeiten nicht mehr bedienen würden können.

Als die Bank Lehman Brothers Pleite ging, löste dies in anderen Sektoren der amerikanischen Wirtschaft Rettungsaktionen im Gesamtvolumen von einigen hundert Milliarden Dollar aus. Joseph Stiglitz erklärt: „Danach ließ sich die Rezession nicht länger ignorieren. Aber die Pleite von Lehman Brothers war die Folge des Zusammenbruchs der Wirtschaft, nicht dessen Ursache; sie beschleunigte einen Prozess, der bereits in vollem Gange war.“

Die US-Regierung unterschätzt die Gefahr einer drohenden Weltwirtschaftskrise

In den ersten neun Monaten des Jahres 2008 gingen in den USA etwa 1,8 Millionen Arbeitsplätze verloren. Zudem hatten 6,1 Millionen Amerikaner nur einen Teilzeitjob. Auch der Dow Jones war seit Januar um 24 Prozent gesunken. Dennoch spielte der amerikanische Präsident George W. Bush selbst noch am 10. Oktober 2008 den Ernst der Lage mit folgenden Worten herunter: „Wir wissen, um was für Probleme es sich handelt, wir haben die Instrumente, die wir brauchen, um sie zu lösen, und wir bemühen uns, dies so schnell wie möglich zu tun.“

In Wirklichkeit setzte die Regierung von George W. Bush laut Joseph Stiglitz nur ein begrenztes Instrumentarium ein, das sie nicht einmal effizient nutzen konnte. Joseph Stiglitz erläutert: „Die Regierung weigerte sich, den Eigenheimbesitzern zu helfen, sie weigerte sich, den Arbeitslosen zu helfen und sie weigerte sich, die Konjunktur durch Standardmaßnahmen anzukurbeln.“ Zu den Standardmaßnahmen zählt Joseph Stiglitz Ausgabenerhöhungen und Steuersenkungen. Stattdessen konzentrierte sich die US-Regierung darauf, den Banken das Geld hinterher zuwerfen. Dennoch gelang es nicht Kreditvergabe wieder zu beleben.

Kurzbiographie: Joseph Stiglitz

Joseph Stiglitz war Professor für Volkswirtschaft unter anderem an den Universitäten von Yale und Oxford, bevor er 1993 zu einem Wirtschaftsberater der Clinton-Regierung wurde. Anschließend ging er als Chefvolkswirt zur Weltbank. Im Jahr 2001 wurde Joseph Stiglitz mit den Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet.

Heute lehrt er an der Columbia University of New York und hat unter anderem die UN-Kommission zur Reform der internationalen Geld- und Finanzmärkte geleitet. Joseph Stiglitz hat mehrere Bücher geschrieben, darunter die Bestseller „Die Schatten der Globalisierung“ (2002), „Die Chancen der Globalisierung“ (2006) und „Im freien Fall“ (2010).

Von Hans Klumbies

 

Ein Gedanke zu „Im Oktober 2008 stand die Weltwirtschaft am Abgrund

  • 10. Oktober 2013 um 17:41
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    Was Frau Ulrike Lehmkuhl da schreibt verbirgt doch etliche Sachen mit denen ich nicht einverstanden bin!
    Es stimmt zwar, dass leider öfters zu schnell die Diagnose ADHS gestellt wird ! ABER !!!
    Wenn sie meint nur Hyperaktivität, Impulsivität und ein Aufmerksamkeitsdefizit wären schon genügend
    liegt sie auch falsch, es sind mindesten 7 Verhaltnugsmerkmale erforderlich !!
    Sowieso ist Aufmerksamkeitsdefizit das falsche Wort, denn ADHS’ler sind zuviel auf alles aufmerksam
    und haben nicht die Möglichkeit Wichtiges von nicht Wichtigem zu trennen !
    Diese Kinder leiden in vielen Bereichen, oder findet Frau Ulrike es schön, wenn sie durch diese Reizüberfluttung die wichtigen Themen in der Schule verpassen.
    Oder wenn ein Junge durch seine Rastlosigkeit, Dauerplauderei , Vergesslichkeit, explosionsartigen Wut ausbrücher , von den Schulen fliegen und durch sein Verhalten fast keine Freune findet ???
    Diese Kinder sowie ihre Eltern leiden stark darunter!
    Da kann man doch nicht einfach sagen ADHS gibt es nicht !!!
    Waere so wie wenn man sagen würde ( Authismus, Phsychosen , Neurosen usw) gäbe es nicht !!!
    Wir sollte mit Liebe und Verständniss zu disen Kinder stehen
    damit auch sie alle Möglichkeiten haben sich in der Geselschaft zu Recht zu finden
    da es meist recht liebe und feine Menschen sind.

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