Schönherr-Mann schätzt den Pragmatismus als Lebenskunst

In seinem Buch „Vom Nutzen der Philosophie“ geht Hans-Martin Schönherr-Mann der Fragestellung anhand von großen philosophischen Themenbereichen nach, was ein Mensch gewinnt, wenn er pragmatisch denkt. Seine Fragen lauten zum Beispiel: Wozu nützen Ethik, für was ist die Ästhetik gut und welche positiven Auswirkungen auf den Einzelnen und die Gesellschaft hat die Sozialphilosophie im Alltag? Ein philosophisch inspirierter Pragmatismus soll laut Hans-Martin Schönherr-Mann zu einer Lebenskunst beitragen, ohne sich dabei in höhere philosophische Gefilde zu verirren. Der Autor schreibt: „Dergleichen droht nämlich, wenn man in der Nachfolge Nietzsches unbedingt aus dem Leben ein Kunstwerk machen möchte. Andererseits soll eine pragmatische Lebenskunst verhindern, in kitschige Banalitäten abzurutschen, indem man einfach schöner leben möchte.“ Prof. Dr. Dr. Hans-Martin Schönherr-Mann ist seit 2003 Professor für Politische Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 

Der Pragmatiker strebt nicht primär nach Wahrheit oder dem richtigen Leben 

Im Allgemeinen berufen sich Pragmatiker nicht auf hehre Ideen, schwierige Theorien oder unabänderliche Grundsätze. Mit dem Wort Pragmatismus bezeichnet sich eine philosophische Strömung, die Ende des 19. Jahrhunderts in den USA entsteht. William James, der eigentliche Begründer des Pragmatismus schreibt im Jahr 1907: „Der Name kommt vom griechischen Wort pragma, das „Handlung“ bedeutet; von demselben Stamme, der unsern Worten „Praxis“ und „praktisch“ zugrunde liegt.“

Im Alltag bedient sich der Pragmatiker weitgehend nur nützlicher Prinzipien. Ob diese richtig, wahr oder falsch sind, ist ihnen relativ egal. Vielmehr kommt es ihnen auf die Wirksamkeit der Prinzipien an und damit auf die Folgen, die sie nach sich ziehen. Daher strebt der Pragmatiker laut Hans-Martin Schönherr-Mann auch nicht in erster Linie nach Wahrheit oder dem richtigen Leben. Das Wahre war für William James, nur dasjenige, was einen Menschen auf dem Wege des Denkens vorwärts bringt, das Richtige nur das, was sein Benehmen verbessert.

Was Pragmatiker unter Psychologie und Bildung verstehen

Im 10. Kapitel „Wozu Psychologie? Um selbst zu bestimmen, wann man krank ist“, erklärt Hans-Martin Schönherr-Mann, dass der Pragmatismus niemanden zwingt, auf die Medizin zu verzichten. Doch er zeigt auch auf, dass die menschliche Identität, unter den Bedingungen der modernen Medizin, sehr stark durch den Körper bestimmt wird. Hans-Martin Schönherr-Mann schreibt: „Die Psychologie, speziell die Lehren Sigmund Freuds können dazu beitragen, dem Gesundheitssystem gegenüber eine gewisse Distanz zu entwickeln, um sich pragmatisch nicht fremdbestimmen zu lassen, sondern ein Stück Autonomie zu gewinnen im Umgang mit sich selbst.“

Ein Kapitel später, in dem der Autor nach dem Nutzen der Bildung fragt, kommt er zu dem Ergebnis, dass sie vor allem lehrt, sich pragmatisch mit dem Gefühl anzufreunden, dass der Mensch heute ohne metaphysische Gewissheiten unter großen, schwer berechenbaren Risiken lebt. Der Autor fügt hinzu: „Bildung vermittelt dann, dass einerseits der Einzelne ungeheuer viel verstehen muss. Andererseits lernt er, dass er am Ende über die Welt nur wenig mit Gewissheit zu sagen weiß.“ Hans-Martin Schönherr-Mann hat ein sehr interessantes Buch geschrieben, in dem er kluge Fragen stellt und ebenso kluge Antworten gibt.

Vom Nutzen der Philosophie
Pragmatismus als Lebenskunst
Hans-Martin Schönherr-Mann
Verlag: Hirzel
Gebundene Ausgabe: 208 Seiten, Auflage: 2012
ISBN: 978-3-7776-2247-7,  19,80 Euro
Von Hans Klumbies

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