Stéphane Hessel fordert Aufbegehren gegen jegliches Unrecht

In seinem Buch „Empörung – meine Bilanz“ erklärt Stéphane Hessel wogegen Menschen sich empören und wofür sie sich engagieren sollen und legt zudem Rechenschaft über sein langes Leben ab. Die Philosophie und die Poesie nennt er als Quellen seiner Kraft und Leidenschaft. Sein Weltbild wurde von Dichtern und Denkern vor allem aus Frankreich und Deutschland geprägt. Der Weltbürger und Literat stellt in seinem Werk seine Ideale und Werte vor, schreibt über Menschen, denen er begegnet ist und die ihn beeindruckt haben, berichtet von Ideen, die ihn beflügelten und von Kämpfen, die er ausgefochten hat sowie von seinen Hoffnungen, die sich in seinem langen Leben noch immer nicht erfüllt haben. Stéphane Hessel, der 1917 in Berlin geboren wurde, ist seit 1939 französischer Staatsbürger. Er arbeitete unter anderem als Vertreter Frankreichs bei den Vereinten Nationen in New York und dort ab 1948 als Sekretär der UN-Menschenrechtskommission.

Das schlimmste Unrecht ist die Missachtung der Menschenwürde

Stéphane Hessel schreibt, er habe gelernt, dass es notwendig und möglich ist, gegen jegliches Unrecht aufzubegehren. Besonders wichtig ist es, für die Würde des Menschen zu kämpfen, denn das schlimmste Unrecht ist die ihre Missachtung. Niemand darf auch als zweitklassig eingestuft werden, was Stéphane Hessel für unerträglich hält. Daher ist es legitim, sich dagegen aufzulehnen. Der Autor ergänzt: „Auflehnung darf sich aber nicht im Neinsagen erschöpfen, bis sie sich in Wut und Zähneknirschen verflüchtigt. Sie muss zu echtem Engagement führen.“

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Für Stéphane Hessel ist es eine Frage des Gewissens, die Missstände zu identifizieren, die Empörung verdienen. Die Gewissenbildung liegt in der Verantwortung jedes einzelnen Menschen. Nein sagen, aufbegehren, sich wehren ist für Stéphane Hessel allerdings nur der erste Schritt. Er nennt den zweiten: „Der zwingend nächste ist ein innerer: der Fortschritt des eigenen Denkens hin zu einem echten, kreativen, inspirierten kollektiven Bewusstsein.“

Die Menschen müssen das Besitzstreben und die Konkurrenzgedanken überwinden

Es genügt allerdings nicht nur gegen ein Unrecht zu kämpfen. Es muss durch etwas ersetzt werden, das besser mit der Würde und Freiheit des Menschen in Einklang steht. Das ist für Stéphane Hessel eine ständig neue Aufgabe. Hier kommt die menschliche Kreativität ins Spiel. Die Menschheit braucht neue Ideen, eine Perspektive, einen Willen, es besser zu machen. Der Autor zitiert Mahatma Gandhi, der gesagt hat: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir für diese Welt wünscht.“

Die multiple Krise der Gegenwart ist einschneidend, brutal und gefährlich. Doch sie bietet der Menschheit auch die Gelegenheit, ein weiter gefasstes Bewusstsein zu entwickeln, das Besitzstreben und Konkurrenz überwinden kann. Stéphane Hessel ist davon überzeugt, dass man möglichst wenig besitzen sollte – nur das Nötigste für die Bedürfnisbefriedigung – und dass man nicht exzellent sein muss, sondern dass es genügt, einfach stark und nützlich für alle zu sein. Stéphane Hessel fügt hinzu: „Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte ist uns der Auftrag gegeben, die Koexistenz mit dem gesamten Rest der Spezies Mensch zu denken und zu leben.“

Empörung – meine Bilanz
Stéphane Hessel
Verlag: Pattloch
Gebundene Ausgabe: 233 Seiten, Auflage: 2012
ISBN: 978-3-629-13009-9,  16,99 Euro
Von Hans Klumbies