Friedrich Nietzsche sucht nach dem Sinn des Lebens

Auch im vielfältigen, sprunghaften und teilweise widersprüchlichen Denken Friedrich Nietzsches lassen sich immer wiederkehrende Motive und dominierende Fragen erkennen. So steht beispielsweise die erste Phase seines philosophischen Denkens, die mit den ersten „Baseler Vorträgen“ beginnt und mit der „Morgenröthe“ endet, unter der Leitfrage nach dem Wert und Sinn der menschlichen Existenz. Im 9. Abschnitt seiner zweiten „Unzeitgemäßen Betrachtungen“ zieht er die metaphysische Reichweite der Frage nach der Welt auf den Punkt einer existentiellen Frage nach dem Sinn des Lebens eines einzelnen Individuums zusammen. Er schreibt: „Wozu die Welt da ist, wozu die Menschheit da ist, soll uns einstweilen gar nicht kümmern, … aber wozu du Einzelner da bist, das frage dich.“

 Es gibt keine allgmein verbindliche Anwort bei Fragen nach dem Sinn

Indem sich Friedrich Nietzsche dem individuellen Ich zuwendet, kann er auf die Frage nach dem Sinn und Wert des Lebens keine allgemeine Antwort geben, sondern nur eine, die auf sein Ich, als auf ihn persönlich bezogen ist. Er schreibt: „Wozu du Einzelner da bist, das frage dich, und wenn es dir Keiner sagen kann, so versuche es nur einmal, den Sinn des Daseins gleichsam a posteriori zu rechtfertigen, dadurch, dass du dir selber einen Zweck, ein Ziel, ein Dazu, vorsetzest, ein hohes und edles Dazu.“

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Friedrich Nietzsche leugnet bei den Fragen nach dem Sinn der Kultur, der Wissenschaft und der Geschichte die üblichen Selbstverständlichkeiten. Er bestreitet, dass es eine allgemein verbindliche Antwort gibt und fordert in allem die Produktivität der einzelnen Persönlichkeit heraus. Das hat zwar heldenhafte Züge, muss aber, weil es nichts in der Welt oder in einer Sache liegendes gibt, das den Aufwand lohnt, zur Zerstörung aller gewohnten Ansichten führen.

Das apollinische und dionysische Prinzip

Seit seiner Schrift „Menschliches, Allzumenschliches“ bekennt sich Friedrich Nietzsche zum Programm einer radikalen Aufklärung, für die er René Descartes und Voltaire als Zeugen benennt. Dabei stellt er allerdings sogar die Aufklärung selbst in Frage, und hält es für denkbar, dass der Verstand und die Vernunft nur Instrumente der Selbsttäuschung des Menschen sind. Sogar in der Wahrheit könnte sich seiner Meinung nach eine Form der Lüge versteckt haben.

Laut Friedrich Nietzsche stammt alle mit einem Sinn verbundene geschichtliche Bewegung aus dem Gegeneinander einer produktiv gestaltenden Macht, die Formen schafft und in sich sinnvolle Einheiten des Erlebens ermöglicht, sowie einer zerstörerischen Gegenmacht, die alles wieder vernichtet. Auf diese Art und Weise versuchte Friedrich Nietzsche die Dynamik der griechischen Kultur zu erklären. Die bildende Kraft nennt der Philosoph „apollinisch“, den lustvollen Trieb der Vernichtung „dionysisch“.

Von Hans Klumbies