Frank Schirrmacher analysiert den Informationskapitalismus

Frank Schirrmacher stellt in seinem Buch „Ego“ die These auf, dass die Ökonomen den Seelenhaushalt des modernen Menschen ohne dessen Wissen okkupiert haben. Sie haben dazu ein Modell entwickelt, das von der Überlegung ausgeht, jeder Mensch würde ausschließlich an sich und seinen eigenen Vorteil denken. Laut Frank Schirrmacher hat eine Ära des Informationskapitalismus begonnen. Dieser will Gedanken lesen, die Menschen kontrollieren und ihnen möglichst viele Waren und Dienstleistungen verkaufen. Der Informationskapitalismus ist unablässig damit beschäftigt, herauszufinden, was Individuen tun, sagen, kaufen und welche Unternehmungen sie als nächste planen. Er ist ein System, das alles immer besser weiß. Frank Schirrmacher fügt hinzu: „Er spricht den Menschen das Recht ab, sich der Umwelt anders darzustellen, als sie sind. Was immer sie tun, es behauptet, dass sie es um des eigenen Vorteils willen tun.“ Frank Schirrmacher ist seit 1994 einer der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Für sein Buch „Das Methusalem-Komplott“ erhielt er die Auszeichnung Journalist des Jahres 2004. Zuletzt erschien im Blessing Verlag im Jahr 2009 sein Buch „Payback“.

Der ökonomische Imperalismus dringt in alle Lebensbereiche vor

Frank Schirrmachers Buch „Ego“ basiert eigentlich nur auf einer einzigen These, die neuerdings wieder verstärkt von einigen Renegaten unter den Ökonomen mit dem Titel „ökonomischer Imperialismus“ diskutiert wird. Frank Schirrmacher erklärt: „Damit ist gemeint, dass die Gedankenmodelle alle anderen Sozialwissenschaften erobert haben und sie beherrschen. In unserer Lebenswelt erleben wir diesen Imperialismus als Ökonomisierung von allem und jedem.“

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Das letzte Update des Informationskapitalismus steht ganz im Zeichen der Machine. Das Gehirn, der Markt und der Staat verwandeln sich alle in Computer und jeder benutzt die gleiche Software. Frank Schirrmacher schreibt: „All das hat für die Gesellschaft eine enorme Plausibilität, weil fast jeder bereits im Inneren der Maschine lebt.“ Außerdem schleust der Informationskapitalismus das Erbgut des synthetischen homo oeconomicus in alle nur denkbaren Systeme ein und gerät immer mehr in Gefahr, endemisch selbsterfüllende Prophezeiungen zu produzieren.

Der Mensch wird in ein Bündel unzähliger Daten zerlegt

Im 29. Kapitel beschreibt Frank Schirrmacher wie die Essenz einer Person gelesen und vermarktet wird: „Die Zerlegung des Menschen macht ihn als Bündel unzähliger Daten, das in der „Ökonomie des Geistes“ keinen Körper und keine Identität mehr hat, zu nichts anderem als einer Aktie, einer Option, einem Future, kalkuliert von Nummer 2 (homo oeconomicus) nach einem Wert, der sich aus unterschiedlichen Auktionen zusammensetzt.“ Codes übersetzen sich wiederholende Muster in diskrete Informationspakete. Sie ermöglichen nicht nur die Analyse der Vergangenheit, sondern auch Voraussagen über die eigene Zukunft.

Für Frank Schirrmacher ist es eine der Grundfragen der menschlichen Zukunft, wozu die Maschinen erzogen werden, ehe sie nicht nur in automatischen Finanzmärkten, sondern auch auf allen anderen Gebieten so erwachsen geworden sind, dass sie den Menschen erziehen. Frank Schirrmacher weist nachdrücklich darauf hin, dass sich der Einzelne vor denen schützen muss, die nicht nur Misstrauen und den Kult des Egoismus beschwören, sondern auch noch einen bizarren Preisetikettenautomaten für die Gedanken im Inneren des Kopfes installieren wollen.

Ego
Das Spiel des Lebens
Frank Schirrmacher
Verlag: Blessing
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten, Auflage 4: 2013
ISBN: 978-3-89667-427-2,  19,99 Euro
Von Hans Klumbies