Rudolf Eucken gibt eine Einführung in die Philosophie

Eine Einführung in die Geheimnisse der Philosophie lässt sich in verschiedenen Wegen unternehmen. Rudolf Eucken sieht seine Aufgabe darin, die geistige Bewegung vorzuführen, die sich in der Philosophie vollzieht und den Lebensstandard erhöht. Die Geschichte gilt ihm dabei als ein Weg, in diese Bewegung mit ihren Problemen einzusteigen. Die Historie selbst soll dabei eine innere Durchleuchtung erfahren und zugleich eine enge Berührung mit der Philosophie gewinnen. Rudolf Eucken erklärt: „Wir gedenken aber den Stoff in zweifacher Weise zu erfassen: sowohl von einzelnen Knotenpunkten her, bei denen sich das Streben konzentriert, als auch von den Hauptabschnitten der Geschichte her, in  welche sich die Gesamtgeschichte gliedert.“ Für seine Schriften zur Philosophie der idealen Weltanschauung erhält Rudolf Eucken im Jahr 1908 den Nobelpreis für Literatur.

Die fünf Problemkreise der Philosophie

Bei seiner Einführung in die Philosophie beschäftigt sich Rudolf Eucken mit fünf Problemkreisen. Erstens mit der Einheit und Vielheit oder Ordnung und Freiheit. Zweitens mit der Ewigkeit und Zeit oder dem Beharren und Veränderung. Drittens mit der Innenwelt und Außenwelt oder dem Idealismus oder Naturalismus. Viertens mit dem Weg der Erkenntnis oder dem Wahrheitsproblem. Und fünftens mit dem Ziel des Handelns oder dem Glücksproblem.

Auf dem Boden der Geschichte entstehen laut Rudolf Eucken eigentümliche Lebenszusammenhänge, die besondere Erfahrungen und Leistungen enthalten und die er Syntagmen nennt. Diese fassen alle Fülle des Lebens in eine einzige Erfahrung und Hauptleistung zusammen und geben dem Ganzen damit einen einzigartigen Charakter. Gewiss bedarf die Bildung von Syntagmen einer ausgeprägten Denkanstrengung, aber sie werden dennoch nicht ein bloßes Erzeugnis dieses Denkvorgangs.

Die Philosophie muss die Zeit von der Flachheit und Zerstreuung befreien

Über dieses Denken schreibt Rudolf Eucken folgendes: „Das Denken selbst empfängt vielmehr aus diesen Zusammenhängen eine eigentümliche Art und Richtung, welche es aus eigenem Vermögen nicht hervorbringen kann; so ist es über das Denken hinaus das Ganze des Lebens, das sich dabei zu einer unvergleichlichen Einheit zusammenschließt.“ Derartige Syntagmen erkennt Rudolf Eucken in der klassischen Kultur der Griechen, in der christlichen Lebensordnung des Mittelalters und in der modernen Aufklärung mit ihren beiden Ästen des Intellektualismus und des Naturalismus.

Die Philosophie selbst muss für Rudolf Eucken dahin wirken, die Zeit von der Flachheit und Zerstreuung zu befreien, der sie ohne ein Durchbrechen überlegener Mächte rettungslos verfallen muss. Mit seiner Einführung in die Philosophie will Rudolf Eucken vor allem die innere Bewegung der Philosophie anschaulich darstellen und zugleich das Leben und die Philosophie enger zu verknüpfen. Ein weiteres Ziel von Rudolf Eucken ist es, auf diesem Wege das Erstarken einer Philosophie des Lebens insgesamt zu fördern.

Von Hans Klumbies

 

 

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