Der Pragmatismus verabscheut Ideologien und Doktrinen

Das Titelthema des neuen Philosophie Magazins 06/2017 ist der philosophischen Strömung des Pragmatismus gewidmet. Pragmatiker haben heutzutage bei vielen Menschen nicht einen besonders guten Ruf, da sie ihnen Prinzipienlosigkeit und Ideenarmut unterstellen. Besonders in Deutschland besitzt die aus den USA stammende Denktradition ein zweifelhaftes Image, da sie hierzulande als rein zweckorientiert, theoriefern und marktkonform gilt. Es könnte sein, dass man dem Pragmatismus damit unrecht tut. Denn einst strebten die führenden Pragmatiker wie Charles Sanders Peirce, William James und John Dewey nach nicht mehr und nicht weniger als einer radikalen Erneuerung der Demokratie. Am Anfang des Pragmatismus steht der Gedanke, dass sich Theorien nicht durch logischen Konsistenz oder ihre Übereinstimmung mit dem Wesen der Dinge, sondern an ihren praktischen Folgen bewähren.

Ein Aussterben des Homo sapiens liegt im Bereich des Möglichen

Der Pragmatismus ist aber mehr als eine Erkenntnistheorie mit Hands-on-Funktion. Seine Aversion gegen Ideologien und Doktrinen ist die Kehrseite eines experimentellen, eminent demokratischen Verständnisses von Politik. Für die Gründerväter dieser philosophischen Bewegung ist die Demokratie im Grunde nichts anderes als ein soziales Echtzeitexperiment: Mittels pluralistischer, öffentlich geführter Auseinandersetzung sind demokratische Gemeinwesen in der Lage, immer wieder zu neuen Lösungen zu kommen.

Im Gespräch mit dem indischen Schriftsteller Pankaj Mishram, das Chefredakteur Wolfram Eilenberger führte, geht es um Erotik und Erniedrigung, Romantik und Terrorismus, klassische Bildung und Nihilismus. Pankaj Mishrams Denken führt scheinbare Gegensätze zusammen, ohne dabei eine versöhnende Vermittlung anzustreben. Zudem fordert er die Menschheit auf, sich dringend für eine bessere Welt zu engagieren, und zwar mittels einer Art apokalyptischen Denkens. Sie muss sich eingestehen, dass ein Aussterben des Homo sapiens im Bereich des Möglichen liegt.

Der glückliche Mensch erkennt die Schwäche seines Fleisches an

Die Rubrik „Der Klassiker“ ist diesmal dem französischen Aufklärer Denis Diderot gewidmet. Ein Wort ist dem Philosophen und führenden Kopf hinter dem Großprojekt der „Enzyklopädie“ auf den Leib geschrieben: Freiheit. Die Freiheit im Leben, Denken und Handeln. Für Denis Diderot besteht die Freiheit allerdings nicht darin, das zu tun, was man will, sondern zu erkennen, was das eigene Selbst determiniert, und es zuzulassen. Zudem beruft sich Denis Diderot darauf, den zwingenden Gesetzen des „rebellisches Leibes“ zu gehorchen. Der glückliche Mensch, der die Schwäche seines Fleisches anerkennt, ist stärker als jemand, der stolz glaubt, sich davon zu distanzieren, indem er sie verleugnet.

In der Rubrik „Reportage“ geht es um Computerspiele, die heutzutage zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen überhaupt zählen. Dominik Erhard kennt Zahlen: „Knapp 47 Prozent der deutschen Jugendlichen spielen jeden oder fast jeden Tag, wobei der digitale Spieltrieb im Erwachsenenalter keineswegs nachlässt.“ Und dennoch haben Computerspiele nach wie vor ein Imageproblem, obwohl sie im Gegensatz zu linearen Medien über das Merkmal der Interaktivität verfügen.

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