Wissen sind wahre und gerechtfertigte Überzeugungen

In der Gegenwartsphilosophie ist es laut Herbert Schnädelbach weitgehend unumstritten, das Wissen als den Inbegriff wahrer und gerechtfertigter Überzeugungen aufzufassen, die unhintergehbar sprachliche Gestalt besitzen, da sie nur so kommunizierbar sind. Herbert Schädelbach ergänzt: „Eine zweite Bedingung ist, dass sie propositional verfasst sind, also in Satzform geäußert werden können, denn nur Aussagesätze können wahr oder falsch sein; es gibt keine falschen Eigennamen oder Begriffe.“ Wenn ein solcher Aussagesatz der Wahrheit entspricht, könnte es allerdings auch purer Zufall sein. Also muss man gute Gründe haben, die einen dazu erheben, einen Wahrheitsanspruch zu postulieren, und genau dies meint Herbert Schnädelbach mit dem Begriff „gerechtfertigt“. Herbert Schädelbach war vor seiner Emeritierung Professor für Philosophie an den Universitäten Frankfurt am Main, Hamburg und der Humboldt-Universität zu Berlin.

Die Angst vor dem Irrtum ist in Wirklichkeit die Furcht vor der Wahrheit

Wenn es sich um Wissen handeln soll, ist es für Herbert Schnädelbach nicht erforderlich, ganz sicher zu sein, dass der als Wissen vorgetragene Aussagesatz auch wirklich wahr ist, denn man muss hier Wissen und Gewissheit unterscheiden. René Descartes` strebte die Gewissheit der Wahrheit an. Diesem Ziel fühlte sich auch Georg Wilhelm Friedrich Hegel verpflichtet. Dies bedeutet aber laut Herbert Schnädelbach eine Überlastung des Wissensbegriffs und beschwört das Gespenst des Skeptizismus, das den Menschen weismachen möchte, dass man überhaupt nichts wüsste, wenn man sich seines Wissens nicht ganz gewiss wäre.

Herbert Schnädelbach unterscheidet: „Gewissheit ist ein subjektiver Zustand, Wissen hingegen ist wie Wahrheit ein Geltungsanspruch, den wir mit bestimmten Behauptungssätzen verbinden, und dabei können wir uns geirrt haben. Wissen ist fehlbar, aber das ist kein Grund, auf den Wissensbegriff zu verzichten.“ Dies begründet seiner Meinung nach die Differenz zwischen Skeptizismus und Fallibilismus, die häufig übersehen wird. Herbert Schnädelbach zitiert noch einmal Georg Wilhelm Friedrich Hegel, dem zufolge die skeptische Angst vor dem Irrtum in Wirklichkeit die Furcht vor der Wahrheit ist.

Ludwig Wittgenstein hält den Skeptizismus in Einzelfällen für unsinnig

Ludwig Wittgenstein schreibt im Tractatus logico-philosophicus: „Skeptizismus ist nicht unwiderleglich, sondern offenbar unsinnig, wenn er bezweifeln will, wo nicht gefragt werden kann. Denn Zweifel bestehen nur, wo eine Frage besteht, und dies nur, wo etwas gesagt werden kann.“ Wer laut Herbert Schädelbach von vornherein ausschließt, dass überhaupt etwas geäußert werden kann, was wahr oder falsch ist, kann auch nicht im Ernst fragen wollen, denn alle denkbaren Antworten, nach denen wir uns beim Fragen erkundigen, sollen selbst entweder wahr oder falsch sein.

Die Antwort auf die Frage, ob Philosophen überhaupt etwas wissen, also über wahre gerechtfertigte Überzeugungen verfügen können, ist somit gemäß Herbert Schnädelbach selbst nur sinnvoll, wenn man diese Möglichkeit nicht von vornherein ausschließt, sondern offenlässt. Herbert Schnädelbach fügt hinzu: „Skeptische Fragen dieser Art sind gerade vor dem Modell des falliblen Wissens immer angebracht, ja unentbehrlich, wenn es sich nicht um eine bloße Übernahme, sondern um eine kritische Aneignung von Wissen handeln soll.“

Von Hans Klumbies

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