Will Kymlicka fordert den Tieren Bürgerrechte zu verleihen

Der kanadische Philosoph Will Kymlicka, der zu den international bekanntesten Theoretikern des Multikulturalismus gehört, hat zusammen mit seiner Frau Sue Donaldson das Buch über Tierrechte mit dem Titel Zoopolis geschrieben. Politische Rechte für Tiere begründet man laut Will Kymlicka damit, dass Tiere dasselbe Recht auf Leben und Freiheit haben wie die Menschen, denn auch für sie ist ihr Leben kostbar, so wie dem Menschen sein Leben kostbar ist. Will Kymlicka ergänzt: „Tiere wollen leben und gedeihen. Für sie selbst macht es einen Unterschied, wie sich ihr Leben gestaltet. Genau darin liegt ja auch letztlich der Grund für die Menschenrechte.“ Für Will Kymlicka kommt es darauf an, dass man sein eigenes Leben wertschätzt und die anderen das respektieren. Die Mehrheit der Bevölkerung denkt ja auch nicht, dass klügere und produktivere Menschen weiter gehende Rechte haben als andere.

Domestizierte Tiere müssen als Vollmitglieder einer Gesellschaft angesehen werden

In einem Rechtsstaat gewähren die Menschen jedem Individuum dasselbe Lebensrecht, weil alle Menschen dasselbe Schicksal teilen – sie sind sterbliche Wesen, die an ihrem kurzen Leben auf dem Planeten Erde hängen. Will Kymlicka fügt hinzu: „In dieser Hinsicht sind Tiere Lebewesen wie wir, sie sind ebenfalls verletzlich und bedürfen desselben grundlegenden Schutzes.“ Will Kymlicka fordert sogar, dass Haustiere oder domestizierte Tiere nicht nur Grundrechte, sondern auch Bürgerrechte haben sollten.

Will Kymlicka und Sue Donaldson wollen in ihrem Buch Zoopolis zeigen, dass domestizierte Tiere als volle Mitglieder einer Gesellschaft angesehen werden müssen, da die Menschen diese Tiere in die Gesellschaft gebracht und so gezüchtet haben, dass ein Abhängigkeitsverhältnis entstanden ist. Will Kymlicka erläutert: „Also können wir moralisch nicht anders, als sie als vollwertige Mitglieder einer Gemeinschaft anzuerkennen, die eben eine aus Menschen und Tieren gemischte Gesellschaft ist.“

Auch Grenzgänger-Tiere haben ein Recht auf Leben und Freiheit

Die beste Art Gesellschaftsmitglieder zu schützen sind für Will Kymlicka nun einmal die Bürgerrechte. Denn Bürgerrechte für Tiere stellen klar, dass sie vollwertige Mitglieder der menschlichen Gesellschaft sind. Will Kymlicka erklärt: „Ganz generell umfassen Bürgerrechte für Tiere das Recht auf eine angemessene Unterkunft, auf Nahrungsmittel und eine medizinische Versorgung. Tiere können auch ihrerseits zur Gesellschaft beitragen, indem sie nicht belastende Arbeiten verrichten, uns Gesellschaft leisten oder indem wir ihre Produkte wie Eier, Wolle und Dung nutzen.“

 Tiere wie zum Beispiel Spatzen, Mäuse oder Eichhörnchen nennt Will Kymlicka Grenzgänger. Diese Gruppe ist enorm groß und wächst ständig weiter. Denn je mehr Raum die Menschen auf der Erde einnehmen, desto stärker zwingen sie Grenzgänger-Tiere auch, sich entweder anzupassen oder zu sterben. Auch diese Tiere haben ein Recht auf Leben und Freiheit. Will Kymlicka verdeutlicht: „Wenn wir erst einmal aufhören, diese Tiere als Wildtiere anzusehen, die einfach nur fehl am Platz sind, und wenn wir stattdessen anfangen, uns Wege der Koexistenz zu überlegen, können wir die Schönheit dieser Tiere und ihren Beitrag zum städtischen Leben auch viel besser würdigen.“

Von Hans Klumbies

Ein Gedanke zu „Will Kymlicka fordert den Tieren Bürgerrechte zu verleihen

  • 4. August 2012 um 16:49
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    Dass die meisten Menschen sich und die Welt zu günstig sehen, ist ein Beobachtungsfehler. Sie WÄHNEN sich so, sie SEHEN NICHT.
    Dies wiederum bedeutet, dass sie mit sich selbst uneins sind. Mit ihrem begrenzten, eitlen, bewussten Verstand konstruieren sie sich ihr Wolkenkuckucksheim während ihr UNBEWUSSTES für die Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen und die notwendigen Schwierigkeiten fürs Lebenlernen sorgt.
    Es geht gar nicht um das Optimum, es geht einfach um das Leben und das Verstehen, was unsere Abweichungen von unserem Leben für uns bedeuten.
    In der Ich-kann-Schule lernt das Kind, auf das ICH KANN in sich und anderen zu achten. Es lernt, sich der Kräfte und Talente so zu bedienen, dass diese Freude haben. Infolgedessen spürt und erlebt es die Freude der Talente & Kräfte in sich und anderen.
    Es geht nicht darum, die perfekte Schablone zu konstruieren, die weder über- noch unterfordert. Beides darf geschehen, wenn wir nur eine gute Beziehung zu unseren Kräften pflegen, um den Fordereungen des Lebens gewachsen zu sein und daran weiter zu wachsen. Es kommt nicht darauf an, wie wir die Schablonen einschätzen, in die man uns gerne haben möchte; es geht darum, so mit seinen Kräften eins zu sein, dass man mit ihnen souverän über alle Schablonen hinauswächst.
    Freundlich grüßt
    Franz Josef Neffe

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