Jean-Paul Sartre erklärt die Philosophie des Existentialismus

Wenn Jean-Paul Sartre in philosophischen Begriffen spricht, hat jeder Gegenstand ein Wesen und eine Existenz. Unter Wesen versteht er eine konstante Gesamtheit von Eigenschaften, unter Existenz eine gewisse effektive Anwesenheit in der Welt. Viele Menschen glauben, dass das Wesen vor der Existenz komme. Der Existentialismus dagegen hält laut Jean-Paul Sartre daran fest, dass beim Menschen – und nur beim Menschen – die Existenz dem Wesen vorausgeht. Das bedeutet seiner Meinung nach ganz einfach, dass der Mensch zunächst ist und erst danach dies oder das ist. Jean-Paul Sartre schreibt: „Mit einem Wort, der Mensch muss sich sein eigenes Wesen schaffen; indem er sich in die Welt wirft, in ihr leidet, in ihr kämpft, definiert er sich allmählich; und die Definition bleibt immer offen; man kann nicht sagen, was ein bestimmter Mensch ist, bevor er nicht gestorben ist, oder was die Menschheit ist, bevor sie nicht verschwunden ist.“ Mit seinem Appell zur Selbstverantwortung wurde Jean-Paul Sartre zu einem der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts.

Der Existentialismus definiert den Menschen durch das Handeln

Der Existentialismus ist für Jean-Paul Sartre zunächst einmal eine bestimmte Betrachtungsweise der menschlichen Fragen, die es ablehnt, dem Menschen eine für immer festgelegte Natur zuzuschreiben. Früher, bei Søren Kierkegaard, ging der Existentialismus mit dem Glauben einher. Der französische Existentialismus ist eher von einem erklärten Atheismus begleitet, was aber laut Jean-Paul Sartre überhaupt nicht notwendig wäre. Seiner Meinung nach ist er allerdings nicht allzu weit von dem Menschenbild entfernt, dass man bei Karl Marx finden könnte.

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Jean-Paul Sartre vertritt folgende Devise vom Menschen: „Schaffen und schaffend sich schaffen und nichts anderes sein als das, zu dem man sich geschaffen hat.“ Wenn der Existentialismus den Menschen durch das Handeln definiert, versteht es sich für Jean-Paul Sartre von selbst, dass diese Philosophie kein Quietismus ist. In Wirklichkeit kann der Mensch nur handeln, seine Gedanken sind Entwürfe und Verpflichtungen, er ist nichts anderes als sein Leben und dieses ist die Einheit seiner Verhaltensweisen.

Die Hoffnung ist das schlimmste Hemmnis für das Handeln

Bei den menschlichen Taten geht es laut Jean-Paul Sartre um den Sinn der Welt und den Platz des Menschen im Universum. Selbst wenn der Mensch es nicht will, schafft er durch jede seiner Handlungen eine allgemeine Wertsskala. Die Zukunft ist noch nicht geschaffen und noch nicht entschieden. Es sind die Menschen, die sie gestalten werden, jede Bewegung trägt dazu bei, sie zu entwerfen. Wer die furchtbare Mission, die jedem Mensch gegeben ist, nicht voller Angst empfindet, der muss ein großer Pharisäer sein.

Die Angst ist für Jean-Paul Sartre allerdings keineswegs ein Hindernis für das Handeln, sondern vielmehr dessen Voraussetzung. Und die Furcht ist eins mit dem Sinn jeder erdrückenden Verantwortlichkeit aller gegenüber allen, die Pein und Größe des Menschen ausmacht. Was die Hoffnungslosigkeit angeht, so muss man das laut Jean Paul Sartre folgendermaßen verstehen. „Es ist zwar wahr, dass der Mensch unrecht hätte zu hoffen. Aber was heißt das anderes, dass die Hoffnung das schlimmste Hemmnis für das Handeln ist.“

Von Hans Klumbies