Die Philosophie der Metapher des Hans Blumenberg

Hans Blumenbergs Philosophie ist eine Philosophie der Metapher. Er forscht nicht danach, was sich hinter den Gleichnissen verbirgt, sondern richtet sein Augenmerk darauf, was sie leisten und wie sie in der Praxis angewendet werden. Die dauernde Funktion der Metapher besteht für Hans Blumenberg darin, dass allein sie die unentbehrlichen Sinnerwartungen auszudrücken vermögen, die der Mensch braucht, um sich im Leben behaupten zu können. Hans Blumenberg will außerdem das Verhältnis der Metapher zum Begriff definieren, indem er eine Grundthese aufstellt, die die Metapher an einem Ort ansiedelt, wo der Raum der unmöglichen, der fehlgeschlagenen und noch nicht gefestigten Begriffsbildung ist.

Die zwei Formen der Metapher

Der Philosoph unterscheidet rudimentäre von absoluten Metaphern. Erstere können durch den Begriff noch abgelöst werden, während die an zweiter Stelle genannten in der Philosophie unverzichtbar sind, weil sie durch Begriffe nicht ersetzt werden können. Die absoluten Metaphern strukturieren laut Hans Blumenberg die Welt, indem sie authentisch Zusammenhänge erfassen und so das Verständnis des Menschen von seiner eigenen Person ermöglichen.

Hans Blumenberg untersucht in seinen philosophischen Werken diese grundlegenden Bilder und möchte dabei zeigen, dass derartige Metaphern nicht durch Begriffe, sondern durch andere Gleichnisse ersetzt werden. In seinem Buch „Schiffbruch mit Zuschauer“ philosophiert Hans Blumenberg über eine Theorie der Unbegrifflichkeit. Es geht dabei um Bilder, Szenen und Mythen, die die Weltbilder bestimmen.

Die Spannung zwischen Mythos und Logos ist die Lebenskunst

Außerdem kritisiert er in diesem Werk die Selbstüberschätzung der Vernunft, die er mit ihrem auf das Ganze gerichteten Anspruch mit dem monotheistischen Absolutismus vergleicht. Viel näher steht ihm der polytheistische Mythos der Antike. Hans Blumenberg geht sogar so weit zu behaupten, dass nicht der Besitz von Wissenschaften, sondern der Nichtbesitz von Wahrheit zur Befreiung des Menschen beitrage.

Für ihn bewirkt nicht nur der Logos, sondern eben auch der Mythos eine Rationalisierung der Welt. Hans Blumenberg sieht das menschliche Leben von der Herrschaft der Vernunft bedroht und setzt seine Hoffnung auf das Verbleiben der Spannung zwischen Mythos und Logos, was er als Lebenskunst bezeichnet.

Kurzbiographie: Hans Blumenberg

Der deutsche Philosoph Hans Blumenberg wurde 1920 in Lübeck geboren. 1947 promovierte er in Kiel, wo er sich auch drei Jahre später mit der Schrift „Die ontologische Distanz. Eine Untersuchung über die Krisis der Phänomenologie Husserls“ habilitierte. 1958 wurde er außerordentlicher Professor in Hamburg. Zwei Jahre später erhielt er eine Professur in Gießen. 1965 wurde er nach Bochum, 1970 nach Münster berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1985 lehrte.

Zu seinen bedeutenden Büchern zählen: „Die Legitimität der Neuzeit“ (1966), „Arbeit am Mythos“ (1979), „Schiffbruch mit Zuschauer“ (1979), „Die Lesbarkeit der Welt“ (1981), „Lebenszeit und Weltzeit“ (1985), „Das Lachen der Thrakerin“ (1987), „Die Sorge geht über den Fluss“ (1987) und „Höhlenausgänge“ (1989). Der Philosoph erhielt 1974 den Kuno-Fischer-Preis der Universität Heidelberg und 1980 den Sigmund-Freud-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Hans Blumenberg starb 1996.

Von Hans Klumbies

Ein Gedanke zu „Die Philosophie der Metapher des Hans Blumenberg

  • 16. April 2012 um 12:47
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    Wenn es um Metaphern gehen soll, sollte dann nicht Blumenbergs Buch „Paradigmen zu einer Metaphorologie“ erwähnt werden? Das Buch passt zum Artikel wie die Faust aufs Auge 🙂

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