Platon entwickelte an seiner Akademie ein neues Erziehungsideal

Kalokagathia, also schön und gut zu sein und der Agón, sprich der Wettkampf, sind die beiden Begriffe, die das Denken im antiken Griechenland und sein Bildungsideal wesentlich bestimmten. Der Brauch, seien Kräfte und Fähigkeiten im Wettbewerb zu messen, beschränkte sich nicht auf den Sport, sondern schloss auch musische Elemente wie Theater, Gesang, Musik und Tanz mit ein. Sie wurden auch bei den großen Festen für die Götter in Athen, Isthmia oder Delphi mit unterschiedlichem Gewicht neben den körperlichen Leistungen gewürdigt. Eine Ausnahme in diesem attischen und gesamtgriechischen Konzept machte lediglich Sparta, dessen Jugend mit äußerster Härte einem militärischen Drill, im Sinne des Staates, unterzogen wurde. Eine geordnete Schulbildung stand üblicherweise nur den Söhnen zu, die Mädchen wurden im Hause und für das Haus erzogen.

Im Gymasium wurde eine umfassende Bildung in der Kunst und den Wissenschaften vermittelt

Da alle Bildungsinstitute von privaten Unternehmern geleitet wurden, war der Schulbesuch im antiken Griechenland an einen gewissen Wohlstand gebunden, doch in den Mittelschichten der Städte ziemlich obligatorisch. Vom siebten bis zum vierzehnten Jahr besuchten die Schüler bei verschiedenen Lehrern einen Elementarunterricht. Dazu zählten Lesen, Schreiben, Rechnen, Gesang, Instrumentenspiel, Rezitation von Gedichten und Sport. Anschließend erlernte man, oft beim eigenen Vater, einen soliden Beruf.

Allerdings erfreute sich das Handwerk (Banausia) in der griechischen Antike keiner besonderen Beliebtheit. Wer es sich leisten kann, tritt als Ephebe vom fünfzehnten Jahr an in das Gymnasium ein, wo nicht nur die meisten olympischen Disziplinen im Sport unterrichtet werden, sondern auch eine möglichst umfassende Bildung in der Kunst und den Wissenschaften vermittelt wird. Seit dem 4. Jahrhundert gilt es für Jugendliche und auch Erwachsene der feinen Athener Gesellschaft als unerlässlich, auch die Rhetoren- und Philosophenschulen zu besuchen.  

Aristoteles forderte staatliche Bildungseinrichtungen

Dort wurde die Kunst der Disputation, höherer Mathematik und Physik, Astronomie – und alle Fächer übergreifend – Philosophie gelehrt. Herausragend war dabei Platons Akademie, die er 387 vor Christus gegründet hatte. Sie setzte neue Maßstäbe bei der Bildung und Erziehung im antiken Griechenland. Die Lehren, des von ihm verehrten Sokrates, als Vorbild nehmend, entwickelte Platon in seinem Hauptwerk „Politeia“ (Der Staat) ein Ideal, wie die Erziehung im vorbildlichen Gemeinwesen gehandhabt werden sollte.

Sein kongenialer Schüler Aristoteles forderte im gleichen Sinne wie sein Lehrer Platon Bildungsstätten, die vom Staat eingerichtet werden sollten, um politisch verantwortliches Denken der Schüler zu fördern. Nach diesem Vorbild unterrichteten auch andere bedeutende Zentren der griechischsprechenden Welt. Sie vermittelten so dem christlichen Abendland attisch-antike Idealbegriffe, die weit über die Spätantike hinaus ihre hoch genug einzuschätzende Wirkung entfalteten.

Von Hans Klumbies

 

 

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