Die Produktion von immer billigeren Gütern ist nicht möglich

Viele Menschen haben sich sicher schon einmal gefragt, wie es möglich ist, dass alles immer billiger wird. Michael Carolan gibt in seinem neuen Buch „Cheaponomics. Warum billig zu teuer ist“ eine einfache Antwort: „Es ist nicht möglich!“ Die Produkte und ihre Herstellung werden nämlich nicht billiger, ihre wirklichen Kosten werden nur immer besser versteckt. Der Autor beschreibt die ökonomische und soziale Sackgasse, in der sich die Gesellschaften des Westens mit dem Billigwahn verfangen haben. „Billig ist nichts als eine Illusion“, schreibt Michael Carolan. Anhand zahlreicher Beispiele von der Plastiktüte bis zur automobilen Gesellschaft erklärt er, wie der Billigkonsum und sein zerstörerisches System am Leben erhalten werden, und macht deutlich, dass höhere und gerechte Preise notwendig und möglich sind, ohne dass die Menschen auf Wesentliches verzichten müssen.

Die Gesellschaft trägt die Kosten des Wirtschaftssystems

Die versteckten Kosten sind nicht so deutlich zu erkennen, wie der Brand eines Hauses, aber sichtbar sind sie sehr wohl für denjenigen, der genauer hinschaut: „Wir merken es an unseren Steuern, an den verschmutzten Meeren, am Klimawandel und an den Gesichtern derjenigen, die täglich mit Hunger, Krankheit und Krieg dafür bezahlen.“ Ein Bericht der Vereinten Nationen kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass die 3.000 größten börsennotierten Unternehmen der Welt allein im Jahr 2008 Umweltschäden in Höhe von 2,2 Billionen US-Dollar verursacht haben.

Zu den Umweltschäden kommen noch die Kosten des schlechten Gesundheitszustands des Großteils der Gesellschaft, der teilweise ungerechten und miserablen Arbeitsbedingungen und der niedrigen Löhne. Die meisten Verbraucher verschwenden an diese Kosten keine großen Gedanken, jedenfalls nicht genug, als dass sie ihn vom nächsten Schnäppchenkauf abhalten würden. Es ist eine perfide Art des Sozialismus, wenn der Sozialpsychologe Michael Carolan von Cheaponomics spricht. Die Gesellschaft muss dabei für die Kosten des Wirtschaftssystems aufkommen, die Gewinne dagegen werden einigen wenigen vorbehalten.

In einer humanen Gesellschaft profitieren alle Mitglieder

Das Buch „Cheaponomics“ steht dem Raubtierkapitalismus kritisch gegenüber, der heute die Welt beherrscht und gewöhnlich „Neoliberalismus“ genannt wird. Die Billigwarenwirtschaft verursacht Kosten, für die nicht nur die Steuerzahler und Bürger von heute aufkommen müssen, sondern die auch zukünftige Generationen tragen müssen. Als Abschluss seines Buches macht Michael Carolan zehn Vorschläge, wie man eine Gesellschaft so gestalten kann, dass alle Mitglieder davon profitieren. Einen realistischen Preis für Güter und Dienstleistungen muss zum Beispiel nicht heißen, dass man sie sich nicht mehr leisten kann.

Um das Wirtschaftssystem „Cheaponomics“ durch ein humaneres abzulösen, schlägt Michael Carolan beispielsweise folgendes vor: „Kollaborativ verbrauchen, weniger arbeiten, Schlechtes besteuern, Gutes belohnen, Demokratie, fußgängerfreundliche Gemeinden, reparierbare Produkte herstellen, Wettbewerbsgesetze durchsetzen, ein Höchstlohn.“ Die Gesellschaft hat mit diesen Dingen schon experimentiert und sie haben funktioniert. Das bedeutet, dass diese Dinge das Potential haben, das Schicksal der Menschheit und das der Erde und das zukünftiger Generationen zu verbessern.

Cheaponomics
Warum billig zu teuer ist
Michael Carolan
Verlag: Oekom
Gebundene Ausgabe: 300 Seiten, Auflage: 2015
ISBN: 978-3-86581-734-1, 22,95 Euro

Von Hans Klumbies

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.