Das Glück folgt nicht den Prinzipien der ökonomischen Maximierung

Selbst Geld als möglicher Maßstab für die Bedingung eines glücklichen Lebens ist kein hinreichendes Kriterium. Zumindest nicht dann, wenn ein Grundmaß an finanzieller Sicherheit gewährleistet ist. Die amerikanischen Glücksforscher Ed Diener und sein Sohn Robert Biswas-Diener haben in einer Studie gezeigt, dass das Glücksniveau nicht mit dem eigenen Wohlstand steigt. Auch Untersuchungen des griechischen Volkswirts Stavros Drakopoulos bestätigen diese Erkenntnis, der in seinen Forschungen den Zusammenhang von Werten und Wirtschaftstheorie herausarbeitet. Ina Schmidt ergänzt: „Diese Forschungen zeigen, dass wir, um glücklich sein zu können, zwar keine finanzielle Not leiden oder ständig finanzielle Sorgen mit uns herumtragen dürfen, sich das Glück aber dennoch einfach nicht an die Prinzipien ökonomischer Maximierung halten will.“ Ina Schmidt gründete 2005 die „denkraeume“, eine Initiative, in der sie in Vorträgen, Workshops und Seminaren philosophische Themen und Begriffe für die heutige Lebenswelt verständlich macht.

Reiche sind nicht glücklichere Menschen

Faktoren wie Freiheit, Freundschaft, Vertrauen et cetera das Empfinden von Glück deutlich mehr als der finanzielle Status. Wenn man also immer noch davon ausgeht, das reiche auch die glücklicheren Menschen sind, dann liegt man offenbar falsch – und man sollte deshalb seine Ziele schleunigst überdenken. Eine wichtige Einsicht heißt demnach: Das Paradigma der gehetzten Unzufriedenheit auf der Suche nach Status und materiellem Glanz hat mit der tatsächlichen Sehnsucht nach Glück nichts zu tun.

Denn das Erreichen der materiellen Ziele erlöst einen Menschen leider nicht von seinem Streben nach mehr. Wunschlos glücklich zu sein ist ein Paradox, wenn man das innere Streben als menschlichen Wesenszug ernst nimmt, denn es gehört zu einem glücklichen Leben dazu, Fragen, Sehnsüchte, Wünsche zu haben – Wünsche, die man aber nicht zwingend erfüllen kann und die nicht immer etwas damit zu tun haben, was man alles leistet, schafft und herstellen kann. Moderne Freiheit und individualistische Sinnsuche hin oder her.

Ein glückliches Leben ist ohne Freiheit nicht vorstellbar

Ina Schmidt stellt fest: „Das, was wir unserer modernen freiheitlichen Lebenswelt verdanken, ist genau diese Möglichkeit: nach dem Glück streben zu können – the Pursuit of Happiness, wie es in der amerikanischen Verfassung sogar festgeschrieben wurde.“ Das bedeutet aber weder die Garantie, es auch tatsächlich zu finden, noch das Gefühl eines automatischen Scheiterns, weil man aus dem Streben nicht herausfindet – denn oftmals liegt das wesentliche Glücksgefühl darin, etwas tun zu können, es aber nicht zwingend zu müssen.

Es scheint nicht so zu sein, dass mehr Freiheit auch mehr Glück bedeutet, aber ganz ohne das Gefühl frei sein zu können, ist ein glückliches Leben fast unvorstellbar. Das neuzeitliche Denken entdeckt das, was man heute als persönliche Freiheit selbstverständlich findet, und knüpft damit vielfach an die antiken Denker an, die trotz einer lebendigen Götterwelt die Entfaltung der eigenen Fähigkeiten im Sinne des Gemeinwohls für bedeutend hielten. Aristoteles entfaltete in seiner „Nikomachischen Ethik“ die Grundlagen für ein Leben, das nach „Glückseligkeit“ strebt. Quelle: „Das Ziel ist im Weg“ von Ina Schmidt

Von Hans Klumbies


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