Hilal Sezgin fordert ein gemeinsames Handeln für eine bessere Welt

Die Philosophin Hilal Sezgin plädiert in ihrem neuen Buch „Nichtstun ist keine Lösung“ für eine Ethik, in der nicht Rechthaben, Konkurrenz und Verzicht im Vordergrund stehen, sondern gemeinsames Handeln für eine bessere Welt. Anders gesagt: Sie macht den Menschen Mut, sich auf ihre eigene Courage zu besinnen. Denn die Welt braucht ihrer Meinung nach mehr Gut-sein als weniger: „Wenn wir das Gute nicht tun, wird das Schlechte überhandnehmen und uns in den Abgrund reißen.“ Deshalb versucht sie herauszufinden, warum das Gute gegenwärtig einen so schlechten Leumund hat und warum es so viele Menschen verunsichert. Die Verunsicherten brauchen ein Verständnis des Guten, dass sie nicht abschreckt. Sie müssen den Stimmen nachgehen, die ihnen vorgaukeln, wenn wir das Gute nicht täten, ginge es uns besser. Die Philosophin Hilal Sezgin ist Buchautorin und freie Journalistin.

In seinem Handeln sollte ein Mensch immer auch an andere denken

Nun weiß natürlich auch Hilal Sezgin und jeder, der politisch aktiv oder zumindest interessiert ist, dass die Menge von Leid und Unrecht die Handlungsmöglichkeiten jedes Einzelnen von uns unendlich übersteigt. Hilal Sezgin denkt aber, dass es dennoch Akte des Guten und kleine Inseln friedlichen Zusammenlebens gibt, die wir wie Trittsteine verlegen können, wo der Boden unter den Füßen Sumpf ist und schwankt. Wenn die Autorin vom Gut-sein, von Ethik oder Moral spricht, meint sie jedes Mal ungefähr dasselbe: also dass man in seinem Handeln auch an andere denkt, etwas für andere tut.

Hilal Sezgin schreibt, dass Menschen bisweilen etwas unwirsch darauf reagieren, wenn sie von den menschlichen Opfern der Globalisierung so nahtlos zu den Tieren übergeht wie im dritten Kapitel ihres Buchs. Doch es ist ihr wichtig zu betonen: „Die Geringschätzung und Ausbeutung anderer Menschen und die Geringschätzung und Ausbeutung von Tieren sind nicht nur ähnliche, sondern vollkommen analoge Phänomene.“ Ähnlich wie bei der globalen Ungerechtigkeit hat die Menschheit bei der Ausbeutung der Tiere schon länger das Stadium der Unschuld hinter sich gelassen und schiebt die Konsequenzen auf die lange Bank, solange es geht.

Jeder Mensch hat eine Menge Liebe und Zuneigung zu geben

Hilal Sezgin fordert ihre Leser auf, ein harmonisches Verständnis von Moral zu erproben. Gemeint ist damit auf keinen Fall ein System oder ein festes Set von Regeln oder Imperativen, das jenen, die davon abweichen, mit Strafe droht. Menschen brauchen das Reden über das ethisch Gute schon allein deshalb, um herauszufinden, was eigentlich gut ist und wie sie sich überhaupt verhalten sollten. Und die allermeisten Menschen wissen, was Ethik, Güte und Fürsorge sind – schon allein, weil kein Mensch auf der Welt wäre, wenn er sie nicht jahrelang erfahren hätte.

Die Autorin hat die Erfahrung gemacht, dass sich gerade die Menschen, die sich am stärksten engagieren, auch am meisten mit der Frage herumquälen, warum es eigentlich sinnvoll ist, das Gute im Kleinen beginnen zu lassen – und es dennoch trotzdem tun. Sie wissen scheinbar, dass jeder, der sich „gut“ oder politisch engagiert, nicht nur an einer besseren Gesellschaft für andere arbeitet, sondern auch für sich selbst. Liebe und Zuneigung, Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit, davon hat jeder Mensch eine Menge zu geben. Hilal Sezgin schreibt: „Und vielleicht sollten wir das einfach tun, obwohl die Zukunft nicht rosig aussieht und es ungewiss scheint, ob wir einen Weltfrieden je erleben.“

Nichtstun ist keine Lösung
Politische Verantwortung in Zeiten des Umbruchs
Hilal Sezgin
Verlag: Dumont
Broschierte Ausgabe: 158 Seiten, Auflage: 2017
ISBN: 978-3-8321-9881-7, 14,00 Euro

Von Hans Klumbies

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