Das menschliche Gehirn wird von Erfahrungen programmiert

Kurt Langbein bezeichnet das menschliche Gehirn als den selbstständigen, eigenwilligen Apotheker des Körpers. Es reguliert die Körperfunktionen und das Immunsystem. Auf seine Signale hin werden zum Beispiel Muskeln in Gang gesetzt, Hormone ausgeschüttet und Milliarden Zellen in jeweils andere, einer neuen Situation besser angepassten Zustände versetzt. Die Kommunikation funktioniert dabei in beide Richtungen. Auch die einzelnen Organe melden über die Nervenbahnen ständig ihre aktuelle Verfassung an das Gehirn. Die moderne Hirnforschung hat herausgefunden, dass sich im Gehirn ein Leben lang neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen und damit auch neue Muster bilden, wie Menschen zum Beispiel mit einem Problem umgehen. Kurt Langbein studierte in Wien Soziologie und ist seit 1992 geschäftsführender Gesellschafter der Produktionsfirma Langbein & Partner Media. Er ist unter anderem Autor des Bestsellers „Bittere Pillen“. Sein neues Buch heißt „Weissbuch Heilung“ und ist im Ecowin Verlag erschienen.

Die Gehirnstruktur verändert sich bis zum Lebensende

Das Gehirn wird laut Kurt Langbein auch nicht einfach von Genen programmiert, sondern vielmehr von Erfahrungen bestimmt, ebenso wie die Gene durch Einsichten aktiviert, ausgeschaltet oder verändert werden. Neue Erfahrungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens macht, wirken sich also bis auf die Ebene der Gene aus. Kurt Langbein erläutert: „Erlebnisse, Erfahrungen, Lernprozesse führen dazu, dass etwa Nervenzellen damit beginnen, neue Gensequenzen abzuschreiben und andere stillzulegen.“

Das menschliche Gehirn bleibt bis zum Ende des Lebens plastisch. Auch wenn keine neuen Nervenzellen mehr nachwachsen, können bislang inaktive durch neue Verschaltungen zusätzliche Lösungskompetenz zur Verfügung stellen. Das Gehirn erwachsener Menschen lässt sich viel stärker modellieren, als es man bisher für möglich gehalten hat. Der kanadische Neurologe Norman Doidge erklärt: „Die Natur hat uns eine Gehirnstruktur mitgegeben, die in einer sich verändernden Umwelt überlebt, weil es sich selbst verändert.“

Jedes Neuron im Gehirn muss etwas über jedes andere Neuron lernen

Jedes einzelne Neuron des menschlichen Gehirns ist einzigartig. Es unterscheidet sich von allen Neuronen eines anderen Lebewesens auf der Welt. Dazu existiert noch eine weitere Gruppe von Zellen im Gehirn. Es sind die sogenannten Gliazellen, die eine große Bedeutung für alle geistigen Funktionen besitzen. Kurt Langbein erläutert: „Diese Zellen, die im menschlichen Gehirn neunmal so häufig wie Nervenzellen vorkommen, wurden bisher als Versorger betrachtet: Sie führen den Neuronen beispielsweise Nährstoffe aus dem Blut zu und sind auch der Sitz des Immunsystem im Gehirn.“

Inzwischen haben die Hirnforscher herausgefunden, dass die Gliazellen sowohl mit den Neuronen als auch untereinander kommunizieren. Die Vernetzung, von und zu den Sinnesorganen, von und zu den anderen Regionen des Gehirns ist für Kurt Langbein eher eine Frage der Lebensumstände und der Art ihrer Nutzung als eines Bauplans. Denn dieser sorgt dafür, dass es am Beginn des menschlichen Lebens viel mehr Neuronen gibt, als tatsächlich verwendet werden. Hirnforscher gegen inzwischen davon aus, dass es die größte Herausforderung des Gehirns ist, dass jedes Neuron etwas über jedes andere Neuron lernen muss.

Von Hans Klumbies

 

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