Jean Paul mischte Ironie mit Gefühl und Humor

Neben den drei großen literarischen Lagern – Klassik, Romantik und Jakobinismus – gab es einige Autoren, die sich bewusst abseits hielten, sich keiner Gruppierung anschlossen und ihren eigenen unverwechselbaren Weg gingen. Aufgrund ihrer Sonderstellung führten sie, jeder auf seine Weise, ein problematisches Außenseiterleben. Bis heute hat die Forschung große Schwierigkeiten, ihre Rolle in der Kunstepoche angemessen zu bestimmen. Johann Paul Friedrich Richter (1763 – 1825), der sich als Schriftsteller Jean Paul nannte, gelang es schon zu seinen Lebzeiten, einen gleichberechtigten und anerkannten Platz neben den klassischen und romantischen Autoren zu behaupten und zu einer Autorität im literarischen Leben zu werden. Die Voraussetzungen dafür waren allerdings alles andere als günstig. Als Sohn eines armen Lehrers und Organisten lernt er die Armut früh kennen und litt sehr unter der Strenge des Vaters.

Sein Debut machte Jean Paul mit bitteren und beißenden Satiren

Durch die Erfahrungen im Elternhaus, die in vielerlei Hinsicht vergleichbar sind mit denen von Moritz (Anton Reiser), wurden die Grundlagen gelegt für jenen pathologischen Zwangscharakter und jene narzisstische Verstrickung, aus der sich Jean Paul zeit seines Lebens nicht befreien konnte und die ihn schon früh zum Sonderling und Einzelgänger machte. Wie viele Autoren, die aus kleinbürgerlichem Milieu stammten, wurde auch er in ein ungeliebtes Theologiestudium gedrängt und musste sich seinen Lebensunterhalt als Hofmeister und Erzieher verdienen.

Erst nach langen Jahren der finanziellen Unsicherheit fand Jean Paul ein bescheidenes Auskommen als freier Schriftsteller. Sein Debut machte er mit Satiren, die in der Tradition der Aufklärung standen und nicht zuletzt wegen ihrer Bitterkeit und beißenden Ironie kaum eine öffentliche Resonanz fanden. Erst in den 1790er Jahren gelang es Jean Paul, seine satirische Schreibweise um empfindsame, gefühlvolle und humoristische Elemente zu erweitern und jene Stilmischung zu entwickeln, die seinen Ruhm begründen sollte.

Jean Paul hielt Johann Wolfgang von Goethe für ein Genie ohne Tugend

Sein Roman „Hesperus“ (1795) wurde zu einem nachhaltigen Erfolg und erregte ein öffentliches Aufsehen wie vorher nur der „Werther“. Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller wurden auf den neuen Autor aufmerksam und luden ihn nach Weimar ein, ohne ihn jedoch für sich einnehmen zu können. Jean Paul lehnte die Mitarbeit an den „Horen“ ab, zu der ihn Friedrich Schiller zu bewegen versuchte, und schloss sich stattdessen Johann Gottfried Herder an, der 1796 endgültig mit Johann Wolfgang von Goethe gebrochen hatte.

Jean Paul fühlte sich insbesondere von Johann Wolfgang von Goethe abgestoßen und warf im genialischen Egoismus vor: „Goethes Charakter ist fürchterlich: das Genie ohne Tugend muss dahin kommen.“ Die Abneigung hatte jedoch auch politische Gründe. Jean Paul war ein entschiedener Republikaner und schätzte von den Weimarern allein Johann Gottfried Herder, Christoph Martin Wieland und Johann Friedrich Reichardt, weil sie seiner Meinung nach die eifrigsten Republikaner waren. Quelle: „Deutsche Literaturgeschichte“ aus dem Verlag J. B. Metzler

Von Hans Klumbies

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