Für Robert Spaemann muss alles denkbar sein

Der katholische Philosoph Robert Spaemann ist vor allem dadurch bekannt geworden, dass die Medien über ihn immer wieder berichteten, er sei päpstlicher als der Papst. Zuletzt hat er vehement für den Vatikan Partei ergriffen, als die katholische Kirche für ihren Umgang mit der Pius-Brüderschaft im Kreuzfeuer der Kritik stand. Parteinahmen wie diese haben Robert Spaemann immer wieder dem Verdacht ausgesetzt, dass seine philosophischen Thesen nur ein Ausfluss seiner katholischen Glaubensüberzeugungen seien. Robert Spaemann bestreitet allerdings, dass der Katholizismus der Grund seines Denkens ist, sondern dass er ebenso wie sein Denken das Ergebnis einer bestimmten Art ist, die Welt anzuschauen.

In der Philosophie geht es um ein universelles Verstehen der Welt

Zu dem Vorwurf, dass er päpstlicher als der Papst sei, meint Robert Spaemann: „Also wenn die Leute mir vorhalten, ich sagte, was der Papst sagt – nun ja, gelegentlich hat auch der Papst schon gesagt, was ich sagte.“ Dennoch ist die Sache mit der Standpunkthaftigkeit für den katholischen Philosophen nicht aufzulösen. Denn in der Philosophie müsse es um ein letztes, universelles Verstehen der Dinge und der Welt gehen.

Das sei allerdings laut Robert Spaemann mit der Standpunkthaftigkeit nicht vereinbar. Dann könnte man ja gleich sagen, dass wir eben so denken, wie wir denken, diesen und jenen Standpunkt vertreten und uns Gleichgesinnte suchen. Wer bei der Standpunkthaftigkeit stehen bleibt, hat noch einen weiten Weg ins Reich der Philosophie zurückzulegen.

Ohne Gott gibt es keine Wahrheit

Robert Spaemann vertritt die These, dass Philosophie nur im Medium der Anarchie gedeihen kann. Dabei muss alles denkbar sein. Für ihn gibt es keine unüberwindbaren Brücken zwischen Vernunft und Glauben. Die einzigen Anfechtungen oder Versuchungen seien für ihn der Atheismus gewesen. Wenn aber einmal die Existenz Gottes vorausgesetzt sei, ergebe sich seiner Meinung nach alles Weitere bis hin zum orthodoxen Katholizismus wie von selbst.

Selbst die Versuchungen des Atheismus haben auf Robert Spaemann nur schwachen Einfluss ausgeübt, da ihn seine Argumente eigentlich nie überzeugt hatten. Dem katholischen Philosophen kamen allerdings gelegentlich Zweifel an der Vernunft überhaupt, an der Wahrheitsfähigkeit des Menschen. In dieser Ungewissheit wurde Robert Spaemann von Friedrich Nietzsche stark beeinflusst, von dem die These stammt: „Wenn es Gott nicht gibt, dann gibt es auch keine Wahrheit.“

Die reinen und die unreinen Freuden

Wenn es also keine Wahrheit gibt, ist laut Robert Spaemann jeder Satz über Gott müßig. Seine Zweifel an Gott waren also immer Zweifel am Denken überhaupt. Philosophen werden manchmal als die glücklichsten Menschen beschrieben, weil sie theoriefähig sind, was für Robert Spaemann allerdings nicht bedeutet, dass Menschen die keine Philosophie betreiben, unglücklich sind. Er beruft sich dabei auf Platon, der zwischen den reinen und den unreinen Freuden unterscheidet.

Rein sind die Freuden, die nicht aus einem Mangel entstehen, deren Verschwinden auch kein Mangelgefühl hinterlässt. Dazu gehört die Theorie. Die Freude am Essen hingegen setzt voraus, das den Menschen vorher das Unbehagen des Hungers zusetzt. Wer also nicht zur Theorie begabt ist, dem fehlt laut Robert Spaemann auch nichts.

Von Hans Klumbies

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