Das Deutsch Reich betrieb eine Politik der Täuschung

Die seit 1934 forcierte Aufrüstungspolitik des Dritten Reichs trug das Risiko in sich, dass die Westmächte, vor allem Frankreich, auf diesen Bruch des Versailler Vertrags mit Druck, womöglich mit dem Einmarsch in Deutschland reagierten. Das hätte vermutlich auch das Ende des nationalsozialistischen Regimes bedeutet. Ulrich Herbert ergänzt: „Deshalb begann Adolf Hitler mit einer nach Osten wie nach Westen gerichteten Beschwichtigungspolitik und der unablässigen Bekundung seines Friedenswillens und war sogar bereit, eine Ausgleich mit Polen zu finden.“ Zugleich verließ Deutschland jedoch die Genfer Abrüstungsverhandlungen und den Völkerbund, um gegen den Versuch der Rüstungskontrolle zu protestieren. Um diesen Schritt zu legitimieren, wurden erneut „Neuwahlen“ ausgeschrieben und mit einem Volksentscheid über die Politik der Reichsregierung verbunden. Ulrich Herbert zählt zu den renommiertesten Zeithistorikern der Gegenwart. Er lehrt als Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg.

Die deutschen Truppen marschierten am 7. März 1936 im Rheinland ein

Die Verbindung aus kalkulierter Vertragsverletzung und propagandistisch verstärktem Friedenswillen wiederholte sich nun mehrfach – so bei der Wiedereinführung der Allgmeinen Wehrpflicht. Der nächste Schritt war der bis dahin zweifellos riskanteste: der Einmarsch deutscher Truppen in das seit Kriegsende entmilitarisierte Rheinland am 7. März 1936. Ulrich Herbert erklärt: „Auf deutscher Seite befürchtete man nicht ohne Grund eine militärische Reaktion Frankreichs. Um das zu verhindern, zog Adolf Hitler wiederum alle Register der Friedensliebe, bis hin zum Angebot eines Nichtangriffsvertrags mit Frankreich und allen westlichen und östlichen Nachbarstaaten.“

Adolf Hitler hatte mit seiner Vabanque-Politik Erfolg. Denn es gab war einen tatsächlich scharfen Protest und eine Verurteilung durch den Völkerbund, aber eine militärische Intervention blieb jedoch aus. Danach wurde der Reichstag ein weiteres Mal aufgelöst und „Neuwahlen“ ausgeschrieben. Der Einsatz der Propaganda übertraf das bisher Gewohnte, und noch mehr galt das für die Verherrlichung des Führers, „dem alles gelingt“. Aus der Kriegsangst wuchsen Erleichterung und Zustimmung. Als Ergebnis der Wahlen wurden 98,8 Prozent Zustimmung vermeldet – zweifellos manipulierte Zahlen.

Die Olympische Spiele 1936 sollten das ramponierte Image der Diktatur verbessern

Die pompöse Selbstinszenierung des Regimes erreichte ihren Höhepunkt im Sommer 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin, die mit verschwenderischer Pracht und großem Aufwand gefeiert wurden. Judenfeindliche Plakate sahen die viele ausländischen Beobachter nicht, ihren wurde ein friedfertiges und zufriedenes Land vorgeführt, um so das ramponierte Ansehen der Diktatur im Ausland zu verbessern. Das funktionierte und die Resonanz auf die Spiele war entsprechend. Der französische Botschafter erklärte: „Alle Welt ist begeistert.“

Der immer ausgedehntere Jubel, der Kult um Adolf Hitler, die pompösen Aufmärsche und die Dauerpropaganda vermittelten den Eindruck, als stünde das ganze deutsche Volk vereint hinter Adolf Hitler und seinem Staat – und diesen Anschein wollte das Regime ja auch vermitteln. Ulrich Herbert stellt fest: „Tatsächlich war wohl auch ein Teil derer, die 1933 noch gegen Nazis und Deutschnationale Volkspartei (DNVP) gestimmt hatten, angesichts der wirtschaftlichen und außenpolitischen Dauererfolge ins Lager der Anhänger des Regimes gewechselt. Quelle: „Das Dritte Reich“ von Ulrich Herbert

Von Hans Klumbies

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