Es gibt drei Antriebsfedern der Wachstumsgesellschaft

Die kapitalistischen Gesellschaften haben ihr Schicksal an eine Organisation des Lebens geknüpft, die sich auf unbegrenzte Anhäufung gründet. Es ist ein System, das zum Wachstum verurteilt ist. Der französische Wirtschaftswissenschaftler Bernard Maris hat dies wie folgt ausgedrückt: „Händlern und Werbetreibenden geht es nur darum, Bedürfnisse in einer Welt zu schaffen, die in Waren versinkt. Das erfordert eine immer schnellere Rotation und einen immer schnelleren Konsum der Produkte, also immer mehr Produktion von Abfall, dessen Entsorgung somit auch immer wichtiger wird.“ Sobald sich das Wachstum verlangsamt, sobald es stockt, stürzen die Menschen in eine Krise, bricht Panik aus. Serge Latouche erklärt: „Arbeitsplätze, Renten, Staatsausgaben, sie alle setzen die ständige Erhöhung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) voraus.“ Serge Latouche ist ein französischer Ökonom und Philosoph, Professor a.D. der Universität Paris-XI und gilt als einer der Vertreter des Konzepts der Rücknahme des Wirtschaftswachstums.

Die Werbung erzeugt Unzufriedenheit

Drei Dinge sind laut Serge Latouche nötig, um den Teufelskreis der Konsumgesellschaft komplett zu machen: Erstens die Werbung, die das Bedürfnis für den Konsum erst schafft. Zweitens der Kredit, der ihn ermöglicht und drittens eine beschleunigte und geplante Obsoleszenz der Produkte, die den Bedarf ankurbelt. Dies sind die drei Antriebsfedern der Wachstumsgesellschaft. Die Werbung lässt die Menschen begehren, was sie noch nicht haben, und macht ihnen überdrüssig, was sie schon genießen.

Wieder und wieder erzeugt die Werbung Unzufriedenheit und den Druck aufgestauter Bedürfnisse. Rund 90 Prozent der amerikanischen Unternehmen räumen beispielsweise ein, dass sie ohne Werbekampagne kein neues Produkt verkaufen könnten. Etwa 85 Prozent der Firmen geben zu, dass Werbung die Menschen häufig dazu bewegt, Dinge zu kaufen, die sie gar nicht benötigen. Und 51 Prozent der Unternehmen sagen, dass Werbung die Menschen dazu bringt, Dinge zu kaufen, die sie eigentlich gar nicht haben wollen.

Die Werbung manipuliert Kinder und Jugendliche

Bei der Nachfrage geht es schon lange nicht mehr um die Güter des Grundbedarfs. Serge Latouche ergänzt: „Die Werbung richtet sich nicht mehr auf Nützliches, sondern auf Nutzloses. Die Werbung ist ein wesentliches Element im selbstmörderischen Teufelskreis des exponentiellen Wachstums.“ Die Ausgaben für Werbung stehen weltweit hinter denen des Militärs an zweiter Stelle. Pro Jahr werden auf der ganzen Welt knapp eine halbe Billion Euro für Werbung ausgegeben. Für Serge Latouche ist das eine gigantische materielle, visuelle, auditive, mentale und spirituelle Vermüllung.

Das System der Werbung ermächtigt sich der Straße und erobert den öffentlichen Raum, indem sie sich alles aneignet, was öffentliche Bedeutung hat: die Wege, die Städte, die Verkehrsmittel, die Bahnhöfe, die Sportstätten, die Strände und die Feste. Serge Latouche kritisiert: „Fernseh- und Rundfunksendungen werden durch Werbung zerstückelt, die Kinder und Jugendlichen manipuliert und in Verwirrung gestürzt, immer mehr Wälder werden abgeholzt – und am Ende zahlen die Konsumenten die Rechnung.“ Quelle: „Es reicht!“ von Serge Latouche

Von Hans Klumbies


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