Wolfgang Röd beleuchtet der Kern philosophischer Anekdoten

Der Ausruf „Heureka!“ steht als Synonym für eine plötzliche Erkenntnis. Der Philosoph Wolfgang Röd stellt in seinem neuen Buch „Heureka!“ die besten und berühmtesten Anekdoten vor und erklärt seinen Lesern, was sie über die einprägsame Geschichte hinaus an wertvoller Einsicht und philosophischem Selbstverständnis beinhaltet. Der Autor setzt für seine Geschichten kein philosophisches Fachwissen voraus und wählt von den unzähligen Anekdoten nur diejenigen wenigen aus, von denen sich sagen lässt: „Wenn sie auch nicht wahr sind, sind sie doch gut erfunden.“ Gut erfunden ist für Wolfgang Röd eine Anekdote, wenn sie bemerkenswerte Züge des Charakters der Person, auf die sie bezogen ist. Außerdem sollte sie deren Denkweise oder ihr Verhältnis zur Umgebung zum Ausdruck bringen. Wolfgang Röd war bis zu seiner Emeritierung Ordinarius für Philosophie am Philosophischen Institut Innsbruck und ist Herausgeber und Autor der im Verlag C. H. Beck erscheinenden Reihe „Geschichte der Philosophie“.

Alexander der Große trifft den Philosophen Diogenes

In der Einleitung erklärt Wolfgang Röd, wie nach der von der historischen Wahrheit unabhängigen Bedeutung, die einer Anekdote zugrunde liegt, gesucht werden kann. Als Beispiel wählt er wählt er die auf den Philosophen Plutarch zurückgehende Anekdote über ein Zusammentreffen Alexander des Großen mit Diogenes aus Sinope am Schwarzen Meer. Alexander fand den Philosophen in der Sonne liegend vor und fragte ihn, ob er ihm einen Wunsch erfüllen könne. Diogenes soll geantwortet haben: „Geh mir ein wenig aus der Sonne!“

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Laut Wolfgang Röd sind sich der Kyniker Diogenes und Alexander der Große aller Wahrscheinlichkeit niemals begegnet. Dennoch ist die Anekdote gut erfunden, denn sie drückt einen Charakterzug der Person, auf die sie verweist, und ihres Denkens zutreffend aus: „Nämlich die für einen Kyniker typische Verachtung der Standesunterschiede, die nach kynischer Ansicht auf bloßer Konvention beruhen. Konventionen, auch solche moralischer Art, verdienen dieser Ansicht nach keinen Respekt.“

Die Leser sollen sich auf philosophische Fragen einlassen und nach eigenen Antworten suchen

Wolfgang Röd weist darauf hin, dass es bei seinem philosophischen Streifzug im Licht von Anekdoten nicht darum geht, eine bestimmte philosophische Position als definitiv richtig darzustellen, sondern seine Ausführungen einer undogmatischen Denkweise verpflichtet sind, die fundamentalistische Ansprüche ausschließt. Der Autor fügt hinzu: „Bei den folgenden Streifzügen durch Teilgebiete der Philosophie und ihrer Geschichte geht es nicht in erster Linie um Belehrung, sondern um die Anregung zu selbstständiger Auseinandersetzung mit den aufgezeigten Fragen.“

Es ist ein großes Anliegen von Wolfgang Röd, seine Leser zu ermutigen, sich auf die Fragen einzulassen und nach eigenen Antworten zu suchen. Die Anekdoten sind nach Problembereichen geordnet. Einer von ihnen zeigt zum Beispiel, wie Denker zur Philosophie oder zu einer bestimmten philosophischen Richtung fanden. Ein anderer wiederum beschäftigt sich mit Fragen der theoretischen Philosophie, insbesondere der Erkenntnistheorie und der Kosmologie. Ein weiterer Anekdotenblock setzt sich mit dem moralischen Verhalten und den politischen Überzeugungen von Philosophen auseinander.

Heureka!
Philosophische Streifzüge im Licht von Anekdoten
Wolfgang Röd
Verlag: C. H. Beck
Broschierte Ausgabe: 260 Seiten, Auflage: 2013
ISBN: 978-3-406-64529-7,  16,95 Euro
Von Hans Klumbies

Ein Gedanke zu „Wolfgang Röd beleuchtet der Kern philosophischer Anekdoten

  • 14. Februar 2015 um 15:17
    Permalink

    Wenn jeder schon einmal ein bisschen tut, ist das immerhin schon einmal ein Anfang. Insofern schließe ich mich der Aussage der Autorin an, nichts unversucht zu lassen.

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