Oxytocin wirkt direkt auf die Amygdala

Bei einer Frau wird bei der Geburt ihres Kindes eine ganz bestimmte Substanz ausgelöst: Oxytocin wird im Nebenhirn kurz vor der Geburt in großen Mengen produziert. Selbst Männer kriegen eine ganze Menge davon ab. Wenn sie im Kreißsaal anwesend sind, eine etwa dreifach höhere Dosis als in der Kneipe. Matthias Horx erklärt: „Oxytocin ist eine Art „Lagerfeuer-Wirkstoff“. Der hat schon unseren Vorfahren dabei geholfen, sich gemeinsam am Feuer zu entspannen, Konflikte zu dämpfen, sich miteinander gut zu fühlen.“ Oxytocin lässt auch Tiere die Nähe ihrer Artgenossen suchen und blockiert Angst- und Fluchtreaktionen. Beim Menschen wirkt es direkt auf die Amygdala, den sogenannten „Mandelkern“. Dieser steuert die Reaktionen bei Angst und in Fluchtsituationen. Matthias Horx ist der profilierteste Zukunftsdenker im deutschsprachigen Raum.

Oxytocin aktiviert das Belohnungssystem

Biochemiker nenne Oxytocin auch ein affiliatives Neuropeptid, das heißt eines, das Kontaktaufnahme und Zugehörigkeit fördert. Matthias Horx erläutert: „Der Sich-Kümmern-Stoff hat eine ziemlich komplexe Molekülstruktur aus Aminosäuren, Kohlenstoffatomen, Wasserstoffatomen, Stickstoff, Sauerstoff und ein wenig Schwefel.“ So komplex das Molekül gebaut ist, so vielschichtig sind auch seine Wirkungen. Das erlebte Gefühl, das von Oxytocin produziert wird, heißt Vertrauen. Markus Heinrichs, einer der führenden Oxytocin-Forscher, sagt: „Wir vermuten, dass Oxytocin die Aufmerksamkeit für soziale Reize verstärkt.“

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Markus Heinrichs fährt fort: „Dass es gleichzeitig Stress reduziert, das Belohnungssystem aktiviert und so die Bereitschaft erhöht, sich anderen zu nähern.“ Oxytocin baut regelrecht das Hirn von Müttern um – was sich zwanzig, dreißig Jahre später, in der Menopause, oft in einer „mentalen Krise“ bemerkbar macht. Frauen wissen dann plötzlich nicht mehr, wofür sie diesen gigantischen Aufwand eigentlich geleistet haben. Nicht immer funktioniert nach der Geburt eines Kindes die Ausschüttung der inneren Wirkstoffe.

Babys manipulieren schon kurz nach der Geburt

Manchmal scheint die Oxytocin-Flut nicht richtig an den Hirnzellen andocken zu können, und dann sind die Illusionen dahin. Das kann zu tiefen Kindbettdepressionen führen, in denen Säuglinge plötzlich als das erscheinen, was sie in gewisser Weise ja sind: eine Monsterbrut, die den Körper und die Energien der Mutter verzehrt. Eine ganze Bewegung gruppiert sich unter dem Stichwort „Regretting motherhood“, das Bedauern, Bereuen der Mutterschaft, um dieses traurige Phänomen. Aber auch viele Männer kriegen die tiefe Bindung zu ihren Kindern einfach nicht hin.

Wer einen Säugling auf den Arm nimmt, mag denken, dass er der hilflosen kleinen Person Aufmerksamkeit gibt. Von wegen: Babys üben schon kurz nach der Geburt manipulatives Verhalten – für die ängstlichen und erschöpften Eltern eine wahres Glücksmoment. Matthias Horx fügt hinzu: „Überdimensionierte Augen in proportional zum Körper großen Köpfen, knopfartige Nasen, Münder wie zarte Rosenblätter, geschwungene Nackenlinien, entzückende Ohrläppchen – gegenüber solchen Merkmalen sind die allermeisten Menschen hilflos, sie brechen in Entzückungsbekundungen aus.“ Quelle: „Future Love“ von Matthias Horx

Von Hans Klumbies