Mathias Binswanger löst das Geheimnis der unsichtbaren Hand

Die unsichtbare Hand, von Adam Smith (1723 – 1790) in die Ökonomie eingeführt, sorgt angeblich dafür, dass das eigennützige Handeln der Menschen im Mechanismus des Marktes immer auch das Gemeinwohl fördert. Diese Idee hat einen religiösen Ursprung, da sie auf einem Glaubensbekenntnis beruht. Adam Smith braucht allerdings keinen aktiv in die Welt eingreifenden Gott mehr, denn dieser hatte mit seinem perfekten Weltenplan bereits alles Notwenige geschaffen. Mathias Binswanger fügt hinzu: „Seither darf er im Vertrauen darauf abwarten, dass die unsichtbare Hand ihre Wirkung auf allen Märkten dieser Welt entfaltet.“ Da dieser Gott aber nie in Erscheinung tritt, ist er inzwischen auch in der Ökonomie fast völlig in Vergessenheit geraten. Mathias Binswanger ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten und Privatdozent an der Universität St. Gallen.

Der homo oeconomicus ist entweder Produzent oder Konsument

Um das auf Eigennutzen ausgerichtete Verhalten des homo eoconomicus besser klassifizieren zu können, werden diese in der ökonomischen Theorie in zwei Gruppen eingeteilt. Mathias Binswanger fügt hinzu: „In die Produzenten beziehungsweise Anbieter und die Konsumenten beziehungsweise Nachfrager. Bei den Produzenten führt eigennütziges Verhalten zur Gewinnmaximierung. Und bei den Konsumenten führt eigennütziges Verhalten zur Nutzenmaximierung.“ Das bedeutet nichts anderes, dass die Menschen versuchen, ihre individuellen Bedürfnisse optimal zu befriedigen.

Daraus folgt für Mathias Binswanger, dass die Produzenten versuchen werden, möglichst kostengünstig zu produzieren, um ihren Gewinn zu maximieren. Das heißt, sie werden die knappen Faktoren der Produktion wie Arbeit, Kapital und natürliche Ressourcen so einsetzen, dass sich daraus ein Maximum an Gütern und Dienstleistungen produzieren lässt. Auf diese Weise wird ein effizienter Einsatz der Produktionsfaktoren gesichert. Gleichzeitig werden sie aber auch genau diejenigen Güter und Dienstleistungen herstellen, für die sie möglichst hohe Preise erzielen.

Ein hoher Nutzen rechtfertigt einen hohen Preis

Die Konsumenten dagegen, die ebenfalls versuchen, ihre Bedürfnisse optimal zu befriedigen, sind nur bereit für solche Güter und Dienstleistungen einen hohen Preis zu zahlen, wenn sie ihnen einen entsprechend hohen Nutzen bringen. Mathias Binswanger ergänzt: „Gibt es nun einen Markt, auf dem das Angebot der Produzenten auf die Nachfrage der Konsumenten trifft und sich entsprechende Preise bilden können, dann führen die Prinzipien der Gewinnmaximierung und Nutzenmaximierung dazu, dass auch genau das produziert wird, was die Bedürfnisse der Konsumenten am besten befriedigt.

In einem solchen Fall spricht Mathias Binswanger vom bestmöglichen Ergebnis: optimale Produktion und optimale Bedürfnisbefriedigung. Auf diese Weise, so die Schlussfolgerung, führt der Wettbewerb auf dem Markt über das System der Preise zur Wirkung der von Adam Smith postulierten unsichtbaren Hand. Mathias Binswanger erläutert: „Die freie Preisbildung auf dem Markt gibt Produzenten und Konsumenten die Möglichkeit, ihre Eigeninteressen optimal durchzusetzen, da die Preise dann sowohl die Knappheit als auch den Nutzen der Güter widerspiegeln.“

Von Hans Klumbies

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „Mathias Binswanger löst das Geheimnis der unsichtbaren Hand

  • 29. September 2017 um 17:41
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    Jeder Produzent ist auch Konsument!
    Er tauscht sein Produkt gegen Geld und mit diesem Geld erwirbt er ein benötigtes Konsumgut.
    Es gibt im einfachsten Fall einer zweiseitigen Arbeitsteilung vier Aufwandsgrößen und zwei mehr oder weniger unterschiedliche Aufwandsverhältnisse.
    Das Geometrische Mittel dieser beiden Aufwands- und letztlich Energieverhältnisse im Austausch benutzt, ergibt das optimale Ergebnis.
    Durch kombinatorische Konsequenzen zwischen potenziellen Kooperationspartner ergibt sich rasch eine gewaltige Vielfalt, bei 20 Partner bereits 654 Millionen unterschiedliche Kooperationsalternativen.
    Wenn allen ein verbindliches Tauschverhältnis aufgezwungen wird, landet das Gesamtergebnis in der Gruppe der schlechten Ergebnisse. Wenn aber jedes mögliche Paar mit dem eigenen Geometrischen Mittel seiner Aufwandsverhältnisse austauscht, dann landet das Gesamtergebnis mit wesentlich höherer Wahrscheinlichkeit in der Gruppe der besseren Ergebnisse.
    Diese mathematische Konsequenz verbirgt sich letztlich hinter den umstrittenen Begriffen „Unsichtbare Hand“.

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