Joschka Fischer warnt vor den Folgen der Finanzkrise

Joschka Fischer, der von 1998 bis 2005 Bundesaußenminister Deutschlands war, behauptet, dass die Politik noch nicht begriffen hat, dass die Bewältigung der Finanzkrise für Europa von schicksalhafter Bedeutung ist. Seiner Meinung nach geht es um viel mehr als um die Gefahr des Staatsbankrotts von Griechenland. Er sagt: „Es droht ein von der ungeordneten Insolvenz Griechenlands ausgehender Schneeballeffekt, der weitere Länder der südlichen Peripherie der EU, darunter auch sehr große, und damit systemrelevante europäische Banken und Versicherungen in den Abgrund reißen wird; es droht in der Folge davon eine erneute Krise des Weltfinanzsystems mit einem erneuten weltwirtschaftlichen Schock wie im Herbst 2008.“ Zudem droht laut Joschka Fischer ein Scheitern der Euro-Zone, das den gemeinsamen Markt nicht unbeschädigt lassen wird.

Griechenland braucht eine massive Entschuldung

Zum ersten Mal ist es für Joschka Fischer denkbar, dass das europäische Projekt als solches scheitern könnte. Der Ex-Außenminister beklagt die mangelnde Entschlossenheit, die Zögerlichkeit, die nationalen Egoismen und ein dramatisches Führungsdefizit, die das Verhalten der EU und ihrer wichtigsten Mitgliedstaaten in dieser Krise bestimmen. Joschka Fischer empfiehlt hochverschuldete Staaten weder zu bestrafen noch ihre fortgeltenden Interessen zu unterschätzen.

Joschka Fischer schlägt vor: „Statt Bestrafung empfiehlt es sich, zahlungsunfähigen Staaten Hilfe zur Neustrukturierung zu gewähren, und zwar nicht nur im finanziellen Sektor, sondern darüber hinaus, damit sie sich aus ihrer Krise herausarbeiten können. Dieses Faktum gilt heute ganz besonders für Griechenland, dessen Strukturprobleme noch weitaus umfassender sind als seine Zahlungsschwierigkeiten.“ Laut Joschka Fischer weiß jeder, dass Griechenland sich ohne eine massive Entschuldung nicht aus seiner Krise wird herausarbeiten können. Die Frage ist nur noch, ob der Bankrott ungeordnet oder kontrolliert geschieht.

Deutschland muss die griechischen Schulden bezahlen

Für Joschka Fischer ist die Debatte in Deutschland, ob man die griechischen Schulden bezahlen müsse, angesichts der Faktenlage schlicht lachhaft. Denn entweder kommt es zu einem geordneten Zahlungsausfall oder zu einem ungeordneten. Der Ex-Außenminister erklärt: „Im ersten Fall wird Deutschland, gemeinsam mit anderen, bezahlen müssen. Im zweiten Fall gilt dies aber erst recht, weil dann sofort offensichtlich würde, dass es weniger um Griechenland als vielmehr um die Zahlungsunfähigkeit europäischer Banken und Versicherungen ginge, deren Pleite ein systemisches Risiko nach sich zöge.“

Für Joschka Fischer ist die Finanzkrise ganz klar eine politische Krise, weil die europäischen Staats- und Regierungschefs nicht in der Lage sind, sich für die notwendigen Maßnahmen zu entscheiden. Er kritisiert: „Stattdessen verliert man Zeit mit Nebensächlichkeiten, die vor allem innenpolitische Gründe haben.“ Die europäische Finanzkrise wird sich seiner Meinung nach weiter voranfressen und die Europäische Union destabilisieren, wenn die existenzbedrohende politische Situation nicht gelöst wird. Joschka Fischer spricht Klartext: „Im Zentrum der politischen Krise steht die Gewissheit, dass der Euro und damit die EU als Ganzes ohne politische Union nicht überleben werden.“

Von Hans Klumbies

 

 

 

 

2 Gedanken zu „Joschka Fischer warnt vor den Folgen der Finanzkrise

  • 10. Juli 2011 um 12:02
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    Joschka Fischer spricht hier Klartext. Wie mancher Wirtschaftsexperte sieht auch er Hilfe zur Selbsthilfe Griechenlands. Denn die heute ausgezahlten Gelder dienen lediglich der Schuldenrückzahlung an europäische Banken und andere Gläubiger. Dadurch werden aber keine Strukturprobleme Griechenlands gelöst. Benötigt werden vielmehr Strukturinvestitionen.
    Auch steht eigentlich fest, dass Deutschland zahlen muss, so oder so. Dies wird sehr schmerzhaft sein. Dass jeder wohl den Gürtel enger schnallen muss, dürfte jedem Deutschen bereits relativ klar sein. Zumdindest das Bauchgefühl dürfte hier etwas in dieser Richtung nahelegen… Wie solch ein Schnitt (Währungsschnitt? Schuldenschnitt? Sondersteuer auf Vermögen? einbrechende Vermögenswerte? höhere Inflationsraten? Deflation?) aussehen mag, lässt sich aus heutiger Sicht nicht seriös prognostizieren. Doch es steht auch fest, dass nichts zu tun, sehr fahrlässig ist. Sich eine Stunde Zeit zu nehmen, um über`s Geld und die persönliche Zukunft in besagten Szenarien nachzudenken, dürfte deutlich einfacher sein, als einen Monat zu arbeiten. Mit Bekannten, Freunden zu sprechen und zu diskutieren, könnte hier ein erster Schritt sein. Bei allem Tun und Lassen sollte die Lebensqualität jedoch, nie hinten an stehen!

  • 16. Juni 2012 um 21:28
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    NO EU BONDS for a FAKE EU barroso leadership. STOP

    good EU PLAN B:
    EU Willing Of North UNITE.
    D, NL Scandinavia Hanze ect.
    They can use cheap labour from the south…
    Message to the SOUTH: then you can work for EURO’s

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