Die positiven Folgen des Optimismus sind überwältigend

Optimismus ist die Neigung, mit dem bestmöglichen Ergebnis zu rechnen. Psychologen definieren ihn als das Ausmaß, in dem Menschen positive Erwartungen bezüglich ihrer persönlichen Zukunft hegen. Walter Mischel ergänzt: „Diese Erwartungen beziehen sich auf das, was ihrer Auffassung nach tatsächlich geschehen wird – sie gehen über bloße Hoffnungen hinaus und gleichen eher festen Glaubensgewissheiten –, und sie sind eng mit der Überzeugung verknüpft, es schaffen und Herausforderungen meistern zu können.“ Die positiven Folgen einer optimistischen Grundeinstellung sind überwältigend, und man würde sie kaum für möglich halten, wenn sie nicht durch die Forschung so gut belegt wären. So haben zum Beispiel Shelley Taylor und ihre Kollegen gezeigt, dass Optimisten erfolgreicher Stress bewältigen können und besser vor dessen negativen Folgen geschützt sind. Walter Mischel gehört zu den wichtigsten und einflussreichsten Psychologen der Gegenwart.

Extreme Pessimisten fühlen sich hilflos

Optimisten unternehmen mehr, um ihre Gesundheit und ihr zukünftiges Wohlergehen zu schützen, sie bleiben meistens gesünder, und verglichen mit denen, die wenig optimistisch in die Zukunft blicken, ist ihr Risiko für Depressionen geringer. Der Psychologe Charles Carver und seine Mitarbeiter haben gezeigt, dass sich Optimisten schneller von einer Bypassoperation erholen als Pessimisten. Die Liste der positiven Effekte ist schier endlos. Für Walter Mischel ist Optimismus ein Segen, solange er einigermaßen realistisch bleibt.

Pessimismus dagegen ist die Neigung, sich auf das Negative zu konzentrieren, das Schlimmste zu erwarten oder Tatsachen besonders schwarzseherisch zu betrachten. Extreme Pessimisten fühlen sich hilflos, niedergeschlagen, deprimiert und unfähig, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Walter Mischel fügt hinzu: „Sie führen die Missgeschicke, die ihnen widerfahren, auf ihre stabilen negativen Persönlichkeitsmerkmale zurück, anstatt offen zu sein für stärker situationsbezogene und weniger selbstverurteilende Erklärungen.“

Optimisten gehen konstruktiv mit Niederlagen um

Pessimisten glauben, dass sich ihre Situation nie verbessern wird und sie verallgemeinern sehr weitgehend über jedes einzelne Ereignis hinaus, um zu düsteren Schlussfolgerungen über unterschiedliche Aspekte ihres Lebens zu gelangen – und für alles geben sie sich die Schuld. Der amerikanische Psychologe Martin Seligman stellt die Hypothese auf, Optimisten und Pessimisten würden ihre Erfolge und Misserfolge unterschiedlich wahrnehmen und erklären. Wenn Optimisten scheitern, glauben sie, sie könnten das nächste Mal erfolgreich sein.

Eine Ablehnung zu erfahren, eine erfolglose Stellenbewerbung, eine Fehlinvestition oder ein schlechtes Prüfungsergebnis, spornt Optimisten dazu an, herauszufinden, wie sie ihre Chancen auf einen Erfolg beim nächsten Anlauf verbessern können. Walter Mischel erklärt: „Sie entwickeln dann alternative Pläne und finden andere Wege, um ihre wichtigen Ziele zu erreichen, oder sie suchen Rat, bis sie es schaffen, eine bessere Strategie auszuarbeiten. Während Optimisten konstruktiv mit Niederlagen umgehen, sehen Pessimisten in der gleiche Erfahrung eine Bestätigung ihrer düsteren Erwartungen.“ Quelle: „Der Marshmallow-Test“ von Walter Mischel

Von Hans Klumbies

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