Neurodermitis ist mit einer erblichen Veranlagung verbunden

Die Hautkrankheit Neurodermitis ist eng mit der Psyche verbunden. Professorin Sonja Städer vom Universitätsklinikum Münster erklärt: „In Stresssituationen werden aus dem Hypothalamus bestimmte Hormone ausgeschüttet.“ Der Hypothalamus stellt eine Verbindung zwischen dem Zwischenhirn und dem Blutkreislauf her und reguliert unter anderem die Körperfunktionen Herzschlag, Köpertemperatur und den Geschlechtstrieb. Das Hormon, das er bei Stress freisetzt, heißt Corticotropin-releasing-Hormon (CRH). Laut Soja Städer bindet sich CRH an Mastzellen in der Haut. Diese wiederum setzen dann Histamin frei. Und das verursacht durch die Bindung an die Nervenfasern Juckreiz. Antihistaminika können ihn zwar lindern, aber nicht ganz ausschalten. Die Anzahl der möglichen Auslöser einer Neurodermitis ist riesengroß. Allergene wie Pollen, verschiedenen Nahrungsmittel, Tierhaare, Wollkleidung, Konservierungsstoffe in Kosmetika, Hormone, Bakterien, Viren, Pilze, Klima, Abgase, Tabakrauch oder Stress können Neurodermitis-Schübe verursachen.

Der tatsächliche Auslöser einer Neurodermitis ist schwer zu finden

Der quälende Juckreiz verursacht bei den Betroffenen Kratzattacken. Doch dadurch verschlimmern sich die Beschwerden. Ein Kreislauf aus Jucken und Kratzen wird in Gang gesetzt. Professor Thomas Werfel von der Medizinischen Hochschule Hannover erläutert: „Den tatsächlichen Auslöser für die Schübe zu finden ist sehr schwer.“ Bei Kindern sind es häufiger Lebensmittel, bei Erwachsenen eher Allergene, die sie mit dem Atem aufnehmen, beispielsweise Hausstaubmilben oder Pollen. Mit Blut- und Hauttests lassen sich Allergene bestimmen.

In Deutschland leiden circa 1,5 bis 2 Prozent der Erwachsenen an Neurodermitis. Bei Kinder sind es bis zur Einschulung 10 bis 15 Prozent. Neurodermitis gehört zu den atopischen Krankheiten wie Heuschnupfen und allergisches Asthma. Diese Krankheiten treten in der Familie gehäuft auf und sind mit einer erblichen Veranlagung verbunden. Thomas Werfel fügt hinzu: „Je mehr Blutsverwandte eine dieser Krankheiten oder Allergien haben, desto höher ist das Risiko, an Neurodermitis zu erkranken. Bei eineiigen Zwillingen, das haben Studien gezeigt, liegt das Risiko dann über 70 Prozent. Das ist ein eindeutiger Indiz für einen genetischen Hintergrund dieser Krankheit.“

Eine Neurodermitis sollte ein Jahr behandelt werden

Um einen Ausbruch einer Neurodermitis bei Kindern zu verhindern, können Eltern jedoch vorbeugend handeln – schon vor der Geburt. Thomas Werfel erklärt: „Wenn Mütter während der Schwangerschaft und einer Stillzeit von mindestens vier Monaten ein- bis zweimal pro Woche Fisch essen, kann das das Ausmaß der Ekzeme reduzieren.“ Ebenso wird Fisch als Beikost für Babys empfohlen. Thomas Werfel ergänzt: „Sie sollten altersgerecht ohne Einschränkungen ernährt werden.“

Der Organismus eines Kindes soll rechtzeitig mit möglichen Allergenen wie Kuhmilch, Weizen oder eben auch Fisch konfrontiert werden. Kommt es dennoch zu Neurodermitis-Schüben, wird oft auf Salben mit Kortikoiden oder Kalzineurin-Inhibitoren zurückgegriffen. Sie können die Entzündung hemmen. Ist das Ekzem verheilt, wird die Salbe abgesetzt und beim nächsten Mal wieder aufgetragen. Thomas Werfel ergänzt: „Selbst wenn der Ausschlag augenscheinlich verheilt ist, sollte die betroffene Stelle weiterhin mit dünn aufgetragener Salbe behandelt werden – mindestens drei Monate, besser ein Jahr.“ Quelle: Apotheken Umschau

Von Hans Klumbies

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