Der Utilitarismus in der Philosophie von John Stuart Mill

Den englischen Philosophen John Stuart Mill, der von 1806 bis 1873 lebte, faszinierte an der utilitaristischen Ethik, dass sie versprach, sowohl den Relativismus als auch den Intuitionismus in der Ethik zu überwinden. Der Intuitionismus war laut John Stuart Mill sogar eine abwegige und gefährliche Theorie, weil er die Menschen in der Illusion bestärkte, dass das, woran sie fest und unerschütterlich glauben, deshalb auch wahr sein muss. Die allgemeine Theorie des Utilitarismus wird in der Regel wie folgt charakterisiert: Erstens bemisst sich die moralische Richtigkeit einer Handlung an deren wahrscheinlichen Folgen und Nebenfolgen. Zweitens besteht der Maßstab der Beurteilung der Handlungsfolgen ausschließlich im Glück und Unglück, in Lust und Unlust der von der Handlung direkt und indirekt Betroffenen.

 Das Nützlichkeitsprinzip kann nicht aus der Erfahrung gewonnen werden

Nach der Theorie des Utilitarismus ist demnach eine Handlung moralisch richtig, wenn sie unter allen möglichen Vorgehensweisen diejenige ist, die für die Betroffenen das größte Übergewicht an Glücksfolgen über Folgen des Unglücks erhoffen lässt. Im Utilitarismus sah John Stuart Mill die Möglichkeit, das Chaos der miteinander unvereinbaren, aber gleichermaßen als intuitiv gewiss ausgegebenen moralischen Wahrheiten durch eine Ethik zu ersetzen, die moralische Normen der Überprüfung, Kritik und Revision anhand der Erfahrungen eines Individuums oder des Kollektivs unterwarf.

John Stuart Mill erkannte dabei aber an, dass der Maßstab, an dem diese Erfahrungen gemessen werden, das Prinzip der Nützlichkeit selbst, nicht selbst aus der Erfahrung gewonnen werden kann. Die Erfahrung kann die Menschen immer nur lehren, was sie tun, was sie wollen oder welche moralischen Normen sie für richtig halten, aber nicht, was sie tun sollen. In seinem Essay „Utilitarianism“ versucht John Stuart Mill zu zeigen, dass sich die praktischen Konsequenzen dieser Ethik von den überkommenen moralischen Prinzipien keineswegs in allen Einzelheiten unterscheiden.

 Der Vorrang des tätigen Glücks vor dem passiven Glück

John Stuart Mills führt in seinen Betrachtungen über den Utilitarismus ein qualitatives Maß der Lust ein – nicht nur das mehr oder weniger an Lust, Freude, Wohlbefinden, Befriedigung soll die Einschätzung der Folgen einer Handlung bestimmen, sondern auch das Höher und Niedriger, Besser und Schlechter dieser Lust. Zudem weist er den Befriedigungen, die mit den höheren Fähigkeiten der Menschen eine Koalition eingehen, eine vorrangige Rolle in der utilitaristischen Vorstellung vom guten Leben zu.

Für John Stuart Mill hat das Glück, das aus Tätigkeiten entspringt, im Gegensatz zum Glück, dass sich aus passivem Genuss herleitet, eine bedeutend höhere Stellung. Seiner Meinung nach kann nur dasjenige Leben glücklich sein, in dem die Freuden, die aus Aktivitäten entspringen, ein deutliches Übergewicht über die passiven Freuden besitzen und das nicht durch ununterbrochene Ekstasen und Ausschweifungen gekennzeichnet ist. Er schreibt: „Es ist die Grundhaltung eines solchen Lebens, nicht mehr im Leben zu erwarten, als es geben kann.“

Von Hans Klumbies

 

 

 

 

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